Wuschelkopf

Ich probiere mich mal an einer kleinen Liebesgeschichte. :slight_smile: Nicht wundern, die Teile werden nicht besonders regelmäßig kommen, ich habe noch nicht allzu viel vorgeschrieben. Aber ich habe jeden Tag 30 Minuten dafür fest eingeplant. :wink:

LG
Iroc

WUSCHELKOPF

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Teil 1

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Gelangweilt schaute ich aus dem Fenster und pustete mir eine widerspenstige rotbraune Strähne aus der Stirn. Von außen prasselte der Regen gegen die Scheibe – ganz anders als es für heute vorhergesagt war. Mich ärgerte das, ich hatte mich schon darauf gefreut, mit meinen Freunden den Rest des Tages auf dem Sportplatz zu verbringen. Es war der erste Tag im neuen Schuljahr, dem zehnten um genau zu sein. Noch ein nichtsnutziges Jahr, das ich absitzen musste, bis ich endlich von der Schulbank befreit war und meinen Eltern zuhause so gut helfen könnte, wie sie es benötigen.

Die Tropfen rannen in kleinen Strömen am Fenster herab, während meine Geschichtslehrerin Frau Wetzstein die Inhalte für dieses Schuljahr präsentierte – ähnlich mitreißend, wie es ihr Name vermuten ließ.

Ein kurzer Blick in den Raum verriet mir, dass die meisten meiner männlichen Mitschüler ähnlich teilnahmslos auf ihren Stühlen lungerten. Christoph war mit Niklas beschäftigt, irgendwelche Fotos unter dem Tisch anzuschauen und darüber kindisch zu kichern, Robin warf Miriam ein Kaugummi in die Haare, was von einem leisen Johlen seiner Sitznachbarn und eisigen Blicken der anwesenden Mädchen beantwortet wurde, und die Nerds saßen wie immer in ihrer Ecke und schrieben fleißig mit, was Frau Wetzstein prophezeite. Ein ganz normaler Schultag also.

Ich wollte meinen Blick gerade wieder den trostlosen Tropfen zuwenden, als es plötzlich klopfte.

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Jippy, eine neue vielversprechende Geschichte.

Ich mag rote Haare (Natur, nicht gefärbt).

Wer da wohl an der Tür klopft?
Ich denke Mal, da wird ein neuer Mitschüler vor der Tür stehen, doch warum kommt er jetzt erst?

Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

LG nobody.

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Hey Iroc,

awwww, eine neue Geschichte :heart_eyes:

Alleine die Überschrift, verheißt schon etwas ganz tolles :heart_eyes:

Hihi, rotbraune Haare, das klingt ja schon mal echt toll hihi :smiling_face: :face_with_hand_over_mouth:

Welche Bilder die beiden Jungs, sich da wohl unter dem Tisch anschauen? :face_with_hand_over_mouth:

Ich bin ja echt gespannt, wer da an der Tür klopft :face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth:
Für mich, wäre ja die Sache klar, wer da klopft :face_with_hand_over_mouth:

Das erste Kapitel gefällt mir echt gut, freue mich schon auf ein weiteres :slightly_smiling_face:

LG Knutschkugel

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Huhu,

danke euch beiden für die Kommentare!
Ich bin auch ein großer Fan von naturroten Haaren.

Da liegst du vielleicht nicht ganz falsch. :smiley: Häufig muss immer erst ein bisschen Papierkram erledigt werden, bevor die Schüler in die Klasse gebracht werden. :slight_smile:

Du meinst, dass es noch haarig werden könnte? :smiley:

Man kennt doch Jungs in dem Alter, das ist ganz sicher nichts anständiges, was sie sich da anschauen. :stuck_out_tongue:

Na dann bin ich mal gespannt, ob es wirklich so kommt. :wink:

Euer Wunsch ist mir Befehl! :smiley:
Nachschub folgt sofort! :stuck_out_tongue:

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Teil 2

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Bevor meine Geschichtslehrerin antworten konnte, wurde die Tür schon von unserer kecken Sekretärin – einer fülligen Frau undefinierbaren Alters mit lilafarbenen Haaren – aufgezogen, welche daraufhin zwei neue Schüler in den Raum schob. Nun doch ein wenig interessiert hob ich den Blick und musterte die Neuankömmlinge, genau, wie es jeder andere Klassenkamerad tat. Es waren ein Mädchen und ein Junge. Sichtbar nervös von den vielen starrenden Augen zupfte das Mädchen an ihren geflochtenen Zöpfen, während der Junge mit leeren Augen auf den mit Kaugummis verklebten Teppich blickte.

Die Sekretärin, Frau Thiesfrau, hieß ehemals Frau Thiesmann, aber hat ihren Namen ändern lassen. Eine Scheidung war die Ursache. So sagte sie es mir zumindest, als ich sie einmal gefragt habe, als ich meinen Schülerausweis erneuern ließ. Da sie anscheinend nicht weiter darüber reden wollte, habe ich es nicht weiter hinterfragt und einfach hingenommen. Mit einer übertrieben schwungvollen Bewegung zog sich Frau Thiesfrau mit der einen Hand einen kleinen Block aus der ebenfalls lilafarbenen Weste und mit der Anderen einen Kugelschreiber hinter dem Ohr hervor. Ich mochte sie. Sie kümmerte sich wirklich um die Belange ihrer Schüler und war sich nie zu schade, sich einen Spaß mit den Schülern zu erlauben. Theatralisch blätterte sie in dem Notizbuch herum, während Frau Wetzstein – sichtbar genervt von der plötzlichen Unterbrechung – sie ungeduldig anstarrte.

Frau Thiesfrau schien ihren Zettel gefunden zu haben, tippte einmal mit dem Kugelschreiber darauf und breitete ihre Arme aus: „Liebe 10c, ich freue mich euch eure neuen Mitschüler vorstellen zu dürfen! Nele hier“ sie deutete auf das schlanke, blonde Mädchen „ist über die Sommerferien aus der Stadt hergezogen und Dennis“ sie deutete nun auf den dicklichen Jungen mit viel zu weiten, ausgewaschenen Klamotten „kennt ihr vielleicht schon vom Sehen her. Er hat sich dazu entschieden, die 10. Klasse noch einmal von vorn versuchen zu wollen. Ich wünsche euch allen einen guten Start in das neue Schuljahr!“ flötete sie übertrieben fröhlich, deutete eine Verbeugung zur Klasse an, nickte Frau Wetzstein knapp zu und war genauso schnell verschwunden, wie sie gekommen war.

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Hey Iroc,

ein schönes zweites Kapitel :slight_smile:

Du hast dir vllt einen Namen ausgedacht für die Sekretärin und dann die Anspielung auf die Scheidung xD

Hm, den Namen von dem Jungen finde ich nicht so schön :pleading_face:

Ich finde es schön, dass du alle mit Details beschreibst und man somit genug Zeit hat, die Personen kennenzulernen :slight_smile:

Nein, nicht daran, dass es haarig wird, sondern an Locken und mit der Hand durch die Haare wuscheln :slight_smile:

Leider stand nicht der Junge hinter der Tür, an den ich dachte :pleading_face:
Ich dachte, da natürlich, zuerst an meinen süßen Freund :blush: :face_with_hand_over_mouth:
Wer, sollte da sonst für mich hinter der Tür stehen :stuck_out_tongue:

Freue mich schon auf Kapitel 3

LG Knutschkugel

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Huii sogar gleich 2 neue Mitschüler*in.

