O:Evo-1570

Hauptrollen:
Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Dylan ist ein talentierter Zeichner und steht kurz vor seinem Outing bei seinem Dad.
Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei.
Philip „Phil“ Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.

Nebenrollen:
Hannibal: Kater der Winters

X:Outing -22
Es befand sich eine sehr unangenehme Stille im Auto. Nur der Motor war zu hören, wie er auf Hochtouren lief, um uns so schnell wie möglich nach Hause zu befördern. Ich saß auf dem Beifahrersitz und traute mich nicht mehr, auch nur ein weiteres Wort von mir zu geben. Ich bevorzugte es lieber, rechts zum Fenster rauszuschauen und zu sehen, wie wir an Häuser, Gärten und anderen Autos vorbei fuhren. Selbst Cosmo hielt sich ausnahmsweise mal zurück und zog es vor zu schweigen. Mir war nie aufgefallen, wie weit der Weg von der Sporthalle zu uns nach Hause war. Jetzt wusste ich es, denn es fühlte sich wie eine Ewigkeit an!
Schließlich erreichten wir doch noch unser Zuhause. Das Auto bog noch einmal rechts ab und fuhr schließlich langsam in die Hofeinfahrt ein. Die Scheinwerfer beleuchteten das Garagentor, vor dem gerade Hannibal herumlungerte. Schreckhaft rannte er auf seinen vier Pfoten davon und sprang über eine Hecke in unseren Garten. Mein Dad stellte den Motor ab und zog den Schlüssel heraus, doch keiner von uns verließ das Auto. Nach ein paar Sekunden sagte mein Dad zu Cosmo: „Geh doch schon einmal ins Haus rein. Wir kommen bald nach.“ Er reichte Cosmo den Schlüssel nach hinten, der ihn wortlos entgegen nahm. Als er ausstieg, sagte mein Dad noch zu ihm: „Cosmo?!“ Cosmo hielt inne und wartete darauf, was mein Vater ihm zu sagen hatte. Ich hingegen blieb nervös auf dem Beifahrerplatz sitzen. „Du warst heute wirklich großartig und ich bin sehr froh darüber, dass du dich an unsere Regeln gehalten hast.“ Cosmo warf meinem Dad einen dankbar sagenden Blick zu. Dann warf er mir noch einen kurzen aufmunternden Blick zu, ehe er die hintere Tür zuknallte und leise ins Haus verschwand.
Da waren wir nun. Mein Dad und ich – ganz allein im Auto. Dies war denke ich der zweitschlimmste Moment in meinem Leben. Der schlimmste Moment in meinem Leben hingegen war der Tag, an dem meine Mutter ums Leben kam. Als der Arzt meinem Dad die traurige Nachricht mitteilte, fühlte er sich dazu gezwungen, nicht zu weinen, um mir zuliebe stark zu bleiben. Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag, als wäre er gestern gewesen. Doch wieso muss ich gerade jetzt daran denken? Ich hab bereits meine Mutter verloren und nun hab ich vermutlich Angst davor, auch noch meinen Vater zu verlieren, wenn auch auf eine andere und weniger schlimme Art und Weise. Die Stille im Auto erreichte ihren absoluten Gefrierpunkt. Ich lag meine Hände in den Schoß und traute mich nicht, das erste Wort zu ergreifen. Mein Outing war auch alles andere als perfekt, es war unpassend und kam für meinen Dad wie aus dem Nichts geschossen. Ein Wunder, dass bei der Vollbremsung niemand zu Schaden kam. In der Obhut eines Sheriffs, ist aber natürlich jeder angeschnallt und so hatten wir noch einmal Glück gehabt. Ebenso, dass in dem Moment kein Auto hinter uns herfuhr.
„Also…“ Mein Dad durchbrach als Erster die Stille. Jetzt ging es los und ich war auf alles gefasst! „…ich habe deiner Mutter immer gesagt, dass sie dir nicht die Puppe zu Weihnachten schenken soll.“ Okay, damit hatte ich nun am wenigstens gerechnet. „Du warst damals neun Jahre alt und hast im Spielzeuggeschäft diese Puppe gesehen. Du wolltest sie unbedingt haben.“
Nun fand auch ich meine Stimme wieder. „Das war keine Puppe, sondern eine Marionette und nur weil diese männlich war, hatte das nicht zu bedeuten, dass ich schwul werde.“
„Sag dieses Wort nicht.“, sagte mein Dad leise, was mir einen Stich versetzte. „Und ob nun Puppe oder Marionette ist egal, mit sowas spielen doch nur Mädchen.“
„Das ist Quatsch und das weißt du auch.“, erwiderte ich etwas säuerlich.
„Und was ist dann mit deinen Tanzstunden? Nur Frauen wollen freiwillig tanzen lernen!“, sagte mein Dad, der offenbar versuchte einen Grund für mein jetziges Sein zu finden.
„Ich wollte das lernen? Das war eine Aktion innerhalb der Schule und eine Mitschülerin hat mich damals gefragt, ob ich sie nicht begleiten würde, aber das hat doch nichts damit zu tun, dass ich schwul bin und auf Männer stehe!“
„Sag dieses Wort nicht!“, wiederholte mein Dad sich, nun etwas lauter, während seine Augen starr nach vorne gerichtet waren und er seine Hände immer noch am Lenkrad hielt.
„Was? Das ich schwul bin? Ich bin es aber und je eher du dich damit abfindest, desto leichter wird es für uns Beide.“, sagte ich wütend, verletzt und doch noch klar bei Verstand. Das Outing lief gerade alles andere als geplant. Ich hatte nicht erwartet, dass mein Dad vor Freude in Tränen ausbrechen würde, aber mit solch einer Reaktion hatte ich wahrlich nicht gerechnet.
„Aber es muss doch eine Ursache dafür geben, dass du…“, er hielt kurz inne und nun sahen wir uns erstmals gegenseitig in die Augen. Er wirkte völlig aufgelöst, ich hingegen konnte meine Gefühle gut in Zaum halten. „Es muss einen Grund geben, dass du so geworden bist.“
„Einen Grund? Es gibt keinen Grund, es ist nun einmal einfach so. Ich hab mich doch nicht einfach so dafür entschieden. Ich bin nicht so geworden, weil ich es wollte. Man wird nicht von heute auf morgen schwul. Ich fühle mich zu Jungs einfach mehr hingezogen als zu Mädchen.“, versuchte ich meinem Dad zu erklären, doch schien ich auf taube Ohren bei ihm zu stoßen.
„Das Mädchen, mit der du bei diesen Tanzstunden warst. Ist sie dran schuld? Hat sie irgendetwas getan, was dich angewidert hat?“, fragte mein Dad, dessen Gedanken immer abstruser wurden.
„Daaad! Das ist ein Jahr her und nein sie hat nichts dergleichen getan.“, antwortete ich entsetzt. „Was ist denn so schlimm daran, dass ich auf Männer stehe?“
„Denk jetzt bitte nicht, dass ich Vorurteile deswegen habe.“, reagierte mein Dad schnell. „Ich hab nur einfach nicht damit gerechnet, dass mein Sohn – mein einziger Sohn – einer von ihnen sein könnte. Ich hab immer erwartet, dass du eines schönen Tages mal heiraten würdest und Kinder bekämst.“
„Aber das kann ich doch trotzdem alles…, nur eben nicht mit einer Frau.“, erklärte ich meinem Dad, der daraufhin einfach nur den Kopf schüttelte und sein Gesicht in seinen Händen vergrub.
„Genug davon. Es ist schon spät. Lassen wir es für heute gut sein.“, sagte er schließlich erschöpft.
„Du willst das einfach so stehen lassen?“, fragte ich ihn enttäuscht. „Wovor hast du solch eine große Angst, ich bin nach wie vor dein Sohn!“
Mein Dad schien der Verzweiflung nahe zu sein, doch war er damit nicht der Einzige. Auch ich war verzweifelt. Das war auch eine verzwickte Situation, mit der er aber leben musste. „Nach dem Tod deiner Mutter hatte ich Angst dich auch noch zu verlieren.“, meinte mein Dad verängstigt.
„Das wirst du nicht Dad.“, sagte ich nun einfühlsam und versuchte meine Hand auf die seine zu legen. Doch zu meinem Bedauern zog er diese reflexartig zurück. Traurigkeit breitete sich in mir aus.
„Ich befürchte nur, dass ich das bereits habe.“ Mit diesen Worten verließ mein Dad schließlich das Auto und ich blieb regungslos zurück – enttäuscht, wütend, entsetzt und traurig zugleich.

Ich saß noch geschlagene zehn Minuten alleine im Auto, um über alles nachzudenken. Mit dieser Entwicklung der Ereignisse hatte ich nun wahrlich nicht gerechnet. Als ich später ebenfalls ins Haus ging, waren alle Lichter außer denen im Treppenhaus aus. Mein Dad schien sich bereits in sein Schlafzimmer zurückgezogen zu haben und ich wollte es ihm gleich tun. Als ich mein Zimmer betrat, schien Cosmo bereits am Schlafen zu sein. Zumindest war ein Schnarchen in Form eines Grunzens zu hören. Ich zog mein Schlafgewand an und verzichtete heute ausnahmsweise auf das Zähneputzen. Ich wollte nur noch ins Bett, schlafen und den heutigen Abend so schnell wie nur möglich aus meinem Gedächtnis streichen. Doch das war einfach unmöglich. Die Reaktion meines Vaters zeigte mir deutlich, warum ich so lange Bammel davor hatte, es ihm zu sagen. Wenn meine Mum noch leben würde, sie hätte Verständnis für mich und hätte meinem Dad auch die Leviten gelesen. In solchen Fällen war immer sie die Herrin im Haus. Von menschlicher Psyche hatte sie viel Ahnung, was wohl aber auch daran lag, dass sie als Psychologin tätig war. Ich war so wütend und enttäuscht von meinem Dad, dass ich dies gar nicht in Worte fassen konnte. Jedoch hatte ich meine Gefühle bisher sehr gut im Griff – bis jetzt! Es kam sehr schnell. Das Gesicht meines Vaters, seine Reaktion, unser Gespräch und mit einem Mal schossen mir Tränen ins Gesicht. Ich wollte aufhören, ich hasste es zu weinen, doch ich konnte einfach nicht aufhören! Die Tränen liefen meine Wangen herunter und landeten auf meinem Bettlaken. Ja super, jetzt nässe ich auch noch mein Bett ein. Doch im Grunde genommen war dies auch schon egal. Mein Dad meinte, er hätte mich als seinen Sohn verloren. Das hat mich so verletzt und fühlte sich wie ein brennender Schmerz im Herzen an. Scheiß darauf, wenn ich weinen muss, dann weine ich und nichts und niemand kann das aufhalten!
Plötzlich spürte ich eine Bewegung hinter mir. Eine Person kam zu mir ins Bett gekrochen und legte sich zu mir unter die Bettdecke. Zwei Arme umschlangen meinen Körper und ich konnte den warmen Atem an meinem Ohr spüren. „Alles wird wieder gut. Ich bin ja bei dir.“, sagte eine leise Stimme zu mir, die keinem Geringeren als Cosmo gehörte. Er hatte mich offenbar weinen gehört. Seine Fürsorge und seine Wärme waren jetzt genau das Richtige für mich. Ich konnte zwar dennoch nicht zum Weinen aufhören, aber es tat gut, jemanden bei mir zu haben, der nun für mich da war.

Das FINALE von PART I im Doppelpack: Am Montag, den 31.Oktober 2022 - HALLOWEEN!

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Boa, wie kann man nur so verbohrt sein? Was hat der Vater für ein Problem?

Wenn er denkt, er hätte Dylan verloren, ist das einzig und alleine seine Einstellung und Beschränktheit.
Hoffentlich kommt er noch zu Besinnung.

Wenigstens ist Cosmo da, um ihn aufzufangen und Rückhalt zu haben. Den sollte man eigentlich von seinen Eltern bekommen.

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Als ich mir das Kapitel noch einmal durchlas, da fand ich es interessant, dass Dylan Angst hatte, ER könnte seinen Vater durch sein Outing verlieren. Jetzt ist es genau umgekehrt, dass sein Vater meint, er hätte seinen Sohn verloren. Das war mir früher beim Schreiben gar nicht bewusst.

Hauptrollen:
Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner.
Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei.
Philip „Phil“ Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.

Nebenrollen:
Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara.
Tamara Harding: Mitschülerin von Dylan; Zwillingsschwester von Emmet; führt eine geheime Beziehung mit Dixon.
Mika Stone: Mitschüler von Dylan; Klassenclown; scheint etwas zu verbergen.
Elijah Richfield: Mitschüler von Dylan; bester Kumpel von Mika, schmeißt eine Halloween-Party.
Dixon Waller: Mitglied der Basketball-Schulmannschaft; führt eine geheime Beziehung mit Tamara.
Jens Huge: Ein sehr großer Kerl und Mitglied der Basketball-Schulmannschaft.
Herr Prokkowitch: Russischer Astronom; zu Besuch in Amerika.
Frau Kovnikovo: Russische Astronomin; zu Besuch in Amerika.
Hannibal: Kater der Winters.

