Auszug aus meiner Lebensgeschichte

Hey, ich bin jetzt nicht neu hier, bin aber auch nicht so der aktive Poster, eher der stille Leser. Im Chat bin ich ab und an mal aktiv. Allerdings habe ich seit ein paar Wochen ein Verlangen mir einiges von der Seele zu schreiben, einen Auszug aus meinem Leben, die Entwicklung, die ich durchgemacht habe, zu dem Menschen, der ich heute bin.

Der beste Startpunkt ist wohl Februar 2008. Wir waren auf einer von der Schule organisierten einwöchige Sprachreise nach Hastings in England. Wir waren bei Gasteltern untergebracht und ich war in der einzige Gruppe, die zu viert bei einer Familie gewohnt haben. Darunter auch P. Wir hatten uns sowieso verabredet zusammen bei einer Familie zu leben. Insgesamt haben wir während der Fahrt viel Zeit zusammen verbracht. Und ich hatte eine schöne Zeit dort unter anderem, weil ich, damals besonders, England durch meine Lieblingsband, die Pet Shop Boys, sehr mochte, aber auch wegen P. Wir haben uns sehr gut verstanden und ich musste oft an ihn denken. Ich war glücklich, wenn ich in seiner Nähe war. Ich habe ihn gerne angeschaut und ich hatte das Bedürfnis, ihn noch näher zukommen. Nach ein paar Tagen dämmerte es mir: kurz vor meinem 16. Geburtstag habe ich mich zum ersten Mal in meinem Leben verliebt. Durch diese Reise waren wir uns freundschaftlich näher gekommen, aber eine Beziehung war nicht möglich, da er Hetero ist. Aber das hatte mich damals nicht gestört, ich war nicht unglücklich darüber. Aber eine Lehrerin meinte, dass ich in den kommenden Monaten trauriger wurde. Aber wie gesagt, ich merkte nicht, dass ich trauriger wurde. Allerdings konnte ich damals auch niemanden von meinen Gefühlen erzählen. Einmal, weil wir in meiner Familie weniger über Gefühle und auch Sexualität geredet haben. Zum anderen, befürchtete ich, dass ich dann erst recht zum Außenseite in der Klasse geworden wäre, wenn herauskäme, dass ich auch auf Männer stehe. Persönlich hatte ich kein Problem damit was für Männer zu empfinden, aber ich hatte Angst, wie mein Umfeld darauf reagiert.

Zu dieser Zeit dachte ich auch, ich sei Bi. Tatsächlich hatte ich kurze Zeit später auch irgendwelche Gefühle für ein Mädchen aus meiner Klasse. Aus heutiger Sicht gut, dass daraus nichts geworden ist, da wir beide unglücklich geworden wären. Denn 2010 merkte ich dann, dass ich nur Jungs hinterher schaute. Mädchen interessierten mich nicht. Inzwischen war ich auch am Gymnasium. In einer Klasse, die sich seit fünf Jahren kannten. Ich war ein größerer Außenseiter als an meiner alten Schule. Ich wurde schon so gemobbt, da ich eher introvertiert bin und wegen meiner Stimme. Dadurch lebte ich mich nicht in die neue Umgebung ein. Meine Leistung war nicht berauschend, wodurch ich noch mehr gemobbt wurde und ich mich dann auch immer mehr zurückzog. Ich dachte auch darüber nach, einfach abzuhauen. Einfach irgendwo anders zu leben. Wäre damals raus gekommen, dass ich schwul bin, wäre ich noch mehr gemobbt wurden, zumal in der Parallelklasse ein rechter Schüler war, der offen sagte, dass " man Schwule vergasen sollte." Die einzige Zuflucht und den einzigen Trost fand ich in der Musik. Bei Bands wie Hurts oder Depeche Mode fühlte ich mich verstanden. Allerdings konnte meine damalige Musiklehrerin mich nicht leiden und sie hat mir fast die Lust an der Musik genommen, was mich zerstört hätte. Doch sie schaffte es nicht. Allerdings schaffte ich das Gymnasium trotz aller Umstände, zwar nicht mit einem guten Schnitt, aber ich war Stolz, dass ich es absolviert habe.