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass wir von der Sekretärin noch bisschen was mitbekommen werden. Vielleicht irgendwann doch auch weitere Hintergründe zur Scheidung bzw. Namensänderung. Ich find’s komisch, dass sie einfach die Geschlechtsbezeichnung innerhalb des Namens ändern konnte. Bei einer Scheidung kann man meines Wissens nach eigentlich nur den ursprünglichen/Geburtsname wieder annehmen und ich fänd es einen riesigen Zufall wenn sie einen so ähnlichen Namen gehabt hätte. Aber vllt. erfahren wir das ja noch :crossed_fingers:

Die beiden Namen mag ich. Bei mir in der Klasse in der Oberschule hatte ich auch eine Nele, die nett war und Dennis heißt mein Ex, mit dem ich mich aber mich immer noch gut verstehe.
Ob Dennis sich neben den Protagonisten setzten wird? Wie heißt er eigentlich? Bis jetzt wurden ja nur Namen von Mitschülern verraten.

Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
LG nobody

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Huhu, vielen Dank für die Kommentare!

Hihi, ja, die gute Frau Thiesfrau ist auf jeden Fall ein interessanter Charakter, vielleicht erfährt man ja nochmal mehr über sie. :wink:

Hihi, diese Schreibweise hat mir in einem anderen Leben in einem anderen Forum mal den Spitznamen „Wortmaler“ verpasst. :wink: Freut mich, dass es dir gefällt, ist einfach mein Stil. :slight_smile:

Hmm, also Dennis hat schon mal keine Locken. Kommt da vielleicht noch wer anders daher?

Nee, der ist doch bei dir, dann kann er gar nicht hier in der Geschichte vorkommen. :stuck_out_tongue:

Ein bisschen künstlerische Freiheit ist ja in Geschichten noch erlaubt. :smiley: Wer weiß, ob nicht doch Thiesmann auf ihrem Perso steht, aber sie Frau Thiesfrau genannt werden möchte? Aber ich mag ihren polarisierenden Charakter auch sehr, sie wird nochmal Thema. :wink:

Das werden wir im nächsten bzw. im übernächsten Teil erfahren. :wink:

Apropos, der nächste Teil folgt sofort. :open_mouth:

LG Iroc

Teil 3

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Meine Geschichtslehrerin schien die Vergangenheit für relevanter zu erachten, als die Gegenwart, jedenfalls begrüßte sie die Neuankömmlinge nur mit knappen Worten und wies sie freien Plätzen im Klassenzimmer zu, bevor sie mit ihrem Unterricht fortfuhr. Gespür für Menschen hatte ihr schon immer gefehlt. Ich atmete erleichtert auf, als die beiden Neuen ihren Platz einnahmen und der Platz zu meiner Linken noch frei blieb. Der war für meinen besten Freund Marten reserviert. Ein interessiertes Getuschel wurde im Hintergrund laut, als die beiden Neuen von meinen Mitschülern begrüßt und direkt mit unangemessenen Fragen gelöchert wurden, während die beiden Armen noch damit beschäftigt waren, ihre Taschen unter den Tischen zu verstauen. Ich wusste nicht, ob ich schmunzeln oder angestrengt das Gesicht verziehen sollte – die Fragen waren so offensichtlich minderbemittelt, wie es nicht anders von meinen Mitschülern zu erwarten war und an der Stelle von Nele und Dennis hätte ich mich sehr unwohl in meiner Haut gefühlt. Aber es war eben die Schule, wie man sie kannte. So viele komische Leute wird man in seinem Leben kaum ein zweites Mal auf einem Haufen finden.

Ich lehnte mich wieder zurück und verschränkte die Arme vor der Brust, wobei das weiße Hemd ein wenig spannte. Schnell verlor ich das Interesse an der neuen Situation und fragte mich, wo Marten eigentlich blieb. Er war bekannt dafür, zu spät zu kommen, aber mehr als eine halbe Stunde wurde es selten. Ein Blick auf die Uhr über der Tür verriet mir, dass diese schon längst verstrichen war. Frau Wetzstein begann mit einem Tafelbild über den Wiener Kongress, welches ich widerwillig begann mit abzuschreiben.