Ψ:Halloween-23
Es war Samstagabend, Halloween! Heute fand die große Halloween-Party bei Elijah statt und Cosmo konnte es kaum noch erwarten, auf diese Party zu gehen und allen sein Kostüm zu präsentieren, dass er sich selbst überlegt hat. Da ich stark annahm, dass es bei Elijah nichts Vernünftiges mehr zu essen gab, nahmen wir Zuhause noch ein letztes Abendmahl zu uns. Ich schmierte mir und Cosmo ein paar Wurst- und Käsebrote. „Ich glaube Hannibal möchte auch was davon abhaben.“, sagte Cosmo, als der Kater in die Küche geschlichen kam, auf einen Stuhl sprang und sich gierig das Maul leckte.
„Bloß nicht, der ist schon fett genug.“, erwiderte ich, kümmerte mich jedoch um das Katzenfutter für Hannibal. Kurz darauf hörte ich eine Tür zufallen und mein Dad kam von seiner Arbeit nach Hause. Er hatte noch seine Uniform an, demnach war das wohl nur ein kleiner Zwischenstopp. „Hey Dad, wie war die Arbeit?“, fragte ich ihn besonnen. Nach meinem Outing ging mein Dad mir stellenweise aus dem Weg, aber immerhin konnte er mir noch in die Augen sehen, was positiv zu vermerken war.
„Stressig und jetzt geht es erst richtig los.“, antwortete mein Dad mir. „Bin nur kurz nach Hause gekommen, um ein wenig Nahrung zu mir zu nehmen.“
„Hier bitte.“, sagte Cosmo, der ihm ein überladendes Wurst-Käse-Brot reichte.
Mein Dad nahm das Brot dankbar entgegen. „Wann müsst ihr los?“, fragte er anschließend, jedoch an Cosmo gewandt.
„In etwa einer Stunde.“, antwortete Cosmo ihm, als es an der Tür klingelte. „Yeah, kleine Kinderchen. Ich geh schon!“ Cosmo war voller Tatendrang und rannte zur Tür. Ein lautes „Süßes sonst gibt´s Saures“ war vom Eingang zu vernehmen.
Mein Dad starrte mich verwirrt an. „Der rennt schon den ganzen Abend zur Tür und kurz darauf hört man das…!“ Plötzlich war ein lautes Kreischen zu hören und als ich durch das Küchenfenster spähte, konnte ich drei kleine Jungs die Straße runter rennen sehen. Ein Grinsen breitete sich in meinem Gesicht aus. „Ich weiß nicht wie er das macht, aber es ist effektiv!“
„Er wird sich doch nicht etwa…?“, stieß mein Vater entsetzt aus und ich glaubte zu wissen, worauf er anspielte.
Ich schüttelte sofort mit dem Kopf. „Evos Aussehen ist alles andere als beängstigend, eher im Gegenteil. Für einen Außerirdischen sieht er ausgesprochen cool aus!“
„Dankeschön.“, sagte Cosmo breit lächelnd, als er in die Küche zurück stolziert kam und sich wieder auf seinen Platz niederließ, um sein Käsebrot zu verdrücken.
„Ach übrigens, ich hab für nächste Woche einen Sonderurlaub beantragt.“, erzählte mein Dad uns urplötzlich, ohne dass wir in Erfahrung brachten, wie Cosmo die Kinder immer davon jagte. „Dann können wir die Abstellkammer entrümpeln und Cosmo bekommt dann endlich sein eigenes Zimmer. Das ist schließlich keine Dauerlösung, ihr zwei … allein … zusammen in einem Zimmer.“
„Ich will aber bei Dylan bleiben.“, reagierte Cosmo daraufhin sehr trotzig.
„Nichts da!“, entgegnete mein Dad streng. Der Grund für diese Veränderungen war mir klar. Er glaubte, dass ich Interesse an Cosmo hegte, was natürlich ausgemachter Blödsinn war. Jedoch war es zwecklos meinem Dad zu widersprechen, wenn er sich mal etwas in den Kopf gesetzt hatte. Ich nahm stark an, dass mich da noch schwierige Zeiten erwarteten…

Elijah lebte zusammen mit seinen Eltern natürlich in der wohlhabendsten Gegend unserer Kleinstadt. Die Villa der Richfields befand sich also auch ganz in der Nähe von der Villa unserer werten Frau Bürgermeisterin, deren Sohn heute Abend sicher auch auf der Party zugeben war. Cosmo und ich schlenderten in unseren Kostümen durch diese wohlhabende Gegend und bestaunten die vielseitige und außergewöhnliche Halloween-Deko an den einzelnen Gebäuden. Doch mit der Villa der Richfields konnte keiner mithalten. Elijah hatte keine Kosten und Mühen gescheut. Das Eisengittertor war mit Spinnweben versehen und auf zwei Steinsäulen saßen zwei unheimliche Wasserspeier. Als wir es öffneten, knarrte es unheimlich. Wir gingen auf einem gepflasterten Weg auf die weiße Villa zu, aus der laute Musik dröhnte und viele Stimmen zu hören waren. Links und rechts vom Weg befand sich ein sehr gepflegter Rasen, der heute jedoch von selbst errichteten Grabsteinen, Totenschädeln und Knochen, sowie ein Dutzend ausgehüllter Kürbisse, in denen helle Kerzen schimmerten, übersät war. Von der Hauswand hangelten sich zudem zwei Riesenspinnen herunter und als Türsteher wurde der Sensenmann höchstpersönlich engagiert. „Ich muss zugeben, dass ist ein ziemlich geiler Schuppen!“, sagte ich begeistert.
„Geiler Schuppen?“ Cosmo starrte mich durch sein Kostüm hinweg an, doch schien er dann ganz schnell verstanden zu haben, dass das wieder eine Redewendung von uns Menschen war. „Ihr Menschen seid die absonderlichsten Wesen, denen ich je begegnet bin.“
„Und das erzählt mir ein Alien mit Reißzähnen, einer Antenne, einem langen Schwanz und keinerlei Essmanieren.“, erwiderte ich, als wir die letzten Stufen zur Villa empor stiegen.
Dort wurden wir jedoch vom Sensenmann mit seiner Todessichel zurückgehalten. „Passwort!“
„Passwort? Ich weiß von keinem Passwort.“, meinte ich irritiert zu ihm.
„Ohne Passwort darf ich euch nicht rein lassen. Befehl von Elijah.“, erklärte uns der Sensenmann.
„Das Passwort lautet: „Totgesagte leben länger“.“, kam es plötzlich aus Cosmos Mund und ich starrte ihn überrascht an. „Hat mir Elijah noch gestern in der Schule mitgeteilt, als du auf dem Klo warst.“
Der Sensenmann ließ uns schließlich gewähren und so betraten wir die Villa der Richfields, das heute dem Schlund der Hölle glich. Es war ziemlich düster, nur hier und da brannten ein paar Kerzen oder gar richtige Fackeln. Mein erster Gedanke war, dass noch jemand das Haus abfackeln würde. Von der Decke hingen lauter selbst gebastelte Gespenster herunter, an den Wänden wurden gruselige Gemälde aufgehängt und das Haus war über und über mit Spinnweben übersehen. Wir betraten das große Wohnzimmer, in dem ein großer Kronleuchter von der Decke hing und ein prachtvolles Feuer im Kamin loderte. Möbel waren zur Seite geschoben worden, um eine Tanzfläche zu schaffen und in der Küche, die ungefähr dreimal so groß wie die bei mir Zuhause war, wurde ein Buffet errichtet. Wie bereits erwartet gab es nichts Vernünftiges mehr zu essen. Zumindest sah alles sehr unheimlich aus: Kürbispasteten, Wiener mit Ketchup die wie blutige Finger aussahen, Blutsuppe mit Augäpfel – vermutlich Erdbeersoße mit Apelstückchen – sowie grüne Götterspeise a la Blob. „Boah geil, sieht das alles lecker aus!“, rief Cosmo begeistert aus.
„Freut mich über alle Maßen, dass es dir gefällt!“, kam es von hinten und als Cosmo und ich uns umdrehten, stand der gerissene Joker vor uns. Ich musste kurz überlegen und zweimal hingucken, erkannte unter all der Schminke dann aber doch noch Mika, der uns breit entgegen grinste. „Sehr schön, dass ihr Zwei gekommen seid. Dies wird ein Abend, den keiner von uns so schnell vergessen wird. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben dürfte: Eure Kostüme sind der absolute Hammer!“
Das waren sie wohl, das von Cosmo mehr als das meinige. Ich hatte noch ein altes Werwolf-Kostüm bei mir im Speicher und war nun übersät mit Haaren. Jedoch trug ich keine traditionelle Wolfsmaske, da ich nicht den ganzen Abend damit rumlaufen wollte. Nun sah ich eher wie einer dieser Wölfe aus der Serie „Teen Wolf“ aus. Cosmos Kostüm hingegen war ein echter Hingucker. Dabei war gar nicht viel von Nöten. Er trug eine schwarze Hose, ein schwarzes ärmelloses Hemd und schwarze Schuhe. Seine Arme und sein Gesicht hat er vollständig mit roter Neonfarbe eingestrichen. An manchen Stellen stand sogar geschrieben: „Freitag der 13.“ oder „Monstaaa!“ oder eben „Halloween“. Dazu kamen eine neonfarbene Krawatte und hochgestylte Haare, die er sich weiß färben ließ. Er sah wirklich schräg aus und war in der Dunkelheit gut erkennbar.
„Hey Cosmo, komm mit, die anderen Jungs aus der Basketball-Mannschaft sind auch hier. Sie werden ausflippen wenn sie dich so sehen!“, rief Mika Cosmo begeistert zu, packte ihn am Arm und zog ihn mit sich, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an mich zu verschwenden. Also doch, Mika war die ganze Zeit nur hinter Cosmo her! Was führt dieser Kerl im Schilde? Hatte Frau Kovnikovo vielleicht Recht und er hat in der Sternschnuppen-Nacht doch etwas gesehen? Ich sollte ihn wohl besser im Auge behalten. Ich verfolgte die Beiden quer durchs Wohnzimmer. Am anderen Ende stand das Basketballteam aus unserer Schule, darunter auch Elijah, der sich als eleganter Teufel mit Cape verkleidet hatte. Jedes Team-Mitglied hatte ein Glas Bowle in der Hand und gemeinsam lachten sie ausgelassen. Elijah freute sich sehr, als er Cosmo sah und schenkte ihm zur Begrüßung eine Umarmung. Dann überreichte er auch ihm ein Glas Bowle und flüsterte ihm zudem etwas ins Ohr. Hat er etwa…? Ist in der Bowle etwa…? Wie aus Geisterhand griff ich nach dem nächstbesten Glas und roch daran – Alkohol! In der Bowle befand sich ohne jeden Zweifel Alkohol. Elijah, dieser Idiot! Auf der Party sind noch fast alle minderjährig und Cosmo hat bestimmt noch nie Alkohol zu sich genommen. Wer weiß was das für Auswirkungen auf ihn haben könnte. Ich sollte Cosmo packen und ihn aus diesem Haus zerren, aber dafür war es womöglich schon zu spät. Das würde zu sehr auffallen und ich dürfte mir einige Fragen anhören. „Ähm hallo? Das ist meine Bowle!“, entgegnete ein Zombie, in dessen Schädel eine Axt eingeschlagen hatte und Blut an der Schläfe runterlief.
Ich ging ein wenig durch den Saal, aber behielt Cosmo und auch Mika nach wie vor im Blickfeld. Bei einem Fenster machte ich schließlich Halt. Ich konnte Tamara mit ihrem Freund Dixon und ihrem Bruder Emmet den Weg zur Villa entlang marschieren sehen. Emmet war also auch eingeladen? Doch sie waren nicht die Einzigen, die ich draußen entdecken konnte. Vor dem Eisengitter stand ein Mann in einem schwarzen Mantel. Ich musste etwas genauer hinsehen, bis ich Herrn Prokkowitch erkannte. Mir blieb die Luft zum Atmen weg. Was hatte der denn hier zu suchen?

