Bauchgefühle

Hello :slight_smile: es freut mich, dass es woanders jetzt weiter geht. War ganz erschrocken, als ich gemerkt habe, dass es Boypoint nicht mehr gibt. Vor allem weil ich so ewig gebraucht habe und schon längst hätte fertig sein können. Da ich den neuen Teil noch nicht fertig habe, werde ich erst einmal beginnen die Geschichte nach und nach hochzuladen. Vielleicht werde ich ein paar Fehler die ich gemacht habe ausbügeln. Vielleicht gibt es ja auch den ein oder anderen Neuen oder Leute die die Geschichte gerne noch mal von vorne lesen wollen.

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Heyyyyyyyy Saltoboy,

schön, dass du da bist :slight_smile: Ich habe deine Geschichte abgöttlich geliebt und freue mich so sehr, dass du deine Geschichte nach und nach hochladen wirst. ICh wollte nämlich unbedingt wissen, wie es mit Hugo und Branko weitergeht :slight_smile:

LG Knutschkugel

Hey Salto,
es so toll, dass du wieder da bist und ich freue mich auch schon riesig, deine Geschichte weiterzulesen.

LG nobody.

@anon13107007 vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefällt :slight_smile:

Hier kommt auch schon der erste Teil:

In Wartezimmern herrschte immer diese unangenehme Atmosphäre, die Branko über alles hasste. Alle saßen da und warteten, dass sie endlich aufgerufen wurden, selten sprach jemand, jeder versuchte den Blickkontakt so gut wie möglich zu meiden hoffte auf ein baldiges Entrinnen aus diesem Vorort der Hölle.

Branko hasste es zum Arzt zu müssen. Dabei musste er mittlerweile nicht mehr besonders häufig dorthin, aber in seiner Kindheit hatte er sehr viel Zeit im Krankenhaus oder in Wartezimmern irgendwelcher Fachärzte verbracht. Heute war er auch nur hier, um sich ein Attest zu besorgen, das er benötigte, um sich vor der heute anstehenden Klausur drücken zu können. Er hatte es einfach nicht geschafft, bei allem was um ihn herum los gewesen war in den letzten Tagen, sich auf den Lernstoff konzentrieren zu können. Es ärgerte ihn ungemein, aber war letztendlich nur ein kleineres Übel. Ungeduldig trommelte er mit seinen Fingern auf seinem Bein herum und lehnte den Kopf etwas in den Nacken.

Gestern Abend hatte Leo ihn urplötzlich wieder angerufen. Sie hatten seit Monaten nicht miteinander gesprochen. Branko wusste absolut nicht was er wollte und fragte sich seitdem die ganze Zeit, was er im Sinn hatte, wenn er nach so langer Zeit wieder den Kontakt zu ihm suchte und „einfach nur quatschen“ wollte? Wenn Branko darüber nachdachte, konnte da irgendetwas nicht stimmen. Vor allem nach dem was zwischen ihnen vorgefallen war.

Leo war Brankos bester Freund gewesen, schon seit der fünften Klasse. Er war quasi nie von Brankos Seite gewichen, fast wie sein eigener Schatten. Zwar musste man zugeben, dass Leo nicht grade ein zweiter Einstein gewesen war was die Schule betraf. Branko hätte ihn niemals als dumm bezeichnet, aber manchmal als ein wenig denkfaul. Er hatte sich irgendwie immer durchgemogelt und mit viel Geduld und Hilfe von Branko schließlich sogar ohne größere Probleme sein Abitur bestanden. Aber dann war etwas passiert, wofür sich Branko immer noch schämte und weshalb er immer noch einen unglaublichen Groll gegen sein damaliges Ich hegte. Es war am Abend von ihrem Abiball gewesen. Nach der Feier waren sie noch mit ein paar Leuten um die Häuser gezogen, hatten getrunken und irgendwann die anderen mit denen sie unterwegs waren aus den Augen verloren. Sie hatten gemeinsam auf der Rutsche auf dem Spielplatz gesessen. Das Problem war, dass Branko schon seit langem mit einer Zuneigung zu Leo zu kämpfen hatte für die er sich selbst verabscheute und die er Tag für Tag verfluchte. Sie waren durch dick und dünn gegangen, hatten alles zusammen erlebt und dann plötzlich von heute auf morgen, waren sie da. Diese Gefühle und diese Gedanken, wie es wohl wäre. Er kannte Leo in und auswendig und dass trotzdem noch solche Gefühle in ihm aufkommen würden, damit hatte er nie im Leben gerechnet. Selbst bei all seinem kindischen Gehabe und dem Blödsinn, den er immer wieder in Petto hatte. Mittlerweile war Branko sich sehr sicher, dass er sich den Augenblick nur eingebildet hatte, der ihn etwas sehr, sehr dummes hatte sagen lassen und danach war es nie wieder wie früher gewesen.

Branko schreckte plötzlich hoch, als sein Name aufgerufen wurde. Er schnappte seine Tasche und folgte der Arzthelferin, die ihn in eines der Behandlungszimmer schickte, wo er noch ein paar Minuten auf den Arzt wartete.

Branko verließ die Praxis mit dem Attest in der Tasche, aber einem flauen Gefühl im Magen. Es war nicht seine Art eine Klausur einfach zu versäumen. Eigentlich war er sehr strebsam und zielorientiert. War mit seinem Studium perfekt im Zeitplan, doch manchmal stellte das Leben einem doch ein Bein. In seinem Fall nicht das erste, aber dieses hatte er wirklich nicht kommen sehen. Zunächst war vor ein paar Wochen sein Großvater verstorben, zu dem er zwar ein nicht besonders enges Verhältnis gepflegt hatte, aber er war mehr oder weniger von seinen Großeltern großgezogen worden. Vielleicht waren sie nicht besonders liebevoll gewesen, aber aber immerhin hatte er dort ab und zu eine warem Mahlzeit bekommen. Seitdem seine Mutter nach seinem Tod fast an einer Überdosis gestorben war war sei mal wieder in der Klinik und Branko hatte sich um alles kümmern müssen. Außerdem hatte er oft noch seine dreizehnjährige kleine Schwester am Hals, um die er sich nach Schulschluss kümmern musste. Zwar unterstützen ihn seine Mitbewohner Flo und Olivia dabei tatkräftig, aber auch sie hatten mehr als genug Verpflichtungen am Hals, sodass es selten für mehr als ein paar Partien Uno reichte. Und das war natürlich auch nichts womit man frischgebackene Pubertierende lange an der Stange hielt. Und Lea verstand natürlich nicht, was es hieß für ein Maschinenbaustudium zu lernen und dass dies mehr Arbeit erforderte, als eine Mathearbeit in der siebten Klasse.

Und in all den Trubel, der sich um ihn herum abspielte, platzte plötzlich sein ehemaliger bester Freund, von dem er seit über einem Jahr kein Wort gehört hatte. Und Branko hatte gerade gedacht, er hätte dieses Debakel, was sich damals abgespielt hatte überwunden, oder zumindest einigermaßen erfolgreich verdrängt.

„Es tut mir leid, Branko,“ hatte Leo am Ende gesagt. „Ich wusste einfach nicht, wie ich damit umgehen sollte.“ Gemeint hatte er damit wohl eher: Ich wusste nicht, wie ich mit dir umgehen sollte.

Dass Branko eine Schwäche für das männliche Geschlecht hatte, war quasi ein offenes Geheimnis gewesen und hatte bis zu jenem Tag nie ein größeres Problem dargestellt. Leo hatte es gewusst, da war Branko sich sehr sicher, doch gesprochen hatten sie darüber nie. Er wünschte, dass sich in der Nacht nicht der Alkohol und sein Herz über seinen Verstand hinweggesetzt hätten. Seitdem hatte Branko Abstand von hochprozentigen Getränken genommen und war lieber bei Bier geblieben oder hatte einfach gar nichts getrunken.

„Es war mein Fehler,“ hatte er auf Leos Entschuldigung nur erwidert. Natürlich war es im Allgemeinen seine Schuld gewesen, dass die Stimmung zwischen ihnen nach diesem Vorfall auf dem Tiefpunkt war, aber irgendwie auch Leos, da dieser ihm wenige Wochen später verkündete, er würde einen Studienplatz in einer anderen Stadt annehmen. Natürlich hatte Branko sich für ihn gefreut, aber ihm war auch bewusst gewesen, dass es bedeutete, dass Leo auf der anderen Seite von Deutschland studieren würde.

Wäre der Zwischenfall nicht gewesen, dann hätte ihre Freundschaft das mit Sicherheit überlebt, vielleicht wäre Leo auch gar nicht so weit weggezogen, aber unter den Umständen hatten sie keine Chance. Und dann war sein bester Freund weg. Branko hatte versucht ihm zu schreiben, einmal hatte er ihn sogar besucht, aber es war einfach nicht mehr das Gleiche. Leo war irgendwie abweisend und vor allem zurückhaltend gewesen. Und wenn Leo eines nicht war, dann das.

Branko hatte es sehr verletzt, dass sein bester Freund nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Es hatte ihm praktisch das Herz gebrochen. Und das alles nur, weil er seine blöden Gefühle nicht unter Kontrolle gehabt hatte. Eigentlich hatte er sich schon für so reif gehalten, dass er darüber stand, sich zeitweise sogar eingeredet, dass es bloß eine Phase war und es wieder vorbeigehen würde. Vielleicht wäre es das auch. Das ließ sich jedenfalls im Nachhinein nicht mehr beurteilen. Ja die Gefühle Leo gegenüber hatten sich geändert, aber es hatte sich eher in Enttäuschung verwandelt. Wie hatten sie alles durchstehen können und dann machten ein paar kleine Worte alles zunichte?


Branko schloss die Wohnungstür auf und stellte seinen Rucksack neben die Tür. Es war niemand zuhause und bis er Lea vom Tanzunterricht abholen musste war noch etwas Zeit.

Lea stand schon draußen, als Branko etwas verspätet ankam. Ihre Sporttasche lag auf dem Boden, sie hatte sie nachlässig hingeworfen. Branko winkte ihr von der anderen Straßenseite zu, bevor er zu ihr hinüber hastete. Manchmal wusste er nicht, wie er mit seiner kleinen Schwester umgehen sollte. Ihr Altersunterschied betrug immerhin acht Jahre und er war dieser Zeit des Teenagerseins schon zu lange entwachsen, um noch nachfühlen zu können, wie es war in ihrem Alter zu sein. Er hatte sich immer um sie kümmern müssen, aber wusste so wenig von ihr, wie sie von ihm. Mittlerweile war sie vielleicht in dem Alter um sich für Jungs zu interessieren, aber er hatte keine Ahnung, ob es da jemanden gab. Wenn er sie gefragt hätte, wäre es ihr nur peinlich gewesen und sie fragte ihn schließlich auch nicht, wie es bei ihm aussah.

Vor seiner Familie hatte Branko sich nie wirklich geoutet und er wusste auch nicht, ob sie es wusste. Sie verbrachte ihre zwei, manchmal auch drei Nachmittage die Woche bei ihm. Gesprochen wurde allerdings nie viel, und wenn dann nur Oberflächliches.

„Hey,“ rief er atemlos, als er sie erreichte. Lea blickte ihn etwas schnippisch an, während Branko ihre Sporttasche aufhob und sich um die Schulter schwang. Er war ihr großer Bruder und eigentlich fühlte er sich ganz wohl in dieser Rolle. So hatte er wenigstens etwas das Gefühl sie beschützen zu können. Zwar waren sie nur Halbgeschwister, aber trotzdem hatte er sie sehr lieb. Sie war ziemlich klein und zierlich für ihr Alter, während er so ziemlich das komplette Gegenteil verkörperte.

„Wie war dein Tag?“ fragte er, in der Hoffnung ein Gespräch aufbauen zu können. Manchmal wünschte er sich ein engeres Verhältnis zu ihr, konnte es aber irgendwie nicht aufbauen.

„Mhm,“ machte sie nur. „Schule eben. Wir haben heute einen Vokabeltest in Englisch geschrieben. Ich glaub das war ganz gut.“ Lea zog den Reißverschluss an ihrer Jacke zu, während sie langsam in Richtung der Bushaltestelle liefen.

„Das ist doch toll. Ich habe heute Morgen Mama besucht,“ erklärte er ihr und warf einen kurzen Blick auf sein Handy.

„Und wie geht es ihr? Hast du eine Ahnung wann sie wieder nach Hause kommt?“

Branko seufzte innerlich. Es würde noch einige Zeit dauern, bis das geschehen würde, aber das wollte er ihr eigentlich nicht sagen.

„Ich hoffe bald. Sie wirkte, als würde es ihr dort ganz gut gehen. Willst du vielleicht beim nächsten Mal mitkommen? Sie hat nach dir gefragt.“

Lea zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht,“ murmelte sie nur leise.

Es war für September ganz schön kalt geworden und es regnete den ganzen Tag immer mal wieder. Im Moment war es zum Glück trocken.

„Du Branko. Ich geh morgen mit zu einer Schulfreundin nach der Schule, du brauchst mich also nicht abholen.“

Branko wusste nicht, ob das gelogen war, aber er war ganz erleichtert, weil in fünf Tagen die nächste Klausur anstand und die wollte er nicht auch noch verpassen.

„Okay,“ meinte er also nur und blickte sie von der Seite an. Wie erwachsen sie schon geworden war. Aber was wollte man auch erwarten, wenn die Mutter häufiger weg, als zuhause und ihr Vater meistens mit Arbeit beschäftigt war. Er holte sie abends bei Branko oder ihrer Tante ab und schickte sie morgens zur Schule. Mehr war da auch nicht.


Als sie zuhause waren, parkte er Lea vor dem Fernseher und versuchte sich den längst überfälligen Aufgaben für die Uni zu widmen, während Lea sich Gossip Girl auf dem Netflix-Account ansah, den er sich mit seiner Mitbewohnerin teilte. Das lenkte ihn wenigstens nicht ab, weil die Probleme der Reichen und Schönen ihn eher weniger interessieren.

Nach einer Weile kam Olivia dazu und setzte sich zu ihr. Branko war wirklich froh, dass sie sich so gut mit seiner kleinen Schwester verstand, denn so fiel es ihm viel einfacher sich auf seine Arbeit zu konzentrieren.

Ihm schwirrte etwas der Kopf, als plötzlich sein Handy in seiner Hosentasche vibrierte. Hastig blickte er darauf, weil er sich irgendwie erhofft hatte, dass Leo noch einmal anrief. Die Situation war nach dem gestrigen Telefonat irgendwie in der Luft hängen geblieben. Doch es war nicht Leo und da fiel es Branko wieder ein. Er stand auf und verließ den Raum, bevor er abnahm. Lea sollte nicht unbedingt etwas davon mitbekommen.

„Hey, wie sieht’s aus?“ fragte Hugo fröhlich am anderen Ende der Leitung.

„Es tut mir sooooo leid,“ antwortete er und hoffte, dass man seiner Stimme anmerkte, dass es stimmte. „Als wir das mit heute ausgemacht haben wusste ich nicht, dass ich heute auf meine kleine Schwester aufpassen muss. Ich habe es einfach total vergessen.“

„Das ist schade. Wie lange denn noch? Ich könnte auch heute Abend vorbeikommen und wir kochen noch was oder so.“

Hugo war wirklich ein so lieber Kerl und er hatte es wirklich nicht verdient, dass Branko ihn andauernd versetzte. Sie kannten sich schon länger, aber bisher hatte sich nichts Eindeutiges entwickeln können, was vielleicht daran lag, dass Branko ihn auf Abstand hielt.

„Ich denke sie bleibt noch bis neun oder halb zehn. Ich weiß nicht, ob es sich dann noch für dich lohnt.“ Er verzog leicht den Mund, als er das sagte und lief im Flur auf und ab.

„Was wäre denn dabei, wenn ein Freund zum Essen vorbeikommt? Ich würde die junge Dame gerne mal kennenlernen, wegen der du mir dauernd absagst.“

Branko war eigentlich nicht ganz wohl dabei, aber irgendwo hatte Hugo ja auch recht. Olivia würde schließlich auch dabei sein.

„Ich weiß nicht,“ murmelte Branko und fuhr sich durch die dunklen Haare. Einerseits wollte er Hugo gerne sehen, wusste aber nicht, ob dieser Wunsch stark genug war, um ihn dazu zu holen, wenn seine Schwester dabei war. Vermutlich würde er ihm nicht mehr lange hinterherlaufen, denn Branko ließ ihn schon viel zu lange zappeln. Er sperrte sich etwas gegen die Vorstellung es zu etwas Ernsterem kommen zu lassen. Ein paar Mal hatten sie geknutscht und das war auch wirklich schön gewesen, aber es fiel ihm einfach viel zu schwer sich einer anderen Person gegenüber zu öffnen. Und in einer Beziehung würde er das unweigerlich tun müssen.

„Also wenn du nicht willst, dann ist das auch in Ordnung. Wir finden schon einen Termin.“

Branko resignierte. „Ich würde eh gleich kochen. Komm vorbei.“

„Ehrlich?“ Hugo klang so überrascht, dass Branko darüber ein wenig schmunzeln musste. Man merkte, dass er die Hoffnung quasi schon aufgegeben hatte. „Soll ich was mitbringen? Vielleicht was zu trinken?“

„Das wäre super, aber keinen Alkohol,“ mahnte er ihn.

„Wie wäre es denn mit Wein für uns und Apfelschorle für deine Schwester? Sind deine Mitbewohner auch da?“

Es war wirklich selten, dass man einen so netten und anständigen Jungen traf, wie Hugo es war. Wo genau Brankos Vorbehalte lagen, konnte er selbst nicht genau sagen. Eigentlich hätte er alles tun müssen, um ihn für sich zu gewinnen. Er sah gut aus, war intelligent und charmant. Trotzdem hatte er häufig das Gefühl sich nicht so recht entscheiden zu können.

„Ja. Also Olivia jedenfalls. Flo ist noch unterwegs. Er sollte später aber auch hier sein.“

„Okay, okay. Ich werde mich dann gleich mal auf den Weg machen. Bis gleich.“ Branko zweifelte kurz, wusste aber, dass er jetzt keinen Rückzieher mehr machen konnte.

Als er zurück ins Wohnzimmer kam, plauderten Lea und Olivia gerade, sie hatten offensichtlich kaum bemerkt, dass Branko das Zimmer kurzzeitig verlassen hatte.

„Ähm,“ machte dieser, um sich Gehör zu verschaffen. „Habt ihr schon Hunger? Es kommt gleich auch noch ein Freund zum Essen vorbei. Ich würde schon mal anfangen zu kochen.“

Lea nickte nur, aber Oli begann plötzlich zu grinsen. Es war so ein wissendes Grinsen, als hätte sie Brankos Stimme angehört, dass es eben nicht nur ein Freund war. Sie sprang auf und zog ihren Mitbewohner mit sich in die Küche. Manchmal hatte sie so eine Art an sich, die Branko irritierte. Sie war halt ein Mädchen und die waren häufiger weniger begriffsstutzig, was so etwas anging, als die meisten Männer.

„Also ein Freund. So so. Beginnt sein Vorname zufällig mit H? Wie kommt es, dass du ihn einlädst, wenn deine Schwester da ist? Ich dachte du willst nicht, dass sie von so etwas mitbekommt?“

Branko seufzte, diesmal sehr laut und verdrehte vielleicht sogar etwas die Augen. Olli war super, aber sie war einfach viel zu neugierig und dafür war Branko eigentlich nicht so der Typ. Er plauderte ungerne aus dem Nähkästchen.

„Er kommt als Freund. Ich habe unsere Verabredung vergessen und eigentlich wollte ich ihm lieber absagen, aber das wäre in den letzten zwei Wochen das dritte Mal. Und ich mein, was ist schon dabei? Sie muss ja nicht wissen, dass da was mit ihm ist.“

Jetzt grinste Olivia noch breiter und Branko hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen dafür. Bisher hatte er schließlich noch nicht zugegeben, dass zwischen ihnen etwas passiert war.

„Ich wusste es doch. Ich wusste es. Bleibt er heute Nacht hier?“

Branko wandte sich von ihr ab und begann damit einen Topf aus dem Schrank neben der Spüle zu kramen. Er wollte eigentlich wirklich nicht mit irgendwem über Hugo sprechen. Vor allem nicht mit ihr, da er wusste, dass sie ihn dazu bequatschen würde sich häufiger mit ihm zu treffen.

„Ich weiß es nicht. Darüber haben wir nicht gesprochen und ehrlich gesagt sind wir glaub ich auch noch nicht so weit.“

Jetzt war es an Olivia die Augen zu verdrehen. „Mensch Branko. Ich glaube du hast ihn echt gerne und er ist doch ein toller Kerl, also warum lässt du ihn nicht einfach ein bisschen an dich heran.“

„Ich muss doch nicht mit jedem Typ gleich ins Bett gehen, nur, weil ich mich ein paar Mal mit ihm getroffen hab.“ Etwas unbeholfen kramte er ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank. Er mochte es nicht, dass Olivia das immer versuchte. Dieser Wille Branko zu einem umgänglicheren Menschen machen zu wollen, war zum verrückt werden. Also schnappte er sich ein Messer aus dem Messerblock und begann drauf los zu schnippeln.

„Ich meinte damit auch gar nicht, dass du mit ihm schlafen sollst, sondern, dass du dich ihm gegenüber nicht mehr wie der letzte Arsch verhältst.“

„Mach ich das denn?“ fragte Branko etwas desinteressiert.

„Oh ja. Als er das letzte Mal hier war, da hast du dich ihm gegenüber wirklich ziemlich gemein verhalten. Du hast ihn buchstäblich ignoriert, obwohl wir nur zu dritt dasaßen. Und als er versucht hat sich beim Film etwas bei dir anzulehnen, da bist du von ihm weggerutscht. Keine Ahnung, ob dir das vor mir peinlich war oder so, aber sei bitte nicht mehr so abweisend zu ihm. Wenn er traurig aussieht, dann guckt er immer wie ein getretener Hund und das kann ich nicht mit ansehen.“

Jetzt musste Branko doch lachen. Er wusste, welchen Ausdruck Olivia meinte und sie hatte recht. Bei dem Blick konnte man wirklich weich werden.

„Ehrlich?“ Hugo klang so überrascht, dass Branko darüber ein wenig schmunzeln musste. Man merkte, dass er die Hoffnung quasi schon aufgegeben hatte. „Soll ich was mitbringen? Vielleicht was zu trinken?“

„Das wäre super, aber keinen Alkohol,“ mahnte er ihn.

„Wie wäre es denn mit Wein für uns und Apfelschorle für deine Schwester? Sind deine Mitbewohner auch da?“

Es war wirklich selten, dass man einen so netten und anständigen Jungen traf, wie Hugo es war. Wo genau Brankos Vorbehalte lagen, konnte er selbst nicht genau sagen. Eigentlich hätte er alles tun müssen, um ihn für sich zu gewinnen. Er sah gut aus, war intelligent und charmant. Trotzdem hatte er häufig das Gefühl sich nicht so recht entscheiden zu können.

„Ja. Also Olivia jedenfalls. Flo ist noch unterwegs. Er sollte später aber auch hier sein.“

„Okay, okay. Ich werde mich dann gleich mal auf den Weg machen. Bis gleich.“ Branko zweifelte kurz, wusste aber, dass er jetzt keinen Rückzieher mehr machen konnte.

Als er zurück ins Wohnzimmer kam, plauderten Lea und Olivia gerade, sie hatten offensichtlich kaum bemerkt, dass Branko das Zimmer kurzzeitig verlassen hatte.

„Ähm,“ machte dieser, um sich Gehör zu verschaffen. „Habt ihr schon Hunger? Es kommt gleich auch noch ein Freund zum Essen vorbei. Ich würde schon mal anfangen zu kochen.“

Lea nickte nur, aber Oli begann plötzlich zu grinsen. Es war so ein wissendes Grinsen, als hätte sie Brankos Stimme angehört, dass es eben nicht nur ein Freund war. Sie sprang auf und zog ihren Mitbewohner mit sich in die Küche. Manchmal hatte sie so eine Art an sich, die Branko irritierte. Sie war halt ein Mädchen und die waren häufiger weniger begriffsstutzig, was so etwas anging, als die meisten Männer.

„Also ein Freund. So so. Beginnt sein Vorname zufällig mit H? Wie kommt es, dass du ihn einlädst, wenn deine Schwester da ist? Ich dachte du willst nicht, dass sie von so etwas mitbekommt?“

Branko seufzte, diesmal sehr laut und verdrehte vielleicht sogar etwas die Augen. Olli war super, aber sie war einfach viel zu neugierig und dafür war Branko eigentlich nicht so der Typ. Er plauderte ungerne aus dem Nähkästchen.

„Er kommt als Freund. Ich habe unsere Verabredung vergessen und eigentlich wollte ich ihm lieber absagen, aber das wäre in den letzten zwei Wochen das dritte Mal. Und ich mein, was ist schon dabei? Sie muss ja nicht wissen, dass da was mit ihm ist.“

Jetzt grinste Olivia noch breiter und Branko hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen dafür. Bisher hatte er schließlich noch nicht zugegeben, dass zwischen ihnen etwas passiert war.

„Ich wusste es doch. Ich wusste es. Bleibt er heute Nacht hier?“

Branko wandte sich von ihr ab und begann damit einen Topf aus dem Schrank neben der Spüle zu kramen. Er wollte eigentlich wirklich nicht mit irgendwem über Hugo sprechen. Vor allem nicht mit ihr, da er wusste, dass sie ihn dazu bequatschen würde sich häufiger mit ihm zu treffen.