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Nachdem im letzten Teil ja nicht viel passiert ist, kommt hier gleich der nächste Teil. :slight_smile:

Teil 4

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Neuerliches Klopfen unterbrach Frau Wetzstein inmitten der Biographie des Fürsten von Metternich. Es war inzwischen mitten in der zweiten Schulstunde. Ich blickte hoch und legte gespannt den Stift nieder.

Die Tür wurde ganz langsam aufgezogen und ein klitschnasser Junge trat zögerlich und mit großen Augen in den Raum, gefolgt von Frau Thiesfrau, die ihn sanft vorwärts schob. Seine Augen huschten nervös zwischen den Schülern, Frau Wetzstein und allem dazwischen hin- und her. Zögerlich stellte er sich neben das Pult und hielt sich den Arm, sichtlich verängstigt und unsicher. Ein wenig belustigt stellte sich Frau Thiesfrau neben ihn. „Noch mehr Neuzugänge! Kaum zu glauben, gleich drei neue Schüler in einer Klasse. Nun ja, diese Klasse ist die einzige, in der noch Platz ist. Ihr hattet einfach zu viele Abgänge im letzten Jahr. Wir müssen wirklich nochmal über euren Klassenzusammenhalt sprechen!“ sprach sie in mahnendem Ton mit erhobenem Finger und legte dem Jungen eine Hand auf die Schulter. „Das hier ist Mika, er war auch vorher schon auf dieser Schule und hat die neunte Klasse übersprungen.“

Während sie ein bisschen mehr von Mika erzählte, musterte ich ihn. Er war deutlich kleiner, als die meisten Jungs in der Klasse und sehr schmächtig. Ich hatte ihn vielleicht schon mal in den Gängen gesehen, aber ich konnte mich nur sehr vage erinnern. Richtig wahrgenommen hatte ich ihn noch nie. Er war sehr ordentlich gekleidet und trug ein Polo-Hemd unter seinem dünnen Pullover. Das Einzige, was den ordentlichen Eindruck unterbrach, waren seine wilden, schwarzen Locken, die sein schmales Gesicht wie ein ungebändigtes, eigenständiges Wesen umrahmten und vom Regen draußen tropften.

„Ich habe ihn gerade erst vor dem Haupteingang aufgelesen, wo er scheinbar lieber im Regen die Backsteine der Außenfassade gezählt hat, als seiner neuen Klasse gegenüber zu treten.“ ergänzte Frau Thiesfrau. Seine Gesichtsfarbe wechselte von bleich zu hochrot und seine großen Augen flitzten nach wie vor nervös in der Gegend umher, bis sie schlussendlich auf mir hängen blieben. Er sah so nervös aus, dass ich unwillkürlich lächeln musste.

Ich erinnerte mich an meinen ersten Schultag zurück: Ich war erst am Anfang der 6. Klasse dazu gekommen und bin ebenso erst zur zweiten Stunde erschienen, weil ich mich im Maisfeld meiner Eltern versteckt hatte. Mein lautes Schluchzen hatte meine Eltern dann letztendlich doch zu mir geführt, die mich gepackt und ins Auto gezerrt haben. Mit roten Augen und noch roterem Kopf stand ich damals ähnlich wie Mika jetzt vor der Klasse und wusste nicht wohin mit mir.

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Der arme Mika, so vorgeführt zu werden :pleading_face:

Was hat der Protagonist (ich will immer noch seinen Namen wissen :smiley:) denn für Eltern, die ihn so lieblos behandeln? Es ist doch nachvollziehbar, dass man sich unwohl fühlt und versucht vor der Situation zu flüchen. Da hilt doch eher liebevoll da zu sein und Sorgen und Ängeste zu besprechen, ggf. gemeinsam zur Schule gehen/hinbringen, als hinzerren.

Bei so vielen neuen - wie soll er sich denn da entscheiden, in wen er sich als erstes verknallt? :stuck_out_tongue:

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Ja, Mika hat es echt nicht besonders leicht, das werden wir im weiteren Verlauf auch erfahren. Unserem Protagonisten geht es ganz ähnlich, jedoch liegt hier das Problem mehr in der Heimat und die Schule ist seine Ausflucht.