Danach begann ich eine schulische Ausbildung. Wir schreiben jetzt das Jahr 2012. In der Berufsschulklasse fand ich auch einen neuen Kumpel. Er war auch eher ein Außenseiter und wir haben auch außerhalb des Unterrichts viel Zeit miteinander verbracht und ich merkte schnell, da ist was. Ich habe mich zum zweiten Mal wirklich verliebt. Am 17.12.2012 kam das Thema Mädchen auf, dass bei den Klassenkameradin keine für ihn dabei wäre und wie es bei mir aussieht. Innerhalb von Sekunden nahm ich meinen Mut zusammen und outete mich. Er meinte, dass er trotzdem mit mir befreundet bleiben würde, wenn es rauskäme. Hörte sich gut an, da wir ja mit 8 Schülern eine kleine Klasse waren und bei den Mitschülern eine krasse Christin; ein wirklich homophober, mit dem ich mich abseits davon verstand und 3 „coole“ Typen, die gerne einen Spruch drückten. Was er nicht wusste: dass ich in ihn verliebt war. Er ist allerdings auch konservativ. Im Sommer 2013 konnte ich es nicht mehr verheimlichen und gestand ihm meine Gefühle. Da meinte er, dass er nicht mehr darüber reden will und es auch niemand in der Klasse erfahren solle. Falls doch, dass er dann nicht mehr mit mir befreundet sein will. Er hatte Angst, dass er als schwul abgestempelt wird. In der folgenden Zeit, veränderte er sich und ich erkannte ihn nicht wieder. Das hat mir auch die Augen geöffnet und ich war von meinen Gefühlen erlöst. Ich schmiedete neue Pläne. Ich wollte in einem anderen Bundesland studieren. Ich wollte raus aus diesem konservativen und teils rechten 18.000 Einwohner Städtchen, in dem ich meinen ganzen 21 Jahre verbrachte. Ein kompletter Neuanfang. Dieser Entschluss war großartig. Ich fühlte mich wie ein Kämpfer.

Allerdings brannte mir noch was auf meiner Seele: Meine Mama wusste noch nicht, dass ich schwul bin. Ich entschloss mich, alles von der Seele zu schreiben und so entstand ein sechsseitiger Brief und ihn ihr zu überreichen, wenn mein Papa arbeiten war. Zu der Zeit hatte mein Papa aber leider einen Unfall. Er wurde auf dem Fahrrad angefahren. Zum Glück musste er nicht ins Krankenhaus, aber er konnte ein halbes Jahr nicht arbeiten, weswegen ich meiner Mama den Brief nicht geben konnte. Am 18. März 2014 war es dann aber soweit. Meine Mama fuhr mich zur Berufsschule. Als sie mich absetzte, gab ich ihr denn Brief mit der Bitte, ihn bis zum Nachmittag zu lesen. Den ganzen Tag über war ich so nervös, wie noch nie. Meine Mitschüler merkten dies, doch konnte ich nichts sagen. Am Nachmittag bin ich dann nach Hause gegangen. Es war schönes Wetter und ich hörte Lady Gaga. Das beruhigte mich etwas. Doch Zuhause wurde es wieder schlimmer, da meine Mama sich verspätete. Ich befürchtete das Schlimmste. Da ich auch Einzelkind bin, war das ja jetzt auch nochmal eine besondere Situation. Irgendwann kam meine Mama nach Hause. Sie erzählte, dass bei der Arbeit viel zu tun war, sie auch zur Post musste, es dort auch voll war und sie sich deshalb verspätete. Dann kam sie in mein Zimmer, wo ich wartete und meinte, dass es überhaupt nicht schlimm ist und sich nichts ändern wird. Mir viel ein riesiger Stein vom Herzen. Seitdem verstehen wir uns auch noch besser als vorher und ich kann viel offener mit ihr reden. Dabei erfuhr ich auch, dass meine Tante, welche am anderen Ende der Republik wohnt, seit Jahren mit einer Frau zusammen lebt. ^^ Meine Mama meinte aber auch, dass wir meinem Vater vorerst nichts sagen sollten, womit ich auch einverstanden war.