„Ich weiß es nicht. Darüber haben wir nicht gesprochen und ehrlich gesagt sind wir glaub ich auch noch nicht so weit.“

Jetzt war es an Olivia die Augen zu verdrehen. „Mensch Branko. Ich glaube du hast ihn echt gerne und er ist doch ein toller Kerl, also warum lässt du ihn nicht einfach ein bisschen an dich heran.“

„Ich muss doch nicht mit jedem Typ gleich ins Bett gehen, nur, weil ich mich ein paar Mal mit ihm getroffen hab.“ Etwas unbeholfen kramte er ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank. Er mochte es nicht, dass Olivia das immer versuchte. Dieser Wille Branko zu einem umgänglicheren Menschen machen zu wollen, war zum verrückt werden. Also schnappte er sich ein Messer aus dem Messerblock und begann drauf los zu schnippeln.

„Ich meinte damit auch gar nicht, dass du mit ihm schlafen sollst, sondern, dass du dich ihm gegenüber nicht mehr wie der letzte Arsch verhältst.“

„Mach ich das denn?“ fragte Branko etwas desinteressiert.

„Oh ja. Als er das letzte Mal hier war, da hast du dich ihm gegenüber wirklich ziemlich gemein verhalten. Du hast ihn buchstäblich ignoriert, obwohl wir nur zu dritt dasaßen. Und als er versucht hat sich beim Film etwas bei dir anzulehnen, da bist du von ihm weggerutscht. Keine Ahnung, ob dir das vor mir peinlich war oder so, aber sei bitte nicht mehr so abweisend zu ihm. Wenn er traurig aussieht, dann guckt er immer wie ein getretener Hund und das kann ich nicht mit ansehen.“

Jetzt musste Branko doch lachen. Er wusste, welchen Ausdruck Olivia meinte und sie hatte recht. Bei dem Blick konnte man wirklich weich werden.

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Hey Saltoboy,

schön, dass wir heute bereits das erste Kapitel zu lesen bekommen haben :slight_smile:

Dann werde ich mal den ersten Kommentar schreiben :slight_smile:

Ach ja, dass bedrückende Gefühl in der Arztpraxis kenne ich auch. Man möchte so schnell wie möglich ins Wartezimmer um dem zu entkommen.

Echt schade, dass Leo weggezogen ist und es zwischen Branko und Leo nicht geklappt hat.

Hugo scheint ja echt ein sehr lieber Kerl zu sein. So Hartnäckig ist bestimmt nicht jeder.

Olivia, da hast du aber einige Klischees ausgekramt :stuck_out_tongue: Sie scheint der Typische Fall zu sein von: „Ich bin ein Mädchen und finde einen schwulen besten Freund total toll“ :stuck_out_tongue:

Ich freue mich auf Kapitel zwei

LG Knutschkugel :slight_smile:

Heyho,

schön, dich wieder bei uns im Forum zu haben! :slight_smile:
Du hast jetzt auch einen weiteren Leser gewonnen, ich bin gespannt auf die weiteren Teile! :slight_smile:

LG Iroc

@anon13107007 danke für deinen Kommentar :slight_smile: Naja Leo ist ja wieder auf der Bildfläche aufgetaucht und bei Branko ist auch etwas Hartnäckigkeit erforderlich. Auch beim erneuten Lesen ist mir aufgefallen, wie ähnlich ich Branko bin manchmal. Ich mache das scheinbar aber sehr gerne, denn Olli ist genauso neugierig wie meine beste Freundin und tatsächlich kommt sie hier vielleicht etwas klischeehaft rüber, allerdings liegt es nicht unbedingt daran, dass Branko schwul ist, sondern sie einfach grundsätzlich so ist :smiley:

@Iroc Es freut mich sehr einen neuen Leser gewonnen zu haben :slight_smile: Ich hoffe es ist keine Enttäuschung.

Da ich recht viel Munition habe geht es schon direkt weiter.

Branko stand gerade am Herd, als er klingelte. Merkwürdigerweise begann sein Herz wie wild zu klopfen. Er war sich allerdings nicht ganz sicher, ob es war, weil er nervös war oder, weil er sich freute Hugo wieder zu sehen.

Er schlenderte zur Tür und drückte auf den Summer, dann kehrte er wieder zurück in die Küche, ließ aber die Tür offen. Er konnte Hugo schon im Treppenhaus hören, wie er sich die Schuhe auszog und dann hinter sich die Wohnungstür schloss.

Nach ein paar Augenblicken steckte er den Kopf durch die Tür. Branko sah ihn beiläufig an, wandte sich dann aber wieder dem Kochtopf zu.

„Hey,“ sagte Hugo und kam dann doch in die Küche. Er drückte Branko sanft einen Kuss auf die Wange und lächelte ihn an.

„Das geht wirklich nicht, wenn sie da ist,“ murmelte er und schloss die Augen. Das alles war ihm einfach zu unangenehm.

„Hallo erst mal. Und ich sehe sie gerade nicht hier. Da wirst du mich doch wenigstens begrüßen können.“

Jetzt ahnte Branko, was Olivia eben gemeint hatte, als sie behauptete, er würde sich wie ein Arschloch verhalten.

„Tut mir leid,“ flüsterte er also und drehte sich nun doch zu Hugo, umarmte ihn kurz. Manchmal wäre er anderen Menschen gegenüber gerne herzlicher, aber das lag irgendwie nicht in seiner Natur.

„Was kochst du denn leckeres?“

„Spaghetti Bolognese.“ Branko versuchte etwas den Blickkontakt zu vermeiden, aber Hugo stand sehr penetrant neben ihm und schaute ihn an.

„Also riechen tut es schon mal sehr gut,“ lächelte er. „Ich sag mal schnell drüben Hallo. Bin gleich wieder da. Wenn du magst kannst du schon mal den Wein aus meinem Rucksack holen.“ Es folgte ein kurzes Zwinkern und dann verschwand er im Wohnzimmer.

Branko konnte ihn hören, wie er sich seiner Schwester vorstellte und kurz mit Olivia über seinen Tag plauderte. Es war irgendwie schön ihn so reden zu hören und dass er so offen und gut gelaunt war. Dieser Tonfall heiterte Branko etwas auf. Er ärgerte sich allerdings, dass er nicht selbst auf die Idee gekommen war Hugo nach seinem Tag zu fragen. Er bückte sich und hob Hugos Rucksack auf, den er neben der Küchentür abgestellt hatte und holte den Wein heraus. Branko stutzte ein wenig. Scheinbar ging Hugo davon aus, dass er heute Nacht hier bleiben würde, denn im Rucksack befand sich alles, was man für eine Übernachtung benötigte. Dabei wurde Branko etwas unbehaglich zu Mute. Schließlich wollte er Hugo nicht enttäuschen, aber er konnte sich auch nicht ganz vorstellen das Bett mit ihm zu teilen. Würde er ihn auf die Couch verbannen können, ohne dass es peinlich wurde?

„Ah du hast ihn gefunden. Ich hoffe du magst Weißwein.“

Branko nickte. „Ja doch. Wollen wir Olivia fragen, ob sie auch was will?“

Hugo zuckte mit den Schultern und schloss die Küchentür. „Wir können ja auch erst mal alleine ein Glas trinken, während das hier noch kocht. Und die beiden scheinen sich da drüben auch ganz gut ohne uns zu amüsieren.“ Er lächelte und dieses Lächeln steckte Branko nun doch ein wenig an. Er hielt dem Blick jedoch nicht lange stand und sah zu Boden. Um nicht weiter peinlich berührt dazustehen, bewegte er sich und holte zwei Gläser auf dem Schrank in der Ecke.

Mit Hugo war es so ein Fall. Er verstand nicht so recht, warum dieser sich überhaupt für ihn interessierte. Er war wirklich nicht hässlich. Eher im Gegenteil. Mit seinen hellen Augen und den braunen Haaren sah er wirklich gut aus. Er war allerdings auch deutlich kleiner als Branko, aber das war im Endeffekt keine Kunst.

„Wie war denn dein Tag? Was hast du so gemacht?“ fragte Hugo und setzte sich an den kleinen Küchentisch, während Branko die Flasche öffnete. Er spürte, dass er dabei gemustert wurde. Sie hatten sich schließlich auch eine Weile nicht gesehen.

„Es war zu ertragen. Ich war beim Arzt, um mir ein Attest für die Klausur heute zu holen, dann habe ich noch ein bisschen gelernt, bevor ich Lea abgeholt habe.“ Die Geschichte mit seiner Mutter ließ er dabei absichtlich aus, dieses Gespräch war definitiv nicht das Forum um so etwas zu erzählen.

„Und bei dir?“ Er setzte sich nun auch an den Tisch und schenkte erst Hugo etwas ein, dann sich selbst.

„Bei mir war es genauso spannend. Arbeit und so. Warum hast du dir denn ein Attest für die Klausur geholt?“ fragte er interessiert und hob dabei das Glas, um anzustoßen.

Es klirrte geräuschvoll, als die beiden Gläser zusammenstießen und Branko nahm zunächst einen Schluck bevor er antwortete. „Zu wenig Zeit zum Lernen gehabt. Ich wäre zu hundert Prozent durchgefallen und da war das die einzige Alternative.“

Hugo nickte daraufhin nur verständnisvoll. „Da kann ich ja froh sein, dass ich jetzt hier bin, bei deinem vollen Terminkalender.“ Er griff nach Brankos Hand, die gerade auf dem Tisch lag und sprach direkt aus, was diesem dabei durch den Kopf ging. „Sie wird schon nicht reinkommen und uns beim Händchenhalten erwischen,“ grinste er nur und Branko entspannte seine Hand etwas. Drückte sogar vorsichtig zu.

Hugos Finger streichelten sanft seine Handfläche und er lächelte ihn an. Und Branko kam nicht umhin zurück zu lächeln, blickte ein paar Momente in die Augen seines Gegenübers, verlor sich vielleicht sogar ein bisschen darin. Es war wirklich schön, die warme Hand in seiner zu spüren. Es kam ihm plötzlich irgendwie so vertraut vor und er spürte sogar ein bisschen, wie sein Herz ihm gegen die Rippen klopfte.

Es war irgendwie schade, dass der Moment durch ein Prasseln unterbrochen wurde, das von Wasser auf einer heißen Herdplatte herrührte.

Branko sprang auf und zog den Topf hinunter. „Die sollten fertig sein. Kannst du vielleicht drüben schon mal den Tisch decken? Geschirr ist in dem Schrank da drüben, wo ich eben auch die Gläser rausgeholt habe.“

„Klar!“ Er machte sich direkt an die Arbeit und holte auch das Besteck scheinbar intuitiv aus der Schublade. Er lief damit ins Wohnzimmer, aber nicht ohne Branko einen Klaps auf den Po zu geben.

„Ey,“ machte dieser nur und versuchte die Nudeln abzugießen, ohne sich dabei am heißen Wasser zu verbrennen.

Sie saßen alle am Tisch und Hugo fragte Lea über die Schule aus. Wie die Lehrer so waren, ob sie irgendwelche absonderlichen Mitschüler hatte und zu Brankos Überraschung taute sie richtig auf und erzählte ihm Dinge, von denen Branko noch nie etwas gehört hatte. Offensichtlich konnten alle besser mit ihr als er und er fragte sich woran das lag. Etwas missmutig stocherte er in seinem Essen.

Hugo versetzte ihm mit dem Fuß unter dem Tisch einen sanften Stoß und lächelte ihn aufmunternd an. Doch irgendwie war Branko gerade nicht nach Lächeln zumute.

„Studierst du auch?“ fragte Lea plötzlich und äußerst interessiert. Branko konnte nicht umhin zu bemerken, dass Lea Hugo toll zu finden schien.

Hugo nickte nur und antwortete dann „Ja Sport und Mathe auf Lehramt. Also wenn alles gut läuft bin ich vielleicht in ein paar Jahren dein Lehrer.“ Er grinste und Lea schien etwas erschrocken.

„Meinst du, dass du dazu rechtzeitig fertig wirst?“ witzelte Olivia und streute sich noch mehr Käse über ihre Nudeln.

„Natürlich,“ rief Hugo mit halb vollem Mund. „Ich bin ja schon fast fertig,“ fügte er hinzu, als er gekaut und hinuntergeschluckt hatte.

Branko merkte, dass eine Gedanke ein wenig vom Gespräch abschweiften. Im Kopf ging er noch einmal durch was er vorhin gelernt hatte, da er sowieso nicht richtig wusste wie er sich am Gespräch beteiligen sollte. Er schreckte erst hoch als Olivia ihn direkt ansprach. Allerdings hatten sie scheinbar längst das Thema gewechselt.

„Was sagst du dazu?“ fragte sie, während sie versuchte ein paar Nudeln auf ihre Gabel aufzudrehen.

„Wozu?“ fragte er irritiert.

„Wir hätten hier gerade auch den nächsten Atomkrieg planen können und du hättest das nicht mitbekommen,“ lachte Hugo und legte ihm dabei seine Hand auf die Schulter.

Branko brummte nur und nahm auch einen Bissen vom Essen.

„Wir haben gerade darüber geredet nächste Woche Lasertag spielen zu gehen,“ erklärte Olivia und blickte ihn fragend an.

„Puh. Ich habe eigentlich nicht so viel Zeit dafür. Ich muss halt lernen.“

„Du lernst die ganze Zeit. Lass dich doch mal ein bisschen ablenken.“ Alle sahen Branko an, nachdem Olli das gesagt hatte. Dieser hob nur beide Hände.

„Ihr habt ja auch keine Klausuren. Donnerstag würde eventuell gehen,“ räumte er dann jedoch ein.

„Hugo, du kommst aber auch mit oder?“ fragte Lea und lächelte ihn an. Branko wurde etwas unbehaglich zumute. Er wollte nicht, dass sie ihn zu sehr ins Herz schloss, falls aus ihnen nichts wurde.

Hugo blickte Branko fragend an, der nur die Schultern zuckte und sich wieder seinem Teller zu wandte. Es fiel ihm plötzlich schwer zu schlucken, also nahm er etwas von dem Wein.

„Klar kommst du mit, schließlich war es deine Idee,“ lachte Olivia und versetzte Branko unterm Tisch einen Tritt, der ziemlich weh tat. Hugo schien das mitbekommen zu haben und grinste in sein Glas. Kurz spürte er seine Hand an seinem Knie. Er zog sie jedoch sofort wieder weg. Irgendwie mochte Branko es ja auch, wenn Hugo ihn berührte. Allerdings war es ihm immer unangenehm, wenn andere dabei waren, auch wenn er wusste, dass diese Gefühle unbegründet waren.

Hugo brachte die Teller in die Küche, während Branko die Spülmaschine einräumte.

„Das war wirklich lecker,“ meinte er und stellte sich neben Branko. „Ich sollte häufiger zum Essen vorbeikommen.“ Er legte seine Hände an Brankos Seite und zog ihn etwas zu sich.

Branko musste sich überwinden, um nicht sofort wieder dicht zu machen. Hugo rückte etwas an ihn heran.

„Es tut mir leid,“ brummte Branko und strich dabei sanft über Hugos Arme.

„Was tut dir leid?“ fragte er darauf nur und runzelte die Stirn.

„Dass ich manchmal so bin. Ich weiß, dass ich mich oft unfair verhalte, aber mir fällt es einfach nicht so leicht mich anderen zu öffnen.“

„Mhm,“ machte Hugo. „Ist doch okay. Ich will dich schließlich zu nichts drängen. Ich fände es aber trotzdem schön, wenn wir uns häufiger sehen würden. Ich weiß, dass du momentan in der Uni ziemlich eingespannt bist und auch auf deine Schwester aufpassen musst. Vielleicht klappt das trotzdem.“

Branko lächelte und nickte. „Ja da sollte eigentlich nichts gegen sprechen. Ab Mittwoch habe ich auch wieder mehr Zeit.“

“Wenn es allerdings daran liegt, dass du kein Interesse an mir hast, dann sag das bitte.”

Zu Antwort zog er Hugo leicht zu sich und gab ihm vorsichtig einen Kuss. Scheinbar hatte dieser damit nicht gerechnet, denn er kicherte leicht, schlang kurz seine Arme um Branko und erwiderte den Kuss leidenschaftlich.

„Damit habe ich jetzt grade nicht gerechnet,“ flüsterte Hugo und schaute Branko ein wenig verlegen von unten her an. Es war ja nicht so, dass Branko nicht konnte, wenn er wollte. Er schob Hugo nun vorsichtig von sich und lächelte kurz, fuhr sich dann durch die Haare und wandte sich ab. Er räumte weiter die Spülmaschine ein, so als sei nichts geschehen.

„Du, Branko? Wäre es in Ordnung, wenn ich heute Abend hierbleibe? Ich… naja ich würde jedenfalls gerne hierbleiben, wenn das für dich ok ist.“ Hugo suchte Brankos Blick und vergrub die Hände in den Hosentaschen. Offenbar machte Branko ihn nervös und dieser konnte nicht verstehen, wie das kam. Seine breite Statur und die braunen Augen schienen doch eine gewisse Anziehung auf andere Menschen auszuüben. Aber keiner konnte wissen, dass nicht besonders viel dahinter steckte. Er würde sich selbst weder als besonders einfühlsam, noch als sonderlich interessant beschreiben und witzig war er erst recht nicht. Es würde nicht lange dauern, bis Hugo das Interesse verlor.

Branko räusperte sich und klappte die Spülmaschine zu. Er sah Hugo an, dann kratzte er sich im Nacken.

„Ich weiß nicht. Also hier bleiben kannst du auf jeden Fall, aber vielleicht wäre es besser, wenn du auf dem Sofa schläfst.“ Es fiel ihm nicht leicht das zu sagen, weil er wusste, dass er seinem Gegenüber damit vor den Kopf stieß.

„Oh. Ähm ja. Natürlich.“ Hugo drehte sich schon zur Tür, wandte sich dann aber doch noch einmal um und blickte Branko mit gerunzelter Stirn an. „Das klingt jetzt vielleicht doof, aber irgendwie dachte ich, dass zwischen uns was wäre. Und wenn ich das irgendwie in den falschen Hals bekommen habe, dann sag mir das bitte.“

Ihm war die Enttäuschung deutlich anzumerken und Branko schämte sich ein wenig für sein Verhalten. „Du hast das nicht falsch verstanden,“ seufzte er. „Mir geht das nur vielleicht etwas zu schnell.“

Hugo fing an zu lachen und schloss die Augen. „Dass ich hier übernachten will, heißt nicht gleich, dass ich dir an die Wäsche will. Das weißt du oder? Vermutlich hätte ich meine Finger nicht bei mir behalten, aber wenn du noch nicht mit mir schlafen möchtest, dann ist das völlig okay.“ Hugo legte den Kopf schief während er das sagte und blickte Branko nun doch wieder ernst an.

„Wir kennen uns ja schon eine Weile, da wäre das nicht so abwegig,“ erwiderte er nur leise und merkte, wie rot er geworden war.

„Abwegig wäre das ganz und gar nicht,“ lachte Hugo und zwinkerte Branko zu. „Ich kann aber auch verstehen, wenn du dir Zeit lassen willst.“

Wie Branko solche Gespräche hasste und er fand den Gedanken mit Hugo ins Bett zu gehen auch wirklich verlockend, aber er befürchtete, dass ein solcher Schritt gewisse Fragen aufwerfen würde. Schließlich war Hugo kein Junge für eine Nacht. Er mochte ihn wirklich sehr und hatte einfach zu große Angst sich in ihn zu verlieben. Außerdem war Sex irgendwie auch immer mit Nacktheit verbunden und wenn Branko eines im Übermaß besaß war es Schamgefühl.

„Also meinetwegen kannst du gerne bleiben. Tut mir leid.“

„Dir braucht nichts leidtun. Ich schlafe auch gerne auf der Couch. Dein Bett wäre mir natürlich lieber, aber ich nehme was ich kriegen kann. Hauptsache ich habe ein Kissen und vielleicht eine Decke.“ Er grinste nun und stupste Branko an. „Du bist wirklich der mysteriöseste Mann den ich seit langem getroffen habe.“

Hugo verschwand damit aus der Küche und Branko stand etwas niedergeschlagen da. Mysteriös oder bescheuert, dafür schien Hugo scheinbar kein Einschätzungsvermögen zu haben. Er musste erst einmal einen großen Schluck Wasser trinken um wieder klar denken zu können.

Im Wohnzimmer setzte er sich neben Hugo auf die Couch und fing einen Blick von Olivia auf, der alles sagte. Sie hatte vom ersten Augenblick einen Narren an Hugo gefressen. Seit Branko ihn das erste Mal mitgebrachte hatte und seitdem stachelte sie ihn jedes Mal an. Wahrscheinlich wäre Hugo heute auch nicht hier, wenn sie sich nicht dafür eingesetzt hätte, dass sie sich weiter trafen. Natürlich war Branko ihr irgendwie dankbar, aber es war manchmal auch etwas nervig.

Für den Bruchteil einer Sekunde hatte er das Gefühl, dass Lea sie musterte. Sie Blickte jedenfalls ein paar Mal zwischen Branko und Hugo hin und her, wandte dann aber den Blick wieder ab. Ob sie etwas ahnte? Sie war inzwischen schließlich auch fast vierzehn und nicht auf den Kopf gefallen. Außerdem war er sich nicht so ganz sicher, ob Olivia sie auf Fragen hin anlügen würde. Vermutlich nicht.

Der Abend verging eher schleichend, bis es um viertel nach neun an der Tür klingelte. Flo war nach Hause gekommen und hatte sich dazu gesetzt. Es wurde ein bisschen geplaudert und Branko unterhielt sich ein wenig mit ihm über die anstehende Klausur. Sie studierten beides das Gleiche, allerdings war Flo aber bereits fast fertig und konnte ihm ab und zu Tipps geben.

„Du schaffst das schon. Bis jetzt hast du doch eh alle Klausuren viel besser geschrieben als ich, also wüsste ich nicht, wieso du da durchfallen solltest. Du darfst dich halt nicht zu viel ablenken lassen,“ lachte er mit einem Blick auf Hugo, den dieser gar nicht mitbekam, wohl aber Lea.

Branko warf daraufhin Flo nur einen warnenden Blick zu und war froh, dass es kurz darauf klingelte. Er brachte Lea noch zur Tür, die ihn kurz mit hochgezogener Augenbraue anblickte und ein: „Bis nächste Woche“, murmelte, bevor sie ihrem Vater ihre Schultasche in die Hand drückte und durch die Tür verschwand.

„Tschüss,“ machte Branko nur und winkte ihr ein wenig enttäuscht nach. Ihr Vater blickte Branko leicht verzweifelt an, dann kramte er etwas Geld aus seiner Brieftasche.

„Ich habe dir schon hundertmal gesagt, dass ich kein Geld dafür will, dass ich auf sie aufpasse, schließlich ist sie meine kleine Schwester.“

„Aber fürs Essen und alles. Nimm es einfach Branko, ich weiß schließlich, dass es für dich auch nicht so einfach ist.“

Branko murrte, nahm aber den zwanzig Euro Schein entgegen, weil er es wirklich gut gebrauchen konnte.

„Danke,“ flüsterte er nur noch und verabschiedete sich. Unglaublich gut hatte er sich nie mit Leas Vater verstanden. Er war auch nur drei Jahre mit seiner Mutter verheiratet gewesen. Danach hatten sie sich ab und zu gesehen und Branko konnte mehr als gut verstehen, warum er damals seine Mutter verlassen hatte.

Er ging zurück ins Wohnzimmer. Immer wenn er ihn sah kamen schreckliche Erinnerungen von früher hoch. Wie er seine Mutter angebrüllt hatte und sie zurück.

Flo und Olivia saßen nicht mehr da. Nur noch Hugo, der ihn mit großen Augen anblickte.

„Sie haben uns im Stich gelassen. Beziehungsweise glaube ich, dass sie uns alleine lassen wollten,“ grinste er, während Branko sich wieder neben ihn setzte. „Du bist irgendwie blass. Willst du noch was trinken?“

Branko schüttelte den Kopf. Er hatte das Gefühl, dass er schon mehr als genug getrunken hatte.

„Ist wirklich alles in Ordnung?“ fragte Hugo

„Ja. Natürlich. Ich bin glaube ich grade einfach ein bisschen zu schnell aufgestanden.“

Er hätte natürlich erzählen können, dass in ihm manchmal schlimme Erinnerungen hochkamen oder dass er oft an ziemlich schlimmen Alpträumen litt, aber er wollte Hugo mit solchen Informationen nicht vergraulen.

„Okay,“ flüsterte Hugo und legte ihm die Hand auf den Oberschenkel.

„Deine Schwester ist doch wirklich lieb. Ich versteh gar nicht warum du sie mir bisher vorenthalten hast.“

„Zu mir ist sie nicht immer so lieb. Und außerdem weiß sie es jetzt glaube ich. Da war vorhin so ein Blick, wie sie uns gemustert hat,“ murmelte Branko und lehnte sich zurück.

Hugo rutschte etwas hin und her, sodass er schließlich so saß, dass er Branko direkt ansehen konnte.

„Meinst du denn, dass das so schlimm wäre? Sie ist ja nun auch kein Kind mehr und sie hätte vermutlich auch kein Problem damit, so wirkte es jedenfalls nicht.“

Sie sahen sich einen Moment an, bis Hugo erneut das Wort ergriff. „Ich weiß, du gibst ungerne etwas von dir preis, aber du wirst sehen, dass es sich manchmal lohnt. Du müsstest dich ihr gegenüber nicht mehr verstellen. Das wäre doch etwas Gutes.“

Branko seufzte. „Ja erst mal abwarten, vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet. Sie muss es jedenfalls nicht wissen.“

„Okay. Ist deine Sache,“ flüsterte Hugo und bewegte sich wieder. Er legte seinen Kopf auf Brankos Schoß. Vorsichtig fuhr dieser ihm durch die Haare, ganz bedacht ließ er sie sich durch die Finger gleiten. Er musterte Hugos Ohren. Sie waren relativ klein, aber vielleicht war es auch nur der Winkel, aus dem Branko sie nun betrachtete. Ihm war der graue Pulli, den er trug, etwas hochgerutscht und entblößte ein Stück seiner Haut am Bauch. Er verspürte plötzlich ein ziemlich starkes Verlangen nach ihm, aber Branko unterdrückte den Impuls jetzt etwas zu tun, strich nur weiter durch Hugos Haare. Sie hatten die perfekte Länge um mit den Fingern hineinzugreifen.