Ω:Mondlicht-24
Was zum Teufel hatte der Astronom Herr Prokkowitch hier zu suchen? Waren er und seine Kollegin womöglich hinter Evo her? Ich sollte Cosmo davon besser in Kenntnis setzten, damit es kein Unheil gab und er sich nicht verdächtig verhielt. Doch genau dies dürfte sich als Problem erweisen, wenn Mika und Elijah ihn nun mit Alkohol abfüllten. Ich wandte mich wieder der Party zu und suchte mit meinen Augen nach Cosmo. Er, Mika und Elijah waren verschwunden! Oh nein! Erneut drehte ich mich um, diesmal sah ich wieder zum Fenster raus – Herr Prokkowitch stand nicht mehr vor dem Eisengitterzaun. Allmählich glaubte ich wirklich, dass es hier zu spuken anfing.
„Hey Dylan.“, begrüßte mich eine sanfte weibliche Stimme und vor mir standen Tamara, ihr Freund Dixon und … Emmet! Tamara und Dixon hatten sich für einen Paar-Look entschieden und schwebten nun als Spukgestalten umher. Dabei trug Tamara ein zerfetztes, aber doch sehr wunderschönes weißes Kleid. Ihrem lockigen Haar hatte sie ein paar Weißtöne verabreicht und auch im Gesicht hat sie sich weiß anmalen lassen. Dixons Kostüm sah dabei etwas weniger glorreich aus, aber dafür auch unheimlicher. Er war in weiße Fetzen mit Kapuze gehüllt und auch er war im Gesicht weiß angemalt, ließ sich zusätzlich aber auch noch schwarze Augenringe verpassen. Emmets Kostüm hingegen gefiel mir am besten – natürlich! Er war als schaurige Vogelscheuche verkleidet mit Gummistiefel und einer Sense, die etwas kürzer als die vom Sensenmann war. Auf seiner Schulter saß zudem eine ausgestopfte Krähe. „Ich wusste gar nicht, dass Elijah heute Abend den Hund von der Leine lässt…“ Tamara lächelte mich unverschämt an und mir war natürlich klar, dass sie auf mein Kostüm anspielte.
„Ich geh uns mal was zum Trinken holen.“, sagte Emmet kurz darauf, als er spürte, wie ich ihn quasi mit meinen Blicken auszog. Er war noch immer sauer auf mich…
„Ich such die Jungs aus meinem Team.“, sagte Dixon, der Tamara einen Kuss auf die Wange drückte.
„Nicht!“, entgegnete sie und blockte ihn ab. „Nicht hier und außerdem zerstörst du mein Make-up!“
Dixon warf ihr einen etwas angesäuerten Blick zu und ging von dannen. Tamara und ich standen uns kurz beschämend gegenüber, ehe sie ihrem Freund einfach hinterher marschierte … oder schwebte.
Als ich wieder allein war, fiel mir wieder ein, dass Cosmo verschwunden war. Ich sollte ihn finden. Ich begab mich also auf die Suche nach ihm, doch wurde ich im Wohnzimmer nicht weiter fündig. Ich sah lediglich Tamara wieder, die auf ein paar Freundinnen traf, die sich als Hexen ausgaben. Ich war so geistesabwesend das ich mit einem anderen Partygast zusammen rumpelte. Der Junge war locker einen Kopf größer, wenn nicht sogar noch mehr. Er trug einen langen grauen Mantel und war im Gesicht komplett schwarz! Es war „der unheimliche Stalker“, oder besser gesagt Jens Huge, ein weiteres Mitglied unserer Basketballmannschaft. „Ähm… hast du Mika oder Elijah gesehen?“, fragte ich einfach drauf los, in der Hoffnung weiter zu kommen. Doch erhielt ich von Jens keinerlei Antwort. Er schien in seiner Rolle voll aufzugehen und starrte mich einfach nur stumm und mit großen Augen an. Dann streckte er seinen Arm in die Höhe aus und deutete mit seinem Finger in die Küche. „Äh danke.“, sagte ich schließlich, während mir ein kalter Schauer über den Rücken fuhr.
Ich marschierte also schnurstracks zur Küche, doch blieb ich auf halbem Wege stehen. Kurz vorm Kücheneingang stand Emmet. Er hatte mir zwar den Rücken zugedreht, aber ich erkannte ihn natürlich an seiner Verkleidung. Er schien jemandem zuzuhören, der in der Küche stand. Ich spitzte also ebenfalls meine Lauscher und konnte die Stimmen von Elijah und Dixon vernehmen. „Ich kann nicht glauben, dass dieser Langweiler auch auf meiner Party ist.“, hörte ich Elijah sagen.
„Tamara wollte das so, oder sie wäre nicht mitgekommen.“, erklärte Dixon seinem Kumpel. „Was hätte ich denn sonst tun sollen? Es ist sowieso schon so kompliziert zwischen uns, da wollte ich ihr wenigstens diesen Gefallen tun.“
„Du weißt doch aber ganz genau, dass ich ihren Bruder nicht ausstehen kann.“, meinte Elijah daraufhin zu seinem Freund. „Er ist langweilig, total schräg drauf, an Blödheit nicht zu übertreffen, eine absolute Null in Sport und wohl die schlimmste Plage auf Erden.“
Das war zu viel, selbst für einen Emmet, der immer alles in sich hineinstopfte. Er drehte sich um und wollte verschwinden, doch dann entdeckte er, dass ich ihn beobachtet hatte. Ich konnte Tränen in seinen Augen sehen, aber auch seinen Zorn spüren. Ich riss den Mund auf und wollte tröstend auf ihn einreden, doch brachte ich kein Wort heraus. Emmet und ich standen uns mehrere Sekunden gegenüber, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Dann rannte er an mir vorbei, durchs Wohnzimmer und zur Haustür hinaus. Ich fühlte mich schuldig. Ich sollte ihm beistehen und ihm hinterher rennen, doch so leid er mir auch tat und so stark wie meine Gefühle immer noch für ihn waren, so war Cosmo zu finden im Augenblick wichtiger. Dann hörte ich Elijah etwas aus der Küche zu Dixon sagen: „Mika? Ich glaube der ist mit Cosmo in den ersten Stock rauf. Will ihm wohl die Villa zeigen oder so. Als Gastgeber wäre das ja eigentlich meine Aufgabe gewesen, aber Mika meinte, er möchte das so.“
Im ersten Stock also. Ich rannte zurück und stieg die Stufen in den ersten Stock hinauf. Oben angekommen, erwarteten mich ein langer Flur und an die zwanzig Türen. Na dann fang mal zu suchen an, dachte ich mir. Der Flur war mit einem weinroten Teppich ausgelegt und überall an den Wänden hingen Familienporträts der Richfields. Im ganzen Flur schimmerte ein gedämpftes Licht, aber an Halloween erinnerte hier nichts mehr, außer meinem billig aussehenden Kostüm.
Ich ging auf Nummer sicher und klopfte vorher an jeder Tür. Die ersten zwei Zimmer waren Schlafräume, doch von Mika und Cosmo keine Spur. Das dritte Zimmer war das Badezimmer und die vierte und fünfte Tür waren abgesperrt. So ging es weiter und weiter und nach dem dritten Badezimmer und dem sechsten Schlafzimmer fragte ich mich, wie viele Leute hier überhaupt lebten. Wenn ich mich recht erinnerte, hatte Elijah keine Geschwister und wohnte mit seinen Eltern alleine hier. Das die Richfields reich waren okay, aber das war nun doch ein wenig zu viel des Guten. Die Suche aufzugeben war für mich keine Option, doch nachdem nur noch drei Türen vor mir lagen, breitete sich in mir doch ein wenig die miese Laune aus. Plötzlich öffnete sich die hinterste Tür und Mika kam in seinem Joker-Gewand zum Vorschein. Ich hatte das Gefühl, er würde mich heimtückisch angrinsen, aber das kam wohl einfach nur seinem Kostüm zu Schulden. Er schien sich zu freuen mich zu sehen, doch war er auch sichtlich verwundert. „Was machst du denn hier oben?“
„Ich suche nach Cosmo. Ist er da drin?“, fragte ich ihn, doch wollte ich nicht auf die Antwort abwarten und einfach selber nachsehen.
Mika hielt mich jedoch zurück, indem er mich unterm linken Arm packte. „Da solltest du jetzt nicht reingehen. Dein Cousin hat etwas zu viel Bowle erwischt und muss sich jetzt ausruhen. Offenbar ist ihm der Alkohol etwas zu Kopf gestiegen.“
„Warst du das? Hast du ihn so abgefüllt?“, fragte ich Mika wütend.
„Hey Mann, er hat gerade mal zwei Gläser getrunken. Davon bekommt man nicht gleich einen Rausch, dass man nicht mehr geradeaus gehen kann, geschweige denn auf den Beinen halten kann.“
Aus irgendeinem mir noch unempfindlichen Grund glaubte ich Mika das, was er mir sagte und trotzdem… „Was hast du da drinnen mit ihm gemacht? Was führst du im Schilde Mika?“ Ich haute die Fragen einfach so raus, denn ich wollte endlich Gewissheit.
„Was ich im Schilde führe? Gar nichts. Ich wollte ihn nur etwas besser kennen lernen, das ist alles.“, antwortete Mika mir mit erhobenen Händen. „Was ist dein Problem Dylan? Ich hab schon lange den Verdacht, dass du mich nicht ausstehen kannst. Ist es weil ich immer das Maul soweit aufreiße? Ich weiß dass ich ein Idiot sein kann, aber ich kann auch ganz anders. Das wollte ich dir heute eigentlich auch zeigen. Deshalb hab ich dich ja eingeladen, um mich etwas mit dir zu unterhalten. Nur leider kam mir dein Cousin dazwischen… Man ich sag dir, der gibt komisches Zeug von sich, wenn er hacke ist. Erzählt mir da was von einem Wunsch den er erfüllen muss und von einer Geheimidentität.“
„Okay, okay, okay. Ich kümmere mich um ihn. Ich finde es sehr nett von dir, was du getan hast, aber an diesem Punkt übernehme ich.“, sagte ich und wollte in das Zimmer rein, egal was Mika dagegen einzuwenden hatte.
Mika schien das auch nicht zu erfreuen, aber hinderte mich nicht mehr daran. Eigentlich schien er jetzt sogar etwas traurig darüber zu sein. „O-Okay. Ich geh dann mal wieder zur Party.“, sagte er und ging schließlich den langen Flur entlang, ehe er hinter der Treppe verschwand. Seltsam. Mika verhielt sich nach wie vor äußerst eigenartig, aber glaubte ich inzwischen, dass er keine bösen Absichten hegte. Doch was waren dann seine Beweggründe? Mehrere Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf – eine absurder als die andere. Doch nun wollte ich mich erst einmal um Cosmo kümmern.
Ich öffnete leise die Tür und betrat anschließend das dunkle Zimmer. Es brannte kein Licht, doch durch ein großes Fenster schien der helle Mond. Nur schade, dass heute kein Vollmond war. Durch das helle Mondlicht konnte ich auch klar und deutlich erkennen, dass Cosmo in einem Bett lag. Er schien seinen Rausch auszuschlafen, denn ich hörte wieder ein Grunzen, dass er von sich gab. Ich näherte mich dem Bett und kniete mich leise zu ihm. Er hatte mir den Rücken zugedreht, so dass ich mich etwas über ihn beugen musste, um zu erkennen, dass seine Augen auch wirklich geschlossen waren. Mika hatte also die Wahrheit zu mir gesagt. Armer Cosmo. Alkohol hat anscheinend eine besonders starke Wirkung auf ihn. Trotzdem musste ich ihn wieder munter kriegen, denn wenn mein Dad ihn so sah, würde er ausflippen. Als Sheriff der Stadt duldet er es natürlich keinesfalls, wenn Minderjährige sich volllaufen lassen. Zudem hatte ich schon genug Probleme mit ihm, da wollte ich mir nicht auch noch anhören, dass ich nicht besser aufgepasst hätte. „Hey Cos.“, sagte ich leise zu ihm, während ich etwas an seiner Schulter zu rütteln begann. Keine Reaktion. Eigentlich wollte ich ihn ja auch gar nicht wecken. Er schlief gerade so seelenruhig, aber er konnte hier ja auch schlecht übernachten. „Cosmo.“, sagte ich erneut und diesmal kam es zu einer Reaktion seinerseits. Mit einem Mal drehte er sich zu mir um, legte seine Arme um mich und zwang mich quasi dazu, mich aufs Bett zu legen. Seine Augen hatte er noch immer geschlossen. „Cosmo, was soll denn das?“, fragte ich ihn genervt, auch wenn mir natürlich klar war, dass er noch immer schlief.
Doch dann sagte er etwas … und das irritierte mich: „Ich werde immer bei dir bleiben, ich muss, denn ich kann nie mehr nach Hause zurück. Sie werden mich jagen … und töten!“
„Was hast du gesagt?“, fragte ich ihn nun erschrocken. Evo hatte uns ja erzählt, dass sein Volk ihn verstoßen würde, weil er sich mit Menschen angefreundet hat, aber von töten war nie die Rede! „Cosmo, wach doch bitte auf!“, bat ich ihn erneut, doch es war zwecklos. Cosmo schlang seine Arme nur noch enger um mich und dann … spürte ich seine Beine an die meinigen. Sein Kopf näherte sich meinem Gesicht und sein Mund war nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt. Ich konnte spüren, wie mein Herz zu pochen anfing. Er wird doch nicht etwa…? Und ob er wird! Cosmo drückte mir einen Kuss auf die Lippen. Ich fühlte mich völlig überrumpelt. Es schockierte mich, von einem Alien geküsst zu werden, aber irgendwie gefiel es mir auch. Es fühlte sich gut an. Und das war noch nicht alles, denn für einen Bruchteil einer Sekunde konnte ich in das Innerste von Evo blicken, als ob eine magische Verbindung aufgebaut wurde. Was ich dort sah, war unglaublich…!

Ende von Part 1: „NYX“

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OMG! Einen Außerirdischen zu küssen… Wie das wohl sein würde? :flushed:

Wenn Evos auch so anfällig sind, wie wir Menschen, muss man bei Cosmo umso mehr aufpassen, nicht dass er da was ausplaudert. Einmal OK, doch wenn es sich wiederholt, dann werden die anderen sicher misstrauisch.

Ich glaube nicht, dass Mika böse ist oder was im Schilde führt. Anders als die Wissenschaftler… Was haben die da zu suchen?