Im September 2014 begann dann ein neuer Lebensabschnitt, mein Neuanfang: mein Studium in Fulda. Eine komplett ungewohnte Situation. Zum ersten Mal auf mich alleine gestellt in einer neuen Umgebung. Die ersten zwei Wochen fühlte ich mich auch sehr alleine, doch dann begann der Mathevorkurs und ich lernte zum ersten Mal meine Kommilitonen kennen. Aber erst so im zweiten oder dritten Semester lernte ich dort wirklich gute Freunde kennen unter anderem auch meine beste Freundin Jana. Insgesamt war ich auch viel offener und ich versteckte meine Homosexualität nicht mehr. Ich unternahm viel mit meinen Kommilitonen, besonders mit Jana. Allerdings hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Kontakt zu anderen Homosexuellen. Deshalb überredete Jana mich im Sommer 2016, mit ihr zu einer Schwulenparty in Frankfurt(M) zu fahren. Da ich absolut kein Partymensch war und auch noch keinen Alkohol getrunken habe, hatte ich große Angst. Trotzdem stimmte ich zu. Es war schwierig für mich, aber irgendwann kam ich ins Gespräch mit jemanden. Ich hätte sogar meinen ersten Kuss haben können, aber ich fühlte mich noch nicht bereit.

Ein halbes Jahr verging, indem ich keinen Kontakt zu anderen Homosexuellen hatte. Daraufhin meldete Jana mich bei Parship und LoveScout an. Auf der letzteren Plattform lernte ich jemand kennen, mit dem ich mich gut verstand, F. Allerdings lebte er in der Nähe der französischen Grenze und war 8 Jahre älter als ich. Das Alter war damals schon ein kleines Problem, doch ich arrangierte mich damit. Doch irgendwann gestand er, dass er eigentlich nochmal 5 Jahre Älter ist, was dann insgesamt doch zu einem kleinen Knick im Kontakt führte. Trotzdem verabredeten wir uns im März 2017. Ich besuchte ihn und übernachtete sogar bei ihm. Eigentlich ziemlich riskante Aktion. Es ist aber nichts passiert. Allerdings war ich auch ziemlich nervös und nicht sehr gesprächig. Das gefiel ihm wohl nicht und nachdem wir uns verabschiedet haben, ghostete er mich. Ich versuchte sogar ein baldiges Wiedersehen zu arrangieren, da er mir doch sympathisch war, aber keine Reaktion. Das hat mich sehr verletzt und ich litt zwei Monate darunter.

Im Mai 2017 lernte ich dann T. kennen. Wir kamen schnell ins Gespräch und verstanden uns sehr gut. Allerdings lebt er in Potsdam, also nochmal 100km weiter entfernt als zuvor. Aber wir haben uns doch verabredet und ich fuhr an Pfingsten zu ihm. Wir gingen dann erstmal nett essen und ich war wieder sehr nervös, aber gesprächiger als mit F. Wir redeten über Literatur und Musik und ich hatte das Gefühl, dass es doch sehr gut lief. Dann sind wir zu ihm gefahren. Dort hat er dann gemeint, dass er während des Essens gemerkt hatte, dass es mit uns nicht für eine Beziehung passt. Das überraschte mich dann doch schon und ich war etwas geschockt. Er fragte mich, ob ich denn dann noch bleiben möchte, was ich natürlich bejahte. Daraufhin legte er seine Hand auf meine Oberschenkel und fragte nochmal nach, ob ich denn wirklich noch keine sexuelle Erfahrung hätte, woraufhin ich auch wieder mit Ja antwortete. Ich hatte es ihn schon zuvor in einer Nachricht geschrieben. Dann wollte er wissen, ob ich denn Interesse hätte, mit ihm zu schlafen oder ob wir was anderes machen sollten. Da ich doch sehr neugierig war und ich ihn attraktiv fand, meinte ich, dass ich Interesse hätte. Er ging mit einer weiteren Nachfrage nach ob ich wirklich sicher wäre und ja, das war ich. Daraufhin hatte ich mein erstes Mal überhaupt und das mit 25, allerdings noch nicht Anal. Es war schön, aber doch anders als ich es mir vorstellte. Wir verbrachten auch den Tag und die Nacht zusammen, haben Potsdam erkundet und auch noch drei weitere Mal miteinander geschlafen. Am nächsten Tag fuhr ich zurück nach Fulda und ich vermisste ihn dann wirklich sehr. Die Hoffnung lebte weiter, dass er es sich vielleicht doch nochmal anders überlegte, doch dem war nicht so. Ich fragte irgendwann nochmal nach und da meinte er, dass sich nichts ändern wird. Das hat mich dann doch sehr getroffen und er fragte mich, ob ich denn unter diesen Umständen noch Kontakt haben möchte. Nach einer Bedenkzeit habe ich ihm dann gesagt, dass es das Beste wäre, wenn wir den Kontakt abbrechen. Er konnte es komplett nachvollziehen, war aber auch sehr betroffen darüber. Ich war auch sehr traurig an diesem Abend und ich wäre am liebsten zu Jana gefahren. Allerdings war sie gerade nicht in der Stadt, meinte aber dass ich sie am nächsten Tag an ihrer Arbeitsstelle besuchen solle, was ich auch tat. Aber tatsächlich war ich am nächsten Tag richtig gut drauf und ich schaute wieder positiv in die Zukunft. Der klare Schnitt tat mir gut.