Branko erschrak beinahe, als Hugo sich plötzlich streckte und auf den Rücken drehte. Den Kopf nahm er dabei nicht von Brankos Oberschenkeln. Er blinzelte ein paar Mal und gähnte kurz. Dabei sah er ein bisschen aus wie eine kleine Katze. Im Hintergrund lief noch immer der Fernseher, aber offensichtlich interessierte sich Hugo wenig für das Programm, das dort lief.

„Erzähl mir was,“ murmelte er und wischte sich einmal kurz über die Augen.

„Und was?“ Branko war irritiert. Er wusste nie, was er auf solche Fragen antworten sollte. Ihm fiel es ohnehin ziemlich schwer etwas von sich preis zu geben.

„Keine Ahnung. Irgendwas. Ich weiß ja immernoch kaum was von dir,“ lachte Hugo und bewegte seinen Kopf ein wenig. „Was liest du gerne oder was dein Lieblingsfilm ist? Wann warst du das letzte Mal mit jemandem zusammen? Halt irgendwas über dich.“

Branko strich ihm noch einmal vorsichtig über den Kopf und merkte, dass seine Hände zitterten.

„Ich…ich weiß nicht. Ich schau gerne schlechte Horrorfilme und gelesen habe ich leider schon länger nicht mehr.“

Hugo setzte sich ganz plötzlich auf, wandte sich um und klopfte Branko auf den Oberschenkel.

„Okay,“ er grinste plötzlich. „Schlechte Horrorfilme sind immer lustig. Warum muss man dir immer alles aus der Nase ziehen? Was ist denn mit der letzten Frage?“ Er rutschte etwas hin und her. Manchmal zappelte er nur herum. Hätte er nicht einfach liegenbleiben und sich von Branko den Kopf kraulen lassen können, statt so ein Gespräch anzufangen?

„Wenn du nichts sagst, dann rate ich jetzt einfach. Also, ich glaube, entweder bist du vom letzten Mann unglaublich enttäuscht worden und gibst deshalb nichts von dir preis, oder - und ich tendiere stark dazu - du hattest noch nie eine feste Beziehung, weil du eben so zurückhaltend bist.“ Er blickte Branko nun groß und etwas entschuldigend an. Branko starrte nur etwas irritiert zurück und hatte plötzlich einen Kloß im Hals, darum schnappte er sich Hugos Weinglas vom Tisch und nahm einen tiefen Schluck.

Er räusperte sich erneut und blickte auf das Glas, drehte es ein wenig in seinen Händen.

„Wer ist nicht schon mal von irgendwem enttäuscht worden,” murmelte er leise. “Und du hast bestimmt auch recht, dass ich mich zu sehr verschließe, aber… ich bin eben so.“

Hugo beugte sich vor und gab Branko einen leichten Kuss auf die Lippen.

„Dann ist es ja gut, dass ich Herausforderungen mag. Das macht es spannender. Und ich hasse es Leute zu enttäuschen, also Pluspunkt für mich,“ grinste er und kuschelte sich an Branko.

„In puncto Beziehung habe ich aber bisher noch nie jemandem so…,“ fing Branko an, brach aber ab und schüttelte den Kopf.

„Mhm,“ machte Hugo leise. „Ich will dich mit der Fragerei auch gar nicht nerven. Ich bin nur irgendwie neugierig.“

Branko fühlte sich wohl mit Hugo und das hatte er bisher erst bei einem Menschen so gehabt, wenn auch auf eine ganz andere Weise. Leo hatte schließlich so gut wie alles mitbekommen. Sie hatten sich Lea geschnappt und die Unterschiedlichsten Dinge gemacht, wenn ihre Mutter mal wieder zu betrunken war. So häufig war er bei ihm untergekrochen, wenn zuhause alles zu viel wurde. Leo hatte alles gewusst und Branko hatte kein schlechtes Gefühl dabei gehabt ihm so viel anzuvertrauen. Er hatte ihn nie verurteilt, oder bemitleidet. Er war alles für Branko gewesen. Bis zu dem Tag.

Mit der Zurückweisung an sich hätte er an sich leben können, aber nicht mit dem was darauf folgte.

Branko hätte es am liebsten direkt zurückgenommen wenn er gekonnt hätte. Aber das war nicht mehr möglich gewesen. Leo hatte ihn gehört und den Blick, den er ihm darauf geschenkt hatte würde er nie vergessen.

„Ich bin müde,“ murmelte Hugo und stupste Branko in die Seite.

„Dann sollten wir vielleicht ins Bett gehen,“ brummte er und stand langsam auf.

„Wir?“ machte Hugo und blickte mit hochgezogenen Augenbrauen zu ihm hoch. Branko griff daraufhin nur nach seiner Hand und zog ihn mit sich.

„Vielleicht war das mit der Couch doch etwas hart. Ich bin ja auch kein Unmensch.“

Branko stand morgens in der Küche und machte sich ein Brot mit Käse. Zwar war er noch etwas müde, aber ziemlich gut gelaunt. Alles war etwas anders gelaufen, als er gedacht hatte. Doch wieso sollte das schlimm sein? Falsch fühlte es sich jedenfalls nicht an.

Als er gerade das Messer in die Spülmaschine räumte, kam Olivia in die Küche.

„Ist Hugo schon weg?“ Branko nickte nur und schnappte sich sein Brot. Für Fragen war es ihm eigentlich noch zu früh. Gerade mal halb neun, aber er hatte eigentlich viel früher aufstehen wollen. Hugos Wecker hatte in aller Herrgottsfrühe geklingelt und er war etwas widerwillig unter der Decke hervorgekrochen. Branko hatte ihn festhalten wollen, aber Hugo hatte sich mit wenig Mühe befreit.

„Ich muss arbeiten,“ hatte er gebrummet und sich schlaftrunken angezogen. Dass er dabei von Branko beobachtet wurde, war ihm offensichtlich ziemlich egal. Es war noch fast dunkel, aber man konnte doch ganz gut alles erahnen. Wie er plötzlich dann doch nackt in Brankos Bett gelandet war. Bei dem Gedanken daran, musste Branko plötzlich schmunzeln. Was Olivia natürlich sofort bemerkte. Wieso musste sie immer direkt alles merken?

„Und was lief da gestern noch so?“

Branko biss von seinem Brot ab und kaute vor sich hin. „Geht dich nichts an,“ mampfte er und verließ die Küche. Das sollte eigentlich eine eindeutige Botschaft gewesen sein, doch Olivia lief ihm nach ins Wohnzimmer.

„Es interessiert mich aber,“ grinste sie und hob fragend die Augenbrauen.

„Mensch Olli, wieso musst du immer so sein? Es geht dich nichts an. Hast du selbst nichts, worüber du dir Gedanken machen musst?“

Offensichtlich hatte er Olli damit getroffen, denn sie verschwand ohne ein weiteres Wort in ihrem Zimmer und Branko hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Er wusste schließlich wie empfindlich Olivia manchmal sein konnte. Und vielleicht traf sie das auch so hart, weil es ein wenig stimmte.

„Olli,“ rief er und klopfte an ihre Tür. Sie reagierte nicht, deshalb öffnete er sie einfach. Sie saß am Schreibtisch und studierte ein Buch. Offensichtlich war sie wirklich angepisst von dem, was Branko eben von sich gegeben hatte.

„Hey. Es tut mir leid. Ich wollte dich gar nicht so blöd anmachen, aber mir ist einfach ein bisschen der Kragen geplatzt.“

Jetzt blickte sie Branko doch an und schüttelte nur den Kopf. „Weißt du, dass ich mich eigentlich nur für dich freue? Und klar bin ich manchmal ein bisschen zu neugierig, aber nur, weil ich mich ehrlich für dich interessiere und will dass du es hinbekommst.“

Damit hatte sie vermutlich recht. Branko war ein Meister darin seine Beziehungen zu anderen Menschen zu sabotieren. Zu oft war er zu grob zu den Leuten und besaß nicht das richtige Fingerspitzengefühl dafür, was gut war und was nicht.

„Ich weiß, ich bin nur deine Mitbewohnerin, aber schließlich sind wir auch irgendwie Freunde und da erzählt man sich manchmal auch so etwas. Dass ich dich so nerve, wusste ich nicht.“

Branko schaute auf den Boden. Seine gute Laune, von vor ein paar Minuten, war verflogen.

„Klar sind wir Freunde, aber du kennst mich. Und in Bezug auf Hugo bin ich vielleicht grade etwas empfindlich, schließlich weiß ich selbst überhaupt nicht wohin das führt.“ Er zuckte die Schultern und fühlte sich ein kleines Bisschen wie ein kleiner Junge. Einfach total verunsichert und er merkte auch, dass ihm die Situation ein bisschen über den Kopf gewachsen war.

„Wahrscheinlich denkt er jetzt, dass wir zusammen sind oder so. Ich hätte es einfach lassen sollen, wäre er nicht so…keine Ahnung.“

„Toll,“ meinte Olli und schaute Branko direkt an. „Das Wort, das suchst, ist einfach toll.“

Für einen Moment lächelte er und murmelte „Ja. Da hast du vermutlich recht. Ich will nur keinen Fehler machen. Schließlich…ach ich weiß auch nicht.“

Als wäre die Situation nicht schon merkwürdig genug stand Olivia nun auf und umarmte Branko feste. „Sei einfach nicht so ein Arsch. Du bist nämlich eigentlich voll in Ordnung und ein paar Leute wissen das, aber, wenn du dich so verhältst, dann könnte man anderer Meinung sein.“

Er biss sich auf die Lippe und schloss die Augen und blickte zu Olli hinab. Wie klein sie eigentlich war, war Branko nie so aufgefallen, wie jetzt. Allerdings kamen ihm häufig Leute sehr klein vor. Er war knapp zwei Meter groß und hatte manchmal das gefühl zu groß für seine Umgebung zu sein. Das führte dazu, dass er sich häufig fehl am Platz fühlte.

„War es denn gut?“ kicherte Olli und zog sich eine rote Strickjacke über, die sich ein wenig mit ihren rötlichen Haaren biss.

Mehr als ein leichtes Grinsen brachte Branko daraufhin nicht zustande. Er konnte ihr keine Antwort geben, dabei war es wirklich sehr schön gewesen und er hatte für den Moment alles um sie herum vergessen, auch, dass er es eigentlich lassen wollte. Aber Hugos warmer Körper, neben ihm unter der Decke, hatte etwas in ihm ausgelöst, das seine Zurückhaltung mehr oder weniger in Luft auflöste. Zunächst hatten sie sich nur ein bisschen geküsst, aber wozu so etwas, wenn man zusammen im Bett liegt, eben führt. Vor allem, wenn man die Hosen zum Schlafen ohnehin schon ausgezogen hat. Die Neugier war schließlich doch stärker gewesen, als jeder gute Vorsatz. Er hatte Hugos Beine an seinen gespürt unter der Bettdecke, den warmen Atem auf seiner Haut und wie seine Küsse immer intensiver wurden. Branko hatte am Ende nicht anders gekonnt, als dem Ganzen nachzugeben und vielleicht musste er auch zugeben, dass der entscheidende Schritt von ihm selbst ausgegangen war.

Brankos Erfahrungen beschränkten sich auf recht wenig, wenn man von einem kurzen Verhältnis mit einem Jungen von der Nachbarschule und einem betrunkenen One-Night-Stand vor einem Jahr absah, das er zudem ziemlich bereute. Aber nichts von dem hatte sich auch nur ansatzweise so gut angefühlt. Es war unglaublich gewesen wie schnell sie sich aufeinander eingestellt hatten und wie problemlos Branko seine ganzen Bedenken losgelassen hatte.

Ein wirklich schöner Teil!

Ich bin mir inzwischen sicher, dass deine Geschichte keine Enttäuschung ist, ich mag deinen Schreibstil sehr gern, es fühlt sich so an, als wäre man direkt mit dabei. Und es wirkt sehr flüssig, man merkt, dass du sehr wortgewandt bist. Weiter so! :blush:

So oft, wie der arme Branko unterm Tisch getreten wird, muss er ja inzwischen eine ganze Sammlung von blauen Flecken haben. :smiley:

Ich glaube ich habe noch nie jemanden getroffen, der so sparsam mit Informationen über sich umgeht, wie unser Branko. Aber er hat seine Gründe, wie ja schon mehrfach angedeutet wurde…

Auf den nächsten Teil freut sich
Iroc

Hey Saltoboy,

mist, war Leon etwas schneller als ich :confused:
Das stimmt, Leo ist zwar wieder aufgetaucht, aber trotzdem, was er damals getan hat, war echt nicht toll :confused:

Oh je. Das ist sicher nicht einfach damit umzugehen, wenn deine beste Freundin so neugierig ist :slight_smile:
Ist deine beste Freundin, die du in deiner Schulzeit als beste Freundin hattest, wenn ich fragen darf?
Ach so okay gut, dann weiß ich bescheid :slight_smile:

Ein wirklich schöner und gelungener Teil :slight_smile:

Ich mag deine Geschichte richtig gerne und man hat das Gefühl, als würde man sie live erleben :slight_smile:

Ich habe auch noch nie jemanden erlebt, der so karg mit Worten umgeht. Ich könnte mit so einer Person nicht umgehen. Mir tut Hugo schon ziemlich leid. Er ist so lieb und wird von Branko beiseite geschoben :confused:

Dein Schreibstil, gefällt mir richtig gut und ich kann Iroc da nur zustimmen, es ließt sich alles sehr flüssig und du bist sehr Wordgewandt.

Ich freue mich bereits auf das nächste Kapitel :slight_smile:

LG Knutschkugel :slight_smile:

@iroc: Danke für deinen Kommentar :slight_smile: Es freut mich sehr, dass dir bzw. euch mein Schreibstil gefällt. Da werde ich ja fast rot.
Branko trägt wahrscheinlich heimlich Schienbeinschoner, damit es nicht so weh tut.

@anon13107007 Nein neugierige Freundinnen sind nie einfach :smiley: Vor allem weil ich häufig ein ähnlich großes Mitteilungsbedürfnis habe wie Branko. Da ist es manchmal ganz förderlich wenn einem jemand alles aus der Nase zieht. (Absolut ekelige Redewendung btw.) Vielleicht wird Branko ja noch ein wenig gesprächiger :wink:

Zum Wochenende poste ich dann mal den nächsten Part.


„Und habt ihr schon ausgemacht, wann ihr euch wiederseht?“ Diese Frage von Olivia riss ihn ein wenig aus den Gedanken.

„Oh. Naja, er meinte gestern Abend, dass ich, wenn ich mit Lernen heute Abend fertig bin zu ihm kommen soll und er sich für das Essen von gestern revanchiert. Aber ich bin nicht ganz sicher, ob ich das machen soll.“

Da war sie wieder, die steile Falte auf Ollis Stirn. „Was spricht denn dagegen? Ich weiß irgendwie nicht, was dein Problem ist Branko,“ lachte sie dann. „Willst du wirklich einen öden Abend mit mir und Flo, dem vorziehen?“

Branko zuckte mal wieder nur die Schultern. „Ich will einfach nicht, dass er sich Hoffnungen macht.“

„Also jetzt mal ernsthaft Branko. Was denkst du von dem armen Jungen. Du triffst dich mit ihm, du küsst ihn und du schläfst auch noch mit ihm. Und dann darf er sich keine Hoffnungen machen, weil du zu unentschlossen bist? Auf was für einem Planeten lebst du, dass du denkst, er würde sich keine Hoffnungen machen? Die macht er sich auf jeden Fall, sonst würde er das kaum alles mit sich machen lassen.“
Dass Olivia mehr Ahnung von der menschlichen Spezies hatte, hätte Branko sofort unterschrieben, aber er war sich tatsächlich gar nicht so sicher, ob Hugo auf etwas Ernstes hinaus war. Wie sollte er ihn denn auch nach einer so kurzen Zeit schon genau einschätzen können?

„Ich kann dir nicht genau sagen was mein Problem ist,“ murmelte er. Woher sollte er nun die Worte nehmen, um zu beschreiben, dass er einfach Angst hatte, dass ein Junge, wie Hugo, nicht auf Dauer mit ihm zusammen sein wollen würde? Dass er riesige Sorgen hatte, dass Hugo bald merken würde, dass er nicht gut genug war. Und unter diesen Voraussetzungen war Branko einfach nicht in der Lage sich ihm zu öffnen.

„Du hast einfach nur Schiss, aber anstatt die ganze Zeit…,“ weiter kam Olivia nicht, denn Branko unterbrach sie.

„Ich muss jetzt auch mal lernen. Ich überleg mir das mit heute Abend. Aber ich würde mir wünschen, dass du dich nicht mehr so stark einmischst. Ich muss das selbst hinbekommen.“

Es blieb Brankos Mitbewohnerin nun nichts anderes mehr übrig, als die weiße Fahne zu schwenken. Sie hatte ihren Kampf für Hugo ausgefochten und nun war es an Branko zu entscheiden, wie es weiterging.


Was sein Studium anging, hatte Branko endlich einmal das Gefühl in etwas wirklich gut zu sein. Er war schon in der Schule sehr fleißig gewesen, aber es fiel ihm zudem auch irgendwie leicht komplexe Zusammenhänge zu begreifen. Leider bezog sich diese Fähigkeit meistens nur auf irgendwelche technischen Anwendungen. Man hatte ihm nach einer hervorragenden Klausur in Mechanik einen Job als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl angeboten. Wo andere verzweifelten, da konnte er weiterhelfen. Häufig kamen Kommilitonen auf ihn zu und fragten, ob er ihnen dieses oder jenes erklären könne. Dass er in der Uni so gut war machte ihn schon ein wenig stolz. Vor allem weil er nicht wie die meisten anderen, die mit ihm studierten, aus einem Akademikerhaushalt kam. Eher im Gegenteil, seine Mutter war strikt dagegen gewesen und hatte verlangt, dass Branko einen Job oder eine Ausbildung anfing mit dem er sie unterstützen konnte. Es war tatsächlich Brankos ehemaliger Physiklehrer gewesen, der ihm klar gemacht hatte, dass er sein Potential nicht so einfach verschenken dürfe. Leider war er nun in der Situation, dass er obwohl er ein Stipendium und zwei Jobs neben der Uni hatte, seiner Mutter jeden Monat einen Teil seines Geldes abgab. Er wusste, dass er es nicht musste, aber er hätte sich nie getraut es nicht zu tun. Er konnte nahezu froh sein, dass die Miete für die Wohnung in der sie lebten sehr günstig war.


Branko tippte gerade ein paar Zahlen in seinen Taschenrechner, als Olli den Kopf durch die Tür steckte. „Ich geh zur Arbeit, ich habe heute Nachtschicht. Viel Spaß noch beim Lernen.“

Branko hob den Kopf. Manchmal war er wie in einem Tunnel, wenn er lernte.

„Lass dir nicht auf der Nase herumtanzen. Viel Spaß und bis morgen.“

Branko wusste, dass sie noch etwas sagen wollte, es aber hinunterschluckte. „Bis morgen.“

An ihre Arbeitszeiten würde Branko sich vermutlich nie gewöhnen. Sie arbeitete als Erzieherin in einem Heim für verhaltensgestörte Jugendliche und musste häufig die Nacht über dort sein. Zwar konnte man es kaum glauben, wenn man sie sah, aber sie konnte sich wirklich gut durchsetzen und man war immer geneigt genau das zu tun, was sie sagte. Natürlich nutzte sie das auch ab und zu ihren beiden Mitbewohnern gegenüber aus, vor allem, wenn mal wieder das Bad geputzt werden musste.

Branko warf einen Blick auf die Uhr. Es war bereits viertel nach fünf. Knapp acht Stunden hatte er gelernt. Mit zwei kurzen Unterbrechungen, um etwas zu essen und das andere Mal sich ein bisschen zu bewegen.

Er holte sein Handy aus seiner Hosentasche hervor. Hugo müsste schließlich auch bald mit der Arbeit fertig sein.

Er hatte ihm allerdings noch nicht geschrieben, also tippte Branko schnell ein paar Worte in sein Handy.

Steht das Angebot heute Abend noch?, schrieb er und legte das Handy auf den Schreibtisch, dort wo er es sehen konnte und dann wartete er. Währenddessen sortierte er ein bisschen seine Unterlagen und räumte sie in eine Schublade. Sein Hang zur Ordnung war manchmal schon ein wenig zwanghaft.

Er wurde ein wenig ungeduldig, als Hugo nicht antwortete. Er taperte ein bisschen herum, räumte die Spülmaschine aus, stellte das dreckige Geschirr hinein, räumt ein bisschen im Wohnzimmer auf. Branko hasste es, dass eine ausbleibende Antwort ihn so nervös machte. Das hatte er sonst nie gehabt.

Gegen sechs Uhr klingelte plötzlich sein Handy. Er atmete ein paar Mal durch bevor er abnahm.

„Hey. Tut mir leid, es hat ein bisschen länger gedauert, als ich dachte.“

„Macht ja nichts,“ antwortet Branko und kam sich plötzlich dumm vor. Er wartete ungeduldig, bis das Telefon klingelte, hoffte, dass er endlich anrief und hatte die ganze Zeit die Sorge im Hinterkopf, dass Hugo es sich anders überlegt hatte.

„Also meinetwegen kannst du gerne zu mir kommen gleich. Ich brauch hier noch ein paar Minuten. Willst du mich vielleicht abholen? Dann können wir zusammen einkaufen gehen,“ schlug Hugo nun jedoch vor und Branko musste lächeln.

„Gerne,“ murmelte er. „Ich mach mich dann auf den Weg. Bis gleich.“


Branko stellte die Einkaufstasche in die Küche. Er war bisher noch nicht bei Hugo zu Hause gewesen. Sie hatten sich meistens bei ihm getroffen oder draußen. So viel wusste Branko bisher auch noch nicht von ihm. Die Wohnung aber, war sehr schön eingerichtet und man fühlte sich direkt irgendwie wohl. Er hatte eine große Küche, mit Zugang zu einem kleinen Balkon, der allerdings zur Straße hinausging.

Es stand ein großer Tisch im Raum, mit mehreren Stühlen. Ein paar Fotos hingen an der einen Wand. Hugo war auf den meisten zu sehen, mit anderen Leuten.

Branko schrak etwas zusammen, als Hugo ihn plötzlich packte und küsste. Seine Arme schlang er dabei feste um Brankos Rumpf. Dieser war so perplex, dass er etwas zurück stolperte und gegen den Tisch stieß.

„Das wollte ich schon den ganzen Tag tun,“ grinste Hugo, als er sich etwas löste. Immer noch etwas verwundert, strich Branko ihm durch die lockigen Haare. Wenn er hätte sagen müssen, was er am meisten an seinem Aussehen mochte, dann wären es eindeutig die Haare gewesen. Branko mochte außerdem, dass er eine solche Frohnatur war und einem so gut wie immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte. Unterschiedlicher hätten sie eigentlich nicht sein können.

„Sag mal wohnst du hier eigentlich alleine?“ fragte Branko, während Hugo sich nun abwandte und anfing die Einkäufe auszupacken.

Er schüttelte den Kopf. „Ne, ich wohne hier mit meiner Schwester. Und ihre Katze müsste hier auch irgendwo rum springen.“

Damit hatte Branko eigentlich nicht gerechnet und er war sich nicht ganz sicher, ob er bereits jemanden aus Hugos Familie kennenlernen wollte.

„Ist das nicht komisch? Also ich meine mit seiner Schwester zusammen zu leben?“

Hugo schüttelte den Kopf und packte das Mehl aus der Tasche. „Überhaupt nicht. Wir verstehen uns halt super. Sie ist zwei Jahre älter als ich. Sie arbeitet aber schon als Lehrerin im Moment. Ich glaub sie müsste sogar da sein.“

„Das ist klingt doch schön,“ rang Branko sich zu sagen ab. „Hast du ihr von mir erzählt?“ Er war unsicher bei dieser Frage, aber seine Neugier war zu groß. Einerseits wünschte er sich irgendwie, dass Hugo über ihn sprach, aber er wollte es wiederum eigentlich gar nicht.

„Ja,“ meinte Hugo leichthin. „Ich weiß, dass du jetzt wahrscheinlich wieder Panik schiebst Branko, aber wir haben ein gutes Verhältnis. Ich habe ihr auch nur gesagt, dass ich mich im Moment mit jemandem treffe, den ich sehr mag. Und wenn ich dich mag, dann wird sie dich auch mögen.“

Der Gedanke war Branko bisher gar nicht gekommen. Er neigte manchmal dazu nicht den besten ersten Eindruck auf Fremde zu machen.

„Wir sollten anfangen mit der Pizza, ich sterbe gleich vor Hunger. Ich habe noch nicht wirklich was gegessen. Willst du den Teig machen?“

Branko zuckte mit den Schultern. „Kann ich gerne machen.“ Er begann den Teig zusammen zu kneten, während Hugo neben ihm anfing Champions klein zu schneiden. Als Branko etwas länger brauchte, schien ihm langweilig zu werden und er bestäubte Branko mit einer Hand voll Mehr.

„Ey,“ machte dieser und rächte sich, indem er ihm mit der klebrigen Hand voller Teig durchs Gesicht wischte.

„Na warte,“ machte Hugo und sprang ein wenig auf und ab, die Tüte Mehl, wie Munition im Anschlag. Er hüpfte um Branko herum und feuerte immer wieder kleine Ladungen Mehl auf ihn ab.

„Du machst meine Sachen ganz dreckig,“ rief er bloß und versuchte Hugo zu folgen, aber er war zu flink, als dass er ihn zu packen bekommen hätte.