Nun, er hat eine gute Auswahl an Leuten, in die er sich verlieben könnte. Insbesondere Nele sieht doch ganz gut aus. :stuck_out_tongue:

Jetzt erfahren wir auch endlich, wie der Protagonist heißt. :slight_smile:

Teil 5

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Frau Wetzstein musterte den Neuankömmling kurz und suchte dann den Klassenraum nach freien Plätzen ab. Ihr Blick blieb auf dem Platz zu meiner Linken hängen. Natürlich tat er das – es war schließlich der letzte freie Stuhl im Klassenzimmer. Ich verdrehte die Augen und ahnte schon, was nun kommen würde. „Hallo Mika, setz dich doch da vorn neben Louis.“ Schützend legte ich den Arm um den Platz und wollte zum Diskutieren ansetzen, doch Frau Wetzstein warf mir nur einen eisigen Blick zu, schickte Louis mit einer Handbewegung zum Platz und Frau Thiesfrau aus dem Raum, bevor sie sich umdrehte und mit ihrem Unterricht fortfuhr. Schicksalsergeben nahm ich den Arm vom Stuhl und machte Platz für den Neuen. Das konnte ja was werden, jetzt würde ich dieses Schuljahr nicht einmal neben Marten sitzen können. Es hätte wenigstens jemand Mika ein Handtuch anbieten können.

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Zögerlich ließ er sich neben mir nieder und schob seine Tasche unter den Tisch. Dann wandte er sich zu mir und sah mich aus großen Augen an. „Hi.“ presste er angestrengt heraus. Ich setzte ein kleines, aber ehrliches Lächeln auf und antworte mit einem schlichten „Hey.“ Er sah mich noch für einen Moment länger mit offenem Mund an, als wolle er noch etwas sagen, wandte sich dann aber ganz schnell wieder ab und heftete den Blick auf die Tischplatte. Ich schmunzelte. Er war ganz anders, als alle anderen hier, aber ich beschloss, ihn doch zu mögen.

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Awww der Gedanke wie sich die beiden das erste mal sahen ist herzallerliebst :smiling_face: .

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Hey Waldi, freut mich, dass es dir gefällt! :heart_eyes:

Darauf gibt’s sofort den nächsten Teil!

Teil 6

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In der bald folgenden Pause saß ich mit Christoph, Niklas und ein paar anderen aus den Parallelklassen auf den Heizungen in der Nähe des Haupteingangs. Das war unser Ausweichplatz, bei besserem Wetter saßen wir eigentlich immer draußen bei den Tischtennisplatten. Ich diskutierte laut über unser Fußballspiel von gestern, als mein Handy vibrierte. Ich zog es unauffällig aus der Tasche und warf einen Blick auf die Nachricht von Marten: Er schickte ein Bild von einem blaugrünen Bein, zusammen mit einem kotzenden Emoji. :face_vomiting: „Bin dann mal im Krankenhaus, ist wahrscheinlich gebrochen.“

Mist. Ich bedeutete meinen Freunden, dass ich mich kurz aus dem Gespräch ausklinken würde und ging ein paar Schritte in den Flur hinein. „Was ist passiert?!“ tippte ich, während ich gedankenverloren weiterlief. Er schickte nur ein Auto, ein Fahrrad und einen Facepalm. :red_car: :bike: :man_facepalming:Der Nachmittag am Sportplatz war damit zweierlei ins Wasser gefallen. Ich rollte meine Augen und schickte das passende Emoji. :roll_eyes: „Idiot.“ und setzte noch nach „Warst wohl von der Fahrerin abgelenkt, oder?“

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„Hi.“ hörte ich auf einmal vor mir, blickte schnell hoch und wischte mir die in die Stirn gefallenen Haare aus dem Gesicht. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass ich mich so weit von den Heizungen entfernt hatte. Mika saß vor mir im Schneidersitz mit einem anderen Jungen auf dem Boden, der aus seiner alten Klasse kommen musste und tief in die Bedienung seiner Nintendo Switch versunken war. Ich ließ das Handy sinken und erwiderte „Hey Mika.“ Fast hätte ich sie über den Haufen gerannt. Schon merkwürdig, dass ich ihn vorher noch nie bewusst bemerkt habe und ihm jetzt direkt über den Weg laufe. Ich grinste über diesen Zufall und wollte gerade fragen, was sie da spielen, als sich von hinten eine Hand auf meine Schulter legte.

