Die Herrschaft des Feuers

Heyho!

Da ich nun schon so lange all die guten Geschichten in diesem Forum verschlinge, dachte ich mir, dass auch mal was zum Besten geben kann. :wink:

Ich habe schon einige Seiten vorgeschrieben, also nicht wundern wenn am Anfang die Teile etwas schneller aufeinander folgen.

Die Geschichte ist irgendeine komische Mischung aus Fantasy und Sci-Fi - mal sehen wem es gef├Ąllt. :wink:

Interessanterweise habe ich das alles innerhalb von einer Nacht getr├Ąumt und musste es nur noch mit ein paar Details ausschm├╝cken und aufschreiben. Diese eine Nacht hat mein Leben nachhaltig ver├Ąndert, auf viel mehr Weisen, als ich es mir ertr├Ąumt habe!

Urspr├╝nglich wurde diese Geschichte auf boypoint.de gepostet. Den ersten Post habe ich im September 2013 w├Ąhrend eines Auslandspraktikums in Frankreich hochgeladen. Damit fing eine neue Epoche in meinem Leben an, die ich nicht mehr missen m├Âchte. Neue Freunde, neue Lebensweisen, neue Liebe, neue Erfahrungen, neue Einstellungen, alles neu. Eine Wiedergeburt mit 17, wenn man so m├Âchte. Deshalb liegt mir die Geschichte sehr am Herzen. Auch wenn sie noch nicht fertig ist, so m├Âchte ich sie doch fertig schreiben und gerne auch wieder so eine tolle Gemeinschaft in den Kommentaren entwickeln. Das h├Ąngt von euch ab. :wink:

Viel Spa├č mit der Geschichte!

├ťber Kommentare und Anregungen w├╝rde ich mich nat├╝rlich sehr freuen. :smiley:

LG
Iroc

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Prolog

Lionatras

┬╗Wir waren einst ein stolzes und reiches Volk, das wundervolle K├╝nste beherrschte, von denen wir heute nur noch tr├Ąumen k├Ânnen. Alles was blieb, war unser gro├čer Mut, unsere einzigartige Sprache und unsere bittere Z├Ąhigkeit gegen├╝ber allem, was sich uns jemals in den Weg stellen k├Ânnte.
Einst waren wir frei. Einst reichte unser Einfluss bis zu den Sternen und zur├╝ck. Doch alles was blieb, waren elf uralte K├Ânigreiche, die eng aneinander gedr├Ąngt dem noch ├Ąlteren B├Âsen jenseits der Grenzen die Stirn bieten.

Einst hatten wir B├╝ndnisse zu den h├Âchsten und sch├Ânsten V├Âlkern, die man sich nur vorstellen kann. Doch all das ist nun ferne Vergangenheit und das einzige B├╝ndnis, das noch besteht, ist das zwischen den K├Ânigsh├Ąusern, sich gegenseitig zu besch├╝tzen und zu unterst├╝tzen, gekr├Ânt vom K├Ânigshaus Silberfels im Herzen der Reiche, das seit unz├Ąhligen Generationen die Erhaltung des B├╝ndnisses bewacht.

Einst war alles besser. Einst lebten die alten G├Âtter auf dieser Welt. Unser Volk erbl├╝hte zu nie gekanntem Ausma├č, das B├Âse war weit hinter die Grenzen zur├╝ckgedr├Ąngt und wagte nicht uns anzugreifen, die Felder warfen mehr als genug f├╝r jeden von uns ab und St├Ądte wuchsen dem Boden empor, deren H├Ąuser die Sterne ber├╝hren zu wollen schienen.

Doch eines Tages verlie├čen uns die alten G├Âtter, stiegen wie glei├čende Sterne vom Boden auf und schwebten gen Himmel. Sie lie├čen ein Volk zur├╝ck, das ungl├Ąubig nach oben starrte, bis auch der letzte Stern den Himmel verlassen hatte. Die alten G├Âtter lie├čen uns hier zur├╝ck, schutzlos und allein mit einem Haufen blutr├╝nstiger Bestien, die ihre Chance witterten und mit geballter Macht versuchten uns zu vernichten. Die kommenden Jahre sollten hart werden, so lautete eine alte Prophezeiung. Und so kam es. Die Bestien waren stark und viel mehr als wir. Sie rissen St├Ądte und D├Ârfer ein. Verschonten niemanden. Die Felder warfen kaum Ernten ab. Viele erlitten den Hungertod oder wurden von den Barbaren zerfleischt.
Alles schien f├╝r immer Verloren.

In einem letzten Akt der Verzweiflung zogen wir all unsere verbliebene Macht zusammen, fl├╝chteten in die H├╝gellande und errichteten dort die elf gro├čen Festungen um die bereits beinahe zerst├Ârte Stadt Silberfels. Wir schafften es, unter widrigsten Umst├Ąnden zu ├╝berleben, und die Grenzen zu errichten, die bis heute bestehen, denn wir sind ein starkes Volk. Wir widerstehen z├Ąh allen Gefahren und H├╝rden, die sich uns jemals in den Weg stellen. Und wer wei├č? Vielleicht sind wir es irgendwann einmal wert errettet zu werden? Erl├Âst von den Widersachern von jenseits der Grenze? Ich sage euch! Eines Tages werden die G├Âtter der alten Zeit wiederkehren und uns helfen unser altes Volk wieder zu seinem glorreichen Glanz aufzubauen!┬ź

Bed├Ąchtig endete der alte Barde, dessen wei├čer Bart beinahe bis zum Boden reichte. Er setzte eine zufriedene Miene auf, die nur von dem flackernden Lagerfeuer und den wenigen Laternen an den Mauern beleuchtet wurde. Die Sonne war mittlerweile untergegangen und Dunkelheit hatte sich ├╝ber alles gelegt. Die beiden vollen Monde lie├čen blassen silbernen Schein auf das Umland nieder. Blo├č die Burg und die Stadt schienen davon unbeeindruckt. Sie hatten ihre ganz eigenen Farben von Licht. Die meisten H├Ąuser, Gassen und H├Âfe waren von den warmen rot-orange T├Ânen der Fackeln, Lagerfeuer und Kerzen erleuchtet und hier und da blitzte sogar eine rote Laterne der Stadtw├Ąchter zwischen den H├Ąusern auf.

Der Barde griff neben sich und setzte seinen spitzen hohen Hut wieder auf. Dann stieg er von seiner Kiste am Lagerfeuer auf und schlurfte, gest├╝tzt von seinem Stab, in den Schatten zwischen den H├Ąusern und war verschwunden. Ihm schauten viele beeindruckte Augen nach, die von den Soldaten, die von den Schmieden, den Stallburschen, den Hofdamen und auch meine.

Eine kleine Menschenmasse hatte sich unten am Burghof um das Lagerfeuer geschart und ich beobachtete das Ganze von meinem Balkon aus. Die Feuert├Ąnzer, die die Geschichte mit wirbelnden Fackeln untermalt hatten, tanzten noch ein wenig weiter und ein kleiner, schm├Ąchtiger Junge, der h├Âchstens zehn sein konnte ging mit einem Beutel umher, der sich rasch mit M├╝nzen f├╝llte. Auch ich warf einige Goldm├╝nzen hinunter. Es kam nur selten vor, dass fahrende Geschichtenerz├Ąhler die Geschichte unserer Welt erz├Ąhlten. Das letzte mal war ich vier gewesen, als ich sie geh├Ârt hatte.

Es klopfte. Ich drehte mich zur T├╝r um und sah, dass die ganzen Kerzen, die ich im Raum aufgestellt hatte, bereits halb heruntergebrannt waren. Es klopfte wieder und die eindringliche Stimme des Dieners rief mich zum Essen hinab in den Speisesaal. Ich drehte mich wieder um und schaute sehns├╝chtig in die Ferne. Ich hatte keinen Hunger, sagte ich. Ich konnte von dieser Landschaft einfach nie genug bekommen. Die Monde, Tags├╝ber die Sonne, die ihr Licht ├╝ber der geschwungenen Landschaft nieder gehen lie├čen und alle Farben in ihrem Licht gl├╝hen lie├čen. Der Wind, der die Bl├Ątter der W├Ąlder zum rascheln brachte und den Geruch nach Natur, nach Wildheit, nach Freiheit herantrug. Der Diener lie├č nicht locker. Ich hatte immer noch keinen Hunger. Warum dr├Ąngte er dann noch weiter? Mein Vater wolle mich dringend sprechen, so sagte er. Ich sagte lange Zeit nichts und riss mich dann seufzend von dem sch├Ânen Anblick vor dem Balkon los und drehte mich ins Zimmer, dessen steinerne W├Ąnde zwar mit bunten Teppichen und Bildern bedeckt waren, aber dennoch eine K├Ąlte auszustrahlen schienen, die drau├čen die Natur nicht einmal im tiefsten Winter hergab. Durch lautes Rumpeln im Kleiderschrank gab ich dem Diener zu verstehen, dass ich auf dem Weg war, zog meine Abendgarderobe an und trottete in Richtung Speisesaal.