Willkommen zu Part II meiner Geschichte!
Ich leg auch gleich ohne Umschweife los, denn ihr habt schließlich zwei Kapitel vor euch zu lesen.

A:Dylan-25
Mein Kopf brummte wie verrückt, als ich Freitagnachmittag von der Schule nach Hause kam. Jetzt ganz schnell eine Aspirin-Tablette einnehmen, damit meine Kopfschmerzen schnell wieder verschwanden. Ich ging in die Küche und fiel beinahe über unseren Kater Hannibal, der auf einmal meinen Weg kreuzte. „Pass doch auf Hannibal!“, schimpfte ich den Kater. „Das nächste Mal fall ich noch auf dich drauf, oder ich fall über dich drüber und breche mir das Genick.“ Na gut, dass war vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber der Kater verstand mich doch ohnehin nicht. Dennoch bekam ich ein Miauen als Antwort von ihm zu hören. Ich öffnete eine Schublade und zog mir eine Aspirin-Tablette heraus, dann füllte ich mir ein Glas mit klarem Leitungswasser und flößte mir beides ein. In der Zwischenzeit miaute Hannibal ein zweites und ein drittes Mal. „Ja, du bekommst ja gleich dein Fressi-Fressi.“, sagte ich zu ihm. Ich zog das Katzenfutter aus dem Schrank heraus und füllte Hannibals Fressnapf damit. „Wenn du weiter so dein Essen runterschlingst, dann wirst du noch fett!“
Nachdem der Kater und auch mein Kopf versorgt waren, stolzierte ich müde und erschöpft ins Wohnzimmer, ließ mich auf das Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein. Auf dem ersten Kanal kamen gerade Sport-Nachrichten über ein Rugbyspiel, auf dem zweiten Kanal lief eine Doku-Soap über Tiere im Amazonas, auf dem dritten Kanal lief gerade eine Telenovela mit den schlechtesten Schauspielern aller Zeiten, auf dem vierten Kanal lief eine Zeichentrickserie über sprechende Kühe und so unterhaltungsarm ging es auch auf den nachfolgenden Kanälen weiter. Frustriert und gelangweilt schaltete ich den Fernseher wieder aus und griff nach einer Zeitschrift, die ganz in meiner Nähe lag. In der Zeitschrift stand der neuste Klatsch und Tratsch aus der Promiwelt. Auch Rezepte für Plätzchen und Lebkuchen waren darin vorzufinden. Sie sahen köstlich aus, doch hatte ich keine große Lust die selber auszuprobieren, zumal ich miserabel im Backen war. Mein letzter Versuch endete damit, dass es aus dem Ofen qualmte und ich nur noch schwarz sah… Ich blätterte ein paar Seiten weiter und entdeckte ein Kreuzworträtsel. Mich packte die Lust und nahm mir einen Stift zur Hand. „US-Präsident (Nachname). Hm…, mit dem O am Anfang kann das eigentlich nur Obama sein.“, sagte ich zu mir selbst, während ich über eine Frage nach der anderen nachgrübelte. Schließlich kam ich zu einer sehr interessanten Frage: „Planet hinter Uranus. Ich überlegte kurz und rief mir alle Planeten unseres Sonnensystems auf. Dann kam ich zu dem Entschluss, dass es nur Pluto oder Neptun sein konnten. Da das gesuchte Lösungswort allerdings sechs Buchstaben und nicht fünf hatte, musste es Neptun sein. Die Zeit verging und ich vollendete das Kreuzworträtsel nach und nach. Am Ende blieben mir jedoch noch sechs Fragen offen, auf die ich einfach keine Antwort wusste.
Letzten Endes zog ich mich in mein Zimmer zurück, wo ich mich an meinen Schreibtisch setzte und an meiner Zeichnung weiter arbeitete, an der ich bereits die letzten zwei Tage gesessen habe. Mir war nicht ganz klar, was ich da überhaupt aufs Papier zeichnete, aber es sah cool, mystisch und irgendwie auch geheimnisvoll aus. Keine Ahnung woher mir die Inspiration dazu kam, aber so gut fand ich mich ehrlich gesagt noch nie. Auf dem Bild war eine Art Urwald zu sehen. Jedoch kamen darin keine natürlichen Pflanzen vor. Die Bäume waren massiver und größer, als die auf der Erde. Zudem stellte ich mir vor, wie einige von ihnen innen hohl wären und dort Lebewesen lebten. Dann gab es da auch noch viele Lianen, an denen diamantene Blumen wuchsen und auch fleischfressende Pflanzen gab es auf meiner Zeichnung zu bestaunen. Der Urwald war zudem nahe an einem Fluss gelegen, in denen es gefährliche Strömungen – gar Strudel gab, die einem den sicheren Tod brachten, sofern man nicht ein Fisch oder ausgezeichneter Schwimmer war. Wobei … ein Mensch konnte noch so gut im Schwimmen sein, spätestens im Strudel würde er hoffnungslos ertrinken.
Ah verdammt, jetzt geht das wieder los… Ich griff mit meiner linken Hand nach meiner rechten Hand, die wie so oft in den letzten Tagen zu zittern begann. Was war nur los mit mir? Auch die starken Kopfschmerzen belästigten mich in letzter Zeit des Öfteren. Manchmal bekam ich das Gefühl, als ob die Aspirin-Tabletten gar keine Wirkung zeigten. Normalerweise sollte ich deswegen einen Arzt aufsuchen, doch ich hasste Ärzte, nachdem was mit meiner Mutter geschehen war. Stattdessen versuchte ich mehrmals tief ein- und wieder auszuatmen, denn das half meistens. Dem war auch heute so und meine rechte Hand hörte zu zittern auf. Dennoch legte ich den Stift wieder beiseite, denn mein Handy, das neben der Zeichnung auf meinem Schreibtisch lag, fing plötzlich zu vibrieren an. Es war eine Nachricht und auch wenn bei der Nummer kein Name dabei stand, so wusste ich dennoch, von wem diese Nachricht kam. „Alles in Ordnung. Sind gut angekommen und er schöpft auch weiterhin keinen Verdacht. Ich denke, ihr seid nun in Sicherheit. Viele Grüße!“
Das waren doch endlich mal wieder gute Nachrichten. Die letzten Wochen waren wahrlich nicht leicht für mich, um nicht zu sagen sehr stressig. Vermutlich war das auch der Grund für meine ständigen Kopfschmerzen, auch wenn mir das Zittern weiterhin Sorgen bereitete. Ich drehte mich einmal mit meinem drehbaren Stuhl im Kreis und sah mich in meinem Zimmer um. Endlich stand wieder alles auf seinem alten Platz. Mein Dad hatte seine „Drohung“ wahr gemacht und gleich in der Woche nach Halloween die Abstellkammer leer geräumt. Der ganze Ramsch, der sich darin befand, wurde auf verschiedene Art und Weise beseitigt. Die Spielzeuge aus meiner Kindheit beispielsweise wurden dem Waisenhaus gespendet, altes Mobiliar und Gegenstände die uns nicht mehr von Nutzen waren, wurden auf einem Flohmarkt verscherbelt und das Zeug, was noch im Takt war und wir später noch gebrauchen konnten, wurde entweder in der Garage oder im Speicher verstaut. Nachdem die Abstellkammer leer geräumt war, wurde das Zimmer gereinigt und die Wände neu gestrichen. Danach ging es ins nächste Möbelhaus, wo mein Dad mit Cosmo noch weitere Möbel für ihn kaufte, denn bis auf ein Bett und eine alte Kleiderkommode hatte er nichts. So bekam Cosmo nicht nur sein eigenes Zimmer, ich bekam auch mein altes Zimmer zurück, bevor Cosmo unerlaubterweise bei mir einzog. Es war eine Wohltat, seine vier Wände mit keinem anderen mehr teilen zu müssen und doch hatte ich nun hin und wieder das Gefühl, dass mir in meinem Zimmer etwas abging. War es Cosmos chaotische Veranlagung, oder sein dezentes Grunzen, wenn er schlief?
Ich wurde aus meinem Tagtraum gerissen, als ich die Haustür zufallen hörte. Wenn man vom Alien sprach… Cosmo hatte heute noch Basketball-Training, weshalb er erst jetzt nach Hause kam. Ich blickte zur Uhr und erst jetzt bemerkte ich, dass es bereits dunkel draußen war. Im Winter nichts Ungewöhnliches. Ich stand von meinem Stuhl auf und wollte Cosmo entgegen laufen. Auf der Treppe trafen wir uns schließlich, doch er war nicht allein. Er war in Begleitung eines anderen Jungen, der in den letzten Tagen öfters bei uns ein und ausging. Mit einem lächelnden Gesicht begrüßte Mika mich.

B:Freunde-26
Es war einmal ein Junge in meinem Alter, der hielt sich stets für den allergrößten und coolsten aus unserer Klasse. Er war sportlich, besaß Humor und ganz dumm schien er auch nicht zu sein. Wenn da nicht seine große Klappe wäre, die ihn immer wieder aufs Neue Ärger einbrachte. Mir konnte er ja schon lange nichts mehr vormachen. Hinter dieser rauen Schale, steckte in Wirklichkeit ein weicher Kern. Der Junge von dem ich sprach hieß Mika Stone und aktuell warf er sich sehr an Cosmo heran. Nicht auf die romantische Art und Weise, aber auf freundschaftlicher Ebene. Seitdem sein bester Freund Elijah aufgrund seines unkorrekten Verhaltens von seinen Eltern auf ein Internat geschickt wurde, hatte Mika einen neuen Freund mehr als nötig. Wenn mich einer fragen würde, dann würde ich ihm sagen, dass Mika Cosmos Gutmütigkeit nur ausnutzte, aber mich fragte ja keiner und Cosmo schenkte mir diesbezüglich auch kein Gehör. Er sah in Mika etwas, was mir wohl bisher entgangen zu sein schien und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Wer glaubt denn noch an Märchen?!
Inzwischen war Mika recht häufig bei uns zu Gast. Durch ihre gemeinsamen sportlichen Aktivitäten hatten Mika und Cosmo sehr viel miteinander zu tun und bereits vor der Halloween-Party zeichnete sich ab, dass Mika Interesse an Cosmo zu haben schien. Mein Verdacht, dass er etwas im Schilde führte und etwas über Cosmos wahre Identität zu wissen schien, entpuppte sich als Irrtum, dennoch hielt ich es für das Beste, ihn gut im Auge zu behalten. Man weiß ja schließlich nie. Immerhin konnte ich Cosmo davon überzeugen, dass sie sich immer nur bei uns trafen, nie aber bei ihm. In der Regel spielten die Beiden dann aber nur Videospiele auf der PlayStation, die Mika nach der Schule von sich Zuhause mit hierher brachte. Er war geschockt, als er hörte, dass ich keine Konsole besaß. „Dylan spielt keine Videospiele? In unserem Alter spielt doch eigentlich jeder Videospiele…!“
„Tut mir Leid für ihn, dass ich nicht ‚jeder‘ bin.“, sagte ich zu Cosmo, als er mir davon erzählte. „Ich kann Videospielen nun einmal nichts abgewinnen. Da stecke ich meine Zeit und Energie lieber ins Zeichnen. Das verblödet einen auch nicht so sehr, wie ständig vor dem Kasten zu sitzen.“
Im Endeffekt konnte man also sagen: Ich konnte Mika nach wie vor nicht ausstehen, auch wenn es inzwischen ein wenig besser wurde, nachdem er sich auf der Halloween-Party so nett um den betrunkenen Cosmo gekümmert hat. Doch mag ich ihn? Nie im Leben!
Mika und Cosmo spielten immer im Wohnzimmer ihre Videospiele, da sich dort der einzige Fernseher befand, den es in diesem Haus gab. Zumeist spielten sie unterschiedliche Spiele, von Rollenspielen bis hin zu Rennspielen. Am Schlimmsten war dieses „Galaxy War“, an dem Cosmo sofort Gefallen fand. Im Spiel schlüpft der Spieler in die Rolle eines Space-Rangers, der vom Planeten zu Planeten reist um mystische Leuchtkristalle einzusammeln. Dabei stellten sich ihm natürlich eine Menge Aliens in den Weg, die er mittels einer Laserkanone den Gar ausmachen muss. Doch auch gegen andere Space-Ranger muss der Spieler antreten, da diese immer wieder versuchen, sich gegenseitig die Leuchtkristalle abzuluchsen. Mika spielte das Spiel bereits seit Monaten und war darin sehr gut. Er war sogar einer der besten Spieler weltweit. Nur ein gewisser „Prince“ war besser als er und kam ihm des Öfteren in die Quere. Wer immer das auch sein mochte.
Doch zum Glück konnte Mika Cosmo nicht nur fürs Videospiele spielen begeistern, denn auch wenn Mika nicht danach aussah, so nahm er die Schule doch ernst. Manchmal zogen sie sich deshalb in Cosmos neues Zimmer zurück, um ihre Hausaufgaben zu machen und gelegentlich luden sie mich dazu sogar ein. „Mir schwirrt der Kopf vor lauter Zahlen.“, sagte Cosmo nach einer halben Stunde, in der wir die schweren Matheaufgaben zu lösen versuchten. „Ihr Menschen seid doch krank…“
„Ihr Menschen?“ Mika richtete sich auf und schaute Cosmo verdutzt an. Ich warf Cosmo heimlich einen warnenden Blick zu. „Bist du etwa kein Mensch? Ach ich verstehe. Du bist schon so spielsüchtig nach „Galaxy War“, dass du inzwischen schon selber denkst, du wärst ein Space-Ranger!“ Mika fing zu Lachen an, Cosmo und ich klickten uns ebenfalls ein, wenn auch mit einem etwas künstlichen Gelächter. Genau aus diesem Grund wollte ich, dass sich die Zwei immer nur bei uns trafen. Cosmo verplappert sich schneller, als er schauen kann und dann wäre es um ihn und auch uns geschehen. „Ich sollte dann mal langsam nach Hause gehen. Es wird sonst zu spät und meine Mum sieht es gar nicht gerne, wenn ich nicht pünktlich zum Abendessen zu Hause bin.“ Mika packte seine Sachen zusammen und Cosmo half ihm freundlicherweise dabei. „Wir sehen uns am Montag in der Schule.“, sagte er und winkte kurz zum Abschied.
Nachdem Mika fort war, hatten Cosmo und ich das Haus ganz für uns alleine. „Ihr trefft euch gar nicht am Wochenende?“, fragte ich Cosmo erstaunt, da sie dies in letzter Zeit immer taten.
„Nein, seine Eltern fahren dieses Wochenende in die Stadt zu seinen Großeltern und sie möchten, dass er sie begleitet.“, erklärte Cosmo mir, während ich nebenbei meine Schulhefte zusammen klaubte. „Das ist gut, denn so sind wir Zwei mal völlig ungestört.“ Wie aus dem Nichts schlangen sich zwei Arme von hinten um mich. Ich spürte Cosmos Körper sanft an meinen gedrückt. Sofort bekam ich ein Kribbeln am und im ganzen Körper.
„Was soll das? Lass das gefälligst!“ Irritiert und nervös, befreite ich mich aus Cosmos Umarmung. „Erst mich die ganzen Wochen über links liegen lassen und dann kommst du mit sowas daher?“
„Bist du etwa eifersüchtig?“, fragte Cosmo mich, der mich daraufhin breit angrinste.
„So ein Quatsch.“, antwortete ich vehement. Erinnerungen von Halloween stiegen wieder in mir hoch. Cosmo war sternhagelvoll als er mich zu sich ins Bett zerrte und mich küsste. Zum Glück konnte er sich tagdarauf aber nicht mehr daran erinnern. Ich wünschte fast, das wäre bei mir genauso.
„Ich bin nur deinetwegen da Dylan, das weißt du doch. Doch wenn ich bei dir bleiben möchte, dann muss ich mich in die Gesellschaft einfügen, das hast du doch selber zu mir gesagt.“, erklärte Cosmo mir im vernünftigen Ton. „Mika braucht derzeit einfach einen Freund. Elijah ist fort und vermutlich kommt er auch nicht wieder, nachdem seine Eltern herausfanden, dass er auf der Halloween-Party Alkohol ausgeschenkt hat. Reiche Menschen sind noch seltsamer als normale Menschen.“
„Schon gut.“, sagte ich schließlich. „Pass einfach auf, dass deine Tarnung nicht auffliegt. Mehr verlange ich auch gar nicht von dir.“ Vielleicht war ich übervorsichtig, aber ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Cosmo hat keine Ahnung, was sich die letzten Wochen alles abgespielt hat und wovon er gar nichts mitbekommen hat. In Gedanken rief ich mir noch einmal die letzte Nachricht auf dem Handy ins Gedächtnis: „Ich denke, ihr seid nun in Sicherheit.“ Ich hoffe das stimmte auch und Frau Kovnikovo behielt damit Recht. Sie würde mich nicht anlügen, da ich ihr inzwischen vertraute.