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Teil 7

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Ein wenig ertappt zuckte ich erschrocken zusammen und drehte mich ruckartig um. Vor mir stand mein Kumpel Bruno aus Parallelklasse, den ich dieses Schuljahr noch nicht gesehen hatte. Er war einen halben Kopf größer als ich – und ich war nicht klein – im Vergleich zu mir war er aber doppelt so breit. Nicht dick – Einfach nur breit. Ein Riese mit einem riesigen Herz, aber er war oft etwas unbeholfen in seinem großen Körper. Man könnte ihn gut und gerne als „gentle Giant“ bezeichnen.

„Heeeeey, Louis, was geeeht?“ fragte er überschwänglich und hielt mir die massige Faust zum Fist Bump hin. „Brunooo, ewig nicht gesehen, Kumpel!“ erwiderte ich und boxte seine Faust kräftig. Wir hatten uns nach den Ferien einiges zu erzählen. Erst recht die Geschichte von Marten.

Ich drehte mich um, warf ein flüchtiges „Bis dann.“ in den Raum und begleitete ohne eine Antwort abzuwarten meinen Kumpel zurück zu den Heizungen. Hinter mir hörte ich nur ein leises „Idiot.“ von dem Jungen, der neben Mika saß. Ich presste die Lippen aufeinander und war insgeheim ein bisschen sauer auf Bruno, mein Gespräch einfach so zu unterbrechen, aber ich drehte mich nicht um. Es gefiel mir gar nicht, dass ich so einen schlechten ersten Eindruck hinterlassen habe, ich hätte mich vielleicht doch besser vorstellen sollen. Bevor ich meine Gedanken beenden konnte, klingelte die Glocke und schickte uns alle zu den nächsten Unterrichtsstunden - Mathe.

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Im Matheunterricht blieb der Platz zu meiner Linken leer. Die Stunden zogen sich ewig in die Länge. Ich sah auf den leeren Platz grübelte noch immer über das Gespräch mit Mika und seinem Freund. Naja, ein richtiges Gespräch war es ja nicht einmal. Ich konnte mir immer noch nicht erklären, wieso mich das Thema so sehr beschäftigte, aber ich beschloss, es am nächsten Tag richtigzustellen, da ich heute keine Kurse mehr mit ihm zusammen hatte.

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Teil 8

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Nachdem der Schultag endlich ein Ende genommen hatte, stand ich noch eine ganze Weile mit meiner Truppe vor dem Haupteingang und unterhielt mich über dies und das. Der Regen hatte zum Glück eine Pause eingelegt, es tropfte lediglich noch ein kleines Rinnsal von der Dachrinne in die vielzähligen Pfützen vor der Schule.

Vor allem Marten war das Thema der Stunde. Ich hatte inzwischen die Meldung von ihm bekommen, dass das Bein sehr kompliziert gebrochen war und er direkt im Anschluss operiert werden sollte und mindestens für ein paar Monate ausfallen würde. Jetzt konnte ich Mika wirklich nicht mehr böse sein, Martens Platz zu meiner Linken zu blockieren.

Ich fragte in die Runde, ob noch jemand zum Sportplatz wollte, aber leider hatte bei dem Wetter niemand Lust, sich auf dem matschigen Platz einzusauen. Erst recht, als der Regen wieder einsetzte, zerstreute sich die Gruppe sehr schnell.