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Hey Iroc,

wow, das klingt ja mal spannend! Lionatras ist ein interessanter Name :slight_smile:

Ich freu mich auf weitere Kapitel ÔÇô Fantasy ist schon ein cooles Genre und dein Schreibstil macht definitiv Lust auf mehr :+1:t2:

LG Zuri

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Hey @Zuri,

Ich wei├č auch nicht mehr genau, wie ich auf den Namen kam, ist lange her. :smiley: Ich wollte aber bewusst Namen nehmen, die man in unserer Welt nicht so sehr antrifft. ^^

Deine Lust soll gestillt werden, hier folgt der n├Ąchste Teil. :wink:

LG Iroc

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Kapitel 1

Lionatras

Die h├Ąsslichen Fratzen der Monster starrten mich verh├Âhnend vom Kaminsims aus an. Der Feuerschein erleuchtete flackernd den gro├čen Raum und f├╝llte ihn mit dem Duft von Kiefernharz. Es war sp├Ąter Abend. Ich sa├č mit meiner Familie zusammen an der langen Tafel um Familienrat zu halten. Es ging ausnahmsweise einmal um mich ÔÇô Nur dass ich von dem Thema ├╝berhaupt nichts wissen wollte. Es ging um meine Hochzeit.

Ich bin der j├╝ngste Sohn und das zweitj├╝ngste Kind des gro├čen K├Ânigs Freldon und werde in wenigen Monden das heiratsf├Ąhige Alter von 16 Jahren erreichen. Und jetzt wollen mich meine Eltern auch noch an eine stumpfsinnige, fette Prinzessin aus den westlichen Pr├Ąrien vermitteln. Blo├č das, was sie wollen, ist nun mal ├╝berhaupt nicht das was ich will. Wie ├╝blich stehen meine gro├čen Br├╝der Rukim und Silmor auf der Seite meiner Eltern und lediglich der j├╝ngste meiner ├Ąlteren Bruder Kaldes h├Ąlt zu mir und verteidigt mich.

Meine kleine Schwester Ellionie hingegen sitzt wie immer hibbelig rechts von mir am Tisch und versucht mit aller Macht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich w├╝nschte heute w├╝rde es ein mal, wie doch sonst immer, funktionieren und meine Eltern w├╝rden das Thema einfach vergessen. Aber scheinbar war mir das Schicksal heute nicht gewogen, denn es ging weiter um mich.

Ich habe das Gef├╝hl, dass ich das einzige ungeplante Kind bin und sie mich einfach nur loswerden wollen. Der Antrag aus den Westlanden scheint ihnen da gerade recht zu kommen. Alle anderen werden verh├Ątschelt, besonders Ellionie, der meine Mutter versucht jeden Wunsch auch nur von den Lippen abzulesen. Ich merke bei mir keinen Deut dieser Hingabe.

┬╗Seht ihn euch doch an! Er ist doch fast noch ein Kind! Und ihr wollt ihn verheiraten? Habt ihr Frella von Sturmtal denn ├╝berhaupt schon einmal gesehen? Von so jemandem wollt ihr keine Enkelkinder!┬ź warf Kaldes in diesem Moment ein. ┬╗Au├čerdem geh├Ârt es sich nicht seine S├Âhne zu verheiraten.┬ź

Im Normalfall w├╝rde ich es ihm ├╝belnehmen, dass er mich als ein Kind bezeichnet, aber heute machte ich mal eine Ausnahme und war einfach nur froh, dass er auf meiner Seite stand.

Meine Mutter bedachte ihn mit einem eisigen Blick und fixierte mich dann.

Aus dem rechten Augenwinkel sah ich, wie trotzig eine Sch├╝ssel mit Spinat an die Wand gepfeffert wurde. Niemand beachtete es.

┬╗Oh, ich denke sehr wohl, dass er schon so weit ist. Schlie├člich schaut er den jungen Damen unten auf dem Hof auch schon immer nach.┬ź

Das Aussehen von meiner ÔÇ×Zuk├╝nftigen FrauÔÇť ├╝berging sie einfach. Oha. Dann war es wohl wirklich so schlimm, wie man es sich immer erz├Ąhlte. Und, dass sie mich verheiraten wollten, war nun wirklich unfair. Alle anderen durften sich frei entscheiden. Alles in mir str├Ąubte sich einfach dagegen.

┬╗Mutter! Das ist nicht wahr! Und selbst wenn es so w├Ąre, was unterscheidet mich in dem Punkt von allen anderen Jungs am Hof die auch nicht verheiratet werden m├╝ssen?┬ź

┬╗Du bist ein Sohn des K├Ânigs! Wenn wir dich nicht vermittelt bekommen, was w├╝rde das dann f├╝r ein Licht aufÔÇŽ┬ź

In dem Moment r├Ąusperte sich mein Vater, der bis jetzt zusammengesunken in seinem Stuhl gesessen hatte, nun aber aufrecht am Tisch sa├č und mich aus seinen traurigen und scheinbar allwissenden Augen ansah. Man munkelt, er habe schon viel Schreckliches erlebt, aber dennoch, oder vielleicht gerade deshalb ist er ein gutm├╝tiger und beliebter Herrscher. Meine Mutter unterbrach ihr Gez├Ąnke sofort und ├╝berlie├č ihm das Wort.

Mein Vater war immer gut zu mir gewesen. So erhoffte ich mir auch in diesem Moment seine Hilfe.

┬╗Wei├čt du, schwierige Zeiten erfordern h├Ąufig schwierige Dinge. Und wir haben gerade sehr schwere Zeiten vor uns. Die Monster scheinen sich f├╝r den Krieg zusammen zu rotten und zu r├╝sten. Wenn sie erst einmal angreifen, dann brauchen wir jede Unterst├╝tzung, die wir bekommen k├Ânnen. Und Hochzeiten schmieden nun mal sehr enge Bande zwischen den K├Ânigreichen. Du darfst es nicht pers├Ânlich nehmen. Du bist eben mein einziger Sohn in Frellas Alter und so bin ich gewillt dein geistiges Wohl schweren Herzens gegen das Wohl der gesamten K├Ânigreiche aufzugeben. Und ein starkes B├╝ndnis mit den Sturmtalern bietet sich besonders an, da sie die gr├Â├čte kriegerische Streitmacht haben.┬ź

Was er da sagte war zugleich schockierend als auch einleuchtend, aber so leicht lie├č ich mich nicht abwimmeln.

┬╗Aber du k├Ânntest doch genau so gut Silmor oder Kaldes verheiraten. Viellecht sogar Rukim, obwohl er schon Frau und Kinder hat. Oder du wartest noch bis Ellionie alt genug ist. Wenn du mich ohne ÔÇŽ┬ź

┬╗Du wei├čt, dass das nicht geht. Ich brauche sie allesamt hier bei mir. Und ich habe nicht die Zeit zu warten, bis Elli alt genug ist.┬ź Erwiderte er.

┬╗Ach, und ich werde hier etwa nicht gebraucht?┬ź Langsam wurde es mir zu bl├Âd.

┬╗Nicht so wie ich deine Br├╝der brauche. Ich genie├če das Zusammenleben mit dir hier. Wirklich. Aber du erf├╝llst nun mal noch nicht die gleichen Pflichten und T├Ątigkeiten wie deine Br├╝der. Also tu deinem Vater und damit dem gesamten K├Ânigreich einen Gefallen und lasse dich verheiraten, es ist zum Wohle aller hier. Und lass dir versichert sein: Es ist der gr├Â├čte Gefallen, um den ich dich jemals bitten werde.┬ź

Ab diesem Moment war mein Vater bei mir unten durch.

┬╗Ja, genau! So erf├╝llst du so wenigstens irgendeinen Zweck, anstatt dich nur durchf├╝ttern und verw├Âhnen zu lassen!┬ź

Diese Neckerei von Silmor gab mir endg├╝ltig den Rest und ich stand so schnell auf, dass mein Stuhl umkippte. Trotzig reckte ich mein Kinn und starrte Silmor w├╝tend an.

┬╗Nein.┬ź

Jetzt stand auch mein Vater auf. Einige Zornesfalten durchzogen sein Gesicht und er st├╝tzte die geballten F├Ąuste auf die Tischplatte.

┬╗Oh doch. Ob du willst oder nicht. In zwei Monden kommt Frella mit ihrer Mutter um dich kennen zu lernen. Es ist schon alles in die Wege geleitet.┬ź

┬╗Komm schon Lio, denk doch mal an all die anderen die sterben werden, wenn du nichtÔÇŽ┬ź begann Rukim.