„Dann musst du dich gleich wohl ausziehen, wie schade.“ Er zog gespielt einen Schmollmund und lachte dann. Branko ließ sich ein wenig davon anstecken und machte nun einen großen Satz nach vorne. Er schaffte es Hugo die Packung Mehr aus der Hand zu reißen. Dabei verteilte sich aber einiges davon, wie Schnee auf dem Boden.

„Okay. Frieden,“ rief Hugo plötzlich und hob beide Hände.

„Jaja. Erst bewirfst du mich die ganze Zeit mit Mehl und dann, sobald ich die Oberhand habe, kapitulierst du.“

Hugo grinste nur süffisant. „Naja. Ich bin vielleicht schneller, aber stärker bist auf jeden Fall du. Man muss einfach wissen, wann man chancenlos ist.“

„Was veranstaltet ihr denn hier?“ Die Frage kam von der Tür, wo nun eine große braunhaarige Frau stand, die ohne einen geringsten Zweifel Hugos Schwester war. Die Ähnlichkeit war wirklich verblüffend. Sie hatten exakt die selbst Nase. Wobei Branko eindeutig sagen musste, dass sie in Hugos Gesicht deutlich besser passte.

„Wir backen Pizza. Willst du auch was?“ fragte Hugo und wischte sich etwas Mehl von der Hose. „Das ist übrigens Merle, meine Schwester. Und das hier ist Branko, von dem ich dir erzählt habe.“

Merle kam ein Stück in die Küche und musterte Branko leicht. Irgendwie hatte dieser ein ungutes Gefühl dabei.

„Hey,“ sagte sie jedoch nur und streckte ihm die Hand hin. Branko hatte immer noch klebrige Hände vom Teig kneten.

„Ich würde ja gerne, aber ich müsste mir eben die Hände waschen,“ sagte er und bemühte sich dabei möglichst sympathisch rüber zu kommen. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass er bei ihr schon jetzt durchgefallen war.

Sie zog jedenfalls die Hand zurück und musterte Branko weiter. Er ging zum Waschbecken hinüber und wusch sich die Hände. Der Teig musste nun eh noch ein bisschen gehen.

„Ich wusste nicht, dass du heute Abend hier bist. Ich bekomme gleich auch noch Besuch von Thomas.“

Hugo wuselte grade ein wenig durch die Küche und stellte die dreckigen Sachen in die Spüle.

„Wir gehen gleich sowieso in mein Zimmer, wenn wir fertig sind. Wir können aber auch noch mehr Teig machen, dann könnt ihr mitessen.“

„Genug Mehl habt ihr ja schon verteilt,“ sagte sie und Branko meinte unterschwellig einen Vorwurf heraus zu hören. Sie sah sich jedenfalls in der Küche um und begutachtete Brankos schwarzes T-Shirt, das voller Mehlstaub war.

„Ist etwas ausgeartet,“ kicherte Hugo und zuckte mit den Schultern. „Ich mach das gleich weg.“

Merle besaß, genau wie Hugo, lockiges Haar und eigentlich wirkte sie sehr sympathisch, aber offensichtlich hatte sie gewisse Vorbehalte Branko gegenüber. So wie sie ihn ansah jedenfalls. Wahrscheinlich hatte es aber nur etwas mit Beschützerinstinkt zu tun. Branko überlegte jedenfalls, dass er nicht anders reagieren würde, sollte Lea mal einen Jungen mit nach Hause bringen.

„Ich frag Thomas gleich mal, ob er Hunger hat, aber plant uns einfach mal mit ein.“

„Alles klar Chefin,“ rief Hugo und lächelte ihr zu. Branko war irgendwie nicht ganz wohl dabei, aber was sollte er machen? Er konnte schlecht sagen, dass er lieber mit Hugo alleine gewesen wäre.

„Thomas ist ihr Freund,“ fing Hugo an zu erzählen, als Merle wieder verschwunden war. „Also seit kurzem wieder. Sie kennen sich schon seit sie zusammen angefangen haben zu studieren, aber es war irgendwie immer kompliziert. Ich glaub ich habe noch nie so ein kompliziertes Verhältnis erlebt. Sie können irgendwie nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. Mal sind sie zusammen, dann wieder nicht. Das ist laut Merle jetzt der letzte Versuch.“ Hugo verdrehte die Augen, um deutlich zu machen, dass er nicht wirklich an dieses Versprechen glaubte. Er schüttete noch etwas Mehl in die Schüssel und schüttelte den Kopf. Es wirkte, als wolle er noch etwas hinzufügen, aber schien es sich anders zu überlegen.

Branko lehnte sich neben ihn an die Küchenzeile und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ist er denn in Ordnung? Also woran liegt es, dass es nicht richtig klappt?“

Hugo grinste. „Weil sie ihn liebt und gleichzeitig total verabscheut. Frag mich nicht, wie das funktioniert, aber es ist wohl auf beiden Seiten so und natürlich ist es dann schwierig. Er kann nett sein, aber auch ein richtiges Arschloch.“

„So wie ich?“ fragte Branko. Hugo lachte und schüttelte wild den Kopf. Er bekam offensichtlich kaum noch das Grinsen aus dem Gesicht.

„Nein. Nein, überhaupt nicht. Du bist ja schließlich kein Arschloch, du bist einfach verschlossen und manchmal sehr abweisend. Aber deswegen würde ich dich jetzt nicht mit ihm in eine Schublade stecken. Er ist halt ein ziemlicher Großkotz. So würde ich das bezeichnen, und sehr von sich eingenommen.“ Hugo nahm den Teig hoch und formte ihn zu einer Kugel, dann beugte er sich vor und gab Branko einen kurzen Kuss. Schaute ihm einmal tief in die Augen und lachte noch einmal kurz.

Was daran so lustig war, würde Branko wohl erst später verstehen.

„Wollen wir so lange in mein Zimmer gehen, bis wir hier weitermachen können?“ fragte Hugo und wartete keine Antwort ab, sondern ging einfach vor. Branko folgte ihm, immer noch etwas irritiert.

„Also das hier ist mein Reich,“ fügte er hinzu, als sie sein Zimmer betraten. Es war etwas geräumiger, als Brankos Schlafzimmer und viel chaotischer. Auf seinem Schreibtisch herrschte tierisches Durcheinander. Zettel lagen lose herum und Hugo sammelte schnell ein paar Sachen vom Boden auf, die er in den Wäschekorb neben dem Schrank warf.

„Tut mir leid. Ich habe es nicht mehr geschafft aufzuräumen. Schließlich war ich seit gestern nicht mehr zuhause.“

„Ist nicht schlimm,“ meinte Branko nur und sah sich um. Es war sehr gemütlich. Eine kleine Couch stand in der einen Ecke, mit einem Fernseher, der wohl aus grauer Vorzeit stammte. Es hingen auch hier einige Fotos. Branko schaute sie sich genauer an. Eins zeigte Hugo mit einem anderen Jungen und Branko fragte sich, wer das wohl war. Die Situation wirkte jedenfalls sehr vertraut. Aber danach fragen wollte er nicht, schließlich hätte das sehr nach Eifersucht geklungen.

„So ein Luxus, wie bei euch, mit richtigem Wohnzimmer, haben wir hier leider nicht.“

Branko setzte sich auf das Sofa und lächelt Hugo an. „Ist doch trotzdem schön. Dafür hast du hier mehr Platz.“

„Mhm.“ Hugo kam langsam auf ihn zu und setzte sich dicht neben ihn. „Du?“ machte er leise und schaute Branko fragend an. „Wegen gestern Nacht. Du bereust das nicht oder? Ich mein, weil wir vorher darüber geredet haben, dass dir das zu schnell geht.“

Branko rieb sich leicht über seine Stirn und zog die Augenbrauen zusammen. „Ich war ja selbst schuld,“ murmelte er dann und legte seine Hand auf Hugos Oberschenkel.

„Da muss ich dir recht geben. Aber trotzdem…es war auf jeden Fall schön. Fand ich jedenfalls.“ Er lächelte nun und griff nach Brankos Hand.

„Ja,“ antwortete dieser nur. Das war es auf jeden Fall gewesen. Der entscheidende Schritt, war ja auch von ihm gekommen, da durfte er Hugo dann auf keinen Fall einen Vorwurf machen.

„Ja?“ fragte er nach, immer noch mit diesem Lächeln auf den Lippen.

Branko lachte nun kurz. Was wollte Hugo jetzt wohl hören? Er wusste es nicht genau, aber murmelte schließlich: „Man könnte es auf jeden Fall wiederholen.“

„Das klingt nach einer Möglichkeit. Aber nur, wenn du mir etwas versprichst,“ grinste Hugo und drehte sich so, dass er Branko direkt ansehen konnte.

„Und das wäre? Willst du Sex jetzt als Druckmittel einsetzen?“

Hugo lachte und schüttelte den Kopf. „So schlimm ist es nicht. Hoffe ich wenigstens. Ich mag es bloß nicht jemanden zu teilen. Also, wenn wir miteinander schlafen, dann wäre ich gerne der Einzige, mit dem du es tust.“

Branko hob die Augenbrauen. Das kam zwar etwas überraschend, aber schlimm fand er es an sich überhaupt nicht, dass Hugo solch eine Bedingung stellte.

„Ich weiß das klingt jetzt irgendwie blöd, aber…“

Branko unterbrach ihn, indem er die Hand hob. „Ich habe damit kein Problem.“ Er zuckte nun die Schultern, um zu verdeutlichen, dass er damit einverstanden war. Es war schließlich auch nicht so, dass die Männer bei ihm Schlange standen.

„Das ist dann ja gut,“ murmelte Hugo erleichtert. „Ich mein, du wirkst auch nicht so, als würdest du dauernd irgendwelche Männer abschleppen. Ich wollte es nur gesagt haben. Schließlich kann man sich heutzutage nicht mehr sicher sein.“

Branko blickte ihn eine Weile an und merkte, dass Hugo nun zwar erleichtert aussah, aber auch nachdenklich. Und plötzlich wurde ihm bewusst, dass auch er, schon schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

„Nein da brauchst du dir wirklich keine Gedanken machen,“ brummte er nur leise und lächelte Hugo an. Daraufhin bewegte dieser sich wieder, steckte sich ein wenig und legte seinen Arm um Brankos Schulter. Es fühlte sich etwas merkwürdig an, denn Hugo war, obwohl er kleiner und schmaler war als Branko, sehr offensiv. Branko merkte, dass er sich ungerne unterordnete und das war er so nicht von Männern gewöhnt.

Hugos Lippen fühlten sich immer sehr weich an, genau wie jetzt, als er sie auf Brankos drückte. Außerdem mochte er es, wie sich sein Körper an ihn schmiegte. Hugo hatte eine sportliche Figur, aber was erwartete man auch anderes von einem Sportstudenten?

Branko konnte sich auch nicht dagegen wehren, dass er kurz darauf auf dem Rücken lag, nicht ganz sicher, wie er dorthin gekommen war. Er holte tief Luft und versank in diesem Kuss. Hugos Hände waren irgendwie überall, genau wie letzte Nacht. Aber heute war es ein wenig anders, denn er hielt plötzlich inne.

„Ich glaube wir sollten uns das für später aufheben,“ kicherte er plötzlich und kletterte ein wenig umständlich von Branko runter, der sich langsam wieder aufsetzte.

„Du hast damit angefangen,“ lachte er und merkte, dass er immer mehr auftaute. Zwar waren die Bedenken noch nicht vollends verstummt, die durch seinen Kopf spukten, aber irgendwie war der Wunsch nach Hugos Nähe größer.

Dieser zupfte sich seinen Pulli zurecht und hatte dieses schmale Lächeln auf dem Gesicht, das Branko so mochte. „Kleiner Moment der Schwäche,“ erklärte er nur und stand auf, hüpfte ein paar Mal auf und ab und drehte sich dann zu Branko um. „Ich muss den Blutfluss wieder in den Griff bekommen,“ lachte er.

„Und da hilft dir Hüpfen?“ Branko zog die Augenbrauen hoch, musterte Hugo, wie er ein paar merkwürdige Bewegungen machte.

Hugo lachte und ließ sich neben Branko auf die Couch fallen. „Nein irgendwie nicht. Ich sollte wahrscheinlich einfach an etwas anderes denken.“

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Hey Saltoboy,

das glaube ich dir gerne, dass es nie einfach ist, wenn man nicht viel über sich sagen mag und die Freundinnen neugierig sind. Ja, es kann manchmal ganz förderlich sein, aber manchmal auch echt nervig :confused: Die Redewendung mochte ich auch noch nie. Besonders, von Eltern, die dann etwas über den Freund wissen wollen. Ich hoffe doch mal, das Branko ein bisschen gesprächiger wird. Wenn es Hugo nicht schafft, wird Leo es sicher schaffen :slight_smile:

Branko :expressionless: :roll_eyes:, was soll man dazu sagen. Er hat den süßesten Freund, den es gibt, kuschelt, küsst, schläft mit ihm und sagt dann, dass er sich keine Hoffnungen machen soll :man_facepalming:. Ich fühle mich gerade innerlich wie Olivia und würde ihm am liebsten an den Haaren ziehen und vor das Schienbein treten. Sie hat recht. Er hat einfach nur Schiss.

Ich finde es echt toll, das Olivia sich um verhaltensgestörte Jugendliche kümmert :slight_smile: Das macht sie noch symphatischer.

Die Szene mit dem Mehl, hast du gut eingebaut und sie ist definitiv sehr lustig :slight_smile:

Also Thomas und Merle kann ich schwer einschätzen, aber bis jetzt sind sie mir nicht sonderlich symphatisch.

Irgendwie erinnert mich, dieses „Du?“, an jemanden hihi. Kenne da noch jemanden, der das ganz gerne schreibt :face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth: :face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth: :face_with_open_eyes_and_hand_over_mouth:

Ich freue mich auf ein weitere Kapitel.

LG Knutschkugel :slight_smile:

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Da kann ich mich Knutschkugel nur anschließen, danke für den schönen Teil mit diesen sympathischen und tiefen Charakteren! :blush: Ich freu mich auf die Fortsetzung. :blush:

LG Iroc

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@anon13107007 danke für den Kommentar :slight_smile: Wie gesagt Branko ist nicht der einfachste :smiley:
An wen erinnert dich das „Du?“ denn? Wenn ich so ankomme ist eigentlich meistens klar, dass ich irgendwas will :smiley:

@iroc dann will ich euch auch mal nicht lange warten lassen :slight_smile:


Eine ganze Weile später saßen sie mit Merle und Thomas am Tisch. Branko konnte gar nicht so schnell gucken, wie Hugo sein erstes Stück Pizza hinunter geschlungen hatte. Offensichtlich hatte er wirklich richtig Hunger gehabt.

Eine Weile herrschte Schweigen, bis Merle das Wort an Branko richtete. „Und was machst du so? Studierst du auch?“

Branko schluckte erst runter, bevor er antwortete: „Ja Maschinenbau. Im vierten Semester.“

„Oh, also eher Männerdomäne. Da hättest du doch eigentlich eine große Auswahl, wie verschlägt es dich dann zu Hugo?“ Der skeptische Unterton war kaum zu überhören. Und Branko fand es auch eine ziemlich doofe Frage, deshalb zog er ein wenig die Augenbrauen hoch. Verlangte das überhaupt einer Antwort?

„Nun, dass es da viele Männer gibt heißt ja nicht unbedingt etwas,“ murmelte er. “Ich habe da auch gar kein Interesse dran.”

„Branko ist voll der Streber,“ kam es von Hugo. „Er hat nur Augen für die Professoren.“

„Aha. Was hast du denn für einen Schnitt?“ wollte Thomas wissen. Branko hatte sofort gemerkt, was Hugo in Bezug auf ihn gemeint hatte. Er wirkte etwas schmierig.

„Keine Ahnung.“ Branko zuckte die Schultern und biss noch einmal von seiner Pizza ab. Ihm gefiel nicht, dass das Gespräch zu einer Art Verhör ausartete. „Ist, denke ich, schon okay soweit. Kann ich dir so jetzt nicht spontan sagen,“ fügte er hinzu, als er merkte, dass beide ihn ansahen.

„Das ist doch schön, wenn dir dein Studium gut gefällt. Und wie alt bist du jetzt?“

„Zwanzig.“ Er wollte dabei wirklich nicht genervt klingen, aber er hatte sich auf einen netten Abend mit Hugo eingestellt und nicht auf so etwas.

„Da bist du aber ganz schön jung. Das hätte ich gar nicht gedacht. Irgendwie siehst du schon älter aus,“ meinte Thomas und machte es damit nicht wirklich besser.

Branko nahm einen Schluck aus seinem Glas. Er hasste es im Mittelpunkt zu stehen. Am liebsten hätte er sich völlig aus dem Gespräch zurückgezogen, aber das ging schlecht, schließlich war er das Thema.

„Das sagen viele,“ brummte er nur und warf einen Blick zu Hugo hinüber. Dieser war aber grade mehr mit seinem nächsten Stück Pizza beschäftigt.

„Ich hätte wirklich gedacht, du seist älter als Hugo.“ Merle stich sich die Haare hinter die Ohren und musterte Branko. Sie bekam damit eine Strenge, die wirklich die Lehrerin in ihr durchblicken ließ.

„Tut mir leid, aber ich kann nichts für mein Aussehen,“ sagte er und merkte, dass er mittlerweile wirklich genervt klang.

Hugo war grade mit kauen beschäftigt, aber deutete an, dass er etwas sagen wollte, denn er hob die Hand.

„Mhm,“ er schluckte. „Das war, denke ich, auch keine Kritik an deinem Aussehen. Also ich habe da zumindest nichts zu meckern, aber du wirkst schon älter, da muss ich Merle recht geben.“

„Wann hast du denn Geburtstag?“ ging die Fragerunde weiter.

Diese Frage kam wirklich unpassend, weil Branko seinen Geburtstag hasste. Er hatte eigentlich vorgehabt, dieses Ereignis völlig unter den Tisch fallen zu lassen, so wie die letzten Jahre auch. Aber so wie er Hugo einschätzte, würde dieser es aber wohl kaum zulassen.

„Bald irgendwann,“ wich er aus und hoffte, dass niemand weiter darauf eingehen würde.

„Das heißt?“ bohrte Hugo jedoch nach und Branko verfluchte ihn innerlich für seine Neugier.

„Am ersten Oktober.“ Branko schloss die Augen und schob den Teller weg. Ihm war ein wenig der Appetit vergangen. Dann rückte er den Stuhl zurück und stand auf. „Wo ist denn die Toilette?“

„Das ist doch schon nächsten Samstag. Wieso hast du denn nichts gesagt? Und warum bin ich nicht eingeladen?“

Branko verschränkte leicht die Hände vor der Brust. „Ich feiere meinen Geburtstag nie, ansonsten wärst du natürlich eingeladen gewesen. Ich find das Klo schon selbst.“ Er trottete zur Tür und hörte Hugo noch sagen, „Links die zweite Tür.“

Hauptsächlich war er aufgestanden, weil er dem Gespräch entkommen wollte. Ihm war das alles etwas zu viel. Zumal er das Gefühl hatte, dass Merle etwas gegen ihn hatte. Natürlich war er kein großer Sympathieträger, aber er hatte doch wirklich nichts getan, dass sie ihn so abschätzig ansehen musste.

Im Bad befeuchtete er sein Gesicht mit Wasser, da er merkwürdigerweise das Gefühl hatte zu glühen. Hugo hätte ihn vorwarnen müssen und ihn nicht einfach ins offene Messer laufen lassen dürfen. Wenn er wenigstens gewusst hätte, dass er seine Schwester kennenlernen würde. Vermutlich wäre er dann zuhause geblieben. Stellte man denn jemand, mit dem man nicht zusammen war, seiner Schwester vor? Und nicht nur als Freund, so wie er es mit Hugo bei Lea gemacht hatte?

Er wusch sich noch einmal gründlich die Hände und schlich dann langsam zurück.

„Mensch Hugo,“ hörte er Merles Stimme, als er im Flur war. „Das endet doch genau wie letztes Mal. Du suchst dir aber auch immer diese Typen raus.“

„Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen,“ beschwerte sich Hugo daraufhin nur. „Du kennst ihn doch gar nicht. Branko ist total anders als Alex.“

„Ich will nur nicht, dass er dir weh tut. Warum suchst du dir nicht mal jemanden, der wirklich zu dir passt und keinen der so distanziert und verschlossen ist? Du denkst immer, du kannst die Männer ändern. Kannst du aber nicht.“

Branko hatte die Nase voll und wäre am liebsten jetzt gegangen, aber seine Tasche stand in der Küche und seine Jacke hing dort über dem Stuhl. Als ob es nicht reichte, dass sie sich ihm gegenüber so merkwürdig verhielt. Musste sie noch auf Hugo einreden, sobald er nur kurz den Raum verließ?

„Woher willst du wissen, dass er das ist? Wer wird schon gerne so ausgefragt? Er ist halt etwas schüchtern, aber ich habe ihn echt gerne. Ich will ihn außerdem gar nicht verändern. Wir treffen uns doch erst seit kurzem.“

Branko drückte langsam die Tür auf und die Diskussion verstummte augenblicklich. Hugo rutschte auf seinem Stuhl hin und her und lächelte Branko an. Diese Situation war ziemlich absurd. Hätte sie mit dem Hetzen nicht warten können, bis Branko weg war?

Er überlegte kurz, ob er sich einfach seine Sachen nehmen und verschwinden sollte, aber das hätte eine nur noch peinlichere Situation hervorgerufen.

Branko schaute seinen Teller an. Sie hatte doch überhaupt keine Ahnung wer er war. Man konnte vieles sagen, aber nicht, dass er ein schlechter Mensch war. Ja distanziert war er und verschlossen auch, aber das hatte alles seine Gründe und die kannte sie eben nicht. Zwar hielt er auch nicht viel auf sich selbst, aber er wurde ungerne direkt in eine Schublade gesteckt und das letzte, was er wollte, war Hugo weh zu tun.

„Und was habt ihr noch vor?“ fragte Hugo und unterbrach damit die unangenehme Stille.

„Wir wollten noch in die Spätvorstellung im Kino. Wollt ihr mit?“ meinte Thomas und hob beide Augenbrauen.

Branko schüttelte leicht den Kopf. Er hatte keine Lust auf einen Abend mit den beiden.

„Ich bin ziemlich platt. Hab heute Morgen den Laden aufgemacht. Nächstes Mal vielleicht.“

„Okay,“ machte Merle und lächelte Branko nun doch an. Ihm kam das falsch vor. Sie konnte ihn doch offensichtlich nicht leiden, warum war sie vorne rum jetzt wieder nett zu ihm?

Die beiden bedankten sich noch für das Essen und boten an, abzuspülen, was Hugo dankend annahm. Branko hingegen wollte einfach gehen, deshalb nahm er sich seine Jacke und Tasche.

Hugo hatte offensichtlich vor in sein Zimmer gehen, doch Branko murmelte im Flur leise. „Ich glaub ich geh jetzt besser. Aber danke für die Einladung.“ Er war schon dabei sich die Jacke anzuziehen, hing aber etwas in der Kapuze fest.

„Äh. Okay. Wieso?“ Manchmal standen Hugos Augen ein wenig hervor, wenn er überrascht war, genau wie jetzt. Verdutzt blickte er Branko an. Dieser zuckte mit den Schultern und hatte es geschafft, seine Jacke anzuziehen.

„Ich würde einfach gerne nach Hause. Hat nichts mit dir zu tun.“ Er vergrub die Hände in den Taschen und vermied es Hugo anzusehen.

„Du hast das Gespräch mitbekommen oder?“ seufzte er.

„Darum geht es gar nicht. Ich glaube ich bin hier einfach fehl am Platz. Tut mir leid.“

Hugo seufzte und legte den Kopf schief. „Würde es helfen, wenn ich dir das erkläre? Ich will nämlich nicht, dass du gehst.“

Branko sah ihn nun doch an. Er wollte etwas sagen, aber wusste nicht was, deshalb blickte er kurz zur Decke und klammerte sich etwas an seine Tasche.

„Was willst du da erklären? Sie hat doch recht. Vielleicht passt das einfach nicht. Ich bin abweisend und unzugänglich und das wird sich nicht ändern. Wenn du damit schon mal schlechte Erfahrungen gemacht hast, dann wirst du damit jetzt auch nicht glücklich.“

„Ich glaub ich habe dich noch nie so viel sagen hören,“ grinste Hugo und Branko verschränkte die Arme vor der Brust.

„Komm. Zieh die Jacke wieder aus und ich erklär es dir. Zufällig mag ich Menschen, die ihr Herz nicht auf der Zunge tragen. Komm,“ machte er erneut und nahm Branko die Tasche ab.

Etwas widerwillig folgte er Hugo, der die Tasche auf sein Bett legte und sich auf der Couch niederließ.

„Setz dich. Das war grade alles etwas blöd und es tut mir leid.“

Branko hockte sich neben Hugo und rieb sich die Hände. Sie waren eiskalt.

„Sie hat glaube ich eigentlich überhaupt nichts gegen dich. Wie auch, sie kennt dich schließlich noch überhaupt nicht. Sie ist dir gegenüber bloß so skeptisch, weil sie ihren Hass auf meinen Exfreund auf dich projiziert. Wir waren drei Jahre zusammen, bis ich herausgefunden habe, dass er mich zigmal betrogen hat und nicht nur mit einem Mann. Er hat sich einfach hinter meinem Rücken mit anderen getroffen. Er war einfach ein Arsch, er wusste genau wie ich das sehe. Und jetzt denkt sie, dass das Gleiche wieder passiert.“

Hugo wirkte nervös. Fragend blickte er Branko an.

