Was hilft euch dabei herauszufinden wer ihr seit?

Mir fällt es sehr schwer herauszufinden was ich eigentlich möchte und wer ich bin. Das ist teilweise so schlimm, dass es mir echt auf das Gemüt schlägt und ich, so wie die ganzen vergangenen Tage, sehr depressiv bin und nicht weiß wohin mit mir. Wer bin ich und was möchte ich?

Immer wieder stellt es mich vor eine Herausforderung, dabei verheiratet zu sein und ich frage mich zu nehmend, hält die Ehe das aus? Ist es wert sich selbst zu verstellen um die Ehe zu halten? Ist ein klarer schnitt sinnvoller um mein eigenes ICH zu entdecken und zu verstehen?

Ist es richtig das Gefühl zu haben mich anderen gegenüber zu verstellen oder zu Kostümieren?

Wer noch weitere Informationen zu meiner Person braucht kann mich gerne einfach fragen. Ich bezeichne mich aktuell als Genderfluid, das gibt am ehesten wieder wie ich mich fühle. Ob dieses Label richtig ist, habe ich noch nicht herausgefunden.

Ich bin auf eure Meinung gespannt.

Hallo Alfie,

sowas ist denke ich für jeden in dieser Situation sehr schwierig. Manche geben die Ehe auf, andere schaffen es, sich mit der Ehefrau zu arrangieren, zum Beispiel der Kinder wegen. Auch das kann gut funktionieren.

Tatsache ist, dass es immer ein Problem ist, in einer Ehe mit Geheimnissen dieser Größe zu leben. Ich habe selber eine Frau - wir wissen aber jeweils von den Bedürfnissen und Wünschen des anderen und reden auch darüber.

Das war allerdings schon vorher so und ist sicherlich eine eher spezielle Konstellation. :wink:

Die eine Sache ist, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und nicht immer im Zweifeln zu leben, die andere ist aber, was man damit tut. Es hängt davon ab, was du aus deinem Leben machen willst. Nur weil ich beispielsweise einen hübschen jungen Mann sehe, will ich deswegen nicht gleich meine Frau sitzen lassen. Das geht sicher auch vielen „normal veranlagten“ so. Ich habe eben Kinder, eine Frau mit der ich offen über alles reden und auch gewisse Fantasien ausleben kann.

Es gibt halt auch einen Unterschied dazwischen, ob man sich sexuell zu einer anderen Person (oder einer Personengruppe/…) hingezogen fühlt, oder ob man dann mit jemandem der diesem Bild entspricht (zum Beispiel ein gleichgeschlechtlicher Partner) auch unbedingt sein Leben verbringen will.

Ich dachte früher, dass das so wäre, dann habe ich meine Frau kennengelernt. Für uns ist unser Leben, das wir uns gemeinsam aufbauen, im Mittelpunkt. Das mag aber nicht für jeden funktionieren.

Ich sehe es als problematisch an, einen Teil von sich so komplett zu verstecken oder zu unterdrücken, und das merkst du ja auch selber. ich bezweifle aber, dass die Antwort darauf immer sein muss, alles hinzuwerfen, einen „sauberen Schnitt“ zu machen, und jetzt jedes Wochenende auf Schwulenparties zu gehen, Mal so überspitzt gesagt.

Letzten Endes gibt es viele Lösungen und es hängt auch ganz stark davon ab, wie deine jetzige Ehe läuft und ob ihr miteinander kommunizieren könnt, nicht nur sich selbst ausschütten, sondern auch dem anderen zuhören, gegenseitig.

Ich wäre vorsichtig damit, das, was man hat, aufzugeben für ein „vielleicht“ in der Zukunft. Gleichzeitig ist es wichtig, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und auch offen darüber sprechen zu können, wo auch immer.

Es könnte dir helfen, Mal ein paar Geschichten zu lesen, zum Beispiel hier, oder falls Englisch für dich kein großes Problem ist auch auf www.gayauthors.org

Da gibt es auch einige Autoren, die sich mit solchen Dingen beschäftigt haben. Das ist, was die Selbstfindung und Reflektion betrifft, etwas sicherer und einfacher, als gleich im echten Leben sich auszuprobieren.

Ich wünsche dir viel Glück und dass du die für dich richtige Entscheidung triffst. :slight_smile:

Beste Grüße
Sammy

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