Doch den Rest des Satzes bekam ich nicht mehr mit, weil ich mich ruckartig umdrehte und zur T├╝r fl├╝chtete. Aus dem Augenwinkel sah ich noch wie Kaldes sich erhob und mir folgte. Ellionie lachte und klatschte fr├Âhlich. Sie bekam von alldem noch nichts mit, aber freute sich, gleich wieder das Hauptthema zu sein.

Ich ├Âffnete die schwere Eichent├╝r, ging hindurch und schlug sie so heftig hinter mir zu, dass kleine Steinchen von der Decke regneten. Da stand ich nun verloren inmitten des hohen Gangs und wusste nicht wohin mit mir. Alle Fackeln im Gang flackerten, als ein eisiger Wind hindurch pfiff. Ich dr├╝ckte die F├Ąuste auf meine Augen und unterdr├╝ckte ein Schluchzen. Innen wurden noch ein paar heftige Worte gewechselt, doch kurz darauf wurde die T├╝r wieder ge├Âffnet und eine vertraute riesige Gestalt schob sich hindurch. Kaum einen Moment sp├Ąter befand ich mich in den starken Armen von meinem gro├čen Bruder Kaldes, versenkte mein Gesicht in dem weichen Pelzmantel und lie├č all die Tr├Ąnen und den Frust laufen, den ich vor den anderen nicht zeigen wollte.

Ich wusste nicht wie viel Zeit vergangen war aber irgendwann bugsierte mich Kaldes Richtung meines Zimmers. Ich f├╝hlte mich innerlich leer und verbraucht. Irgendwann kamen wir an und er trug mich auf mein Bett, deckte mich zu und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Wie gut, dass ich wenigstens ihn hatte.

Kaum, dass er sich durch die f├╝r ihn fast zu schmale und hohe T├╝r geschoben hatte war ich schon in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen.

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Kapitel 2 - Teil 1

Paskoan

Der Morgen begann wie jeder andere. Das aufgeregte Flattern der Feen riss mich aus meinen Tr├Ąumen und als ich meine Augen aufschlug, offenbarte sich mir ein wundersch├Âner Sonnenaufgang. Zwischen den B├Ąumen hindurch schob sich die Sonne langsam aber zielstrebig gen Himmel und erf├╝llte die schwindenden Nebelschwaden mit einem magischen Schein und dem Geruch nach Morgentau. Zwei Feen, ich erkannte sie als Kiko und Iki, schwirrten um meinen Kopf herum und zwitscherten fr├Âhlich. Ich sch├Ąlte mich aus den vielen Lagen Bl├Ąttern, die ich in der Nacht ├╝ber mich geh├Ąuft hatte, denn es war Herbst und es wurde nachts schon empfindlich kalt. Daraufhin tastete ich wie jeden Morgen nach dem Ring auf meiner Brust und stellte erleichtert fest, dass er noch da war. Ich setzte mich auf und st├╝tzte die H├Ąnde auf die erdigen und k├╝hlen W├Ąnde. ┬╗M├╝sst ihr mich wirklich immer so fr├╝h wecken?┬ź fragte ich schlaftrunken. Kichernd zeigten die kleinen gefl├╝gelten Gesch├Âpfe durch das Loch in der H├Âhle auf die aufgehende Sonne. ┬╗Na dann werden wir das mal bewundern. Kommt mit, dann mach ich euch was zu essen.┬ź Ich kroch aus der H├Âhle und sch├╝rte die verbliebenen gl├╝henden Kohlen mit einem Ast und warf ein paar weitere trockene Zweige drauf, sodass die Flammen wieder aufloderten und mich zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen und ihrem hellen Schein w├Ąrmten.

W├Ąhrend sich die Feen auf den Wurzeln ├╝ber dem H├Âhleneingang niederlie├čen und es sich dort gem├╝tlich machten warf ich einige Kastanien ins Feuer, die ich am Vortag gesammelt hatte. Ich setzte mich im Schneidersitz vor das Feuer und genoss diesen einen Anblick der Sch├Ânheit. Ich befand mich in einer kleinen, baumfreien Mulde mitten im Wald. In meinem R├╝cken lag die mir so altbekannte ehemalige Wolfsh├Âhle, die an einer B├Âschung lag. Direkt oberhalb des H├Âhleneingangs beanspruchte der Wald wieder seinen Platz f├╝r sich und warf dunkle Schatten auf die vielen Dornenranken und die letzten verbliebenen Nebelschwaden, die sich langsam zwischen den B├Ąumen verkrochen. Vor mir lag der kleine See mit den vielen Seerosen, auf dem mittlerweile viel Laub und andere vertrocknete Gew├Ąchse schwammen. Hinter dem See gab es noch einige Baumzeilen, die ihre knorrigen, und nunmehr fast blattlosen ├äste Richtung Himmel bogen und dahinter den Blick auf die aufgehende Sonne preisgaben. Rechts und links von mir erstreckte sich eine kleine Wiese, die sonst so farbenpr├Ąchtig mit Blumen gesprenkelt war, die nun aber unter Schichten von Laub begraben waren. Mit einem leichten ┬╗plopp┬ź platzten die Kastanien und gaben ihr weiches Inneres mitsamt ihrem leicht s├╝├člichen Geruch preis. Ich fischte sie vorsichtig mit einem Ast aus den Flammen und lie├č sie auf einem flachen Stein abk├╝hlen. Als ich sie ann├Ąhernd anfassen konnte nahm ich mir die erste, brach sie ein St├╝ck weiter auf, hielt mir die dampfende Leckerei unter die Nase und sog ihren Geruch ein. Das war so ziemlich das einzige, das ich am Herbst mochte: Es gab endlich mal genug zu essen. Man konnte sich sogar aussuchen was man essen wollte. In schlechten Zeiten vergingen manchmal Tage, ohne dass ich einen Bissen zu essen gefunden hatte. Umso mehr genoss ich jetzt diesen Moment. Ich pfiff die Feen herbei und gab ihnen jeweils eine Kastanie. Sie lie├čen sich daraufhin auf meinen Schultern nieder und zupften zufrieden an meinen Haaren herum, w├Ąhrend sie a├čen. Ich verdr├╝ckte den Rest und machte mich schon mal mental bereit f├╝r das, was gleich kommen w├╝rde.

Als wir alle aufgegessen hatten warf ich die restlichen Schalen ins Feuer, zog meine Stiefel und mein Wams aus und streckte meine steifen Muskeln. Die Feen machten sich indes auf den Weg zur├╝ck zu ihren Artgenossen. Sie wussten, was nun folgen w├╝rde. ┬╗Verteilt den Goldstaub f├╝r mich!┬ź rief ich ihnen hinterher. Das bedeutete ungef├Ąhr so viel, wie sch├Âne Gr├╝├če zu bestellen. Sie drehten sich um, flogen zu mir zur├╝ck, verwuschelten mir die Haare und machten sich kichernd davon. Ich sch├╝ttelte l├Ąchelnd den Kopf und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bach.

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Zum Prolog: Du setzt ja bereits klare Eckpfeiler beim Worldbuilding. Wird das sp├Ąter noch relevant oder ist das nur, um das richtige ÔÇ×FeelingÔÇť zu bekommen?

Zu Kapitel 1: Ich m├Âchte nicht in LionatrasÔÇÖ Haut stecken ÔÇô aber gut, dass er so einen Bruder wie Kaldes hat. Wird man noch mehr von Kaldes sehen?

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Hey @Zuri, danke f├╝r deinen Kommentar!

Zum Prolog: Jedes Wort in dieser Geschichte hat Gewicht. Es wird also nochmal relevant. :wink:

Zum Kapitel 1: Jap, Kaldes kommt noch ein paar mal vor. :slight_smile:

Dann folgt auch gleich der neue Teil, wie jeden zweiten Tag. :wink:

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Kapitel 2 - Teil 2

Paskoan

Angekommen hockte ich mich an das flache, schlammige Ufer und tauchte die H├Ąnde tief in das eiskalte Wasser. Es perlte sanft von meinen Armen, als ich sie schnell herauszog und mir das Wasser ins Gesicht klatschte. Es gibt nichts, was morgens mehr wach macht als taufrisches Wasser, das gerade mal ein paar tausend Schritte n├Ârdlich von hier aus dem Boden sprudelt. Das Wasser rann an mir herab und bereitete mir eine G├Ąnsehaut. Ich stand wieder auf, schaute mich suchend um und klaubte letztendlich ein besonders sch├Ân geformtes, buntes Blatt vom Boden auf. Ich h├╝pfte noch ein wenig auf der Stelle, bis mir wieder warm wurde und legte das Blatt auf das Wasser. Langsam in den Wirbeln wippend setzte es sich in Bewegung und wurde Stromabw├Ąrts immer schneller. Ich setzte ihm nach, lief erst ein paar hundert Schritte entlang des Bachs, nahm dann Anlauf, sprang hoch ├╝ber den Bach und bekam einen dicken Ast zu fassen, an dem ich mich in einer einzigen flie├čenden Bewegung hochzog. Der Ast geh├Ârte zu einem gro├čen Baum, der vor Jahren einmal quer ├╝ber den Bach umgest├╝rzt war, und nun mit den Wurzeln auf der einen und der vertrockneten Krone auf der anderen Seite lag und eine ideale Br├╝cke bot. Ich zog mich bis zum dicken Hauptstamm hoch, dann rannte ich noch einige Schritte ├╝ber die raue Rinde des Stamms, ├╝berquerte damit den Bach, nahm erneut Schwung und stie├č mich von einer hervorstehenden Wurzel ab und flog auf den vier Meter unter mir liegenden Boden unter mir zu. Ich rollte mich ab, wirbelte einige Bl├Ątter und Zweige auf und kam leichtf├╝├čig wieder auf die F├╝├če. Ein schneller Blick zum Bach zeigte, dass das Blatt bereits einige dutzend Schritte Vorsprung hatte und sich mit hoher Geschwindigkeit in den klaren Wellen bewegte. Ich rannte weiter, zwischen Dornenb├╝schen, Unterholz und B├Ąumen hindurch, immer parallel des Baches. Im Laufe der Zeit hatte sich ein Pfad gebildet, der mit jedem Lauf tiefer wurde. Auf dem lief ich jetzt mit voller Geschwindigkeit entlang. Die Natur um mich herum schien zu verschwimmen und die B├Ąume rasten nur so vorbei. Ein l├Ącheln stahl sich auf meine Lippen und ich lebte die Euphorie der Geschwindigkeit ganz aus. Auf einmal flog eine Fee geradewegs in meine Bahn und schien mich nicht zu bemerken. Ich konnte gerade noch ausweichen, indem ich auf einen gro├čen Stein am Pfadrand sprang, mich abstie├č und haarscharf ├╝ber die Fee hin├╝ber segelte. Als ich wieder auf dem Boden aufkam drehte ich mich im Rennen noch einmal herum und rief ihr eine Entschuldigung hinterher. Schnatternd machte sie sich davon. Nach einigen weiteren Minuten des Rennens lichtete sich der Wald langsam und gab den Blick auf eine felsige Schlucht frei, in die der Bach mit lautem Get├Âse hinabst├╝rzte. Ich war mittlerweile auf einer H├Âhe mit dem Blatt. Die Abbruchkante kam immer n├Ąher. Aber ich bremste nicht ab. Das hatte mich Jahre der ├ťberwindung gekostet. Im vollen Lauf sprang ich ├╝ber die Kante, machte einen Vorw├Ąrts-Salto und genoss die Sekunden des freien Falls. Kurz darauf landete ich sicher in dem Wasserbecken, dass der Bach im Laufe der Jahrhunderte gegraben hatte. Mit ein paar kr├Ąftigen Z├╝gen tauchte ich auf und schwamm zur├╝ck ans Ufer. Das Wasser war eiskalt, genau wie der Bach und die Luft um mich herum, aber das st├Ârte mich jetzt kaum. Ich h├╝pfte von Stein zu Stein an der hohen B├Âschung, die von gro├čen, rund geschliffenen Findlingen nur so strotzte. Nach einiger Zeit hatte ich einen weiteren Pfad erreicht, der in der sonnenbeschienenen Schlucht weiterhin parallel zum Bach und gut drei Dutzend Schritte unter den Wurzeln der B├Ąume entlang f├╝hrte und sich den vielen Windungen der Schlucht anpasste. Das Blatt war in den Strudeln des Wasserfalls zerfetzt worden. Aber jetzt brauchte ich keine Motivation mehr. Die pure Freude an der vorbeiziehenden Natur hielt mich am Laufen und zog mich immer schneller immer weiter. Als nach einigen Tausend weiteren Schritten die Schlucht abflachte, sich die Felsen immer weiter zur├╝ckzogen und Erde und Wurzeln platz lie├čen, f├╝hrte der Pfad zum Rand der Schlucht und endete vor einer nahezu senkrechten und ungef├Ąhr zwei Dutzend Schritte hohen Steilwand. Die Wurzeln in der Wand boten ideale Haltm├Âglichkeiten. Ich zog mich an ihnen hoch und stie├č mich ab, sprang hoch, packte wieder einen anderen Wurzelstrang, zog mich wieder hoch und so floss die Wand nur so unter mir vorbei. Fast ganz oben reichte der Fels dann aber doch noch ein ganzes St├╝ck in die Schlucht hinein und bildete einen mehrere Schritte breiten ├ťberhang, von dem einige Wurzelstr├Ąnge ├╝ber den Rand quollen. Ich zog mich die letzten Wurzeln unterhalb des ├ťberhangs hoch, stie├č mich in Richtung der herabh├Ąngenden Wurzeln ab ÔÇô und griff ins Leere. Einem Reflex nach griff ich nach oben und bekam mit einer Hand eine herabh├Ąngende Wurzel zu fassen und riss mich damit aus dem freien Fall. Eine Schrecksekunde lang baumelte ich da nun an einer Hand in der Luft, dann atmete ich einmal aus und schwang die andere Hand nach oben. Ich hangelte mich an den Wurzeln entlang bis ich schlie├člich den Rand erreichte und mich ├╝ber die Kante wuchtete. Kaum stand ich wieder auf sicherem Boden, war der Schreck bald verflogen und ich nahm meine Umwelt wieder genauer wahr. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte ich ein paar reife, rote Beeren an einem Busch. Ich merkte mir die Stelle, um sp├Ąter wieder zu kommen und sie einzusammeln. Ich begann wieder zu laufen und lief zwischen den B├Ąumen weiter den altbekannten Weg zur├╝ck.

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Kapitel 2 - Teil 3

Paskoan

Nach einiger Zeit erreichte ich eine kleine Lichtung. Die Sonne stand mittlerweile ein ganzes St├╝ck h├Âher und beleuchtete die Lichtung mit ihrem herbstlichen Schein. Ich blieb stehen. Mein Atem ging schnell und mit jedem Atemzug hauchte ich kleine wei├če Wolken aus. Mein K├Ârper begann an der k├╝hlen Luft zu dampfen und lie├č mich alles wie durch einen leichten Nebelschleier sehen. Jetzt kam der schwierige Teil. Nach einigen Sekunden hatte sich der Nebel weiter verdichtet und bildete eine nach und nach immer dichter werdende wei├če Wand und brachte schw├╝le W├Ąrme mit sich. Zischend verdampfte der restliche Morgentau auf dem Gras und den Bl├Ąttern der umliegenden B├Ąume. Die Luft wurde immer feuchter und die Sonne brach nur noch stellenweise mit hellen Lanzen des Lichts durch die wabernden Nebelw├Ąnde.

Die Sonne. Ich konzentrierte mich auf das Licht und die W├Ąrme und lie├č mich von ihr durchstr├Âmen. Die Strahlen wurden blendend hell und immer breiter, bis sie den Nebel zerrissen und ihn im nu vernichteten. Ich stand im Sonnenschein, schaute hoch und lie├č mir mein Gesicht w├Ąrmen. Dann blickte ich zur├╝ck auf den Boden und b├╝ndelte meine Gedanken auf einen einzigen Punkt auf dem Boden - einen kleinen Grasb├╝schel. Das Licht rund um diesen Punkt wurde immer heller und heller. Irgendwann musste ich wegschauen, weil meine Augen nicht l├Ąnger dieser Intensit├Ąt standhalten konnten, aber ich konzentrierte mich weiter. Nach einigen Sekunden h├Ârte ich, wie der Grasb├╝schel mit einem leisen rascheln und knacken in Flammen aufging. Doch bevor sich das Feuer weiter ausbreiten konnte, rollte pl├Âtzlich ein mittelgro├čer Felsen vom Rand der Lichtung heran, legte sich ├╝ber das Feuer und l├Âschte es damit. ├ťberall in der Luft lag der intensive Geruch nach frischer Kresse. Ich hob die Arme und ein fernes Bl├Ątterrascheln k├╝ndigte das herannahen einer kr├Ąftigen Brise an. Sie trug die bunten Bl├Ątter der welkenden B├Ąume mit sich und wehte die herumst├Ąubende Asche des erloschenen Feuers davon. Der Wind umstrich mich erst kalt, dann aber warm, als ich an die Sonne dachte, zerzauste meine mittlerweile wieder trockenen Haare und lie├č sie im Wind wehen. Ich genoss es.