Fortsetzung folgt … am Sonntag, den 20.November 2022!

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Wie kommt das? Was hat sich in der Zwischenzeit ergeben, was ich verpasst habe? :flushed:

Auch wenn Mika gerade noch sehr doof ist, wäre es doch toll, wenn Dylan endlich Mal einen richtigen Freund bekäme.

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Γ:Nachbarn-27
Ich hatte mir an diesem Samstag fest vorgenommen, bis Mittag durchzupennen. In den letzten Wochen wurde ich nämlich nicht nur von Kopfschmerzen und Zitteranfällen in meiner rechten Hand geplagt, ich schlief auch äußerst schlecht. Doch mein Plan an diesem Wochenende viel zu schlafen, fand ein jähes Ende, als ein Krachen von draußen vernahm. Ich öffnete widerwillig meine Äuglein und sah als erstes auf die Uhr: Viertel vor Zehn Uhr morgens! Möge den Krawallmacher auf der Stelle die Pest ereilen!
Ich stieg aus dem Bett aus und stapfte todmüde in Cosmos Zimmer. Cosmo war bereits auf den Beinen. Natürlich war er das, denn er war ein Frühaufsteher und benötigte auch sonst nicht so viel Schlaf wie ein Mensch. „Na, gut geschlafen mein Großer?“, fragte er mich munter wie eh und je.
„Ja, zumindest bis gerade eben.“, antwortete ich ihm mürrisch. „Was geht da draußen vor sich?“
„Ich hab keine Ahnung.“, sagte Cosmo. „Da steht ein großer Lastwagen am Straßenrand und ständig rennen ein paar Männer mit Möbeln hin und her. Gerade eben ließen sie versehentlich eine große Kommode fallen.“ Ich schlurfte zum Fenster und schaute hinunter auf die Straße. Vor dem Haus, neben unserem, stand ein großer Umzugswagen. Es sah ganz danach aus, als zogen neue Nachbarn ein. „Oh und da war eine Frau…“, erzählte Cosmo, dem das gerade erst wieder einfiel, „…und ein Mädchen. Sie sah hübsch aus. Ich glaube sie dürfte so in deinem Alter sein.“
Ich beobachtete das Geschehen auch weiterhin und tatsächlich … schon bald sah ich eine Frau und ein Mädchen in der Hofeinfahrt, wie sie gemeinsam eine Stehlampe ins Haus trugen. Mutter und Tochter? Meine Neugier war geweckt und so zog ich mir erstmal etwas Vernünftiges an und machte mich im Badezimmer ein wenig hübsch. Anschließend wollten Cosmo und ich unsere neuen Nachbarn willkommen heißen, doch einer schien uns da bereits zuvor gekommen zu sein. „Soll der Karton mit Büchern in den ersten Stock rauf?“, hörte ich eine sehr vertraute Stimme sagen und plötzlich sah ich meinen Dad aus dem Haus unserer neuen Nachbarn kommen. „Oh hey Jungs, ihr seid ja auch schon wach!“
„Zwangsweise…“, murmelte ich erstaunt vor mich hin.
„Oh, ist das dein Sohn Phil?“, fragte die ältere Frau mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Die Frau hatte naturblondes Haar, das ihr bis zu den Schultern reichte. Auf den ersten Blick machte sie einen recht sympathischen Eindruck. Doch woher kannte sie meinen Vater?
„Ja, der Größere der Beiden ist mein Sohn Dylan.“, klärte mein Dad die Frau auf. „Der andere Junge ist mein … äh Neffe. Er heißt Cosmo und wohnt vorübergehend bei uns.“
„Freut mich sehr eure Bekanntschaft zu machen Jungs.“, sagte die Frau lächelnd und streckte uns zur Begrüßung die Hand entgegen. „Ich bin Sydney Alister und das hier ist meine Tochter Ariana.“ Cosmo und ich blickten zu dem Mädchen, die des Mutters naturblondes Haar geerbt hatte. Sie sah wie die jüngere Version ihrer Mutter aus, wenn auch ihre Mimik eingefroren zu sein schien. Weder begrüßte sie uns freundlich, noch lächelte sie uns entgegen. Fast könnte man schon meinen, dass sie uns feindselig gegenüber stand. „Ariana, sei doch bitte nicht so unfreundlich. Bitte entschuldigt meine Tochter. Neuen Menschen gegenüber ist sie immer etwas zurückhaltender.“
„Ach ich bin mir sicher, dass wir alle noch gute Freunde werden.“, kam es von meinem Dad überaus optimistisch. „Du, mein Sohn und mein Neffe ihr werdet euch schon verstehen, nicht wahr Ariana?“ Das Mädchen erwiderte auch daraufhin nichts und allmählich wurde es mir wirklich zu blöd, mich mit der überhaupt abzugeben. „Sydney und ich haben uns gleich auf Anhieb verstanden!“
„Äh, ihr kennt euch? Woher?“, fragte ich nun neugierig.
„Wir ziehen zwar erst heute hier in das Haus ein, aber in dieser Stadt arbeite ich bereits seit etwa gut einem Monat.“, antwortete Sydney mir. „Genau wie dein Vater bin ich nämlich eine ‚Hüterin des Gesetzes‘. Dein Vater und ich sind quasi Partner.“
„Ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich nach meinem Urlaub Anfang November, eine neue Kollegin vor die Nase gesetzt bekam.“, meinte mein Vater dazu und allmählich bekam ich ein ungutes Gefühl dabei, wie gut die Zwei sich bereits verstanden. „Doch Sydney leistet bisher hervorragende Arbeit und irgendwie bin ich auch froh, eine so kompetente Frau an meiner Seite zu wissen.“
„Hey, so warte doch!“, rief Cosmo allgegenwärtig und eilte Ariana zu Hilfe, die mit eigener Kraft versuchte, einen der schweren Kartons aus dem Umzugswagen zu hieven. „Ein Mädchen mit zarten Händen wie die deinen, sollte nicht so schwer schleppen müssen.“
„Das ist ein hervorragender Gedanke, Cosmo!“, rief mein Dad unserem Hausgast zu. „Wir sollten weiter machen, sonst werden wir heute nicht mehr fertig. Dylan, sei heute einmal ein Gentleman und hilf Ariana ebenfalls, ihre Sachen in ihr Zimmer zu tragen!“
Ich grummelte etwas vor mich hin bezüglich Arianas Unhöflichkeit, doch wollte ich nicht nachtragend sein und ausnahmsweise mal den Gentleman spielen. Cosmo und ich schleppten demnach einen Karton nach dem anderen ins Haus, das wie ein Spiegelbild dem unseren glich. Arianas Zimmer besaß wie auch mein Zimmer einen kleinen Balkon, der hinten zum Garten hinausführte. Wenn wir also guter Dinge waren, könnten wir uns im Sommer auf unsere Balkons setzen und uns über den Zaun hinweg unterhalten. Doch aktuell sah es nicht danach aus, als könnten wir Freunde werden. Ariana war wie ein Eiszapfen und kein Dankeschön kam ihr über die Lippen, als Cosmo und ich den letzten Karton in ihrem Zimmer abstellten. Für mich hatte das nichts mehr mit Unhöflichkeit zu tun, eher mit akuter Missachtung und Abneigung uns gegenüber. Schließlich platzte mir auch der Kragen und ich sprach sie darauf an: „Bist du immer so scheiße gegenüber Menschen, die du gerade kennengelernt hast? Du könntest wenigstens Dankeschön zu uns sagen, oder ist das bereits zu viel verlangt?!“
Ariana warf mir einen missbilligenden Blick zu, doch zum ersten Mal öffnete sie uns gegenüber den Mund und ihre Stimme war zu hören: „Danke, dass ihr mir dabei geholfen habt, in dieses scheußliche Haus und in diese noch scheußlichere Gegend zu ziehen.“ Hat das Mädchen einen an der Waffel? Welcher Idiot hat das Gesetz verbreitet, dass ein Mann eine Frau nicht schlagen darf?!
„Lass doch gut sein Dylan.“, sagte Cosmo schließlich zu mir und zupfte dabei an meinem rechten Ärmel, der ahnte, dass gerade dunkle Wolken aufzogen.
Doch ich wollte dies einfach nicht auf mich sitzen lassen und blies zum Gegenangriff: „Deine Mum kann einem echt leidtun. So ein verzogenes und miesepetriges Mädchen wie dich zur Tochter zu haben. Du bist saurer als eine Zitrone in Essigsäure!“
„Und du kannst deinem Vater sagen, dass er die Finger von meiner Mum lassen soll, sonst kriegt er es mit mir zu tun! Ich will keinen neuen Stiefvater und noch weniger einen Stiefbruder, der so dumm ist wie du!“ Ariana starrte mich wütend an und ich kochte ebenfalls vor Wut. Als ob mein Dad sich je auf eine neue Beziehung einlassen würde. Cosmo stand zwischen uns und wusste nicht weiter.

Fortsetzung folgt … am Dienstag, den 22.November 2022!
(Dann auch wieder mit einer Rollenliste)

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Hauptrollen:
Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner.
Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei.
Ariana Alister: Sie ist die Tochter von Sydney.
Philip „Phil“ Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.

Nebenrollen:
Sydney Alister: Mutter von Ariana und Kollegin von Phil.