„Ich mag dich Branko. Ich mag dich wirklich. Und sie wird dich auch mögen, wenn sie dich besser kennenlernt. Sie ist einfach meine große Schwester, die sich nur Sorgen macht. Und als sie dich gesehen hat, da hat vermutlich einfach was in ihrem Kopf umgeschaltet.“

Branko blickte zu dem Foto und es machte ihn plötzlich etwas wütend. Warum waren es immer die netten Männer, die von anderen verarscht wurden?

Er schaute wieder zu dem Foto hinüber, auf dem Hugo seinen Arm um diesen anderen Mann legte. Falls das Hugo Exfreund sein sollte, verstand Branko plötzlich, wieso er damals von ihm angesprochen wurde. Hugo schien auf große Männer zu stehen. Aber sonst hatte Branko äußerlich nicht viel mit ihm gemein. Er war dunkelblond und sah ziemlich gut aus, hatte breite Schultern und wirkte durchtrainiert. Aber wenn es sein Exfreund war, warum hing es dann noch da, zwischen den anderen Bildern?

„Ist er das auf dem Bild da vorne?“ Branko deutete in die Richtung der Fotos. Ihm war es eigentlich zu blöd solche Fragen zu stellen, doch die Neugier überwog.

Hugo sprang plötzlich auf. „Dass das da noch hängt wusste ich gar nicht.“ Hastig nahm er das Foto von der Wand und blickte es an. Mit einer steilen Falte auf der Stirn. Und dann tat er etwas, das Branko überraschte, er zerriss das Fotos mehrmals und warf es in den Papierkorb.

„Ich will nicht, dass du denkst, ich wäre darüber noch nicht hinweg. Das bin ich nämlich, aber in Merles Kopf ist das glaube ich noch nicht angekommen.“ Er seufzte und kam zu Branko zurück, hockte sich neben ihn und legte die Hand auf seinen Arm. Sie fühlte sich warm an.

„Wie hast du es denn herausgefunden?“ Eigentlich wollte er gerne das Thema wechseln, aber er spürte, dass Hugo Redebedarf hatte.

„Ganz standardmäßig. Eine Freundin hat ihn gesehen. Ich muss gestehen, dass ich daraufhin seine Nachrichten gelesen habe, auf seinem Handy. Ich kam mir wirklich blöd vor, weil ich es hätte wissen müssen. Es gab genug Anzeichen, aber ich war einfach naiv und blind.“

Branko presste die Lippen aufeinander. Natürlich war das hart, aber er wusste nicht recht, ob Hugo nicht doch log. Schließlich waren drei Jahre schon eine lange Zeit und so hintergangen zu werden, hinterließ Spuren.

Eine ganze Weile saßen sie nur so da. Branko hatte die Hände noch immer im Schoß gefaltet und starrte unschlüssig auf seine Füße. Sie waren, wie alles an ihm, zu groß. So konnte er froh sein, wenn er in einem normalen Schuhgeschäft, welche in seiner Größe bekam.

„Ich kann auch verstehen, wenn du jetzt gehen willst. Wie gesagt fände ich es aber schön, wenn du bleiben würdest. Eigentlich hatte ich nämlich nicht vor mit dir über meinen Ex zu reden und ich sehe ein, dass das alles ein bisschen viel war. Aber wie gesagt, war es nicht mein Plan, davon anzufangen.“

Branko lächelte Hugo nun leicht an. „Das ist schon okay. Und vielleicht ist es auch ganz gut, wenn ich davon weiß. Ich hätte an ihrer Stelle vermutlich nicht anders reagiert. Also, wenn Lea…“

Hugo lachte. „Deine Schwester ist dreizehn und ich bin fünfundzwanzig. Das ist ein kleiner Unterschied. Ich brauch keine Aufpasserin mehr und erst recht keine, die selbst mit so einem Freak zusammen ist.“

Plötzlich rückte er näher und legte den Kopf an Brankos Schulter. „Auf mich haben rätselhafte Männer eben eine gewisse Anziehung. Es ist doch wirklich langweilig, wenn man den anderen direkt durchschaut.“

Branko nahm den Arm hoch und legte ihn um Hugos Schulter. Wenn dieser wüsste, dass er sich wahrscheinlich die Zähne ausbeißen würde, bei dem Versuch Branko zu entschlüsseln.


„Keine Ahnung, warum sich das mit dir so gut anfühlt,“ murmelte Hugo und schmiegte sich an Branko. Und da hatte er wirklich recht. Branko dachte nicht nach, sondern machte einfach. Normalerweise war er sehr unsicher, aber so taute er plötzlich auf und ließ sich darauf ein. Ohne zu denken, ohne zu zweifeln. Er spürte die warme Haut und seine Bewegungen. Und nichts davon machte ihm Angst.

Branko hatte lange damit gehadert, sich selbst einzugestehen, dass er schwul war, aber irgendwann hatte es einfach Klick gemacht. Er hatte so viel größere Probleme, um sich darum auch noch Gedanken zu machen. Zwar wusste kaum jemand davon, aber er hatte es selbst einfach akzeptiert. Es gab schlimmeres, als Männer zu mögen, das taten schließlich sehr viele.

Er schloss die Augen und war schon beinahe eingeschlafen, da bewegte sich Hugo plötzlich wieder und Branko schreckte auf.

„Was hast du eigentlich an deinem Geburtstag geplant?“ fragte er und schaute Branko an, der kaum die Augen aufhalten konnte.

„Gar nichts,“ nuschelte er schlaftrunken.

„Aber den Einundzwanzigsten muss man doch feiern.“

„Muss man das?“ Er war viel zu müde, um das jetzt zu besprechen.

„Natürlich. Ich mag Geburtstage total. Warum willst du denn nichts machen?“ Hugo war offensichtlich viel zu aufgedreht, um an Schlaf zu denken.

„Keine Lust,“ brummelte Branko und hielt die Augen geschlossen.

„Langweiler,“ meckerte er und trommelte auf Brankos Bauch. Dieser setzte sich nun etwas genervt auf.

„Mensch Hugo. Ich will doch einfach nur schlafen. Ich habe keinen Bock zu feiern und Punkt. Es ist schließlich mein Geburtstag und da kann ich machen, was ich will.“

Er blickte Hugo an, der nun die Unterlippe vorschob und ihn bettelnd anschaute. Da war wieder, der arme kleine Hund, dem man nichts abschlagen konnte. Aber Branko konnte nicht immer auf diese Masche hereinfallen, sonst würde er immer wieder so ankommen.

„Du musst ja auch nicht groß feiern, aber ein kleines bisschen. Man kann doch einundzwanzig Jahre Branko nicht unbeachtet lassen.“

„Doch. Ich besuche meine Mutter, geh vielleicht eine Runde joggen und leg mich dann früh ins Bett. Genau wie letztes Jahr.“

„Du hast bisher noch nie was von deinen Eltern erzählt.“

Branko ließ sich wieder ins Kissen sinken. „Gibt auch nicht viel zu erzählen.“

Lügen, in Bezug auf dieses Thema, gingen ihm mittlerweile sehr leicht über die Lippen. Was wirklich mit ihr los war, wollte er Hugo nicht unbedingt erzählen. Schließlich fiel eine alkohol- und drogenabhängige Mutter nicht wirklich in die Sparte Bettgeflüster.

„Mhm, ok,“ machte Hugo und schaute ihn mit großen Augen an.

„Sie hat im Moment ein paar Probleme, aber alles halb so wild,“ murmelte Branko nur und zog die Decke bis zur Brust hoch und kuschelte sich ins Kissen.

Das war ziemlich untertrieben, schließlich war sie halb tot gewesen, als Branko sie entdeckt hatte. Vollgekotzt und total zugedröhnt. Er wollte sich gar nicht vorstellen, was sie alles intus gehabt hatte. Aber auch dieser Entzug würde zwecklos sein. Sie hatte schließlich schon mehrere hinter sich. Den letzten, als Lea noch klein gewesen war. Sie hatte ihre Tabletten einfach immer offen im Bad herumliegen lassen und das obwohl ein vierjähriges Kind durch die Wohnung rannte. Das hatte Branko wirklich an den Rand der Verzweiflung getrieben. Es war ihre Sache, was sie nahm oder trank, aber ihre kleine Tochter damit in Gefahr bringen, ging zu weit. Erst waren es nur Tabletten gewesen, später Schlimmeres. Er war damals auch erst zwölf gewesen. Er hatte daraufhin lange bei seinen Großeltern gewohnt, bis seine Mutter wieder einigermaßen in die Spur gewesen gekommen war und das Jugendamt davon überzeugen konnte, dass ihre Kinder bei ihr doch am besten aufgehoben waren.

Eine ganze Weile war das auch gut gegangen, bis sie wieder an einen Mann geraten war, der alles wieder schlimmer gemacht hatte. Das war vor gut vier Jahren gewesen. Lea lebte da schon lange bei ihrem Vater, aber Branko hatte sich immer verantwortlich gefühlt für seine Mutter. Die Sucht war dabei noch nicht einmal das schlimmste, sondern das was sie mit ihr machte. Über die Jahre hinweg, hatte der Konsum sie zu einem menschlichen Wrack gemacht. Alles hatte wohl mit Brankos Vater damals angefangen. Branko kannte ihn selbst nicht, aber er konnte sich in etwa vorstellen, was er für ein Typ gewesen war.

So wenig er Leas Vater auch mochte, war er trotzdem das Beste, was ihr je passiert war. Solange, wie sie mit ihm zusammen gewesen war, hatte sie sich im Griff gehabt. Aber das ging nur solange gut, bis er eine jüngere Frau kennen gelernt hatte. Branko hatte sein ganzes Leben zusehen müssen, wie sie sich zugrunde richtete. Liebevolle Zuwendung war daher sehr lange ein Fremdwort für ihn gewesen. Der einzige Mensch, der über die Zeit hinweg Konstanz hatte, war Leo gewesen und selbst den hatte er aus eigener Dummheit verloren.

„Branko?“ flüsterte Hugo noch einmal leise und zupfte an der Bettdecke.

„Hm?“ Er öffnete kurz die Augen und blickte ihn an, wie er immer noch im Bett hockte.

„Ach egal. Schlaf gut.“ Er lächelte und legte sich neben ihn, griff nach Brankos Arm und kuschelte sich leicht an ihn.

„Du auch,“ gab er zurück und entspannte sich. Ein paar Sekunden später war er auch schon weggedöst.

Am Morgen wurde er von den ersten Sonnenstrahlen geweckt, die durch das Dachfenster fielen, unter dem Hugos Bett stand. Hugo hatte sich sehr breit gemacht und nahm mehr als die Hälfte des Bettes ein, wie er so ausgestreckt auf dem Bauch lag. Seine Haare waren verwuschelt und er schlief noch. Branko blickte ihn eine Weile lang an. Er war schon wirklich süß. Den Mund leicht geöffnet atmete er ruhig und tief.

Mitten in der Nacht war er einmal aufgewacht und hatte kurz vergessen wo er war. Etwas verwirrt hatte er sich umgeblickt und Hugo neben sich ertastet. Offensichtlich handelte es sich bei Hugo um einen ziemlich gemeinen Deckendieb. Dabei hatte er schon zwei Decken im Bett. Eine schien ihm aber offensichtlich nicht zu reichen, denn er lag auch noch halb mit unter Brankos. Da es nicht so kalt war, fand dieser das nicht so schlimm. Aber Hugos Kuschelbedürfnis nachts, war ihm fast ein bisschen viel. Vielleicht kam das aber auch daher, dass er es einfach nicht so gewöhnt war die Nacht mit jemandem zu verbringen.

Langsam versuchte er, sich seine Decke zurückzuerobern. „Was machst du?“ murmelte Hugo und drehte sich auf die Seite. Damit zog er die Decke noch etwas zu sich.

„Du klaust mit dir Decke,“ grinste Branko und zog einmal feste daran.

„Ich mach das nur, weil du nackt in meinem Bett liegst und das will ich sehen,“ murmelte Hugo und öffnete langsam die Augen.

Branko musste lachen und schlang die Decke fest um sich. „Mit geschlossenen Augen siehst du da gar nichts.“

„Jetzt habe ich sie ja auf und ich sehe trotzdem nichts. Das ist ganz schön gemein von dir, weißt du das?“

„Du hast doch gestern Abend alles gesehen.“

Hugo schob daraufhin die Unterlippe wieder vor. „Das reicht mir aber nicht,“ murmelte er eingeschnappt. Branko holte seine Hand unter der Decker hervor und stupste den Finger leicht gegen Hugos Unterlippe, damit sie wieder in ihre normale Position zurück rückte.

Daraufhin grinste dieser leicht und entblößte seine Zähne dabei. Plötzlich setzte er zum Angriff über und verschwand unter der Decke.

„Das kitzelt,“ rief Branko nur und wälzte sich ein bisschen hin und her. Hugo tauchte abrupt wieder unter der Decke auf.

„Willst du was frühstücken?“ fragte er dann leise und krabbelte aus dem Bett. „Was siehst du mich so an?“ lachte er und sprang ein bisschen auf und ab und brachte Branko damit zum Lachen, bevor er sich Brankos T-Shirt überzog. Es war ihm natürlich ein ganzes Stück zu groß, aber trotzdem sah er gut darin aus. Er schlüpfte noch kurz in eine Boxershorts und blickte Branko fragend an.

„Hat dir der Anblick jetzt die Sprache verschlagen?“ kicherte er.

„Vielleicht ein kleines bisschen,“ gab Branko zu und merkte, wie er rot anlief. „Aber ja Frühstück klingt gut. Du hast mir nur grade mein T-Shirt geklaut.“

„Bleib ruhig liegen. Ich bin gleich wieder da.“

Branko lehnte sich wieder etwas zurück und atmete tief durch. Er spürte ein leichtes Stechen in der Magengegend. Hugo hatte ihm wirklich den Kopf verdreht und das obwohl er sich so dagegen gesperrt hatte. Branko vergrub das Gesicht in den Händen und stöhnte leicht. „Scheiße,“ murmelte er und rieb sich über sein Gesicht. Er hatte richtig Herzklopfen und das machte ihm ein wenig Angst.

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Hey Saltoboy,

gerne gerne, schließlich liebe ich deine Geschichte über alles :slight_smile:, naja fast alles :smiley:

Das stimmt, dann hoffen wir mal, das Hugo ihn ein bisschen erziehen kann :slight_smile:

Öhm, öhm, an meinen süßen Freund :slight_smile: Hihi, bei ihm ist es genauso wie bei dir. Wenn er schon so anfängt, weiß ich, dass er etwas von mir möchte :face_with_hand_over_mouth: :face_with_hand_over_mouth: :face_with_hand_over_mouth:

Ach Mensch, der Branko hat es auch echt nicht einfach. Merle zieht über ihn her und seine Mutter war schon halb tot. So langsam kann ich verstehen, warum er so ist. Mal abwarten, welche Rolle Leo noch spielen wird in seiner Vergangenheit. Es freut mich, dass er sich gegenüber Hugo mehr zutraut und sich eingestehen kann, dass er Gefühle für ihn hat.

Merle, ist echt nervig. Hugo ist schließlich alt genug um zu wissen, was er tut :slight_smile:

Hugo ist nach wie vor unglaublich süß und lieb. Er scheint ein richtiger Traumprinz zu sein :slight_smile:

Alex, mal sehen wann er auftaucht und ob er es tut.

Weißt du eigentlich wie schwer es mir fällt Saltoboy, so zu tun, als würde ich die Geschichte nicht kennen und die anderen nicht zu spoilern? Das ist echt fies :pleading_face: :pleading_face:

Freue mich auf weitere Kapitel.

LG Knutschkugel

Ein schönes Kapitel, das einem das Grinsen ins Gesicht tackert! Die beiden sind wirklich niedlich zusammen! :heart_eyes:

LG Iroc

@anon13107007 das freut mich sehr :slight_smile: ich habe dir tatsächlich fast geglaubt, dass du nicht weißt was passiert :smiley: Ich gebe mir Mühe nicht allzu lange zu brauchen um auf den neusten Stand zu kommen.

@Iroc danke für den Kommentar. Es freut mich, wenn meine Geschichte Leuten Freude bereitet :slight_smile:


Branko war auf dem Heimweg. Er war bei seiner Mutter gewesen. Das hatte seine Stimmung natürlich nicht besser gemacht. Sie war nun schon seit ein paar Wochen in der Klinik, aber sie schien trotzdem noch in sehr schlechter Verfassung zu sein. Ihr Gesicht wirkte eingefallen und sie hatte tiefe, dunkle Ringe unter den Augen. Zudem war ihre Haut sehr fahl. Und natürlich hatte sie nicht an seinen Geburtstag gedacht, wie schon seit Jahren nicht mehr. Er war sich nicht einmal mehr sicher, ob sie noch wusste, wann dieser überhaupt war. Aber er hatte auch nichts anderes erwartet. Es war ein sehr bedrückendes Treffen gewesen und er wollte jetzt sehr gerne Heim.

Manchmal fragte er sich, wenn er sie so sah, wie er überhaupt noch Alkohol anrühren konnte. Aber er trank selten und wenn dann auch nicht viel. Er wusste wo die Grenzen verliefen aber dieses Gespür hatte sie schon vor langer, langer Zeit verloren.

Es war ein sehr schöner erster Oktobertag und er schlenderte langsam nach Hause. Bisher hatte ihm noch niemand gratuliert und das fand er ziemlich gut. Selbst Hugo hatte sich noch nicht gemeldet, was ihn sehr überraschte. So einen Aufriss, wie er letzte Woche noch gemacht hatte.

Nach ihrem nächtlichen Gespräch hatte Branko das Thema weiterhin gemieden, wie eine Katze das Wasser. Den ganzen Donnerstag waren sie nicht alleine gewesen. Erst war Olivia die ganze Zeit dagewesen, später auch noch Lea. Sie hatte hundertprozentig Verdacht geschöpft. Das hielt sie scheinbar aber nicht davon ab mit Hugo rumzublödeln und beim Lasertag gemeinsam Jagd auf Branko zu machen. Und Abends war Hugo nach Hause gegangen. Er war vielleicht auch ganz froh gewesen, dass das Thema nicht noch einmal zur Sprache gekommen war.

Branko war schon beinahe zuhause, da sah er vor dem Haus eine Person herumlungern. Im ersten Moment glaubte er sich verguckt zu haben, aber dann rutschte ihm das Herz in die Hose. Das konnte nicht sein. Er hatte sich weder angekündigt, noch etwas von sich hören lassen, nachdem sie vor gut einer Woche telefoniert hatten und Branko hatte nicht damit gerechnet ihn so bald wieder zu sehen. Wieso drückte er sich plötzlich, ausgerechnet an Brankos Geburtstag, vor seiner Wohnung herum?

Branko kam näher und verlor immer mehr die Illusion sich geirrt zu haben. Es war tatsächlich Leo. Groß und schlank wie immer, aber mit sehr kurzen Haaren. Das sah sehr ungewöhnlich aus, aber Branko konnte nicht verleugnen, dass ihm der Anblick gefiel.

„Branko,“ rief er laut und kam auf ihn zu. Umarmte ihn überschwänglich. Und Branko stand nur verdattert da und hatte keine Ahnung, wie er reagieren sollte. Sollte er sich freuen oder doch lieber wütend werden? Er konnte beides nicht. Dafür war er viel zu verwirrt.

„Alles Gute!“ Seine Stimme war noch so kratzig wie früher. Er musterte Branko und grinste. „Gut siehst du aus.“

„Was machst du hier?“ stammelte er und starrte zurück.

„Was wohl? Du hast Geburtstag, das wollte ich mir nicht entgehen lassen.“

„Letztes Jahr hat dich das doch auch nicht gejuckt. Da kommst du jetzt den ganzen Weg aus Stuttgart hier hoch?“ Ungläubig runzelte er die Stirn.

„Naja. Da sollte ich dir vielleicht was erzählen. Ich studiere jetzt nicht mehr in Stuttgart. Ich habe aufgehört. Ich habe mich vor einer Weile bei der Polizei beworben und bin angenommen worden. Ich wollte dir das letztens schon am Telefon erzählen, aber es war so komisch, da dachte ich, ich erzähle es dir lieber persönlich.“

Branko schüttelte den Kopf. „Seit wann bist du also wieder hier?“

„Seit einem Monat ungefähr. Ich wollte dich die ganze Zeit anrufen, aber ich hatte dieses blöde schlechte Gewissen und hab mich nicht getraut.” Er vergrub die Hände in den Hosentaschen und zog die Schultern hoch. Er schien zu merken, dass Branko sich nicht wirklich freute. “Ich war wirklich der schlechteste Freund, den man sich vorstellen kann. Wollen wir vielleicht reingehen? Mir ist kalt.“ Er blickte Branko fragend an. Er sah leider immer noch so gut aus, wie früher und Branko ohrfeigte sich augenblicklich innerlich für diesen Gedanken. Hatte er nichts aus der ganzen Geschichte gelernt?

„Selbst schuld, wenn du keine Jacke anziehst. Wir haben schließlich nicht mehr Juli.“

Trotzdem schloss er langsam die Haustür auf. Es war komisch ihn plötzlich wieder in der Nähe zu haben. Und dass er sich nicht angekündigt hatte, fuchste Branko wirklich. Sein entspannter Tag war nun wohl dahin.

„Und wie läuft dein Studium?“ fragte Leo, als er hinter Branko die Stufen hinaufstieg.

„Gut,“ murmelte er nur und versucht den Schlüssel ins Schloss zu stecken.

„Das freut mich und… naja deiner Familie?“ Branko wandte sich zu Leo um und schluckte. Schließlich wusste Leo über das meiste Bescheid.

„Da will ich jetzt ehrlich gesagt nicht drüber reden.“

„Klar. Ist auch nicht so das beste Thema am Geburtstag. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass es mir leid tut, was ich abgezogen hab? Ich hatte nur Angst, dass…“

Branko sah zu Boden. „Ich wollte das auch ganz bestimmt nicht so. Ich wusste ja, dass du nicht so empfindest. Ich war betrunken und es musste in dem Moment einfach raus. Und keine Sorge, ich bin nicht mehr in dich verknallt.“

Leo grinste und zeigte dabei seine Zähne. Sie gaben ihm irgendwie etwas Verwegenes.

„Du wärst auch ganz schön blöd, wenn du das nach dem, was ich gemacht hab, immer noch wärst,“ lachte er. „Wir hätten vielleicht einfach drüber reden sollen, schließlich waren wir immer beste Freunde. Aber ich habe den Schwanz eingezogen. Das war nicht fair und ziemlich dumm. Du hast mir nämlich sehr gefehlt.“ Er drückte Branko noch einmal. Merkwürdigerweise fühlte er sich sehr besänftigt, obwohl er eigentlich noch sauer sein wollte. Es war so viel Zeit vergangen, in der sie nicht gesprochen hatten und dann kam Leo, sagte ein paar Worte und alles war wieder gut?

„Vielleicht war ich auch gar nicht richtig verliebt, sondern habe mir das nur eingebildet, weil wir so gute Freunde waren und ich dich wirklich gerne hatte.“

Das war zwar eine ziemliche Lüge, aber er wollte den Scham, den er empfand, etwas relativieren.

„Es war beides ziemlich blöd, aber meine Reaktion ging gar nicht. Ich habe das auch schon sehr bald bereut, aber mich nie getraut wieder auf dich zuzugehen.“

Branko drehte sich wieder um und schloss nun endlich die Tür auf. Er hörte es in der Küche leise rascheln und ein geflüstertes. „Da ist er.“

Er trat gemeinsam mit Leo in die Wohnung. Irgendetwas ging hier vor sich und er ahnte Böses.

„Hübsch hast du es hier,“ meinte Leo, gerade als Hugo aus der Küche sprang.

„Happy Birthday,“ rief er und kam auf Branko zugesprungen, umarmte ihn und drückte ihm einen festen Kuss auf die Wange.

Warum war Branko eigentlich überrascht? Er hätte damit doch rechnen müssen. Hugo hätte nie im Leben seinen Geburtstag ignoriert.

Olli kam nun auch aus der Küche und strahlte ihn an. „Alles Gute,“ kreischte sie und fiel ihm um den Hals. Offensichtlich war Leo ihnen überhaupt nicht aufgefallen. Wobei er eigentlich schwer zu übersehen war.

„Danke,“ machte Branko etwas verdattert und sah sich zu Leo um. Er grinste leicht, weil er genau wusste, wie sehr Branko Überraschungen hasste.

„Oh. Wer ist denn das?“ fragte Olli aufgeregt, als sie Leo bemerkte. Auch Hugo blickte neugierig an Branko vorbei.

„Ähm, das ist Leo ein Freund aus der Schule. Und Leo, das sind meine Mitbewohnerin Olivia und Hugo.“

Er mied es Hugo anzusehen.

„Freut mich,“ meinte Leo und schüttelte beiden die Hand.

„Ich weiß, du hast gesagt, dass du nicht feiern willst, aber Olli und ich fanden, dass du wenigstens einen Kuchen bekommen sollst. Deswegen bin ich, als du weg warst, hergekommen und wir haben für dich gebacken.“ Hugo strahlte über beide Ohren und Branko konnte ihm so wirklich nicht böse sein. Er griff nun nach seiner Hand und zog ihn mit in die Küche.

Branko wusste, dass Leo das nicht entging, wahrscheinlich hatte er sofort durchschaut, dass Hugo nicht nur ein Freund war.

Die beiden hatten sich wirklich Mühe gegeben. Sie hatten einen Schokoladenkuchen gebacken, der mit Streuseln und eine Zuckerguss Schrift versehen war. Eine große 21 und ein paar Kerzen.

„Das ist wirklich süß von euch, aber es wäre wirklich nicht nötig gewesen,“ murmelte Branko und musterte den Kuchen. Hugo schlang seine Arme um ihn.

„Ich weiß,“ machte er und grinste. „Aber wir wollten dich trotzdem überraschen.“ Er küsste Branko erneut auf die Wange. Spätestens jetzt musste Leo alles klar sein. Er beäugte Hugo jedenfalls und wirkte amüsiert.