Das sind meine besonderen F├Ąhigkeiten. Zum einen haben sie mir geholfen jahrelang im Wald zu ├╝berleben. Zum anderen sind sie aber auch der Grund warum ich ├╝berhaupt erst hier bin. Immerhin kann ich sie mittlerweile zum Teil kontrollieren. Mit viel Training und unterschiedlichsten ├ťbungen, die die Feen mir gezeigt haben, habe ich es geschafft das ganze einigerma├čen in den Griff zu bekommen. Nur m├Ąchtige Gef├╝hle wie Wut oder Angst k├Ânnen noch bewirken, dass sich die Umgebung ohne mein Zutun um mich herum nach meinen Gef├╝hlen ver├Ąndert. Aber es kostet Kraft. Viel Kraft. So war ich auch jetzt ersch├Âpft und ausgelaugt und machte mich langsam auf den Weg zur├╝ck zur H├Âhle.

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Kapitel 2 - Teil 1

Kapitel 2 - Teil 2

  • Paskoans Morgenroutine be like

Kapitel 2 - Teil 3

  • Paskoan hatte also mal ein ÔÇ×normalesÔÇť Leben ÔÇô nicht so wie Lionatras vielleicht, aber immerhin in der ÔÇ×ZivilisationÔÇť :thinking:

Kapitel 2 - Fazit

  • Ich wei├č noch nicht so recht, was Lionatras und Paskoan miteinander zu tun haben, aber das werden wir ja hoffentlich noch erfahren ÔÇô ich bin gespannt :+1:
  • Interessant, dass bei Lionatras alles drunter und dr├╝ber geht (Kontrollverlust), w├Ąhrend Paskoan mit seinem Leben offenbar vollauf zufrieden wirkt und es genie├čt
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Hey Zuri, danke f├╝r deinen Kommentar! :smiley:

Kapitel 2 - Teil 1

Waldi w├╝rde sich bestimmt gut als Fee machen. ^^
Du hast recht, das Bild von Schneewittchen wirkt wirklich etwas ├Ąhnlich. :stuck_out_tongue:

Ich habe mich in dieser Geschichte nat├╝rlich von einer Reihe von anderen Geschichten inspirieren lassen. Teilweise bewusst, teilweise unbewusst. Schneewittchen war definitiv unbewusst. Auch die Serie ÔÇ×The WitcherÔÇť, die ich gerade gucke, hat einige ├╝berraschende parallelen mit einigen Szenen aus dieser Geschichte. Aber meine Geschichte ist viel ├Ąlter, als die Serie. :stuck_out_tongue: Und nur als Disclaimer: Beides sind Fantasy-Geschichten, aber plottechnisch haben sie so viel gemein wie B├╝cher und Schuhe. Man lagert sie beide in einem Regal und sie k├Ânnen aus dem gleichen Material bestehen, aber das hei├čt noch lange nicht, dass sie die gleiche Funktion erf├╝llen. ^^

Kapitel 2 - Teil 2

Die Morgenroutine von Paskoan ist wirklich etwas extrem. :smiley: Wie gut, dass meine Charaktere viel disziplinierter sind, als ich es bin. :smiley:

Kapitel 2 - Teil 3

Ja, Koan lebte mal in der Zivilisation, aber es ist lange her. In einem sp├Ąteren Teil wird mal darauf eingegangen, wo er herkommt.

Kapitel 2 - Fazit

Irgendwann werden die beiden wohl oder ├╝bel zueinander finden. :smiley: So ist es doch in fast jeder Geschichte. Als Gegenbeispiel f├Ąllt mir gerade nur der Film Cloud Atlas ein.
Sie f├╝hren jedenfalls beide sehr verschiedene Leben und h├Ątten eventuell gern das Leben des Anderen. ^^

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Und da folgt auch direkt der n├Ąchste Teil. :wink:

Kapitel 2 - Teil 4

Paskoan

Auf halber Strecke kam ich an einer weiteren H├Âhle vorbei. Sie lag auch auf einer kleinen Lichtung, in die die Sonne sich mit hellen Fingern des Lichts ihren Weg durch das Ge├Ąst und durch die staubige Luft bahnte und wirbelnde Muster auf das Lauf auf dem Boden zeichnete. Alles erschien in einem orangegoldenem Schein ÔÇô bis auf den dunklen H├Âhleneingang, in dem sich noch dunklere Schatten bewegten und mich aus r├Âtlich reflektierenden Augen anblickten. Ich blieb stehen. Die dunklen Schatten bewegten sich und kamen immer n├Ąher. Pl├Âtzlich nahmen sie Anlauf, wurden immer schneller und kamen direkt auf mich zu. Ich sah aus dem H├Âhleneingang nur noch ein paar schwarze Schemen jagen und direkt auf mich zuspringen. Im n├Ąchsten Moment wurde ich umgerissen und kam hart auf dem Boden auf.

Als n├Ąchstes bemerkte ich wie eine nasse raue Zunge ├╝ber mein Gesicht schleckte. Ich ├Âffnete die zuvor zugekniffenen Augen wieder, griff mit einem L├Ącheln nach oben in das samtweiche Fell und kraulte meinen Bruder im Nacken. Der antwortete mit einem zufriedenen Brummen. Ich schob ihn von mir herunter und setzte mich auf. Um mich herum buhlten schlie├člich noch vier andere Wolfsbr├╝der um meine Aufmerksamkeit. Sie tollten und kl├Ąfften fr├Âhlich. Nach und nach kamen sie alle schwanzwedelnd n├Ąher und lie├čen sich kraulen. Ich kannte sie bereits seit meiner fr├╝hen Kindheit im Wald und bin zusammen mit ihnen aufgewachsen. Das Einzige, was mich von ihnen Unterschied, war der K├Ârperbau. Und der strenge Geruch nach wildem Tier, den sie ├╝berall verbreiteten. Aber ich mochte ihn, schlie├člich war er mir vertraut und gab mir das Gef├╝hl von Geborgenheit. Ich stand auf und wir tollten und kebbelten so lange miteinander herum, bis wir alle ersch├Âpft waren und uns eng aneinander auf den Boden legten und in der Gegend herumschauten. Als ich nach einiger Zeit wieder zu Atem gekommen war kroch ich in die erdige H├Âhle hinein und begr├╝├čte die mittlerweile betagte Wolfsmutter. Sie hatte mich anfangs beh├╝tet und lange Zeit mit W├Ąrme und Essen versorgt. Als ich n├Ąherkam, bemerkte sie mich mit einem leichten Schwanzwedeln und lie├č sich zufrieden brummend kraulen.

Als ich wieder heraus kroch sah ich, dass meine Br├╝der ein junges Reh erlegt hatten. Sie schliffen es gemeinsam Richtung H├Âhle und als sie angekommen waren fingen sie an es zu zerlegen. Angeekelt stellte ich fest, wie der Geruch von frischem Blut sich unter die sonst so herbstliche Waldluft mischte und ihn nachher sogar vollkommen ├╝berdeckte. Nach einigen Minuten war das Reh nur noch ein blutiger Klumpen, aus dem nur noch hier und da ein St├╝ck weiches Fell herauslugte. Einer der Br├╝der, er hatte Schwarzes Fell um das linke Auge, riss mir ein Bein ab und legte es mir gutm├╝tig vor die F├╝├če. Mir wurde ├╝bel. Sie hatten immer noch nicht verstanden, dass ich kein Fleisch a├č. Ich setzte ein falsches L├Ącheln auf, dankte ihm und blickte hilflos auf das blutige, rohe St├╝ck Fleisch.

Da fiel mir ein St├╝ck Sehne ins Auge, das zwischen den Knochen hervor lugte und mir kam eine Idee. Bei den J├Ągern im Wald und auch im Dorf hatte ich h├Ąufiger Menschen beobachtet, die ein St├╝ck gebogenen, beweglichen Ast mit Tiersehnen verbanden und dadurch eine Waffe herstellten, die sie mit langen, geraden, gefederten und mit Steinspitzen gespickten kleineren ├ästen benutzten und so viele Tiere erlegten. Ich meine sie nannten es Pfeil und Bogen. Ich wollte zwar keine Tiere t├Âten, aber der Winter nahte, und vielleicht w├╝rde es mir doch irgendwann zugutekommen. Also ├╝berwand ich meinen Ekel und arbeitete mit meinem kleinen Messer, das ich immer an der H├╝fte trug und irgendwann mal hatte aus dem Dorf mitgehen lassen, langsam das Bein auseinander, zog die Sehne hinaus und pr├╝fte sie. Sie war lang genug, sehr rei├čfest und auch nicht besch├Ądigt. Das dickfl├╝ssige, dunkelrote Blut an meinen H├Ąnden war dann aber doch nicht mein Fall, also steckte ich die Sehne gut weg und machte mich auf den Weg zum nahegelegenen Bach.