Δ:Advent-28
Es hätte ein ruhiger und beschaulicher Sonntag werden können, doch mein Dad machte dem einen Strich durch die Rechnung, als er mir Samstagabend erklärte, er hätte für morgen Sydney und Ariana zum Abendessen eingeladen. Nach dieser Ankündigung wusste ich, dass Ärger vorprogrammiert war. Ariana und ich hatten unseren Streit nicht beigelegt und ich hatte auch nicht das Verlangen danach, denn schließlich konnte sie mir egal sein. Doch mein Dad schien sich in den Kopf gesetzt zu haben, dass wir uns mit Ariana und ihrer Mutter befreunden müssen. Ich konnte ihn aber auch verstehen, denn schließlich war Sydney seine neue Kollegin und nun auch noch Nachbarin. Wenn ich genauer darüber nachdachte, dann wurde mir bewusst, dass mein Dad nicht sehr viele Freunde hatte und weibliche schon dreimal nicht. Doch Arianas Behauptung, dass mein Dad etwas von ihrer Mum wollte, wies ich als kompletten Humbug ab. Der Verlust meiner Mum war noch nicht so lange her und in den nächsten Wochen stand uns das erste Weihnachtsfest ohne sie bevor. Schwierige Tage kamen auf uns zu. Da denkt mein Dad ganz sicher nicht daran, sich nach einer neuen Frau in seinem Leben umzugucken. Meiner Meinung nach hatte diese Ariana einen an der Klatsche, aber vor meinem Dad riss ich mich natürlich zusammen. Cosmo hingegen verhielt sich unerwartet ruhig in dieser Sache und als ich ihn nach seiner Meinung fragte, antwortete er: „Ich hab diesbezüglich keine Meinung. Ich finde Ariana eigentlich ganz okay und in gewisser Weise ähnelt sie dir auch ein wenig.“
„Wir ähneln uns überhaupt nicht! Nicht das geringste bisschen!“, protestierte ich lauthals.
„Ach nein? Genau wie du hat sie ein Elternteil verloren. Da ist es doch kein Wunder, dass sie leicht verkorkst ist. Du bist schließlich auch nicht immer einfach.“ Ich wollte erneut lauthals protestieren, doch Cosmo legte mir die Hand auf den Mund und erteilte mir damit Sprechverbot. „Doch nur weil du nicht immer ganz einfach bist, bist du doch noch lange kein schlechter Mensch. Ariana ist auch kein schlechter Mensch. Sie ist frustriert, verängstigt und vermutlich fühlt sie sich auch alleine. Gerade du müsstest das doch verstehen können. Sie lässt ihren Frust halt nur leider an anderen aus.“
Ich gab es nicht gerne zu, doch vermutlich hatte Cosmo Recht. Nachdem wir gestern mit meinem Dad zu Abend aßen, erzählte er uns von der traurigen Geschichte, wie Sydneys Mann ums Leben kam. „Er erlitt leider einen Herzinfarkt. Es geschah im Sommer, es war heiß und ihr Mann hatte sich viel zu viel Arbeit aufgehalst, was mit Stress verbunden war. Schließlich machte es sein Herz einfach nicht mehr mit. Das Leben ist manchmal kürzer als man denkt … und natürlich nicht immer gerecht.“
Nachdem ich also erfuhr, wie Arianas Vater ums Leben kam, hatte ich etwas mehr Mitgefühl für sie. „Doch ich schwör dir eins.“, sagte ich zu Cosmo leise, als wir Sonntagabend den Tisch deckten und mein Dad hinterm Herd stand und ein vorzügliches erstes Advent-Menü zubereitete. „Wenn sie mir heute wieder so unfreundlich und dumm daher kommt, garantiere ich für nichts!“
„Jungs beeilt euch ein wenig. Sydney und Ariana könnten jeden Augenblick hier sein.“, sagte mein Dad zu uns, während er gerade dabei war die Soße umzurühren. „Ach und bevor ich es vergesse. Ich muss euch glaube ich kaum daran erinnern, dass Cosmo sich unauffällig benehmen sollte. Sprich: Denk an deine Manieren … vor allem beim Essen! Kein Wort über Außerirdische oder dergleichen … und über deine ‚Orientierung‘ verlieren wir besser auch kein Wort, Dylan.“
Ich sah verletzt zu meinem Dad rüber, der sich bereits wieder voll dem Kochen widmete. Nicht nur, dass er noch immer nicht mit meiner Homosexualität klar kam, inzwischen bestand er auch darauf, dass es kein anderer jemals erfahren dürfte. Und wieso betont er das Wort „Orientierung“ so stark. Traut er sich nicht mal mehr das Wort Homosexualität laut auszusprechen?
Es klingelte an der Tür. „Ich mach auf!“, rief Cosmo erfreut und rannte zur Tür. Kurz darauf kehrte er mit Ariana und ihrer Mutter in die Küche zurück. Sydney trug ein schönes rubinfarbenes Abendkleid und hatte sich auch sonst sehr fesch rausgeputzt. Ariana hingegen war schlicht gekleidet mit Jeans und Bluse. Ich würde jede Wette eingehen, dass ihre Mutter sie darum bat, sich für diesen Abend schön rauszuputzen, Ariana ihr aber diesen Wunsch verwehrte.
„Einen fröhlichen ersten Advent und die hier sind für dich Phil.“ Sydney überreichte meinem Dad ein Strauß Blumen und umarmte ihn auch kurz darauf. Ariana und ich beobachteten das Geschehen mit argwöhnischen Blicken. „Ich dachte mir, dass in eurem Männerhaushalt etwas weiblicher Flair fehlen würde, deshalb die Blumen. Zumal ich mich auch noch wegen gestern bei euch bedanken möchte.“
„Das haben wir doch gern gemacht.“, erwiderte mein Dad glückselig. „So und nun nehmt Platz wo immer ihr wollt. Das Essen ist gleich fertig und es kann losgehen. Als Vorspeise gibt es einen kleinen Salat, als Hauptspeise gibt es Hähnchen mit Kartoffeln und Mais – alles frisch bei Farmer Woodstock besorgt – und als Nachspeise gibt es dann noch einen gedeckten Kürbiskuchen.“
„Oh, das klingt ja vorzüglich.“, schwärmte Sydney jetzt schon. „Findest du nicht auch, Ariana?“
„Ja.“, sagte Ariana lediglich, die noch genauso wortkarg wie gestern war.
„Phil, hast du ein paar Streichhölzer da?“, fragte Sydney meinen Dad. „Dann zünde ich noch schnell eine Kerze an, damit es hier noch gemütlicher wird. Zumal heute ja auch der erste Advent ist.“
„Hey Dylan.“, zischte Cosmo, der links neben mir saß, leise ins Ohr. „Was bedeutet denn dieses Advent? Das Wort hab ich jetzt schon öfters gehört, weiß aber nicht was es bedeuten soll.“
Ich lächelte leicht, denn erst jetzt fiel mir ein, dass Cosmo nichts vom Advent, Weihnachten und all den Bräuchen wusste, die in den nächsten Wochen auf uns zukamen. Ich erteilte ihm also einen kleinen Exkurs, spürte nebenbei aber auch Arianas Blicke auf uns gerichtet.
„Was tuschelt ihr denn da beide die ganze Zeit?“, fragte sie uns schließlich nach einer Weile.
„Äh also … nicht weiter wichtig.“, log ich sie an. Als ob sie das auch was anginge…
„Ah ich versteh schon!“, rief Sydney begeistert, die den Schluss mitangehört hatte. „Ihr habt bestimmt über ein Mädchen gesprochen. Gibt es da eine, die dir da ganz besonders gefällt Dylan?“
„Äh ich…, also ich … äh…“ Ich fing wie verrückt zu stottern an und mir wurde ganz heiß, da auf einmal alle Blicke auf mich gerichtet waren. Sydney sah mich neugierig und aufgeregt zugleich an, Arianas Blicke waren wie immer eiskalt, doch auch sie zeigte eine Spur von Neugier, mein Dad warf mir einen warnenden Blick zu und Cosmo blickte unruhig zwischen uns allen hin und her.
Schließlich war es Cosmo, der die unangenehme Stille durchbrach und Sydney eine Antwort lieferte: „Es ging um ein Mädchen, dass MIR ganz besonders gut gefällt. Ist aber nicht der Rede wert, weil sie leider erst vor kurzem weggezogen ist.“ Eine aufgetischte Lüge, ohne auch nur einmal mit der Wimper gezuckt zu haben. Cosmo hatte es voll drauf!
„Ach, das ist aber schade.“, reagierte Sydney daraufhin mitfühlend. „Das tut mir Leid für dich und ich weiß es hilft dir nicht über den Schmerz hinweg, aber es gibt noch genügend hübsche junge Mädchen auf Erden. Eine davon wird sicher für dich dabei sein.“
„D-Danke. Ganz sicher…“, erwiderte Cosmo und sah mich danach kurz lächelnd an.
„Hier sind die Streichhölzer.“, sagte mein Dad zu Sydney, der damit auch wieder schnell vom Thema ablenken wollte.
Sydney bedankte sich recht herzlich und beugte sich leicht über den Tisch, um mit einem Streichholz die Kerze anzuzünden, die sie kurz davor auf den Tisch stellte. Sekunden später fing der Docht Feuer und die Kerze brannte. Nun könnte es eigentlich ein schöner und besinnlicher Abend werden… „Aaaaaaah!“ Ein Schrei, der alles in den Schatten stellte. Mein Dad, Sydney, Ariana und ich blickten erschrocken zu Cosmo, von dem der Schrei ausging. Cosmo hatte sich die Hände über den Kopf gestülpt und seine Augen waren starr vor Schreck geweitet. Dann sprang er regelrecht von seinem Stuhl auf, der zugleich auch umfiel, und rannte panisch aus dem Haus. Wir waren alle zunehmend verwirrt, auch ich, da dies selbst für Cosmo ein unerwartetes Verhalten war. Mein Dad und ich warfen uns kurz einen Blick zu, ehe ich Cosmo hinterherrannte. Er stand draußen in der Hofeinfahrt. Es war dunkel und sehr kalt. Er schnappte panisch nach Luft, während ich besorgt hinter ihm stand und ihm über die Schulter streichelte. Inzwischen stand Ariana am Küchenfenster und beobachtete das Geschehen mit Neugier.

Fortsetzung folgt … am Donnerstag, den 24.November 2022!

1 „Gefällt mir“

Hauptrollen:
Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner.
Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei.
Ariana Alister: Sie ist die Tochter von Sydney.

Nebenrollen:
Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara.
Tamara Harding: Mitschülerin von Dylan; Zwillingsschwester von Emmet; führt eine geheime Beziehung mit Dixon.
Mika Stone: Mitschüler von Dylan, der sich mit Cosmo anfreundet; Klassenclown; scheint etwas zu verbergen.
Dixon Waller: Mitglied der Basketball-Schulmannschaft; führt eine geheime Beziehung mit Tamara.
Jens Huge: Ein sehr großer Kerl und Mitglied der Basketball-Schulmannschaft.
Dr. Archimedes Tibbet: Lehrer für Geschichte und Geografie.
Frau Silly: Spanischlehrerin; Sie ist sehr streng, alt und bieder.
Mister Cage: Sportlehrer und Trainer der Basketball-Schulmannschaft.
Miss Giggles: Religionslehrerin; Hat eine Piepsstimme und kichert häufig.
Mr. T: Der Schulrektor wird von all seinen Schülern nur „Mr. T“ genannt. Er unterrichtet Biologie.