„Ja das reicht dann aber auch an Überraschungen für heute,“ flüsterte Branko leise und setzte sich auf einen Stuhl.

„Willst du nicht die Kerzen auspusten?“ fragte Leo und kniff ihn in den Nacken, wie er es früher schon immer getan hatte. Lässig setzte er sich Branko gegenüber und beobachtete ihn, wie er nun ansetzte die kleinen Flammen auszupusten.

„Wünsch dir was,“ meinte Hugo mit einem leichten Lächeln auf den Lippen und blickte zu Olli hinüber. Dass sie jetzt auch schon ohne ihn Sachen zusammen machten fand Branko ein wenig befremdlich.

Er überlegte jedenfalls nicht lange und pustete die Kerzen aus. Es war kein konkreter Wunsch, den er dabei im Hinterkopf hatte.

Hugo klopfte ihm auf die Schulter, als alle Kerzen aus waren. „Ich habe gleich auch noch ein kleines Geschenk für dich,“ murmelte er, sodass es nur Branko hören konnte.

Branko blickte zu ihm hoch. Er hatte Hugo ausdrücklich gesagt, dass er ihm nichts schenken sollte. Sie waren nicht zusammen und irgendwie kam es ihm dann merkwürdig vor ein Geschenk von ihm entgegenzunehmen.

Olli und Hugo setzten sich nun auch an den Tisch. Beide musterten Leo jetzt, wie er auf dem Stuhl lehnte und sich umsah. Er hatte offensichtlich viel Sport gemacht in den letzten Monaten. Er wirkte auf jeden Fall definierter als früher. Branko wies sich selbst an, nicht weiter darüber nachzudenken. Das war wirklich verheerend. Schließlich saß der Junge, den er so mochte direkt neben ihm.

„Da hatten heute wohl einige Lust dich zu überraschen,“ lachte Leo.

Olivia war wieder aufgestanden und holte Teller aus dem Schrank und ein großes Messer aus der Schublade.

„Wusste Branko nicht, dass du kommst?“ fragte Hugo und Branko fiel der Blick auf, mit dem er Leo bedachte. Ein bisschen skeptisch und forschend. Interessiert herauszufinden, ob es sich um Konkurrenz handelte.

„Nein, damit habe ich auch wirklich nicht gerechnet. Jedenfalls viel weniger, als mit einer Überraschung von euch.“

„Ja. Branko und ich hatten nach der Schule leider nicht mehr so viel Kontakt. Hast du nie von mir erzählt?“ Leo wirkte etwas überrascht.

„Nein,“ machte Olivia und schnitt den Kuchen an. „Aber Branko erzählt ja generell nie so viel. Da darfst du ihm das nicht übelnehmen.“

„Ach, das mach ich schon nicht. Ich bin nur überrascht, das ist alles. Ich habe immer allen von dir erzählt.“

Branko senkte den Blick und schaute Olli dabei zu, wie sie Kuchen auf den Tellern verteilte. Was sollte das jetzt? Was hätte er denn erzählen sollen? Dass sie mal beste Freunde gewesen waren, er sich aber dummerweise verknallt hatte und übel zurückgewiesen wurde? Tolle Geschichte.

„Leo und ich waren in der Schule beste Freunde, aber dann ist er nach Stuttgart gezogen und wir haben uns aus den Augen verloren,“ murmelte Branko und zuckte mit den Schultern. „Ich hätte nicht gewusst, was ich da hätte erzählen sollen.“

Olli schob allen einen Teller zu. Branko bedankte sich und probierte vom Kuchen.

„Wirklich lecker,“ flüsterte er und lächelte Olli und Hugo zu.

„Das meiste hat ehrlich gesagt Hugo gemacht. Bedank dich bei ihm. Ich habe nur die Tür aufgemacht und die Kerzen angezündet.“

Hugo grinste, den Mund voller Schokokuchen. Er drückte einmal kurz Brankos Knie unter dem Tisch.

„Also bist du jetzt extra aus Stuttgart gekommen?“ fragte Olli und schaute Leo an. Branko kannte sie gut genug, um zu sehen, dass er ihr gefiel und das konnte er ihr wirklich nicht übelnehmen. Er hatte seinen ganz eigenen Charme, der ihn damals schon durch die Schule gebracht hatte. Die Lehrer hatten ihm mehr oder weniger zu Füßen gelegen, obwohl das was er sagte nie sonderlich intelligent gewesen war.

„Nein. Ich bin schon seit einer Weile wieder da. Aber nachdem Branko und ich letzte Woche telefoniert haben, dachte ich, dass es mal an der Zeit ist ihm einen Besuch abzustatten.“

Hugo schluckte seinen Kuchen herunter, rieb sich die Hände an seiner Jeans trocken. Man merkte, dass er gerade nicht wirklich begeisterte war. Vermutlich hatte er sich den Tag anders erhofft.

„Und was bietet sich da besser an, als der Geburtstag,“ fügte Hugo hinzu und lächelte nun doch.

„Bingo,“ machte Leo und deutete mit dem Zeigefinger auf ihn. „Ich hoffe ich werfe nicht eure Tagesplanung über den Haufen.“

„Ne,“ murmelte Hugo und schob sich noch ein Stück vom Kuchen in den Mund. „Wir haben gar nichts geplant,“ mampfte er. Manchmal war er wirklich sehr süß und irgendwie hoffte Branko, dass Leo ihn mochte. Auch wenn es überhaupt keine Rolle spielen sollte, war ihm das merkwürdigerweise wichtig. Allerdings konnte man sich auch nur schwer eine Person vorstellen, die Hugo nicht leiden konnte.


Nachdem sie alle aufgegessen hatten zupfte Hugo Branko leicht am Ärmel.

„Hast du mal eben eine Sekunde?“ fragte er leise und Branko nickte nur. Mit einem kurzen Blick auf Leo folgte er Hugo in sein Zimmer.

Hugos Rucksack lag auf Brankos Bett und er kramte kurz darin.

„Ich weiß, du hast gesagt keine Geschenke, aber ich habe das hier gesehen und gedacht es würde dir vielleicht gefallen.“ Er zauberte plötzlich ein kleines Päckchen hervor und drückte es Branko in die Hand.

„Danke.“ Es war ja schon wirklich lieb von Hugo, dass er sich so Gedanken machte. Vorsichtig packte Branko aus. Es war ein schlichtes, schwarzes Lederarmband.

„Keine Ahnung, ob du so etwas magst, aber ich weiß, dass du schwarz magst. Du musst es auch nicht tragen, wenn es dir nicht gefällt.“ Hugo vergrub die Hände in den Hosentaschen und musterte seine Füße.

„Nein, es gefällt mir sehr gut.“ Er krempelte seinen Pulli am linken Arm hoch. „Machst du es mir um?“ bat er Hugo und ein Lächeln breitete sich auf dessen Gesicht aus.

„Klar.“ Etwas fahrig knotete er es zu und schaute Branko dann von unten her an.

„Danke,“ flüsterte er noch einmal und gab Hugo einen Kuss, umarmte ihn dabei. Er spürte leicht dessen flinke Zunge, wie sie sanft einen Vorstoß wagte. Für einen Augenblick gab er sich dem einfach hin und schloss die Augen. Hugo drückte sich nun an ihn und strich ihm sanft durch die Haare.

Nach einer Weile löste Branko sich von ihm, seufzte leise.

„Ich hoffe es stört dich nicht, dass Leo da ist. Ich hatte wirklich nur geplant heute nichts zu machen.“

„Wieso sollte es mich stören? Weil ich dich jetzt nicht mehr für mich hab?“ kicherte er leise und stupste Branko gegen die Brust. „Aber sag mal, wenn ihr beste Freunde wart, wie kam es denn dann, dass ihr so den Kontakt verloren habt? Ist irgendwas passiert?“

„Keine Ahnung. Wir haben uns einfach voneinander entfernt und weil er auch so weit weg gewohnt hat, da war es nicht so einfach.“

„Das ist wirklich schade, aber jetzt ist er ja wieder hier. Er wirkt wirklich nett.“

„Mhm,“ machte Branko. Ihm war ein wenig unbehaglich zu Mute. „Wollen wir vielleicht wieder rübergehen?“


Leo hatte vorgeschlagen Billard spielen zu gehen und Branko hatte zugestimmt. Früher hatten sie sehr häufig gespielt und er war richtig gut gewesen. Sogar um einiges besser als Leo.

Sie machten sich gegen fünf Uhr auf den Weg. Die Zeit dazwischen, war ein wenig merkwürdig gewesen. Sie hatten im Wohnzimmer gesessen und sich unterhalten. Hugo hatte sich ganz gut mit Leo verstanden und die beiden quatschen seit einer Weile über Sport. Branko selbst war ja nicht wirklich unsportlich, aber es handelte sich dabei auch nicht wirklich um seine liebste Freizeitaktivität. Es war eher ein Übel, das man ab und zu in Kauf nehmen musste, um nicht völlig aus dem Leim zu gehen. Manchmal wäre ihm ein bisschen weniger Bauch auch lieb gewesen, aber neben allem anderen konnte er sich meistens nicht aufraffen seine Laufschuhe heraus zu kramen.

„Sag mal Branko,“ flüsterte Olivia leise. „Du hast da ja ein ganz schönes Schnuckelchen zum besten Freund.“

Branko verdrehte die Augen. In Ollis Augen blitzte kurz etwas auf.

„Also ist dir das auch aufgefallen?“ grinste sie und blickte zu Leo rüber, wie er nun laut über etwas lachte, das Hugo gesagt hatte. „Aber er ist nicht schwul oder?“

Branko schüttelte den Kopf. Wieso hatte nicht damit gerechnet, dass Olli den Braten sofort riechen würde? Sie witterte so etwas zehn Meilen gegen den Wind.

„Ansonsten hätte ich gesagt pass auf deinen Freund auf. Aber wahrscheinlich hättest du ihn dir selbst unter den Nagel gerissen, wenn er es wäre.“

Branko versuchte diese Bemerkung zu ignorieren, aber das fiel ihm nicht so leicht.

„Wir waren immer nur Freunde und das hat auch nie eine Rolle gespielt. Und außerdem sind wir gar nicht fest zusammen. Also Hugo und ich.“

Leichthin zuckte sie nur mit den Schultern. „Dann habe ich ihm wohl eben was Falsches erzählt.“ Sie grinste entschuldigend.

„Was?“ fragte Branko halb entsetzt.

„Naja er hat mich gefragt, ob Hugo dein Freund ist und da habe ich ja gesagt. Ihr hängt in letzter Zeit so viel zusammen rum und ich dachte ihr hättet das geklärt. Wolltest du nicht mit ihm reden?“

Branko winkte ab und blickte zu Hugo rüber, der nun auch lachte. Es war schön, dass sie sich verstanden. Aber vielleicht auch ein bisschen merkwürdig.

„Ja wollte ich, aber der Moment war einfach schlecht. Warum fragt er dich denn so etwas?“ Branko runzelte die Stirn. Leo war schon immer neugierig gewesen, aber so direkt war er eigentlich nie gewesen. Er hätte schließlich auch einfach warten und Branko selbst fragen können.

„Keine Ahnung. Es hat ihn vermutlich einfach interessiert und es schien ihn auch sehr zu freuen, dass du jemanden hast.“

Dieser Satz machte ihn nachdenklich. Vielleicht war er auch einfach nur froh, dass Branko jetzt jemand anderen gefunden hatte und er sich so keine Sorgen mehr machen musste, dass er es noch einmal bei ihm versuchen würde. Natürlich war dieser Gedanke ziemlich dumm, denn so war Leo schließlich nicht. Aber Branko hätte auch nie damit gerechnet, dass sie jemals keine Freunde mehr sein würden. Ob sie das noch waren oder nicht, konnte Branko beim besten Willen nicht sagen. Momentan fühlte es sich zwar genau wie früher an, aber das war es nicht. Es hatte sich zu viel verändert, um einfach da weitermachen zu können, wo sie aufgehört hatten.

„Ich steh ja total auf Klettern,“ meinte Hugo. „Ich war in letzter Zeit öfter mal bouldern, aber bisher leider immer nur in der Halle. Ich hätte mal Lust richtig in den Bergen klettern zu gehen.“

„Vielleicht kannst du Branko ja überreden,“ grinste Leo und machte diesen damit wieder auf ihr Gespräch aufmerksam.

„Ich fürchte eher nicht. Ich glaube ich bin dafür auch etwas zu groß und zu schwer.“

„Sag mal bist du eigentlich noch gewachsen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben? Du kommst mir irgendwie größer vor.“ Leo lachte, wusste aber offensichtlich selbst, dass es keine ernstzunehmende Frage war.

„Nein eigentlich nicht. Höchstens in die Breite.“ Er kratzte sich etwas im Nacken.

„Ich würde eher sagen, dass du deutlich schlanker bist als früher.“

„Also ich glaube nicht, dass die Größe unbedingt ein Problem ist. Klar wiegst du dadurch ein bisschen mehr. Aber ich denke nicht, dass es unmöglich wäre. Aber Lust solltest du vielleicht mitbringen,“ warf Hugo ein und schaute Branko mit schief gelegtem Kopf an. Es wirkte ein bisschen so, als stellte er sich ihn jetzt an einer Kletterwand vor.

„Keine Ahnung,“ murmelte er nur und fühlte sich ein wenig unbehaglich. Zudem, dass sein Interesse an diesem Sport verschwindend gering war, kam leider noch, dass er ziemliche Angst hatte sich lächerlich zu machen.

Dieses leise, gemeine, kribbelnde Gefühl, das langsam in seiner Brust aufstieg, bereitete ihm jedoch am meisten Sorgen.

„Ich zwing dich zu nichts,“ kicherte Hugo und grinste leicht. Er schaute Branko eine Weile an und strich sich dann einmal durch die lockigen Haare, die er so mochte.

Für einen Moment wäre Branko am liebsten alleine gewesen. Es war ihm irgendwie alles ein bisschen zu viel. Möglicherweise lag es allerdings daran, dass er dazu tendierte sich um alles zu große Sorgen zu machen.

„Man muss ja auch nicht alles zusammen machen,“ murmelte Leo, lehnte sich zurück und streckte die Beine aus.

„Eben,“ meinte Olivia und stand auf. „Will irgendwer ein Bier?“ fragte sie und Branko war ihr wirklich dankbar, dass sie damit dieses Gespräch beendete.


„Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?“ fragte Leo, als sie bereits um den Billardtisch herumstanden und er die Kugeln in dem Dreieck anordnete. Er blickte kurz von Branko zu Hugo und wieder zurück, dann wieder auf die Kugeln.

Hugo grinste. „Das war auf so einer Party,“ lachte er.

„Branko geht auf Parties?“ meinte Leo erstaunt und lachte ebenfalls.

„Eine Freundin von Olli und mir wollte schon immer zu sowas und da hat sie mich als Alibi mitgeschleppt. Von selbst wäre ich vermutlich nicht auf die Idee gekommen dahin zu gehen.“

„Ah ok, also war das eine Party speziell für Schwule,“ grinste Leo, der nun fertig war und sich einen Queue schnappte.

„Ja im Prinzip schon. Man hat auch nur minimal bemerkt, dass Branko sich ein wenig unwohl gefühlt hat. Da habe ich ihn einfach mal angesprochen, weil ich ihn irgendwie ganz süß fand. Wie er da so etwas unbeholfen an der Bar stand und alles mit einem etwas skeptischen Blick gemustert hat.“

Leo lachte und klopfte Branko leicht auf die Schulter. „Das klingt schon eher nach ihm,“ meinte er.

„Olli, bist du gut im Billard?“ fragte er dann an sie gewandt.

Sie zuckte etwas hilflos die Schultern. „Ich habe es ehrlich gesagt noch nie gespielt.“ Entschuldigend verzog sie den Mund.

„Gut, dann spielst du am besten mit Branko zusammen. Das ist dann wohl am fairsten.“ Er grinste dabei. „Und was ist dann passiert?“ kam er wieder zum Thema zurück.

„Ich glaube erst dachte er ich will ihm irgendwas Böses. Er war jedenfalls ein bisschen abwehrend.“

„Ich dachte einfach bloß, dass du nur an die Bar willst und ich dir im Weg stehe,“ warf Branko ein und zuckte leicht die Schultern.

„Deswegen habe ich dich auch so nett angelächelt die ganze Zeit, du Nase. Das mach ich nämlich immer mit Leuten, die mir nur im Weg stehen.“

Branko seufzte. Ihm war das Ganze ja ein bisschen peinlich. Aber er hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass Hugo ausgerechnet mit ihm flirten wollte. Dazu gab es schließlich viel zu viel Auswahl.

„Willst du anfangen?“ fragte er Olli, die etwas verunsichert dastand. „Macht euch aber bloß nicht über mich lustig,“ warnte sie und blickte alle drei streng an.

„Ich fürchte ich bin nicht wirklich besser als du,“ meinte Hugo und hob beide Hände.

„Oh nein und ich dachte wir hätten vielleicht eine kleine Chance gegen Branko,“ stöhnte Leo, wirkte aber belustigt.

„Ist er so gut?“ fragte Hugo Leo leise, aber Branko hörte das und rief: „Das ist totaler Quatsch. Ich habe schon ewig nicht mehr gespielt.“

„Früher hast du immer gegen mich gewonnen. Wird sich ja jetzt zeigen, ob du es verlernt hast,“ meinte Leo und fuhr an Hugo gewandt fort: „Und wie hast du Branko dann überzeugen können, dass du nicht nur an der Getränkekarte interessiert bist, sondern an ihm?“

Branko verdrehte leicht die Augen. Er hatte gehofft das Thema sei jetzt durch.

„Manchmal zahlt sich Hartnäckigkeit doch aus,“ grinste dieser und blickte zu Branko. „Ich glaub spätestens, als ich ihn nach seiner Nummer gefragt habe, hat er gemerkt, dass da von meiner Seite Interesse besteht. Wobei vielleicht dachte er ja auch, dass ich für die Gelben Seiten arbeite.“

Branko verschränkte leicht verärgert die Arme und sah dabei zu, wie Leo einen kleinen Lachanfall bekam. Selbst Olli grinste ein bisschen. Sie stupste Branko plötzlich an.

„Hey komm, du musst zugeben, dass er ein bisschen recht hat. Du bist halt manchmal ein bisschen begriffsstutzig und denkst, dass dir alle etwas Böses wollen.“

Branko seufzte und stieß sich von der Wand ab, an der er gelehnt hatte. Er zeigte Olli kurz, wie sie ungefähr die weiße Kugel anspielen sollte und ging dann zurück zu seinem angestammten Platz.

Hugo kam zu ihm herübergeschlichen und legte sanft seinen Arm um Branko.

„Tut mir leid,“ murmelte er leise. „Ich wollte mich gar nicht so über dich lustig machen. Aber das war schon wirklich lustig damals.“

„Entschuldigung, dass ich nicht damit gerechnet hab, dass du ausgerechnet mich anquatschst, bei all den halbnackten Männern, die da rumgerannt sind.“

Hugo grinste. „Jetzt übertreibst du aber ein wenig. Es lief glaub ich einer ohne Tshirt rum. Und vielleicht denkst du manchmal so in Schubladen, dass du vergisst, dass nicht alle auf so etwas stehen.“

Branko blickte zu Olli hinüber, die nun mit aller Mühe die erste Kugel anspielte. Dabei stellte sie sich gar nicht so schlecht, wie erwartet an. Eine der Kugeln fand sogar ihren Weg in eines der Löcher. Leo pfiff anerkennend.

„Ich denke überhaupt nicht in Schubladen, ich habe nur einfach nicht damit gerechnet,“ brummte Branko und ließ Hugo los, um Olli einen Tipp für den nächsten Spielzug zu geben.

Danach wandte er sich wieder Hugo zu. „Ein bisschen mehr Selbstvertrauen würde dir wirklich nicht schaden, mein Hübscher,“ meinte dieser leise, gab Branko einen kurzen Kuss und gesellte sich dann wieder zu Leo.

Natürlich hatte er damit recht, das wusste Branko selbst am besten. Aber so etwas kam nicht von heute auf morgen.

Ollis Glücksträhne endete so abrupt wie sie begonnen hatte. Die weiße Kugel machte einen Satz und landete, ohne eine weitere anzustoßen, ein paar Zentimeter weiter links. Olli zog eine Grimasse, aber nahm sich selbst nicht zu ernst, sondern drückte Branko wortlos den Queue in die Hand und kicherte entschuldigend.

Branko nippte an seinem Bier und schaute Leo dabei zu, wie er zielsicher eine der Kugeln versenkte.

Er konnte immer noch nicht ganz fassen, dass er plötzlich wieder da war. So wie er mit Olli und Hugo herumalberte, konnte man fast denken, dass sie sich schon ewig kannten und Branko fühlte sich in ihrer Gesellschaft wirklich wohl. Er durfte bloß nicht weiter darüber nachdenken, denn sonst hätte sich dieses Gefühl vermutlich innerhalb von Nanosekunden in das Gegenteil verkehrt.

„Du hast es offensichtlich nicht verlernt,“ stellte Leo fest, als Branko die dritte Kugel in Folge versenkte.

„Irgendwas muss ich ja auch können,“ brummte Branko und musterte das Spielfeld.

„Du brauchst mir auch meinetwegen keine übrig zu lassen,“ meinte Olli und grinste.

„Tiefstapeln kann er wie kein zweiter,“ meinte Leo leise zu Hugo und erntete einen bösen Blick von Branko, der sich nun über den Tisch beugte. Dieses Mal verschwand die grüne Kugel leider nicht im Loch, sondern blieb kurz davor liegen.

Der Abend plätscherte dahin und bis auf die ein oder andere spitze Bemerkung amüsierte Branko sich wirklich.

„Will noch jemand ein Bier?“ fragte Hugo in die Runde. Alle nickten.

„Warte ich komm mit,“ rief Olli und dackelte hinter Hugo her zur Bar. Und Branko war mit Leo alleine.

„Du hast echt einen guten Männergeschmack,“ grinste Leo und piekste Branko mit dem Queue. Ob er damit auch auf sich selbst anspielte oder ob es wirklich nur auf Hugo bezogen war, wusste Branko nicht zu hundert Prozent. Ihm steckte bloß plötzlich ein Kloß im Hals. Es war ihm, auch nach all der Zeit, immer noch unfassbar unangenehm, was zwischen ihnen vorgefallen war. Im Nachhinein war es auch so absurd gewesen. Als Branko am nächsten Tag aufgewacht war, kam ihm das alles schon vor, wie ein schlechter Film. Dieser Eindruck hatte sich mit der Zeit nur verstärkt. Und manchmal war er sich wirklich nicht mehr sicher, ob das wirklich passiert war oder ob er es nur geträumt hatte.

Aber jetzt, wo Leo so vor ihm stand und so etwas sagte, da wäre Branko am liebsten gestorben vor Scham.

„Ja. Hugo ist wirklich nett.“ Seine Stimme klang plötzlich so anders, als er das sagte.

„Wie lange seid ihr denn jetzt schon zusammen?“ Branko schaute zur Bar rüber und verspürte einen leichten Stich in der Magengrube. Es kam ihm plötzlich so vor, dass sie schon zu lange zögerten, um daraus etwas Festes machen zu können.

„Wir sind gar nicht wirklich zusammen,“ murmelte Branko beschämt und ärgerte sich über sich selbst. Manchmal hatte er das Gefühl, dass er innerlich viel zu sehr abgestumpft war, um sich Hals über Kopf in eine Beziehung stürzen zu können. Natürlich hatte er Gefühle, aber das war alles nicht so einfach.

Einen Moment trafen sich ihre Blicke, aber Branko sah schnell woanders hin.

„Achso,“ meinte Leo dann unbeeindruckt. „Eher was Lockeres? Woran liegt’s? Er ist doch super.“

Branko verschränkte die Arme und nahm noch den letzten Schluck vom Bier.

„Keine Ahnung. Wir kennen uns jetzt zwar schon eine Weile, aber es hat sich noch nicht ergeben.“

„Sprich ihr habt noch nicht darüber geredet,“ grinste Leo.

„Nein,“ machte Branko leise. „Er kommt aus einer recht langen Beziehung und ich wollte ihn da nicht direkt in die nächste drängen.“

Leo stütze sich auf dem Billardtisch ab, mit beiden Armen. „Ich hätte jetzt eher gedacht, dass du damit ein größeres Problem hättest als er. So ungerne, wie du Leute an dich ranlässt.“

Branko schloss die Augen und atmete tief durch. Natürlich war es seine Schuld, dass sie nicht schon längst ein Paar waren.

„Naja man muss es ja auch nicht überstürzen,“ schloss Leo, als er merkte, dass von Branko keine Antwort mehr kam.

„Ich bin da einfach viel zu schlecht drin,“ flüsterte Branko leise. „Ich würde so gerne, aber ich kann das einfach nicht gut.“

Er merkte ganz plötzlich, wie sehr es ihm gefehlt hatte mit Leo zu reden.

„Was genau? Mit jemandem zusammen sein?“

Branko zuckte die Schulter und nickte leicht, als die anderen zurückkamen. Leo schaute ihn mit leicht schief gelegtem Kopf an und Branko wusste, dass er nun umso neugieriger war.

Hugo drückte Branko ein neues Bier in die Hand.

„Das sieht übrigens ganz schön heiß aus, wenn du Billard spielst,“ kicherte er in Brankos Ohr. Auch wenn er erst ein paar Bier getrunken hatte, war er schon ein bisschen angeknipst.

Branko legte seinen Arm um ihn und zog ihn leicht an sich. „Red nicht so einen Quatsch,“ murmelte er, aber musste leicht grinsen.