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Kapitel 2 - Teil 5

Paskoan

Meine Br├╝der hatten mittlerweile den Rest des Rehs entweder gegessen oder f├╝r sp├Ąter verstaut. Also folgten sie mir frohmutig und schnappten im Spa├č nach meinen H├Ąnden. Einmal haben sie sie erwischt und leckten das Blut herunter. Damit hatte sich der Gang zum Bach erledigt und ich lief direkt nach Hause. Scheinbar war der Geruch nach dem Blut aber doch noch da und lockte unangenehme Zeitgenossen an. Ein schweres Rascheln und Knacken im Geb├╝sch k├╝ndigten seine Ankunft an. Unter die Ger├╝che der W├Âlfe mischte sich ein anderer, noch intensiverer, noch wilderer Geruch. Die Lichtflecken, die durch das Bl├Ątterdach drangen, fielen auf einen dunklen, riesigen, massigen K├Ârper, der sich langsam, aber zielstrebig durch das Unterholz bewegte. Nichts konnte es aufhalten. Ich schaute kurz zu meinen Br├╝dern. Ihnen stand allen die Hochachtung vor diesem Wesen ins flauschige Gesicht geschrieben und die belebten Augen schienen nur eins zu sagen: ┬╗Lauf, oder stirb!┬ź. Das taten wir dann auch. Aber wir hatten untersch├Ątzt, wie schnell ein Wesen werden konnte, das mein Gewicht um ein hundertfaches ├╝bersteigt und das jeden Bissen, den es bekommen kann f├╝r den kommenden Winter braucht. Hinter uns erklang ein animalisches Knurren, dass uns allen die Nackenhaare aufstellte, gefolgt von einem zunehmen des Raschelns hinter uns zu einem lautstarken Get├Âse. Ich riskierte einen Blick nach hinten und sah dieses riesige Etwas durch den Wald preschen. Es rammte kleine und mittlere B├Ąume einfach um, pfl├╝gte durch das hohe, mit Dornen gespickte Unterholz und nichts von alledem konnte ihm etwas anhaben. Jeder Schritt verursachte ein Erzittern der Erde und die vorbeiziehenden Lichtstrahlen, die durch das Bl├Ątterdach hindurchschienen, lie├čen hin und wieder die vor Wut und Hunger klein zusammen gekniffenen, hasserf├╝llten, braungelben Augen aufblitzen. Das reichte mir. Ich drehte mich um und schloss wieder zu meinen Wolfsbr├╝dern auf, aber bereits nach wenigen Augenblicken gab der Wald den Blick auf die Schlucht frei. Binnen Bruchteilen einer Sekunde musste ich eine Entscheidung treffen. Aus dem vollen Lauf h├Ątte ich springen k├Ânnen und w├Ąre sicherlich sicher irgendwo gelandet, aber das konnte ich meinen Br├╝dern nicht antun, schlie├člich konnten sie nicht so einfach in eine Schlucht springen. So kam mir eine Idee. Ich bremste wie der Rest des Rudels ab und kam am Rand zum stehen. Ich machte ihnen klar, dass sie mich im entscheidenden Moment nachahmen sollten. Sie verstanden und wir drehten uns allesamt tapfer dem entgegenst├╝rmenden Unget├╝m entgegen. Es witterte leichte Beute und zog die vor Gier triefenden Lefzen hoch und offenbarte ein riesiges, mit dutzenden spitzen Z├Ąhnen bewaffnetes Gebiss, in dem noch einige alte Fleischfetzen hingen. Es kam immer n├Ąher und dann war der Zeitpunkt gekommen. Ich war mir nicht sicher, ob es funktionieren w├╝rde, aber es war der einzige Weg, um aus der Aff├Ąre halbwegs ungeschoren heraus zu kommen. Wir versperrten ihm die Sicht auf die Schlucht hinter uns und es preschte im vollen Lauf direkt auf uns zu und nahm dabei noch den ein oder anderen Baum mit. Das geh├Ârte zu seinen Jagtstrategien. Bei H├Âchsttempo das Opfer mit seinen krallenbewehrten Tatzen ergreifen und zu Boden schlagen. Das Opfer war meistens sofort tot. Als es so nah war, dass ich sogar die riesig geweiteten Pupillen des Wesens sehen konnte, warf ich mich zur Seite, weg von der Schlucht. Die W├Âlfe taten es mir nach. Danach schien sich alles in Zeitlupe abzuspielen. Sechseinhalb Tonnen pure Muskeln, St├Ąrke, Hunger und Wut preschten an uns vorbei. Sechseinhalb Tonnen geballtes Wesen wollten erstmal gebremst werden. Das begriff auch das Wesen. Diese Tiere waren zwar nicht besonders helle, hatten aber dennoch gute Reaktionen. Ich flog auf den Boden zu und landete im weichen Laub, just als das Wesen doch abbremste und verzweifelt versuchte doch noch die Richtung zu wechseln. Aber es schlitterte nur auf dem nassen Laub. Mittlerweile trennten es nur noch wenige Meter von seinem Unheil. Ich wollte mir schon ein selbstgef├Ąlliges Grinsen erlauben, denn ich sah, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten k├Ânnte. Es begriff auch, dass es kein Zur├╝ck mehr geben w├╝rde, aber sein Ende sollte auch das Ende eines anderen Lebens bedeuten. So drehte es sich zu uns um und holte zu einem gewaltigen Prankenschlag aus, zog durch und traf einen meiner Br├╝der seitlich in den Bauch und kippte daraufhin ├╝ber die Kante. Mein Bruder wurde einige Meter mit enormer Geschwindigkeit durch die Luft geschleudert. Ein ekelhaftes Ger├Ąusch erklang, als er mit einem lauten Knirschen an dem Stamm einer gro├čen Eiche aufprallte und eine tiefe Furche hinterlie├č. Er fiel zu Boden und r├╝hrte sich nicht mehr. Stille. Einige Sekunden lang regte sich nichts. Dann kam ein dumpfer Laut vom Boden der Schlucht. Gefolgt von dem Rollen einer kleinen Steinlawine. Wir lagen alle geschockt im Laub und die Sekunden verstrichen so langsam wie sonst nie zuvor in meinem Leben. Ein leises gequ├Ąltes Winseln kam von meinem Bruder und ich raffte mich sofort auf, stolperte zu ihm hin und nahm ihn in den Arm. Die anderen Folgten und schenkten ihm Trost und Zuversicht. Das Winseln wurde immer schriller, ging irgendwann in ein leises R├Âcheln ├╝ber und verstummte dann ganz. Meine Tr├Ąnen rollten ├╝ber das weiche Fell und die Br├╝der stie├čen verzweifeltes Klagegeheul aus. Ich vergrub meinen Kopf im Fell und die Welt schien ein weiteres Mal ├╝ber mir zusammen zu brechen. Aber dann. Ich wusste es erst nicht sicher, aber als ich mich noch n├Ąher mit meinem Ohr an ihn presste h├Ârte ich es. Es war das leise, rasselnde Atmen, der leise, aber kr├Ąftige Herzschlag der mir den Mut gaben mir die Verletzung genauer anzusehen. Es war halb so schlimm wie es aussah. Er verlor zwar viel Blut, aber die Schnitte waren nicht so tief und breit wie sie h├Ątten sein k├Ânnen. Scheinbar war der B├Ąr bereits in der Schlucht nach unten gerissen worden, als er den Wolf getroffen hatte. Sonst h├Ątte er ihn wahrscheinlich mit Leichtigkeit durchtrennt, aber mit Sicherheit get├Âtet. Ich schob die Schicht Laub beiseite und Rupfte einige H├Ąnde des darunterliegenden Mooses aus und presste es auf die Wunde. Dann nahm ich meinen Bruder vorsichtig auf den Arm, hob ihn hoch und machte mich endg├╝ltig auf den Weg nach Hause. Ich lie├č es mir aber nicht nehmen noch einen Blick in die Schlucht zu werfen. Unten lag in einem gewaltigen Krater und in einem sich langsam legenden Dunstschleier die halb versch├╝ttete Gestalt des Wesens. Auch aus dieser Entfernung machte sie noch einen furchteinfl├Â├čenden Eindruck. Erst recht als es sich langsam bewegte und sich benommen aus dem Schutt zog. Nichts wie weg hier. Hoffentlich hat das da unten nicht den besten Geruchssinn. So legten wir den Rest des Weges z├╝gig zur├╝ck. Ich an der Spitze mit meinem verletzten Wolfsbruder und in meinem R├╝cken, immer wachend und folgend meine treuen Gef├Ąhrten und Br├╝der. Meine Familie. Es machte mich stolz und gl├╝cklich eine Familie zu haben.

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Kapitel 2 - Teil 6

Paskoan

Irgendwann kamen wir an meiner H├Âhle am See an. Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel und warf kurze Schatten auf das seichte Wasser des Sees. Ich wusch die Wunden aus, legte neues Moos auf sie, band es mit einigen Ranken fest und brachte meinen Bruder in die H├Âhle auf mein Lager, wo er m├Âglichst frei von ├Ąu├čeren Einfl├╝ssen genesen konnte. Ich lie├č den Rest des Rudels Wache halten, schnappte mir mein Wams, zog es wieder an und ging kurz zu den Feen. Sie waren immer noch die besten Heilk├╝nstler des Waldes. Auch die Tatsache, dass sie wie ich kein Fleisch a├čen, machte sie in solchen F├Ąllen noch hilfreicher. Nicht, dass den Heiler der pl├Âtzliche Hunger ├╝bermannt.