Ε:Schultag-29
„Ariana ist erst dieses Wochenende zusammen mit ihrer Mutter in die Stadt gezogen. Heißt sie bei uns herzlich Willkommen und helft ihr dabei, sich bei uns einzuleben.“, sagte Mr. T, unser Schulrektor, zu uns, der Ariana kurz darauf ihren Platz zeigte.
„Schon wieder eine neue Schülerin?“, hörte ich einen Mitschüler in der Klasse fragen.
„Zuletzt kam Cosmo neu in unsere Klasse und jetzt sie.“, sagte eine andere Schülerin.
Ariana setzte sich ganz hinten ans Fenster. Sehr gut. Schlimm genug, dass sie in meine Klasse kam, da muss sie nicht auch noch in meiner Nähe sitzen. „Mit etwas Glück, pisst sie die anderen in unserer Klasse genauso an, wie sie mich angepisst hat und sie wird zur unbeliebtesten Schülerin des Jahres gekürt … und das innerhalb eines Monats. Was denkst du darüber Cosmo?“ Stille. „Cosmo?“
Cosmo schien mir gar nicht richtig zuzuhören. Stattdessen krakelte er irgendwas auf ein leeres Blatt Papier und guckte dabei völlig geistesabwesend. Offenbar machte ihm der gestrige Abend noch immer schwer zu schaffen. Wer hätte auch ahnen können, dass Cosmo panische Angst vor Feuer hat?
„Wieso hast du mir und meinem Dad nie von deiner Feuerphobie erzählt?“, fragte ich ihn später in der Pause, als wir uns in der Mensa an einen Tisch setzten und unser Pausenbrot aßen.
„Ich hab es vergessen…“, sagte Cosmo, der schwer an seinem Brot zu knabbern hatte.
„Vergessen? Aha…“ Dies befriedigte mich nicht wirklich, denn so langsam fragte ich mich, was Cosmo uns sonst noch so verschwieg. Höhenangst? Platzangst? Angst vor achtbeinigen Viechern? Okay, letzteres traf wohl eher auf mich zu, aber das bleibt bitte unter uns. Hm … bei genauerer Überlegung, offenbarten die Menschen allgemein ungerne ihre größten Ängste. Wieso sollte es bei Aliens also anders sein?!
„Hey ihr Beiden.“ Ich wandte meinen Kopf zur Seite und auf einmal standen Emmet und Tamara vor uns, die uns beide freundlich anlächelten. Ich musste mich noch immer dran gewöhnen, dass Emmet nun wieder gut auf mich zu sprechen war. Die letzten Wochen haben auch ihr Gutes vollbracht. Die ungleichen Zwillinge setzten sich uns gegenüber und wir kamen ins Gespräch. „Schon gehört? Miss Giggles kommt später gemeinsam mit Dr. Tibbet zu uns in den Unterricht, um die Planungen mit dem Schulausflug voranzutreiben.“, erzählte Emmet uns, während er genüsslich einen saftigen Apfel aß.
Tamara verdrehte die Augen, als sie den Namen unserer Religionslehrerin hörte. Miss Giggles war eine junge und strebsame Frau, die Kinder und Witze über alles liebte. Von Strenge war bei ihr keine Spur, weshalb die Schüler ihr auch gerne auf der Nase herumtanzten. Sie war eigentlich das glatte Gegenteil von Frau Silly und ehrlich gesagt wusste ich nicht, wen ich schlimmer fand. Frau Silly, die mir erst letzte Woche wieder an den Ohrwascheln zog, weil ich meine Hausaufgaben vergessen hatte, oder Miss Giggles, deren Kichern klang, als wäre sie auf Drogen. „Ich freu mich schon auf den Schulausflug. Endlich mal raus hier … und weg von gewissen Leuten.“ Nach diesen Worten warf Tamara einen Blick zum Nachbarstisch rüber, an dem ihr „Freund“ Dixon zusammen mit seinem Kumpel Jens aus der Basketball-Schulmannschaft saß, mit dem sie eine Art Beziehung führte. Momentan gab es aber wohl dunkle Wolken am Liebeshimmel, denn Tamara warf Dixon wütende Blicke zu. Dieser wiederum starrte frustriert auf sein Essen, als könnte er es hypnotisieren.
„Hey, hey Cos!“, rief eine Stimme und kurz darauf setzte sich Mika zu uns und zwar genau neben Cosmo, der sich nur geringfügig über das Auftauchen von Mika zu freuen schien. „Freust du dich denn gar nicht mich zu sehen, wo ich doch das ganze Wochenende nicht hier war?“
„Nicht jeder mag die Gesellschaft eines Ochsen.“, meinte Tamara darauf zynisch und sie sollte mit ihrer Meinung über Mika Recht behalten. Emmet stand samt seinem Essen still vom Tisch auf und setzte sich an einen anderen Tisch. Seine Schwester Tamara folgte ihm kurze Zeit später, nicht aber ohne sich vorher bei mir und Cosmo für ihr Verhalten zu entschuldigen.
„Du bist ein echter Stimmungskiller.“, sagte ich zu Mika trocken.
„Kann ich doch nichts für, wenn die Zwillinge mich nicht abkönnen.“, entgegnete Mika daraufhin.
„Du solltest vielleicht mal überlegen, woran das liegen könnte.“, gab ich daraufhin zurück.
„Jungs bitte, nicht streiten!“, bat Cosmo uns, der zwischen mir und Mika saß und somit auch als Schiedsrichter agieren durfte. „Ich fühl mich schwach und mag es nicht, wenn die zwei Menschen, die mir am Wichtigsten sind, sich ständig streiten.“
„Was ist denn los, geht es dir nicht gut?“, fragte Mika ihn nun besorgt, womit er ausnahmsweise mal die richtige Frage stellte.
„Schon gut, das wird wieder. Macht euch keine Sorgen um mich.“, antwortete Cosmo, doch so ganz wollte mich das nicht zufrieden stimmen. Die brennende Kerze schien mehr bei ihm ausgelöst zu haben, als ich bisher annahm. Mika hingegen schien zugleich weniger besorgt zu sein und haute sich seinen Wanst mit seinem Pausenessen voll.

Wie von Emmet bereits angekündigt, erwartete uns in der nächsten Unterrichtsstunde nicht nur unser allseits beliebter Dr. Tibbet, sondern auch unsere Religionslehrerin Miss Giggles. Sie war es, die den Schulausflug überhaupt ins Rollen brachte und so konnte sich unsere Klasse nun über ein paar schöne Tage in den Bergen freuen, wo wir uns beim Skifahren und Snowboarden austoben konnten. „Es freut mich über alle Maßen euch eine frohe Botschaft verkünden zu können.“, sagte sie lächelnd und auf sich selber stolz. Mir bluteten bereits nach kurzer Zeit die Ohren, denn ihre Stimme war so piepsig wie die einer Maus. „Dr. Tibbet und ich haben uns mit dem Schulrektor zusammengesetzt und gemeinsam haben wir beschlossen, dass bei dem Schulausflug die Parallelklasse ebenfalls mit von der Partie sein darf.“ Helle Begeisterung durchflutete den Raum, denn die meisten Schüler glaubten wohl, sie könnten in der Nacht wilde Partys feiern. Ein paar Sitzplätze weiter vorne hörte ich Tamara leise jammern und fluchen, denn mit dieser Meldung würde Dixon ebenfalls mit von der Partie sein. Miss Giggles war mit ihrer Ankündigung jedoch noch nicht fertig und fügte hinzu: „Natürlich sind so viele Schüler für zwei Lehrer viel zu viel, weshalb sich Mister Cage und Frau Silly unserem Schulausflug ebenfalls anschließen werden. Oh das wird so funny!“ Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Frau Silly? Da kann ich mich ja gleich unterm Schnee begraben lassen!
Die Stimmung war dennoch allgemein sehr gelassen im Klassenzimmer. Die Vorfreude auf den bevorstehenden Schulausflug war groß und so lag es an Dr. Tibbet, für ein wenig Ruhe zu sorgen. „Ich bitte um Ruhe und Aufmerksamkeit! Miss Giggles möchte noch etwas verkünden!“
Noch was? Was hat Minnie Maus denn jetzt noch zu sagen? „Wie ihr ja zudem alle wisst, hat gestern die Adventszeit begonnen und dieses Jahr möchte ich mit euch etwas ganz Besonderes veranstalten: Wir werden Wichteln! Ich habe hier eine Box mit Zetteln, die all eure Namen enthält. Jeder einzelne von euch kommt bitte vor und zieht einen Zettel heraus, ohne diesen den anderen zu zeigen. Die Person, dessen Name auf dem Zettel steht, bekommt von euch zu Weihnachten ein Geschenk. Ist das nicht prima?!“ Prima, absolut geil, absolut … scheiße! Wieso musste Miss Giggles nur immer mit solch bescheuerten Spielen daher kommen. So langsam verging mir die Lust an Weihnachten. Alle Schüler traten nacheinander vor und zogen einen Zettel aus der Box. Auf Mikas Gesicht bildete sich ein Grinsen, als er seinen Zettel las, Ariana wirkte missgelaunt wie eh und je und als ich endlich an der Reihe war und meinen Zettel im Verborgenen las … fluchte ich innerlich.

Fortsetzung folgt … am Samstag, den 26.November 2022!

Ich verspreche, nichts zu verraten :face_with_hand_over_mouth:

Was ist das denn? Ich kenne nur Ohrläppchen

Warum eine englisch, die andere deutsch? :thinking:

Was hat Cosmo fr ein Problem mit Feuer? Ist ihm was schlimmes widerfahren oder haben alle EVO Angst davor?

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Ohrwaschel sind Ohrläppchen. Tut mir leid, da ist mein Dialekt mit mir durchgegangen. Ist ein bayerischer Begriff :rofl:
Das mit den Namen ist schnell erklärt: Frau Silly hab ich ja bereits in Part I eingeführt, Miss Giggles erst in Part II, aber weil es vom lesen her komisch geklungen hätte, wenn ich Frau Giggles geschrieben hätte, entstand daraus Miss Giggles. Würde ich die Geschichte nochmal neu schreiben, dann würde ich wohl aus beiden einfach Mrs. machen.

Hauptrollen:
Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner.
Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei.

Nebenrollen:
Mika Stone: Mitschüler von Dylan, der sich mit Cosmo anfreundet; Klassenclown; scheint etwas zu verbergen.
Mister Cage: Sportlehrer und Trainer der Basketball-Schulmannschaft.

Z:Schnee-30
„Wen hast du gezogen?“, hörte ich Cosmo mich inzwischen das dritte Mal fragen. Ich hatte nicht das Bedürfnis, ihm den Namen zu verraten, der auf dem Zettel stand. „Bin ich es? Sag schon. Ich will es wissen! Wenn ich es bin, schenkst du mir dann einen von diesen abgefahrenen Vierrädern.“
„Ein Auto?“, gab ich verwirrt zurück. „Ich hab dich nicht gezogen und wenn, dann würde ich dir mit Sicherheit kein Auto schenken! Hast du überhaupt den Sinn vom Wichteln verstanden?“
„Keine Ahnung. Du hast es mir zwar erklärt, aber da schossen mir schon all die großartigen Dinge durch den Kopf, die ich gerne haben würde.“, erklärte Cosmo mir mit bittersüßer Stimme, während wir im Sportunterricht nebeneinander herliefen. Ich hatte heute so gar keine Lust auf Sport, aber zum Glück war der Unterricht gleich vorbei und wir konnten nach Hause gehen. „Glaubst du, derjenige der mich gezogen hat, wird mir ein Au-dingsbums schenken?“
„Mach dir keine allzu großen Hoffnungen, denn ich denke, dass wird das Budget desjenigen überschreiten.“, antwortete ich Cosmo schwer atmend, während dieser wieder einmal gar nicht außer Puste zu sein schien. Wenigstens drosselte er seine Geschwindigkeit, denn ansonsten würde er mich wieder dreimal oder öfters überrunden.
Auf einmal spürte ich eine verschwitzte Hand auf meiner linken Schulter und kurz darauf hörte ich auch Mikas Stimme hinter uns. Mika war bereits eine Runde voraus und war gerade dabei, uns das erste Mal zu überrunden. Er griff sowohl nach meiner als auch nach Cosmos Schulter und sagte: „Na ihr zwei Hübschen, was gibt es denn da zu tuscheln? Sagt bloß, einer von euch hat beim Wichteln meinen Namen gezogen?! Sollte dem wirklich so sein, dann solltet ihr wissen, dass ich schon immer mal eine Laserlampe haben wollte.“
Mika erzählte uns seinen dringlichsten Wunsch und grinste dabei dreist. Danach rannte er zwischen uns hindurch und lief weiter seine Bahnen. Ich rollte mit den Augen. Ich konnte bei bestem Willen nicht verstehen, wie Cosmo nur mit diesem Lackaffen befreundet sein konnte. Ich war heilfroh, dass ich Mika nicht gezogen habe. Doch was wenn Cosmo ihn gezogen hat? Viel Zeit um darüber nachzudenken blieb mir Gottseidank nicht, denn nach wenigen Sekunden hörte ich Mister Cage in seine Trillerpfeife blasen und der Sportunterricht war beendet.