„Was? Ich mein das ernst. Es ist immer cool, wenn jemand etwas gut kann und es sieht süß aus, wenn du so konzentriert guckst.“

Branko merkte, wie er rot anlief. „Du bist trotzdem ein Quatschkopf,“ flüsterte er nur leise und drückte Hugo einen Kuss auf die Wange. Sie war ein kleines bisschen stoppelig. Hugo versuchte nämlich offensichtlich sich einen Dreitagebart stehen zu lassen. Bisher sah das auch sehr gut aus, auch wenn Stoppeln immer etwas lästig waren.

Er ließ Hugo los und nahm einen Schluck vom neuen Bier. Er merkte, dass Leo sie beobachtete, aber er wollte jetzt nicht zu ihm hinüber sehen.


Da Olli ziemlich offensichtlich gemacht hatte, dass ihre Lust noch eine Runde zu spielen gegen null tendierte, ließen sie nach der Partie den Billardtisch hinter sich. Es war zum Schluss ziemlich knapp gewesen, aber Branko hatte zuletzt erfolgreich die schwarze Kugel versenkt und damit das Spiel beendet.

Sie hatten sich dafür entschieden noch woanders hinzugehen und etwas zu essen, da es immer noch sehr früh am Abend war. Auf dem Weg hakte sich Olivia bei Branko ein.

„Das war doch wirklich lustig,“ meinte sie leise. „Und du Stoffel wolltest nichts machen.“

„Ich steh halt einfach nicht so auf Geburtstage. Wenn man sich nichts vornimmt, wird man wenigstens nicht enttäuscht.“

„Ach ich fand deine Geburtstage immer super,“ lachte Leo. „Die waren echt immer richtig toll.“ Seine Stimme sprühte dabei vor Ironie und Branko wünschte er würde aufhören zu reden.

„Klingt so, als wäre Branko da ein bisschen vorbelastet,“ meinte Hugo und schaute zu Branko rüber, während sie nebeneinander her gingen.

„Sie waren einfach nie besonders aufregend,“ murmelte Branko und hoffte, dass Leo dies unkommentiert lassen würde.

„Wir haben meistens gewettet, ob seine Mutter dieses Jahr mal daran denkt.“ Leo lachte dabei, stellte dann aber fest. „Eigentlich ist das gar nicht so lustig.“

Olli blickte erschrocken, Hugo sagte nichts und Branko wäre nun am liebsten einfach verschwunden.

„Leo, lass mal gut sein,“ murmelte er nur.

„Und wer hat die Wette gewonnen?“ fragte Hugo plötzlich trocken.

„Das war überhaupt nicht so wild. Meine Mutter war einfach nie so die fürsorglichste. Sie hat es vielleicht ein paar Mal vergessen, aber das kann ja mal passieren. Schließlich hat sie auch immer viel gearbeitet. Manchmal hat sie auch daran gedacht.“ Er kickte ein Steinchen vor sich her.

„Das ist echt schade,“ meinte Hugo leise.

„Es gibt wichtigeres als Geburtstage,“ flüsterte Branko. „Ich bin ganz froh, dass nie so ein Aufriss darum gemacht wurde.“

„Ja, aber trotzdem ist es schön, wenn die Leute daran denken.“

Leo war plötzlich still, er hatte offensichtlich gemerkt, dass es Branko nicht so lieb war von seiner Mutter zu erzählen.

„Es ist ja nicht so, dass alle es vergessen hätten. Das klingt so überdramatisch. Es gibt Leute, die haben viel größere Probleme, als dass jemand ihren Geburtstag vergisst.“

Sie schwiegen alle, bis sie die Pizzeria erreichten. Dort kamen sie glücklicherweise wieder auf ein anderes Thema und Brankos Laune besserte sich mit der Zeit.

Ziemlich lange saßen sie zusammen und redeten, lachten und es breitete sich ein wohliges Gefühl in Brankos Magengegend aus.

„Sag mal, willst du eigentlich, dass ich diese Nacht bei dir verbringe?“ fragte Hugo leise, sodass nur Branko es hören konnte.

„Du kannst gerne mitkommen, du weißt, dass ich dich gerne bei mir habe,“ flüsterte Branko und legte seine Hand auf Hugos. Dieser schloss das eine Auge halb und murmelte, „Weiß ich das?“ Dabei verzog er fragend das Gesicht. „Aber gut. Ich habe nämlich noch eine kleine Überraschung für dich.“

„Was zum auspacken?“ grinste Branko und erntete dafür einen schelmischen Blick von Hugo.

„Lass dich überraschen.“

„Könnt ihr mal aufhören mit eurem Dirtytalk, während wir dabei sind,“ rief Leo und steckte sich ein Stück von einem Pizzabrötchen in den Mund. „Das ist verdammt unhöflich.“ Er grinste jedoch ein wenig.

Olli schob ihre letzten zwei Stücke Pizza von sich. „Ich kann nicht mehr,“ seufzte sie. „Will noch jemand?“

„Meins,“ rief Hugo sofort und schnappte sich das eine Stück. Es war ein Wunder, wie er essen konnte manchmal und dabei so schlank war.

„Außerdem war das gerade überhaupt nichts Versautes,“ warf er nun ein. „Ich habe mir lediglich einen Schlafplatz gesichert, für den ich nicht quer durch die Stadt fahren muss. Das war was rein Logistisches.“

Leo nickte verständnisvoll. „Na klar. Das versteh ich natürlich total. Branko hast du denn auch noch einen Platz für mich unter deiner Bettdecke? Ich muss sonst ja sogar noch in eine andere Stadt und das geht ja nicht.“

Branko stutzte und verschluckte sich halb an seinem letzten Bissen Pizza.

„Ich fürchte da ist es schon ziemlich voll,“ murmelte er ausweichend. Er wusste nicht, ob er das ernst meinte. Er hatte jedenfalls plötzlich einen Kloß im Hals. Er wollte nicht, dass Leo ihn immer noch anzog.

“Vielleicht hat Olli ja noch einen Platz für dich,” sagte er dann und wusste dass es dumm war, aber er wollte sich nicht anmerken lassen, dass die Bemerkung ihn getroffen hatte.

Sie schreckte hoch, offensichtlich zutiefst damit beschäftigt sich selbst den vollen Bauch zu kraulen.

„Was? Platz wofür?“

„In deinem Bett, für mich,“ grinste Leo und musterte ihr erstauntes Gesicht, nachdem er Branko kurz angesehen hatte.

„Geht das nicht ein bisschen schnell?“ meinte sie trocken, aber man merkte, dass sie begriffen hatte, dass es sich um einen Scherz handelte.

„Ach schon gut. Ich muss nur leider bald los, der Bus fährt Abends nicht mehr so häufig.“

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Heyyyy,

yeaaaah, ein weiteres Kapitel :slight_smile:

Ach, deine Geschichte und deine Charaktere sind echt so toll :heart_eyes:

Ach Mensch. Branko tut mir so leid. Es tut einfach im Herzen weh, wenn Leute ihr Leben kaputt machen wegen dem Alkohol.

Yeaaah, Leo ist aufgetaucht. Laut deinen Beschreibungen scheint er ja ein ganz hübscher zu sein :face_with_hand_over_mouth:
Ich kann es ziemlich gut verstehen, dass er damals schiss hatte. Es ist auch einfach keine einfache Situation und ich denke, dass damals beide überfordert waren. Es ist auch ein seltsames Gefühl, wenn sich der beste Freund plötzlich verknallt und es einem beichtet. Trotzdem finde ich, hat Leo es stark übertrieben und war ein Arsch. Ich finde es gut, dass er sich jetzt traut, bei Branko aufzutauchen.

Ach ja. Hugo ist echt süß. Wie er für Branko den Geburtstag organisiert, obwohl er es eigentlich nicht wollte. Wenn es im echten Leben nur so von Hugos wimmeln würde :heart_eyes: :face_with_hand_over_mouth:
Zum Glück ist mein fester Freund auch ein lieber Mensch und hat Ähnlichkeiten mit Hugo :slight_smile:

Olivia, eine echt sehr nette Person, aber manchmal auch etwas anstrengend:)

Die Szene, wo sie zum Billard gehen, um anschließend dort zuspielen ist echt toll beschrieben. Dort scheinen alle ja sehr viel Spaß zu haben und einen Moment alle Sorgen zu vergessen. Es ist echt süß, wie alle miteinander umgehen :slight_smile:

Branko scheint das Billard spielen nicht verlernt zu haben. Es ist immer toll, wenn Menschen etwas sehr gut können, obwohl sie selber nicht viel von sich halten. Es ist etwas, worauf er sehr stolz sein kann :wink:

Das Ende ist auch sehr lustig beschrieben.
Leo mag sich doch wohl nicht an Olivia ran machen :slightly_frowning_face:

Ich freue mich auf weitere Kapitel und es ist echt sehr lieb von dir, dass du dir die Mühe machst, uns nicht allzu lange warten zu lassen :slight_smile:

LG Knutschkugel :slight_smile:

PS: Habe da mal eine Frage, kann bzw. wäre es okay, wenn ich dich Privat anschreibe?
Habe da ein paar Fragen :slight_smile:

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@ Knutschkugel: danke für deinen ausführlichen Kommentar. Würde darauf näher eingehen wenn ich den nächsten Teil poste. Klar kannst mich gerne alles fragen was du möchtest. :slight_smile:

@anon13107007: danke nochmals für deinen Kommentar :slight_smile:
So eine Situation ist glaube ich nie einfach. Ich hatte bisher nie das Problem, dass ich mich in meinen besten Freund verliebt habe :smiley: Vielleicht auch ganz gut, dass ich vor allem früher hauptsächlich mit Frauen rumgehangen habe.
Und ja, Hugo ist ein Süßer :slight_smile: Da kann man nur schwer widerstehen. Wenn dein Freund so ähnlich ist, kann man dich ja gut verstehen :slight_smile: Das freut mich sehr für dich!
Ich spiele selbst ganz gerne Billard, aber ich bin darin echt mies. Finds aber total toll wenn Leute das gut können.
Dann geht es auch mal weiter :slight_smile:


Hugo lehnte mit dem Rücken gegen das Holzgestell von Brankos Bett. Nachdenklich zupfte er an der Bettdecke herum. Als sie zuhause angekommen waren, war er mehr oder weniger über Branko hergefallen. Woher genau die Lust rührte, wusste Branko nicht genau, aber er hatte einen Teufel getan und Hugo davon abgehalten.

Jetzt wirkte es jedoch so, als würde ihm etwas durch den Kopf gehen. Seine Stirn lag leicht in Falten und er hatte die Nase etwas kraus gezogen, wie immer, wenn er nachdachte.

Branko lag neben ihm und beobachtete ihn. Darauf wartend, dass seine Gedanken sich verbalisieren. Auch wenn er etwas besorgt war, um was es sich dabei handeln würde.

„Branko?“ kam es dann früher als gedacht.

„Hm?“ machte er leise und drehte sich auf den Rücken. „Was ist los?“

„Darf ich dich was fragen? Du darfst aber nicht böse werden und bitte sei ehrlich.“ Er klang sehr unsicher. Hugo sah im Licht der Nachttischlampe unglaublich gut aus. Selbst, wie er so dasaß und nervös an der Bettdecke herum spielte.

„Klar.“

„Der Grund, warum ihr euch aus den Augen verloren habt, war, weil du in ihn verknallt warst oder?“

Branko schluckte, setzte sich leicht auf und zog die Bettdecke ein Stück höher.

„Wie kommst du darauf?“ fragte er erschrocken. War es wirklich so offensichtlich?

Hugo schaute ihn an. „Weil ja irgendetwas passiert sein muss. Sonst verliert man einen so guten Freund nicht einfach aus den Augen. Selbst wenn da eine gewisse räumliche Entfernung besteht. Und ich mein, er ist attraktiv. Nicht mein Typ, aber man kann es nicht bestreiten. Das einzige, was ich mir da irgendwie vorstellen kann ist, dass du Gefühle für ihn hattest.“

Branko schloss die Augen. „Ich…“ begann er, aber wusste nicht genau, was er darauf antworten sollte. „Ja.“ Das Wort kam ihm nur schwer über die Lippen. „Ich will da auch gar nicht lügen und ich bin wirklich nicht stolz darauf. Das ist aber schon lange vorbei und es war glaub ich das dümmste, was ich je getan habe.“

Eine Gänsehaut überkam ihn ganz plötzlich.

Hugo lächelte plötzlich leicht und das verwirrte Branko nur noch mehr. „Manchmal habe ich doch einen ziemlich guten Riecher. Was ist denn passiert?“ er blickte Branko mit leicht erhobenen Augenbrauen an.

„Willst du das wirklich wissen?“

Als Antwort bekam Branko nur ein Nicken.

„Es ist im Grunde gar nichts passiert. Ich war betrunken und habe ihm gebeichtet, dass ich mehr für ihn empfinde, als ich sollte. Ich kann mich nicht mehr an alles von dem Abend erinnern, aber zunächst hat er es ganz okay aufgenommen. Natürlich hat er meine Gefühle nicht erwidert, aber er hat ganz cool reagiert. In der Zeit danach hat sich aber etwas zwischen uns verändert. Er hat sich mir gegenüber plötzlich total anders verhalten und ist dann auch weggezogen. Erst hatten wir noch ein bisschen Kontakt, aber dann ist er völlig abgebrochen. Wir haben kaum noch geredet und irgendwann dann gar nicht mehr.“

Hugo verzog den Mund. „Das ist leider das Problem, wenn man sich in seinen besten Freund verliebt. Vor allem, wenn er hetero ist.“

Branko zuckte die Schultern. „Ich hätte es ihm nicht sagen sollen, weil ich dadurch einfach unsere Freundschaft kaputt gemacht habe. Aber vielleicht wäre ich dann heute noch in ihn verliebt.“

Auch wenn es merkwürdig war, tat es irgendwie gut mit Hugo darüber zu reden.

„Bist du nicht mehr oder?“ Er hob wieder die Augenbrauen, als er das fragte. Etwas Besorgnis zeichnete sich um seinen Mund herum ab.

Branko schüttelte entschieden den Kopf und rückte ein Stück an Hugo heran. „Nein. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich wirklich verliebt in ihn war, oder ob es war, weil er irgendwie meine einzige wirkliche Bezugsperson war. Vielleicht habe ich da einfach überkompensiert.“

„Okay. Ich will auch gar nicht eifersüchtig sein.“

„Brauchst du auch nicht, schließlich habe ich dir was versprochen.“ Hugo lächelte müde und rutschte runter, sodass er nun auch im Bett lag.

„Es geht dabei gar nicht darum, dass ich Sorge habe, dass du irgendetwas mit ihm machen könntest. Ich weiß, ich habe gesagt, dass ich Herausforderungen mag und das stimmt auch. Aber du machst es mir wirklich schwer.“ Dabei betrachtete er seine Fingernägel. Branko mochte es nicht, dass Hugo plötzlich so ernst war. Das war kein gutes Zeichen.

„Es tut mir leid,“ flüsterte er leise und griff nach Hugos Hand. „Ich könnte auch verstehen, wenn du keine Lust mehr hättest.“

Hugo sah ihn an. „Nein Branko. So fängst du jetzt nicht an. Wenn du willst, dass wir das beenden, dann sag das, aber fang nicht an mir einzureden, dass ich keine Lust mehr auf dich hätte.“

Branko seufzte. „Ich will es doch überhaupt nicht beenden. Im Gegenteil.“

Er kroch dabei weiter unter die Decke. Die Unterhaltung war plötzlich in eine merkwürdige Richtung abgedriftet.

„Was möchtest du denn dann?“ Hugo wirkte plötzlich so, als wäre er ein bisschen sauer. Woher das nun kam, wusste Branko nicht, doch er fühlte sich ein wenig angegriffen.

Er zuckte bloß leicht mit den Schultern.

„Sind wir für dich nur Freunde, die ab und zu miteinander schlafen oder besteht das Potential, dass da mehr draus wird?“

„Ich weiß ja nicht wie du das siehst.“ Branko schaute Hugo an und dieser blicke zurück.

„Was denkst du denn? Meinst du ich hätte dir sonst einen Kuchen gebacken oder dir was geschenkt? Meinst du ich wäre so hartnäckig, wenn ich keine Gefühle für dich hätte?“

Branko drückte Hugos Hand und atmete tief durch. Es war irgendwie schön das zu hören.

„Wahrscheinlich nicht. Es tut mir wirklich leid, dass ich so bin. Ich wäre so gerne einfach viel herzlicher und offener, aber ich kann es einfach nicht. Ich weiß einfach nicht, wie das geht. Und ich weiß selbst, dass ich zu abweisend und schroff bin.“

„Das finde ich gar nicht so schlimm muss ich sagen. Damit kann ich wirklich umgehen, aber ich mach mir irgendwie Sorgen, weil du immer alles in dich reinfrisst und das vermutlich schon sehr lange tust. Natürlich wird es da mit der Zeit immer schwieriger sich das wieder abzugewöhnen. Aber denkst du, dass dich irgendjemand verurteilt, wenn du über Probleme sprichst oder Gefühle?“

Wieder zuckte er mit den Schultern.

„Es gibt halt einfach Sachen, die muss man nicht unbedingt erzählen. Es ist halt einfach zu peinlich oder es versteht sowieso niemand. Und immer rumzuheulen macht es halt auch nicht besser.“

„Deine Eltern haben dich wahrscheinlich auch nicht so häufig in den Arm genommen oder? Wenn Leo schon sagte, dass deine Mutter nie an deinen Geburtstag gedacht hat.“

„Ne,“ murmelte Branko leise. „Liebevoll war meine Kindheit nicht unbedingt.“

„Es ist nicht gut immer alles für sich zu behalten. Wenn ich so etwas weiß, dann weiß ich doch viel besser, wie ich mit dir umgehen muss.“

„Du sollst mich deswegen aber doch überhaupt nicht anders behandeln.“

Hugo verdrehte die Augen. „Ich will dich auch gar nicht anders behandeln, aber ich wüsste einfach gerne mehr von dir. Das hilft mir dann auch mehr zu verstehen, warum du dich manchmal so verhältst.“

Branko verzog den Mund. Er fühlte sich irgendwie schlecht, weil er Hugo nicht so behandelte, wie er es verdiente.

„Ich versuch mir mehr Mühe zu geben.“ Vorsichtig kuschelte er sich an Hugo, etwas unsicher, ob es in Ordnung war.

„Ach Branko,“ flüsterte er leise und strich ihm sanft über den Rücken. „Ich will dich auch zu überhaupt nichts drängen.“

„Du drängst mich ja gar nicht,“ nuschelte er mit dem Kopf an Hugos Brust gelehnt. „Ich mag dich doch auch. Sehr sogar.“

Er hörte, dass Hugo grinste. „Du bist echt süß manchmal. Da kann ich irgendwie nicht böse auf dich sein, weil du so verschwiegen bist.“ Er kraulte Branko leicht den Kopf.

„Aber sag mal, wie geht es jetzt eigentlich weiter mit Leo und dir?“

Branko hatte sich gerade wieder entspannt, doch schon zog sich wieder alles in seiner Brust zusammen. „Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob wir wieder Freunde werden können. Natürlich hat er mir sehr gefehlt, aber es hat mich sehr enttäuscht, dass er sich danach so von mir abgewendet hat.“

„Ja. Ich kann verstehen, dass er damit überfordert war, aber man hätte das irgendwie hinbekommen können. Weißt du denn warum er so plötzlich wieder da ist?“

„Nein. Wir haben noch so gut wie gar nicht geredet. Aber es würde mich auch interessieren.“

Branko lag eine Weile still so da. Es fühlte sich gut an Hugo so dicht bei sich zu wissen. So gut, dass er ihn eigentlich nie wieder loslassen wollte.


Das Wetter hatte sich in den folgenden Tagen verschlechtert. Der Himmel war unendlich grau und es regnete beinahe ununterbrochen. Branko hatte noch bis zur zweiten Oktoberwoche frei und genoss die Zeit, in der er nicht mehr so viel zu tun hatte. Hugo musste leider viel arbeiten und auch Leo hatte bisher noch keine Zeit für ein Gespräch gehabt.

Die Woche über hatte Branko Lea zweimal von der Schule abgeholt und irgendwie die Zeit mit ihr totgeschlagen. Am Mittwoch hatte sie das erste Mal durchblicken lassen, dass sie wusste, was vor sich ging.

„Wo ist Hugo?“ hatte sie gefragt. Und als Branko daraufhin wissen wollte, warum sie das interessierte, da reagierte sie ganz nüchtern.

„Naja du verbringst doch viel Zeit mit ihm. Ich dachte er kommt vielleicht noch.“

„Nein heute nicht. Und so viel Zeit verbringen wir auch nicht zusammen.“ Dabei kratzte er sich im Nacken. Normalerweise war Lea nie so interessiert gewesen an seinem Leben. Aber an Hugo hatte sie scheinbar wirklich einen Narren gefressen. Sie kommentierte es jedenfalls nicht mehr danach, sondern wechselte das Thema.

Jetzt war es Donnerstag und Branko saß bei Hugo im Café und blätterte in einem Buch. Er saß gerne da. Hugo hatte ihm einen Kaffee gebracht. Er hatte allerdings nicht viel Zeit, um mit Branko zu plaudern. Ab und zu blickte er auf und beobachtete Hugo, wie er Bestellungen aufschrieb und Getränke zu Tischen brachte. Hugo schien das zu bemerken und lächelte verschmitzt, als er Brankos Blick auf schnappte.

Branko wollte warten bis Hugo Feierabend hatte und danach wollten sie noch gemeinsam etwas machen. Bis dahin war es höchstens noch eine Stunde.

„Willst du noch irgendetwas?“ hörte er Hugo plötzlich fragen. Er war gerade so vertieft in sein Buch gewesen, dass er gar nicht mitbekommen hatte, dass er sich näherte. Er trug ein schwarzes T-Shirt und irgendwie sah er ziemlich süß aus, mit leicht verwuschelten Haaren und seinen strahlenden Augen. Ob ihm das auch aufgefallen wäre, wenn er ohne Hugo zu kennen in dieses Café gekommen wäre? Vermutlich schon, aber er hätte sich nie getraut ihn anzusprechen.

„Ich habe noch. Danke,“ lächelte er.

„Wir haben auch was zu essen, falls du Hunger hast. Du musst hier auch wirklich nicht warten, ich kann auch später einfach zu dir kommen.“

Branko schaute zu Hugo hoch. Er hielt seinen Block in der Hand und kritzelte ein bisschen darauf herum.

„Stör ich dich?“ grinste Branko leicht.

Hugo schüttelte den Kopf. „Ich will nur nicht, dass du dich langweilst. Hast du denn Hunger?“

„Nein gerade nicht. Wir können auch später zusammen essen. Weißt du denn wie lange du noch musst?“

„Ich denke, dass ich so um vier Schluss machen kann. Merle ist mit Thomas im Urlaub, wir können also meinetwegen auch zu mir.“

Branko blätterte etwas gedankenverloren in seinem Buch. „Sie mag mich immer noch nicht oder?“ Dabei musste er nun doch etwas grinsen.

„Ach Branko. Sie hat überhaupt nichts gegen dich. Und ich hätte dich auch gefragt, wenn sie da wäre. Ich dachte nur, dass ungestört sein nicht schlecht wäre.

Branko zuckte die Schultern. „Nein klingt ja auch gut.“ Er lehnte sich ein wenig zurück und legte den Kopf schief. „Also ungestört sein.“ Er musste leicht grinsen und verschränkte leicht die Arme vor der Brust.

„Gut,“ murmelte Hugo. „Ich bring dir noch einen Kaffee. Und keine Sorge, den musst du auch nicht bezahlen.“ Er zwinkerte einmal kurz und wandte sich dann ab. Und Branko sah ihm hinterher. Allein wie er sich bewegte. Von Tag zu Tag wurde Branko mehr bewusst, was für einen unglaublichen Fang er gemacht hatte und irgendwie konnte er es kaum glauben, dass Hugo das andersrum ähnlich sah.

Gelegentlich warf er einen Blick auf die Uhr. Die Zeit verging eigentlich recht rasch, aber dann öffnete sich die Tür und der, der das Café betrat kam Branko irgendwie bekannt vor. Er konnte jedoch nicht ganz zuordnen, woher er das Gesicht kannte. Der Typ war ziemlich groß und sah nicht schlecht aus. Er hatte einen Bart und dunkelblonde Haare. Er setzte sich an einen Tisch in der Nähe und schnappte sich eine Karte. Er schien zu merken, dass Branko ihn über sein Buch hinweg anschaute und lächelte ihm zu. Und dann wurde es Branko bewusst, woher er ihn kannte. Von dem Foto in Hugos Zimmer. Das war also Alex, wie er leibt und lebte. Dabei wurde ihm plötzlich ganz anders.

Was wollte er hier? Er wusste doch bestimmt, dass Hugo hier arbeitet. Dieser war grade allerdings nicht im Gastraum und Branko wollte sich gar nicht ausmalen, was passierte, wenn er zurückkam.

Alex studierte weiter die Karte. Das war so absurd, dass er nun dasaß und so tat, als wäre es das normalste auf der Welt.

Wenn Branko daran dachte, was er Hugo angetan hatte, wollte er am liebsten zu ihm rüber gehen und ihm eine reinhauen. Aber dafür war Branko erstens nicht der Typ und zweitens wollte er auch keinen Aufstand machen. Hugo würde es schon unangenehm genug sein.

Ein paar Augenblicke später kam dieser auch schon zurück und als er Alex erblickte stockte er einen Moment. Das war leider etwas untertrieben. Ihm fiel mehr oder weniger alles aus dem Gesicht.

Es dauerte ein paar Sekunden bis er sich wieder sammelte. Er warf einen kurzen Blick zu Branko hinüber, der sich aber schon wieder in sein Buch vertieft hatte, was ihm wirklich schwer fiel, so neugierig wie er war.

Aus dem Augenwinkel konnte er beobachten, wie er zu Alex Tisch hinüber stapfte.