Ich war lange Zeit bei den Feen. Sie haben mich Praktisch erzogen und gro├čgezogen. Ganz am Anfang waren sie meine Besch├╝tzer, aber irgendwann war ich zu gro├č und die Wolfsmutter mit ihren f├╝nf neu geborenen Jungen nahm sich meiner an. Nichtsdestotrotz haben die Feen keinen geringen Einfluss auf mich gehabt. Sie lehrten mich ihre Br├Ąuche, Traditionen und Verhaltensweisen. So haben sie mich letztendlich auch zum Vegetarier erzogen.

Sie waren erst erschreckt und geschockt von dem vielen Blut und dem noch intensiveren Geruch danach, kamen aber sofort mit, nachdem ich die Situation erl├Ąutert hatte und sie einige heilende Bl├Ątter und Wurzeln aus ihrem Bau hervorgeholt hatten. Wir zogen zur├╝ck zur H├Âhle, wo meine Br├╝der noch immer geduldig in den kleinen Sonnenflecken auf dem Boden auf meine R├╝ckkehr warteten. In der H├Âhle selbst sah ich fasziniert zu wie die Feen alle zusammen mit flinken Bewegungen den Verband entfernten, einige Wurzeln zerkauten, diese in die Wunden strichen, diese dann fest mit Ranken verschlossen, heilenden Goldstaub und einige zerbr├Âselte Bl├Ątter darauf streuten und die Verb├Ąnde wieder neu anlegten. Mit ihrer Hilfe war die ├ťberlebenschance meines Bruders wieder auf ein betr├Ąchtliches Level gestiegen. Jetzt hie├č es nur noch abwarten.

Kommt sicherlich auf den Wald an, aber als Vegetarier hat man es da wahrscheinlich nicht unbedingt leichter als als Fleischfresser :thinking:

Das erinnert mich ein bisschen an das Konzept von Animus und Anima. Oder ist es direkter als das Konzept, dass Paskoan quasi Mutter und Vater im Wald hat, zu verstehen?

Auch ├Ąlter als die Buchreihe, auf der die Serie basiert? :stuck_out_tongue_winking_eye:

Richtig tolles Buch und ausnahmsweise mal eine Filmadaption, die sich sehen lassen kann

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Hey Zuri,

Stimmt schon, aber unsere Vorfahren haben es ja auch irgendwie ├╝berlebt. Soweit ich wei├č gab es keine rein vegetarischen V├Âlker, aber - wie du sagtest - werden sich einige St├Ąmme vermutlich umweltbedingt mehr von Fr├╝chten o. ├Ą. ern├Ąhrt haben. Au├čerdem haben die Feen Koan ja immer zeigen k├Ânnen, was essbar ist.

Hier ist eher letzteres der Fall. :wink: Es gab einfach Wesen, die sich um ihn gek├╝mmert haben - unabh├Ąngig davon, ob er ein Wesen ihrer eigenen Gattung ist oder nicht.

Das leider nicht. :stuck_out_tongue: Da ich die Reihe (als B├╝cher) aber noch nicht gelesen habe, kann die Inspiration nicht daher stammen. :wink:

Weiter mit dem n├Ąchsten Teil. ^^

Kapitel 2 - Teil 7

Paskoan

Ich kroch zur├╝ck nach drau├čen zu dem Rest der Rasselbande, die sich immer noch im letzten Sonnenschein des Jahres ausruhte und neugierig zu mir her├╝berschaute, als ich aus dem H├Âhleneingang trat und auf die Feuerstelle zu ging. Ich sah sie an und setzte das hoffnungsvollste und optimistischste Gesicht auf, das meine Mimik hergab. Beruhigt legten sie wieder die m├╝den K├Âpfe auf die Pfoten, w├Ąhrend ich die letzten Schritte zur Feuerstelle zur├╝cklegte, um den Feen ein Dankesmahl zuzubereiten. Ich wollte etwas wirklich tolles machen, so lief ich einige Zeit in der Umgebung herum, sammelte Sirup aus B├Ąumen, suchte frische, reife Waldbeeren und kramte die verbogene ru├čgeschw├Ąrzte Metallsch├╝ssel aus der H├Âhle und schaute dabei nach meinem Bruder.

Er war mittlerweile wieder bei Bewusstsein und hob benommen den Kopf als er mich bemerkte. Ich w├╝nschte ich k├Ânnte ihm die Schmerzen abnehmen, die ihm so offen in den Augen standen und es tat mir weh es nicht tun zu k├Ânnen. So gab ich ihm ein wenig von dem s├╝├čen Sirup ab, den er dankbar annahm, leistete ihm noch ein wenig Gesellschaft, streichelte sanft sein weiches Fell und ging schlie├člich weiter bis ans hinterste Ende der H├Âhle, wo ich meine wirklich wertvollen Dinge hervorholte. Ich wollte den Feen einfach nur meine Dankbarkeit ausdr├╝cken. Koste es was es wolle, Hauptsache mein Bruder ├╝berlebt.

Unter einem Haufen vertrockneter Bl├Ątter lag versteckt eine dicke Wurzel, ein Maiskolben, etwas Getreide und ganz zuunterst ein kleines St├╝ck Zucker. Ich nahm alles mit nach drau├čen und stellte den Topf auf das Feuer, warf den Zucker und den Sirup hinein und lie├č alles sch├Ân warm werden. Ich plante eine kleine, s├╝├če Suppe zu machen. Danach nahm ich den Maiskolben und warf Korn f├╝r Korn in den Topf.

Aus dem Augenwinkel sah ich eine Rasche Bewegung. Es waren die W├Âlfe. Sie hatten Langeweile und waren von dem s├╝├čen Geruch ganz aufgeregt, also sprangen sie herum und schnappten nach den flatternden Feen. Diese jedoch waren so flink, dass sie sich niemals w├╝rden fangen lassen. Schnatternd flogen sie durch die Gegend, w├Ąhrend die W├Âlfe hinterher sprangen und vor Vergn├╝gen kl├Ąfften. Als es den Feen zu viel wurde, streuten sie den Hunden Goldstaub in die Nasen. Erst passierte nichts. Dann blieben sie stehen und verzogen ganz merkw├╝rdig ihr Gesicht. Schlie├člich begannen sie zu niesen und konnten scheinbar nicht mehr aufh├Âren. Die Feen kicherten nun ihrerseits vergn├╝gt und auch ich konnte mir ein L├Ącheln nicht verkneifen.

Auf einmal h├Ârte ich ein ┬╗plopp┬ź, gefolgt von noch einem und noch einem. Ich sah, dass der ganze Topf am h├╝pfen war. Das Essen! Ich hatte es ganz vergessen. Schnell r├╝hrte ich um, aber es war schon zu sp├Ąt. Der Mais hatte sich aufgel├Âst. Stattdessen waren nun viele merkw├╝rdig geformte wei├čliche K├Ârner, die sich langsam mit Honig und Zucker voll sogen. Bek├╝mmert senkte ich den Kopf. Ich w├╝rde nicht noch mal anfangen k├Ânnen, dazu fehlten mir die Zutaten. Eine Fee flatterte vorbei, schnappte sich frech ein Korn aus dem Topf und biss hinein. Ihr Gesicht hellte sich schlagartig auf und sie verschlang das restliche Korn mit einem Bissen. Es flogen immer mehr Feen heran und st├╝rzten sich auf den Topf. Scheinbar schien es ihnen doch zu schmecken. Ich nahm den Topf vom Feuer und nahm mir auch einen von diesen wei├čen Kr├╝meln. Sie schmeckten warm, s├╝├č und verdammt gut. Vermutlich sogar besser als die Suppe.

Ich gab den W├Âlfen auch etwas ab und diese verspeisten es gen├╝sslich. Selbst mein verwundeter Bruder mochte es. So lagen wir alle zufrieden im Gras am H├Âhleneingang, a├čen diese s├╝├čen K├Ârnchen und dazu die Waldbeeren und schauten durch das sich immer weiter lichtende Bl├Ątterdach in die Sonne.

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Paskoan erfindet erstmal Popcorn ÔÇô l├Ąuft bei ihm :joy: :+1:

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@Zuri Es muss ja auch mal gl├╝ckliche F├╝gungen im Leben geben. :smiley:

Kapitel 2 - Teil 8

Paskoan

Nach einiger Zeit stand ich auf und ging einige Schritte in den Wald hinein, riss mir einen biegsamen, und geraden Ast von einem Nussbaum ab und nahm ihn mit zur├╝ck zur Lichtung. Dort setzte ich mich in die Mitte meiner Wolfsbr├╝der und Feen, schnitzte mit dem Messer ein paar Zweige und Bl├Ątter weg, kerbte die Enden ein und spannte die Sehne dazwischen. Die Feen gaben noch den ein- oder anderen hilfreichen Vorschlag und nach einiger Zeit hielt ich einen gespannten, geraden Bogen in den H├Ąnden. Es brauchte schon einige Kraft, um ihn zu spannen, aber das war f├╝r mich eher weniger das Problem.