Cosmo und ich waren wieder einmal die letzten Schüler, die sich in der Schule herumtrieben. Ich hatte mich inzwischen ja dran gewöhnt, dass Cosmo immer der letzte beim Duschen war, aber komisch war es schon ein wenig. Doch immer wenn ich ihn diesbezüglich zur Rede stellte, hatte er eine andere plausible Ausrede parat. Heute lautete die Ausrede: „Was kann ich denn dafür, dass ich so dringend aufs Klo musste und mit einer Verstopfung zu kämpfen hatte. Wenn du mir nicht glaubst, dann schau mir doch das nächste Mal zu!“
„Iiih du bist so widerlich.“ Ich verzog mein Gesicht vor Abscheu, musste jedoch kurz darauf lachen, als auch Cosmo zu lachen anfing. Dann verließen wir die Sporthalle und traten hinaus ins Freie.
Dort erwartete uns eine dicke, fette und sehr weiße Überraschung! Die ganze Umgebung war mit Schnee bedeckt. Von Wiesen war nichts mehr zu sehen und die Straßen konnte man nur noch anhand der Autos, Schilder und Laternen erkennen. Es musste schon eine ganze Zeit lang über kräftig geschneit haben und ein Ende schien noch nicht in Sicht. Vom Himmel fielen auch weiterhin weiße Schneeflocken herunter und kleideten unsere Kleinstadt in ein weißes Wunder ein. Der erste Schnee war für mich immer etwas ganz Besonderes, denn es wirkte so wunderschön und rein. Als tauchte es unsere Welt in eine Unschuld, wobei unter dem Schnee natürlich noch all das Übel dieser Welt lag.
Weiße Weihnachten standen uns bevor und das freute mich ungemein. Nur einer schien sich noch viel mehr darüber zu freuen: Cosmo stand neben mir und schaute sich wie ein kleines neugieriges Kind in der ganzen Gegend um. Seine Augen leuchteten strahlend hell und er wusste gar nicht, wo er zuerst hinblicken sollte. Zu den drei Kindern in der Ferne, die sich zugleich eine Schneeballschlacht lieferten, zu den Bäumen, an denen zwar keine Blätter mehr hingen, aber auf denen dafür jede Menge weißer Schnee lag, oder zu den Laternen, von denen ein paar eisige Eiszapfen herunter hingen. Der Winter war da und Cosmo sah das erste Mal in seinem Leben Schnee und Eis!
„Auf meinem Heimatplaneten gab es so etwas nie.“, erzählte Cosmo mir auf dem Nachhauseweg, indessen er sich weiterhin verträumt in der Gegend umsah. Einmal streckte er sogar seine Zunge raus und fing damit ein paar Schneeflocken auf. „Hm lecker, schmeckt gut!“
„Das ist nicht zum Essen geeignet!“, lachte ich lauthals. „Schnee besteht nur aus Wasser.“
„Na ist doch gut. Wasser ist schließlich wichtig.“, erwiderte Cosmo daraufhin breit lächelnd.
„Du kannst von mir aus so viel Schnee futtern wie du magst, aber wenn er braun oder gelblich ist, dann lass bitte die Finger davon.“, erklärte ich ihm warnend.
„Gelber Schnee? Was ist damit? Ist der mit Zitronengeschmack?“, fragte Cosmo mich unwissend.
„Och Cosmo…“ Ich schmunzelte, denn seine Unwissenheit war zwar süß, aber auf Dauer auch anstrengend. „Gelber Schnee ist pfui … und mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Wir gingen weiter, bis Cosmo vor einem Haus stehen blieb, in dessen Garten bereits ein dreikugeliger Schneemann stand. „Das ist ein Schneemann.“, erklärte ich Cosmo zugleich. „Ich nehme mal an, dass ein paar Kinder den gebaut haben. Jedoch haben sie die Nase vergessen.“
„Der Arme. Wie soll er denn ohne Nase riechen können?“ fragte Cosmo mich traurig und ich rollte lächelnd mit den Augen. „Hey du lieber Schneemann!“ Cosmo winkte dem Schneemann zu, als gerade eine alte Dame vom Haus nebenan zu ihrem Auto lief. Die alte Dame warf uns einen verwirrten Blick zu, als ob wir geistig nicht ganz beim Trost wären, da wir mit einem Schneemann redeten. Doch Cosmo redete unbeirrt weiter auf den Schneemann ein: „Das du keine Nase hast, ist echt eine Schande. Ich bin auch schon einmal ohne Nase herumgelaufen, einfach so aus Spaß, aber am Ende war das gar nicht so spaßig, weil ich nicht mehr genügend Luft bekommen habe.“
„Ja ist gut jetzt.“, sagte ich ganz schnell und versuchte Cosmo von dem Schneemann wegzuzerren.
„Und was ist, wenn der arme Mann schon gar nicht mehr atmet?“, fragte Cosmo mich erschrocken, während ich ihn am Ärmel mit mir zog und er besorgt zum Schneemann zurückblickte.
„Willst du, dass wir auffliegen? Die alte Dame hat uns schon ganz schief angeguckt. Außerdem ist ein Schneemann kein Lebewesen und dessen Nase besteht lediglich aus einer Karotte!“
„Häh? Jetzt komme ich nicht mehr mit. Ich dachte Karotten sind für Hoppellöffel da.“, sagte Cosmo.
„Hasen! Argh, ich wusste das es ein Fehler sein würde, dir die Ohren der Hasen wie lange Löffel zu beschreiben.“, sagte ich wütend auf mich selbst. „Die Karotte dient auch als Deko zur Nase für einen Schneemann und den wiederum bauen die Menschen hin und wieder nur aus Spaß. Es ist nur eines der vielen Dinge, was sich mit Schnee machen lässt. Mit Schnee lässt sich zum Beispiel auch eine Schneeballschlacht veranstalten. Andere benutzen Schnee, um darauf mit ihren Schlitten einen Abhang hinunter zu fahren. In erster Linie ist Schnee aber kalt und bei Kontakt mit Hitze schmilzt er. Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?!“ Cosmo schien schon vor einer ganzen Weile erneut stehen geblieben zu sein, doch als ich mich zu ihm umdrehte, flog mir ein eiskalter Schneeball ins Gesicht!
„Ha! Das funktioniert ja wirklich!“, rief Cosmo mir begeistert zu, während ich mir den kalten Schnee aus dem inzwischen rotgewordenen Gesicht wischte. Ich grummelte vor mich hin und hatte nur noch einen einzigen Gedanken: Rache! Kurz darauf flogen Schneebälle kreuz und quer umher. Cosmo und ich warfen einen Ball nach dem anderen gegenseitig auf uns zu. Klar, dass Cosmo der bessere Werfer war, aber ganz so schlecht war ich auch nicht. Auf jeden Fall hatten wir irre viel Spaß!

Fortsetzung folgt … am Dienstag, den 29.November 2022!

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Es ist mal wieder soweit: Zeit für eine Rückblende! Ich benutze dieses Stilmittel sehr gerne, um mal ganz andere Seiten von Charakteren zu zeigen, bevor sie wie in diesem Fall ein Schicksalsschlag ereilte. Außerdem gibt es mir die Möglichkeit, verstorbene Charaktere auftreten zu lassen - in diesem fall Dylan´s Mutter. In den nächsten Kapiteln werde ich immer wieder auf sie zurückkommen, gerade im Hinblick auf Vater und Sohn, aber keine Sorge, Cosmo mischt natürlich weiterhin eifrig mit.

H:Mutter-31
Es war Freitagnacht und mit jeder Sekunde kam der uns bevorstehende Samstag näher. Um mich herum war es still. Lediglich mein leiser Atem und das Ticken der Uhr war zu hören. Obwohl ich müde war, wollte es mir einfach nicht gelingen einzuschlafen. Ich stand schließlich von meinem Bett auf und schlenderte barfuß zum Fenster. Ich schob den rechten Vorhang zur Seite und blickte in die eiskalte Winternacht hinaus. Bereits die ganze Woche fiel Schnee vom Himmel und auch heute Nacht flogen kleine Schneeflocken durch die Gegend. Unser Garten war mit Schnee bedeckt und in einer Ecke stand ein Schneemann, den Cosmo heute Nachmittag mit meiner Hilfe baute. Dieser Schneemann trug aber eine Karottennase, was ihn wohl glücklich stimmte, denn mit schwarzen Steinen zeichnete sich ein Lächeln bei ihm ab. Mir hingegen war nicht nach Lächeln zumute. Hinter mir tickte die Uhr unentwegt weiter. Nur noch drei Minuten bis Mitternacht.
Ich verließ mein Zimmer leise, damit Cosmo mich auch ja nicht hörte. Cosmo besaß ein sehr gutes Gehör und hatte mich schon einmal ertappt, wie ich mich auf Zehenspitzen aus meinem Zimmer schlich, nur um mir einen kleinen Nachtimbiss zuzunehmen. Die Chance für ihn, sich ebenfalls noch einmal den Wanst voll zu schlagen. Heute Nacht weckte ich ihn jedoch nicht auf und ich schloss leise die Tür hinter mir, nachdem ich das Schlafzimmer meines Dad betreten hatte. Das Bett war leer und unbenutzt. Demnach war mein Dad noch nicht von der Arbeit wieder gekehrt. Ob er heute Nacht absichtlich Überstunden schob, weil er wusste, dass er womöglich auch nicht schlafen konnte?
Ich ging um das Bett herum und ließ mich schließlich auf der Matratze nieder. Meine Augen waren auf ein Bild gerichtet, dass auf dem Nachtkästchen meines Dad´s stand. Ich nahm das Bild vorsichtig in die Hand und begutachtete es mit einem traurigen Blick. Das Bild zeigte meine Mutter mit einem sanften Lächeln, während sie in die Kamera zu winken schien. Ein trauriges Lächeln breitete sich in meinem Gesicht aus und als die Uhr endlich Mitternacht schlug, flüsterte ich: „Alles Gute zu deinem Geburtstag, Mum!“

Vor genau einem Jahr am frühen Morgen:
„Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday dear Darling / dear Mum, Happy Birthday to you!“ Mein Dad und ich sangen meiner Mum ein Geburtstagsständchen, als wir am frühen Morgen ins Schlafzimmer geschlichen kamen und ihr eine kleine Überraschung bereiteten. Mein Dad trug ein Tablett in seinen Händen, auf dem ein vorzügliches Frühstück vorbereitet war, während ich einen Strauß Blumen in meinen Händen hielt, den ich gestern für sie besorgt hatte.
„Oh ihr seid ja lieb. Vielen Dank!“ Meine Mum war überglücklich, als sie den Strauß Blumen entgegen nahm und mich zum Dank ganz fest an sich drückte. Auch über das Frühstück im Bett freute sie sich sehr und gab meinem Dad zum Dank dafür einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen.
„Aaaah, könnt ihr nicht warten, bis ich wieder draußen bin?!“, schrie ich peinlich berührt.
„Du kleiner Frechdachs!“, rief meine Mutter und bewarf mich mit einem Kissen. „Warte nur bis du irgendwann einmal verheiratet bist. Dann wirst du jemanden küssen, während du Zuschauer hast.“
„Jaja, bis ich heirate, werden noch viele Jahre ins Land vergehen.“, sagte ich unbekümmert, nachdem das Kissen in meinem Gesicht landete und ich es anschließend mit meinen Händen auffing.
„Solange ich es noch miterlebe, ist es mir egal wann du heiratest.“, sagte meine Mum daraufhin.
„Jetzt mach aber mal halblang Natalie.“, mischte sich mein Dad nun mit ein. „Unser Sohn ist gerade mal vierzehn Jahre alt. Da redet man doch noch nicht übers Heiraten bei ihm.“
„Wieso denn nicht? Sowas kann manchmal früher kommen als man denkt.“, meinte meine Mum dann und fügte hinzu: „Wenn Dylan die große Liebe gefunden hat und er sich sicher ist, wieso dann warten?“ Ich schaute meine Mum überrascht an und auch mein Dad hörte aufmerksam zu. „In der heutigen Zeit kommt es einem so vor, als würden die Uhren viel schneller ticken. Ständig kann irgendwas passieren und hinterher bereut man vielleicht, wieso man bestimmte Dinge nicht schon viel eher in die Tat umgesetzt hat. Doch dann ist es vielleicht zu spät und die Zeit zurückdrehen ist leider nicht. Natürlich will ich unseren Sohn nun auch nicht zu unüberlegten Handlungen anstacheln. Zumal er ohnehin schon sehr impulsiv handelt, aber das hat er von dir Schatz!“
„Von mir?!“ Mein Dad schien über diese Tatsache sehr überrascht zu sein.
„Natürlich von dir.“, erwiderte meine Mum daraufhin. „Er hat viele deiner Charaktereigenschaften, aber den Glauben an das Gute und das gute Aussehen hat er von mir.“
„Da pflichtete ich dir bei Mum!“, rief ich hocherfreut durchs Zimmer und grinste dabei keck.
„Sei still, du hast hier jetzt mal Sendepause.“, zischte mein Dad. „Musst du dich nicht ohnehin für die Schule fertig machen?“
„Ist ja schon gut, ich geh ja schon…“ Langsam schlurfte ich aus dem Zimmer, doch bevor ich die Tür schloss, sagte ich noch schnell: „Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, dass du Dad, als Sheriff unterm Pantoffel von Mum steckst. Soviel zum Thema Herr im Haus!“ Mein Dad warf mir ein Kissen hinterher, doch prallte es an der Tür ab, die ich zugleich hinter mir zuzog.

Als ich meine Augen öffnete, musste ich mich zunächst einmal an die Helligkeit gewöhnen, die mir nun entgegen kam. Ich befand mich noch immer im Schlafzimmer meines Vaters. Die Vorhänge waren nicht zugezogen und so sah ich weiß über weiß. Allmählich könnte es wieder aufhören zu schneien. Ich drehte mich zur Seite. Keine Spur von meinem Dad. War er etwa die ganze Nacht über nicht nach Hause gekommen? Vielleicht hat er auch unten auf der Couch geschlafen, wie er es nach dem Tod von meiner Mum des Öfteren tat. Ich drehte mich erneut um und blickte zu dem Bild, auf dem meine Mum zu sehen war. Ich vermisste sie, manchmal sogar sehr, manchmal aber auch weniger und das rief zugleich Schuldgefühle in mir hervor. Das hing immer damit zusammen, mit was ich so beschäftigt war. Cosmo raubte mir die letzten Wochen viele Nerven, weshalb ich weniger an sie denken musste – doch ich würde sie niemals vergessen!
Als ich schlief, träumte ich von ihrem letzten Geburtstag: „Solange ich es noch miterlebe, ist es mir egal wann du heiratest.“ Das sagte sie damals zu mir. Hätte ich doch nur gewusst … dann hätte ich … ich hätte natürlich nicht auf die Schnelle geheiratet, aber keine Ahnung … dann hätte ich noch mehr schöne Stunden mit ihr verbracht. „Ständig kann irgendwas passieren und hinterher bereut man vielleicht, wieso man bestimmte Dinge nicht schon viel eher in die Tat umgesetzt hat.“ Wie Recht sie damals doch hatte. Nun ist es zu spät. Sie ist fort … und sie kehrt nie mehr wieder zu uns zurück!

Fortsetzung folgt … am Donnerstag, den 1.Dezember 2022!