„Was zum Teufel willst du hier? Du weißt genau, dass ich donnerstags immer arbeite,“ zischte er leise.

„Ist doch trotzdem nicht verboten oder? Ich mein das hier ist ein öffentlicher Ort.“

Branko konnte nun doch nicht mehr anders, als hinüber zu schauen. Hugos Gesichtsfarbe hatten einen dunkleren Ton angenommen. Er wirkte wirklich sauer.

„Willst du irgendwas? Oder willst du mir nur auf den Sack gehen?“

Er kramte seinen Block hervor. So genervt hatte er Hugo noch nicht erlebt und irgendwie beunruhigte ihn das ungemein. Dazu kam noch das Aussehen von Alex, das ihn ziemlich verunsicherte. Er konnte nicht anders, als sich mit ihm zu vergleichen und dabei kam Branko nicht wirklich gut weg.

„Bring mir mal einen Kaffee. Ich warte noch auf jemanden.“ Alex legte die Karte weg und lächelte unschuldig.

„Du bringst jetzt nicht ernsthaft deine Dates hierher oder?“

„Du brauchst überhaupt nicht eifersüchtig sein.“

Hugo verdrehte die Augen. „Es ist mir scheiß egal mit wem du dich triffst, aber ich will dich hier nicht rumsitzen haben.“

Er wandte sich ab und schaute dabei zu Branko rüber. Er hatte den Blick nicht mehr abwenden können. Zwar hatte Hugo nicht wirklich laut gesprochen, aber er wusste, wohl, dass Branko ihn gehört haben musste. Ihm standen auch leicht Tränen in den Augen und Branko wäre am liebsten zu ihm hingegangen, aber er wollte sich auch nicht vor Alex als Hugos neuer Freund darstellen. Also sah er nur dabei zu, wie Hugo in die Küche stapfte. Es tat ihm so leid, dass ihm dieser Typ, der nur ein paar Meter entfernt saß so weh getan hatte. Und Hugos Reaktion hatte durchblicken lassen, dass er wohl wirklich noch nicht ganz damit abgeschlossen hatte. Ob es nur sein verletztes Ego war oder vielleicht noch mehr, konnte Branko aber schlecht einschätzen. Jedenfalls musste Alex wirklich schon ein ziemliches Arschloch sein, um sich hier mit einem anderen Typen zu treffen.

Eine Weile später kam Hugo zurück und knallte die Tasse Kaffee so heftig vor Alex auf den Tisch, dass sie halb überschwappte. Branko wünschte sich, dass er Alex nicht so stark zeigen würde, wie sehr ihn sein Erscheinen aus der Fassung brachte. Damit tat er ihm nur einen Gefallen.

Er grinste jedenfalls und bedankte sich, während Hugo sich schon wieder abgewandt hatte und jetzt auf Branko zusteuerte.

„Ich mach jetzt Feierabend. Bin in zwei Minuten da,“ damit verschwand er wieder.

Alex blickte interessiert zu Branko rüber. Offensichtlich hatte er wirklich gute Ohren. Branko schaute zurück. Seine Lippen fest aufeinander gepresst.

„Ich weiß gar nicht was er hat,“ meinte Alex dann und hob beide Hände.

Branko schüttelte nur ungläubig den Kopf und stopfte sein Buch in seine Tasche. Auf dieses Szenario hätte er am liebsten wirklich verzichtet.

Er schnappte sich seine Jacke, die neben ihm auf dem Stuhl lag. „Lass ihn einfach in Ruhe. Das hat er echt nicht verdient,“ brummte Branko, als er an Alex vorbeiging.

Alex starrte ihn an. „Ich kann doch nichts dafür, dass er noch an mir hängt.“

Branko wandte sich noch einmal zu ihm um. Dieses Verhalten machte ihn wirklich sauer. Vor allem, wie er so dasaß und so tat, als wäre er die Unschuld höchstpersönlich.

„Aber du bist der, der ihn einfach nicht in Frieden lässt. Merkst du was?“

Alex lehnte sich zurück und grinste leicht. „Also hat er dir von mir erzählt?“

Branko wurde immer wütender und er fragte sich wirklich, wie Hugo es fast vier Jahre mit ihm ausgehalten hatte. Und auch andersherum, wieso Alex so lange mit ihm zusammen gewesen war, wenn er doch eigentlich seine Freiheit wollte.

Plötzlich tauchte Hugo hinter ihm auf und knotete sich einen Schal um den Hals. „Ja habe ich,“ meinte er jetzt ganz trocken. „Ist schließlich kein Geheimnis, dass ich so dumm war und auf dich reingefallen bin.“ Dabei griff er nach Brankos Arm und wollte ihn zur Tür ziehen.

„Tu doch nicht immer so, als wäre ich das große Arschloch gewesen. Du bist da mindestens genauso daran schuld, wie ich,“ sagte Alex laut und Branko wünschte sich, er würde seine Stimme nicht so erheben. Aber man merkte, dass auch Alex noch nicht ganz fertig damit war.

Hugo schüttelte nur fassungslos den Kopf. Ohne ein weiteres Wort ging er zur Tür hinaus. Branko warf nur noch einen kurzen Blick auf Alex und lief ihm hinterher.

Hugo war schon ein paar Schritte weiter und Branko musste sich beeilen ihm hinterher zu kommen, während er sich seine Jacke anzog.

Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt und bewegte sich in einem Tempo, dass Branko wirklich Probleme hatte Schritt zu halten. Er wollte irgendetwas sagen, aber wusste nicht was. So perplex war er.

Sie liefen zur Bushaltestelle und keiner sagte ein Wort, bis sie dort angekommen waren. Hugos Wangen waren etwas gerötet. Ob vor Kälte oder vor Erregung, konnte Branko nicht einschätzen. Er wirkte jedenfalls total ausdruckslos und mied Brankos Blick. Mit immer noch verschränkten Armen stand er da und blickte zu einer Plakatwand hinauf. Eine glücklich lächelnde Frau war darauf zu sehen und der Slogan. „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über Parship.“

„Vielleicht werde ich doch einfach hetero,“ murmelte er irgendwann leise. „Komplizierter kann es mit Frauen auch nicht sein.“

Einen Moment war Branko wirklich irritiert, ob er es ernst meinte, aber er konnte sich Hugo beim besten Willen nicht mit irgendeinem Mädchen vorstellen. Aus seiner eigenen Erfahrung konnte er nur sagen, dass er auffallend viel Interesse am männlichen Körper zeigte, da wurde man nicht von jetzt auf gleich zum Hetero.

„Frauen sind anders kompliziert,“ flüsterte Branko. Seine Stimme fühlte sich kratzig an. „Ich glaub es ist beides nicht einfach.“

Hugo schloss seine Augen und atmete tief durch. „Es tut mir leid, dass du das mitbekommen hast.“ Auch wenn die Entschuldigung nicht mit Überzeugung kam, wusste Branko, dass sie ernst gemeint war.

„Wir haben echt ein beschissenes Timing,“ antwortete Branko und Hugo lächelte müde und blickte nun doch zu ihm hoch. Er wirkte wirklich niedergeschlagen und Branko zog ihn vorsichtig an sich heran. Schlang seine Arme dann jedoch fest um ihn und hielt ihn eine Weile fest. Hugo klammerte sich an ihn und vergrub sein Gesicht in Brankos Jacke.

„Du bist nicht dumm,“ murmelte er leise. „Was ihn angeht vielleicht ein bisschen zu naiv, aber dumm bist du auf keinen Fall.“ Er drückte Hugo einen Kuss aufs Ohr.

„Danke,“ flüsterte er leicht erstickt. „Ich weiß wirklich nicht, was ihn auf die Idee gebracht hat hier aufzutauchen. Er scheint gewittert zu haben, dass ich endlich mal wieder ein bisschen glücklich bin und will mir das jetzt kaputt machen.“

„Er scheint dich aber immer noch ganz schön auf die Palme zu bringen.“

Hugo zuckte mit den Schultern. „Das konnte er immer gut, aber wie würdest du reagieren, wenn dein Exfreund plötzlich vor dir auftaucht und sich so verhält.“

„Ich hätte ihn wahrscheinlich einfach ignoriert oder rausgeworfen. Keine Ahnung.“

„Du hättest ihn sowas von ignoriert,“ grinste Hugo und es machte Branko glücklich, dass er wieder lächelte, auch wenn es auf seine Kosten ging.

„Ja wahrscheinlich. Ich hätte mich einfach in der Küche versteckt und gewartet, dass er wieder verschwindet.“ Branko grinste nun auch. Der Wind wehte ihnen um die Ohren und Hugo schlang seine Jacke fester um sich. Er bibberte etwas. Es war bestimmt die letzten Tage fünf oder sechs Grad kühler geworden und Brankos Ohren fühlten sich eisig an. Es wurde Zeit, dass der Bus kam, aber er hatte offensichtlich Verspätung.

„Was meinte er eigentlich damit, dass du genauso daran schuld bist, wie er?“ fragte Branko nach einer Weile, in der sie einfach nur dagestanden hatten, unsicher. Er kam sich viel zu neugierig vor, aber er wusste, ihn würde die Frage nicht loslassen, bevor er sie beantwortet bekam. Hugo seufzte und blickte Branko etwas entnervt an.

„Er hat mir ja schlussendlich den Vorwurf gemacht, dass ich ihn zu der Beziehung gezwungen hätte. Beziehungsweise ihm ein Ultimatum gestellt habe. Ich dachte halt ich könnte ihn ändern. Und auf irgendwelche kranken Spielchen hatte ich auch keine Lust. Ich mein ich habe gerne Sex und alles, aber er ging mir da häufiger mal etwas zu weit. Und natürlich bin ich dann schuld, dass er sich jemand anderen sucht, mit dem er das machen kann. Wie kann ich dann auch erwarten, dass er mir treu ist?“

Branko hob die Augenbrauen. „Also ich halte auch nicht viel von offenen Beziehungen. Wenn man sich für eine Person entscheidet, dann muss man das auch voll und ganz machen. Also wenn beide einverstanden sind ist das vielleicht nochmal was Anderes. Aber ich würde meinen Freund glaube ich nicht teilen wollen.“

Hugo verzog leicht den Mund. Die Absurdität in diesen Worten, bei ihrem jetzigen Verhältnis, war auch Brankos selbst aufgefallen. Aber selbst wenn sie nicht fest zusammen waren, hätte Branko nicht sehen wollen, wie Hugo etwas mit einem anderen hatte. Ihn brachte ja die Eifersucht auf Alex innerlich schon fast um. Und das war schon Monate her. Er konnte und wollte sich partout nicht vorstellen, wie er Hugo berührt hatte und ihn zu Sachen überreden wollte, die ihm nicht gefielen. Bei dem Gedanken wäre er am liebsten noch einmal zurückgegangen.

„Das war also Alex,“ murmelte Branko irgendwann leise.

Hugo nickte leicht. „Ja das war er.“


Branko war nachdenklich den Abend über. Ihn ließen die Gedanken einfach nicht los. Alles was in letzter Zeit passiert war. Sein Verhältnis zu Hugo und das zu Leo. Und auch Alex spukte immer wieder darin herum. Er konnte Hugo offensichtlich nicht wirklich vergessen. Vielleicht ärgerte er sich sogar, dass er ihn verloren hatte. Wieso sollte er sonst auftauchen? Und Hugo hatte erzählt, dass er ihn angerufen hatte, an ihrem eigentlichen Jahrestag. Scheinbar vermisste er ihn doch und Branko hätte gerne gewusst, ob es das erste Mal war, dass er Kontakt zu Hugo suchte. Er wollte das Thema allerdings nicht anschneiden, denn Hugos Laune hatte sich gerade erst wieder gebessert.

Das andere war Leo. Wieso er wieder da war, wusste Branko zwar, aber nicht, weshalb er sich wieder bei ihm gemeldet hatte. Steckte da irgendetwas hinter oder war es wirklich nur wie er gesagt hatte? Dass er Branko vermisst und es bereute, wie er sich verhalten hatte. Andere Gründe wollten Branko partout nicht einfallen. Natürlich hatte er sich oft gewünscht, dass Leo wieder ein Teil seines Lebens war, aber die Enttäuschung hatte alle anderen Gefühle überschattet. Und der Wunsch mit ihm zusammen zu sein, war schnell in Vergessenheit geraten. Branko konnte sich auch absolut nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, hätte Leo wider erwarten seine Gefühle erwidert. Wären sie dann ein Paar geworden? Die Vorstellung an einen schwulen Leo war irgendwie absurd. Und Branko verstand selbst nicht mehr so ganz, was er sich damals erhofft oder vorgestellt hatte.

Er hatte nie wirklich daran gedacht, wie es wäre mit ihm zu schlafen, weil er sich nie ein genaues Bild davon hatte machen können.

Ja, er fand Leo immer noch überaus attraktiv und mit seinem Lächeln konnte er jeden sofort um den Finger wickeln, aber Branko wusste wirklich nicht, wie er heute zu dem Thema stand.

Und dann war da noch Hugo, der nun am Herd lehnte und ein Glas Wasser trank. Und Branko wusste eigentlich genau, dass er alles andere vergessen sollte. Er hatte doch eigentlich schon alles was er wollte. Was interessierten ihn da Alex oder Leo?

„Was ist los?“ fragte Hugo und legte den Kopf schief.

„Ich denk nur ein bisschen nach,“ murmelte Branko leise, der am Tisch saß. Er streckte die Füße aus und betrachtete seine löchrigen Socken. Der große Zeh guckte heraus.

„Darüber, ob du besser neue Socken kaufen oder doch lieber selbst stricken solltest?“ lachte Hugo, der auch Brankos Füße beäugte.

„Nein. Keine Ahnung. Es ist so viel passiert in letzter Zeit. Und morgen muss ich zu einem Auftritt von Leas Tanzgruppe. Also ich habe ihr jedenfalls versprochen zu kommen.“

Hugo setzte sich neben ihn an den Tisch. „Willst du das ich mitkomme oder ist das jetzt nur ein Ablenkmanöver?“

Branko hob den Blick und schaute Hugo an. „Natürlich kannst du gerne mitkommen, aber eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich da wirklich keine Lust drauf habe. Lea würde sich bestimmt freuen. Sie mag dich.“

„Alle mögen mich.“ Dabei grinste er leicht verschmitzt. Und damit konnte er sogar irgendwie recht haben. Branko konnte sich jedenfalls wie gesagt nicht vorstellen, dass es eine Person gab, die Hugo nicht leiden konnte.

„Ja,“ murmelte er nur. „Sie weiß ohnehin schon, dass da was zwischen uns läuft, von daher…“

„Da läuft was zwischen uns?“ kicherte Hugo und lehnte sich vor, um Branko in die Seite zu pieksen. „Auf welchem Stern lebst du denn?“ Er lachte und Branko packte seine Hand, um ihn von weiteren Vorstößen abzuhalten.

„Keine Ahnung. Auf einem, auf dem was zwischen uns läuft?“ antwortete Branko kurz hin und zuckte die Schultern. Wieder ein Grinsen von Hugo und er streckte sich und gab Branko einen sanften Kuss. Dieser zog ihn daraufhin feste an sich und drückte seine Lippen auf Hugos. Auf seine wirklich schönen Lippen, die diesen Kuss genau so leidenschaftlich erwiderten, wie er gemeint war.

„Ja das klappt jedenfalls schon sehr gut,“ flüsterte Hugo nach einer Weile leise. „Wenn ich noch ein bisschen mehr davon bekomme, überlege ich es mir vielleicht nochmal, ob ich dich morgen begleite.“

Jetzt war es an Branko zu grinsen. „Das ist Erpressung, das ist dir schon bewusst oder?“


„Der Auftritt ist um 17 Uhr,“ murmelte Branko, als er noch leicht verschlafen mit Hugo in der Küche stand. Er hatte sich noch nicht wirklich daran gewöhnt mit jemandem im Bett zu schlafen und war mehrmals aufgewacht. Er gähnte leicht und streckte sich kurz.

Hugo schaufelte sich währenddessen einen Löffel voll Müsli in den Mund.

„Willst du echt nichts?“ fragte er mit vollem Mund. Seine Angewohnheit während des Essens zu reden brachte Branko manchmal leicht aus dem Konzept.

„Ne danke. Willst du denn jetzt mit?“ fragte Branko nach und lehnte sich leicht gegen den Küchentisch.

„Ich weiß nicht, ob du dir das verdient hast,“ meinte Hugo nachdenklich und tippte sich mit dem Löffel gegen die Schläfe.

Branko schnaubte und lachte zu gleich, etwas ungläubig schüttelte er den Kopf. Er wusste nicht recht, was er darauf erwidern sollte.

„Ja Branko du solltest gar nicht davon ausgehen, dass deine Leistung ausgereicht hat, um meine Gesellschaft heute Nachmittag genießen zu dürfen.“

„Also sehen wir uns dann so gegen viertel vor fünf da. Ich schick dir nochmal die genaue Adresse,“ meinte Branko und ging in Richtung Küchentür.

„Du bist ja ganz schön von dir eingenommen,“ meinte Hugo und grinste jetzt.

Branko drehte sich noch einmal um und ging zu Hugo zurück. „Ich glaub ja, dass meine Leistung mehr als ausreichend war,“ grinste er und drückte Hugo einen kurzen Kuss auf den Mund.

„Grüß Leo von mir,“ rief dieser also Branko schon im Flur war und er war sich nicht ganz sicher wie das gemeint war.

Branko hatte sich am Abend zuvor noch mit Leo für diesen Vormittag verabredet. Leo hatte ihm geschrieben, als er gerade mit Hugo auf der Couch gesessen und ein bisschen ferngesehen hatte.

Branko war etwas unbehaglich zumute, weil er keinen blassen Schimmer hatte, wie ihr Treffen ablaufen würde. Aber es musste unweigerlich irgendwie stattfinden. Denn es waren noch zu viele offene Fragen und Branko war viel zu neugierig ein bisschen mehr von Leos Seite der Geschichte zu erfahren.


Leo wohnte momentan wieder bei seinen Eltern in ihrer Heimatstadt und Branko nahm den Bus um viertel vor zehn. Es war nicht wirklich weit. Lediglich zwanzig Minuten. Er hoffte irgendwie, dass Leos Mutter arbeiten war. Er hatte sie zwar immer sehr gemocht und einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend in ihrem Haus verbracht, aber es würde die ganze Situation nur noch merkwürdiger gestalten.

Leo wartete bereits an der Bushaltestelle. Die Hände in den Hosentaschen vergraben. Er trug eine dunkle Jeans und eine dunkelgrüne Jacke, die wie immer viel zu dünn für das Wetter wirkte. Er konnte sich einfach nie wettergerecht anziehen. Das war früher schon immer so gewesen. Mit den kurzen blonden Haaren sah er irgendwie so anders aus als früher. Sein Kopf wirkte dadurch viel kantiger.

Er lächelte, als Branko ausstieg und kam auf ihn zu. Branko vergrub auch seine Hände in den Hosentaschen, weil er nicht so recht wusste, was er damit anfangen sollte. Umarmen war ihm irgendwie zu viel und ein Handschlag kam ihm komisch vor.

„Hey,“ murmelte er und lächelte leicht zurück.

„Hallo,“ machte Leo und wippte nun leicht vor und zurück. Offensichtlich war Branko also nicht der einzige, der etwas nervös war.

Ohne irgendwas zu sagen, gingen sie nach links die Straße entlang. Den Weg zu Leos Haus hatte er natürlich nicht vergessen, auch wenn er eine ganze Weile nicht mehr hier gewesen war.

Das Haus stand in einer Siedlung mit vielen Einfamilienhäusern und sie liefen vielleicht fünf Minuten, bis sie angekommen waren. Dabei redeten sie nicht viel. Leo erzählte nur davon, wie es war wieder zuhause zu wohnen und dass er eigentlich gerne ausziehen würde, es sich momentan aber nicht leisten konnte.

„Warum bist du damals eigentlich nach Stuttgart gegangen?“ fragte Branko, grade als Leo die Haustür aufschloss. “Hättest du nicht auch hier in der Gegend studieren können?” Er wusste, dass er damit direkt ins kalte Wasser sprang, aber er wollte nicht weiter um den heißen Brei herum reden.

„Du weißt, dass mein Abi nicht so hervorragend war, also hat sich die Auswahl in Grenzen gehalten. Und Stuttgart ist eigentlich ganz cool.“

„Also war es nicht, weil du hier weg wolltest?“

Leo warf Branko einen irritierten und bestürzten Blick zu. „Nein. Natürlich nicht. Das lag wirklich nicht an dir, falls du das meinst.“

Sie betraten das Wohnzimmer und Branko fühlte sich ein bisschen so, als würde er nach Hause kommen. Es sah alles noch so aus wie früher. Die Couch stand noch am selben Platz, der Esstisch auch und die Fensterfront, die zum Garten hinausging, war sauber, wie eh und je.

„Willst du was trinken? Oder was essen?“

„Ein Wasser wäre vielleicht nett,“ murmelte er und sah sich weiter um. Auf dem Couchtisch lagen Zeitschriften, eine Vase mit Blumen stand auf dem Esstisch. Alles wirkte irgendwie heimelig.

„Setz dich,“ meinte Leo und verschwand in der Küche. Branko setzte seinen Rucksack ab und zog die Jacke aus, bevor er sich auf die Couch setzte.

Leo kam kurz darauf mit zwei Gläsern zurück und setzte sich zu ihm.

„Also ehrlich. Es hatte wirklich nichts mit dir zu tun. Ich fand es aber auch schön, mal etwas anderes zu sehen.“

„Mhm,“ machte Branko und nahm einen Schluck Wasser.

„Wie geht’s Lea?“ fragte Leo und lehnte sich zurück. Er verschränkte die Hände im Nacken und schaute Branko interessiert an.

„Sie ist wirklich richtig erwachsen geworden,“ murmelte er. „Man kann ihr jedenfalls nicht mehr so einfach was vormachen.“

Leo lachte. „Ja klar. Hat sie Hugo eigentlich schon kennengelernt?“

Branko hatte gewusst, dass Leo ihn darauf ansprechen würde. „Ja. Ich habe ihr aber gesagt, dass er nur ein Freund ist.“

Branko spielte am Reißverschluss von seinem Rucksack, der neben ihm stand. Es war komisch mit Leo über ihn zu sprechen. Branko hatte sich nie wirklich bei ihm geoutet. Es war mehr oder weniger ein offenes Geheimnis gewesen und Leo hatte ihn früher auch nie darauf angesprochen. Aber er hatte es gewusst, da war Branko sich sicher. Branko hatte sich eine Weile mit einem Typen getroffen, den er im Internet kennen gelernt hatte und der in der Nachbarstadt auf die Schule gegangen war. Und er war sich ziemlich sicher, dass Leo auf irgendeine Art und Weise davon erfahren hatte. Er musste es gewusst haben, denn er hatte ihn einmal darauf angesprochen. Aber Branko war sehr ausweichend gewesen war, als er ihn danach fragte.

„Mir habt ihr das auch erst als Freundschaft verkauft. Und dann küsst ihr euch in der Öffentlichkeit. Das ist eine ganz schön merkwürdige Freundschaft, die ihr da habt.“

Branko verzog den Mund. „Ich weiß,“ murmelte er leise.

„Er wirkt doch nett, wieso machst du das nicht klar?“ Leo grinste ihn an, aber Branko war die Unterhaltung über Hugo nicht so lieb.

„Anstatt mir Beziehungstipps zu geben,“ meinte er, „sag mir doch lieber, was du eigentlich von mir willst.“

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Heyyyy, Salto,

danke für den schönen neuen Teil :slight_smile:

Jetzt weiß Hugo immerhin, weshalb Leo und Branko zwischendurch keinen Kontakt hatten. Leider hat Hugo damit recht, dass es oft schwierig und kompliziert ist, wenn sich ein schwuler Freund in einen hetero Freund verliebt. Ich denke es ist bei vielen Menschen so, dass sie bei Alkohol Dinge gestehen, die sie sonst nicht gestehen würden. Branko tut mir wirklich leid, denn Leo, scheint echt ein hübscher Junge zu sein und sehr nett. Ich denke, dass damals der Kontakt daran zerbrochen ist, liegt nicht nur an Leo. Es gehören immer zwei dazu.

Alex scheint ja echt ein Arschloch zu sein. Er ist mir jetzt schon total unsympathisch und scheint sehr selbstbewusst zu sein und sehr überheblich. Er bildet sich ja ganz schön viel auf sich ein. Er kann Hugo wohl nicht loslassen und denkt/ bildet sich wohl etwas darauf ein, ihn zurück zu gewinnen.
Das er ihn ausgerechnet dort im Café aufsuchen muss, während Branko da ist. Wenigstens weiß er jetzt, was Alex für ein Arschloch ist. Kein Wunder, dass danach die Laune bei den beiden und besonders bei Hugo, derart im Keller ist.

Ich bin schon gespannt, wie der Auftritt, von Lea sein wird.

Es ist schön zu lesen, dass Leo und Branko sich aussprechen wollen. Ich bin echt gespannt, was dabei herauskommt. Ich kann Branko sehr gut verstehen, dass Branko sehr gespannt ist, warum Leo plötzlich jetzt auftaucht. Ich habe da ja so einen Verdacht. Könnte es sein, dass Leo damals den Schwanz eingezogen hat, weil er selber in Branko verknallt war. Das er deswegen damals so kalt gegenüber Branko war. Er hatte vllt Angst, sich selber seine Gefühle einzugestehen und ein Problem damit, Schwul zu sein?
Wer weiß, wer weiß :stuck_out_tongue:

Freue mich bereits auf den nächsten Teil :slight_smile:

PS: Bitte mache die nächsten Teile etwas kürzer. Die Teile sind etwas lang und es ist etwas schwierig auf die langen Kapitel ausführlich zu antworten.