Irgendwann verabschiedete sich auch Linda und ich fand mich ganz allein vor dem Haupteingang wieder, mit dem Schulranzen über der Schulter und inzwischen klitschnass. Genau, wie Mika heute Morgen.

Ich schüttelte den Kopf, vertrieb den Gedanken und war unschlüssig, was ich jetzt tun sollte. Ich warf einen Blick auf die Uhr, seufzte und machte mich nun einsam auf den Weg zum Sportplatz. Ich musste jetzt einfach noch ein paar Runden laufen, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Ich wollte noch nicht heim.

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Gleich ein paar Monate - das klingt wirklich kompliziert. Ggf. dann noch Reha im Anschluss… Gute Besserung!

Da ist es doch gut, dass Mika neu dazu gekommen ist, dann sitzt Louis wenigstens nicht so ganz alleine.

Einfach mal bisschen Zeit für sich haben und ne Runde zu laufen, hilft machmal, um sich mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen zu beschäftigen und klarer zu werden. Er soll aber aufpassen, dass er sich auf dem nassen Sportplatz nicht verletzt!

Bin gespannt, wie es weitergeht.
LG nobody.

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Oh ja, Marten hat es echt übel erwischt. Aber so ein Zusammenstoß mit einem Auto ist auch nicht ganz ohne, er hat noch Glück gehabt!

Vielleicht hat Louis dann ja sogar ein bisschen Zeit für Mika, wo er nicht mehr komplett von Marten in Beschlag genommen wird. ^^

Mir hilft so was auch immer sehr. Ich schaffe es leider viel zu selten. Aber dafür kann ich ja meine Charaktere für mich rennen lassen. :stuck_out_tongue:

Und schon kommt auch der nächste Teil angerannt. :slight_smile:

LG Iroc

Teil 9

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Eine gute Stunde später stellte ich mein Rad vor dem großen Scheunentor ab und trat ins Wohnhaus ein. Ich war inzwischen völlig durchnässt. Ob vom Schweiß oder vom warmen Regen konnte ich nicht genau sagen, aber ich wünschte mir nichts sehnlicher als etwas zu Essen und eine Dusche. Das Laufen und die anschließende Radfahrt haben mir gutgetan und mein Kopf war ein leeres, zufriedenes Etwas, als ich die Tür hinter mir schloss und meine durchnässten Schuhe zum Trocknen auf die Heizung stellte.

Meine Oma streckte ihren Kopf aus der Küchentür in den Flur und hieß mich willkommen. „Loui, da bist du ja endlich! Ich habe etwas für uns gekocht, hast du Hunger?“ Ich nickte kräftig. Meine Oma war wirklich eine tolle Frau. Sie war erst Ende sechzig und wohnte irgendwie schon immer bei uns. Mein Opa starb leider schon sehr früh, ich konnte mich kaum an ihn erinnern. „Na dann komm schnell, wärmer wird’s nicht!“

Sie verschwand wieder in der Küche, während ich meine nassen Klamotten im Flur verteilte und mich im durchnässten T-Shirt auf meinen Platz auf der Eckbank vor dem runden Holztisch setzte. Eine bunte Plastiktischdecke war mit Metallklammern auf dem Tisch befestigt und auf dem Tisch lagen noch immer Krümel von vergangenen Mahlzeiten. Die Küche selbst war ein Sammelsurium aus weißen und unlackierten hölzernen Schrankfronten, einem alten Holzofen und überall verstreut liegenden weiteren alten Küchengeräten. Es roch nach einer Mischung aus altem Brot, abgestandenen Zigaretten und Bohnen.

Meine Oma drückte mir grinsend einen Teller dampfende Suppe und einen Löffel in die Hand und stellte sich selbst das Gleiche auf den Tisch. „Wie war der erste Schultag?“ fragte sie, während sie sich mir gegenüber auf einem Holzstuhl niederließ und selbst den Löffel ergriff. Ich schob mir gerade den ersten Happen Bohnensuppe in den Mund und wollte zur Antwort ansetzen, als meine Mutter in den Raum stürmte.

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