Als die Sonne schon um einiges tiefer stand machte ich mich auf, um Essen f├╝r die folgenden Tage zu sammeln. Zwei der W├Âlfe begleiteten mich, der Rest blieb bei der H├Âhle und passte auf. Ich zog durch den halben Wald, zupfte hier ein paar fruchtige Beeren von einem Strauch, lie├č dort ein paar Kastanien vom Baum regnen, grub woanders ein paar Wurzeln aus und so weiter. Die W├Âlfe halfen mir mit ihren guten Nasen, denn sie fanden immer die besten Sachen. Irgendwann kam ich dem Waldrand immer n├Ąher. Die Neugier und die Sehnsucht zogen mich immer wieder dort hin. Ich lebe zwar die meiste Zeit meines Lebens im Wald, f├╝hle mich aber trotzdem irgendwie den Menschen zugeh├Ârig.

Ich habe schon ein paar Mal versucht mich unter sie zu mischen und mit ihnen zu reden, aber ich wurde immer wieder verscheucht. Man sah es mir wahrscheinlich einfach an, dass ich anders war.

Vor uns ├Âffnete sich der dichte Wald in einen jungen und niedrigen Birkenwald, durch deren orangegelbes Bl├Ątterdach die Sonne ihren herbstlichen Schein auf den Boden warf und einen sch├Ânen Blick auf den blauen Himmel preisgab. Im leichten Wind flatterten die Bl├Ątter und segelten in gro├čen Mengen langsam auf den Boden. In der Luft lag bereits der deutliche Geruch nach Mensch, nach Rauch, nach Blut und nach dem alles vernichtenden Einvernehmen der W├Ąlder und der Natur. Die Menschen zerst├Ârten ihre Umgebung und merkten es nicht mal.

Hinter mir blieben die W├Âlfe zur├╝ck und wollten nicht mehr weiter ÔÇô Sie hatten schon einige schlechte Erfahrungen mit den Menschen gemacht. Ich auch, aber im Gegensatz zu ihnen konnte ich nicht auf sie verzichten.

Die beiden W├Âlfe verblieben spielend im Wald und jagten den letzten Schmetterlingen hinterher, die noch in der sp├Ąten Herbstsonne durch die Gegend flatterten. Das gesammelte Essen lie├č ich bei ihnen.

Ich lief weiter durch den Birkenwald, kam letztendlich auch an dessen Ende, schlich das letzte St├╝ck geduckt und federte meine Schritte auf dem weichen Laub ab. In der letzten Baumzeile wucherte wie so oft am direkten Waldrand das Unterholz wieder richtig hoch. Ich legte mich auf den Bauch, robbte das letzte St├╝ck und schob ein paar Ranken auseinander. Vor mir tat sich der Blick auf ein mittelgro├čes Tal auf, welches von kleinen bewaldeten Bergen, ja fast schon H├╝geln umgeben war. Die W├Ąlder wogten in orangebraunen Wellen ├╝ber die H├╝gel ÔÇô bis auf die gro├če Schneise, die die Menschen ├╝ber Kilometer gerodet hatten und in der Ferne den Blick auf die gro├če Stadt preisgab, die mit ihren hunderten von stinkenden, rauchenden Schornsteinen an einem Hang lag und von der gro├čen Burg, die alles ├╝berragte, gekr├Ânt wurde. Innerhalb der Schneise lagen Hunderte von kleinen Feldern, auf denen sich das reife Getreide leise raschelnd im leichten Wind wog. Mitten zwischen den Feldern lag das kleine Dorf, das sich wie ein ├Ąngstliches Tier mit rund zwei duzend kleinen und gedrungenen H├Ąusern mitten in das Tal duckte. Alles andere als ├ängstlich waren aber die Bewohner. Sie nahmen sich alles. Ohne zu fragen. Ohne zu bitten. Manchmal wollte ich am liebsten verleugnen, dass ich einer von ihnen bin. Sie t├Âteten alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Sie k├Ąmpften wie ich um ihr eigenes ├ťberleben und gegen das, was sich jenseits der Grenzen befindet. Sie waren einfach nur z├Ąh, stiernackig und dickk├Âpfig. All das kannte ich auch von mirÔÇŽSo war ich ihnen gegen├╝ber zwiegespalten. All das ging mir durch den Kopf, w├Ąhrend ich aus meinem Versteck in die weite, sonnendurchflutete Feldlandschaft blickte.

Pl├Âtzlich h├Ârte ich Hufgetrappel und zog schnell den Kopf ein. Nur wenige Schritte von mir entfernt preschte eine Pferdepatroullie auf dem breiten Pfad am Waldrand vorbei. Die Reiter machten einen gestressten und besorgten Eindruck. Ich ma├č dem keine gro├če Bedeutung bei und steckte wieder den Kopf durchs Geb├╝sch. Nicht weit entfernt von mir arbeiteten ein paar Bauern auf dem Feld, die schon das Getreide einholten und es zu gro├čen Haufen aufschichteten. Auch sie blickten neugierig auf, schauten den Reitern hinterher und wandten sich danach wieder stirnrunzelnd ihrer Arbeit zu. Ich schaute wehm├╝tig in die Richtung des Dorfes. Einmal, irgendwann vor ewiger Zeit, so schien es mir zumindest, lebte ich auch einmal in so einem Dorf. Was w├╝rde ich daf├╝r tun es eines Tages wieder tun zu k├Ânnen. Aber das ging nicht, weilÔÇŽ

Mit einem Mal prasselten die lang verdr├Ąngten dunklen Erinnerungen wieder auf mich ein, trafen mich wie ein gewaltiger Hammerschlag und drohten mich zu verschlingen. Mir wurde schwindelig und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Nur eins stand mir jetzt noch im Sinn: Nur weg hier! So war ich leichte Beute. Ich stand auf, doch mein Gleichgewicht war vollkommen im Eimer. Schwarze R├Ąnder pulsierten am Rande meines Sichtfeldes und die Mitte war von bunten Punkten geblendet. Mehr stolpernd als gehend versuchte ich weg zu kommen. Aber wo musste ich noch mal hin? Wo war oben und unten? Ich merkte wie der Boden auf mich zugest├╝rzt kam und ich ├Ąchzend aufschlug. Der Schmerz brachte mich zur├╝ck ins hier und jetzt, aber es war zu sp├Ąt. Ich war bereits durch das Gestr├╝pp am Waldrand gebrochen und konnte nicht mehr aufhalten, dass ich die belaubte B├Âschung mit f├╝r meine Verh├Ąltnisse ohrenbet├Ąubenden L├Ąrm herabpurzelte. Nach mehrfachen ├ťberschl├Ągen landete ich endlich mit einem schmerzhaften Ruck auf dem Hosenboden.

Die Bauern auf den Feldern hatten ihren Blick ├╝berrascht wieder gehoben und schauten mich aus gro├čen Augen an. Scheinbar war es f├╝r sie nichts allt├Ągliches, dass ein jugendlicher Junge am helllichten Tage aus der Waldb├Âschung gepurzelt kam. So kamen sie neugierig auf mich zu. Eine Schrecksekunde lang sa├č ich noch auf dem breiten Pfad und machte wohl ein ziemlich irritiertes Gesicht. Dann wurde ich mir schlagartig der Situation bewusst und rappelte mich auf. Wenn sie da sind, w├╝rden sie Fragen stellen. Sie w├╝rden wissen wollen wer ich bin und wo ich herkomme. Das sollen sie auf keinen Fall wissen.

So kletterte ich Schnur stracks wieder die B├Âschung hinauf und verkr├╝melte mich so schnell es ging in den Wald. Als ich im Rennen noch einmal zur├╝ckschaute sah ich, dass sie auf dem Pfad standen und mir ratlos nachsahen, mir aber nicht folgten. Gut so. Ich sammelte die W├Âlfe und das Essen wieder ein und kehrte ohne weitere Zwischenf├Ąlle ÔÇô was mir inzwischen mehr als die Ausnahme von der Regel erschien ÔÇô zur H├Âhle zur├╝ck, wo der Rest meiner Familie auf unsere R├╝ckkehr wartete. Es war schon fr├╝her Abend und die Sonne neigte sich langsam, aber sicher in Richtung Horizont. Ein Gutteil der Feen hatte sich bereits zur├╝ck zu ihrem Bau verkrochen, aber ein Paar warteten noch geduldig auf das allabendliche Ritual.