Im September 2017 lernte ich dann über Parship D. kennen. Es bestand auf Anhieb eine große Sympathie wir schrieben wirklich lange Nachrichten. Leider lebt er in Bochum. Aber von beiden Seiten war das Interesse auf ein Treffen groß. So verabredeten wir uns. Er besuchte mich. Wir verbrachten einen schönen Nachmittag und Abend zusammen. Wir gingen erst spazieren und dann essen. Wir verstanden uns blendend. Allerdings verabschiedeten wir uns am Abend schon wieder, doch wir beide wollten uns wiedersehen. Der Kontakt und die langen Nachrichten behielten wir aufrecht. Aber im Dezember, nachdem ich ihn fragte, ob wir uns den bald wieder mal treffen wollen, reagierte er erst nicht, doch dann meinte er, dass er gerade keine Zeit für ein Treffen hätte. Insgesamt war der ganze Kontakt plötzlich einseitiger geworden, was mich sehr belastete. Da ich zu der Zeit Prüfungen hatte, habe ich ihn erstmal informiert, dass ich für zwei Wochen nicht schreiben, um mich aufs Lernen zu konzentrieren. Doch als ich danach wieder schrieb kam nichts zurück. Ich wurde wieder geghostet. Das hat mich sehr getroffen, da ich doch erst dachte den richtigen gefunden zu haben.

Zwei Monate später, Ende April 2018, habe ich über Planetromeo A. kennengelernt. Er war aus meiner Stadt und wir verabredeten uns zwei Tage später fürs Essengehen und Kinobesuch. Ich war aber maximal auf eine F+ aus. Es fühlte sich alles so leicht und sorglos an. An dem Tag hörte ich oft den Song Love at first sight von Kylie Minogue, von der ich kurz zuvor Fan wurde. Es war zwar keine Love at first sight mit A. aber der Song strahlt diese Leichtigkeit aus, die ich damals empfand. Nach dem Kino verabschiedeten wir uns, sahen uns aber zwei Wochen später, an Pfingsten, wieder. Ich besuchte ihn und übernachtete auch bei ihm. Dabei haben wir zum ersten Mal miteinander geschlafen. Was schön war. In den kommenden Wochen trafen wir uns immer Mal wieder. Ich hatte mit ihm auch mein erstes Mal Anal, was mir doch sehr unangenehm war und das, obwohl ich aktiv war. An einen Abend erinnere ich mich besonders. Er fragte mich um 23 Uhr, ob wir uns spontan treffen wollen. Ich sagte zu und er kam mir dann auch entgegen. Wir spielten Pokémon Go, haben uns super unterhalten, als wir uns auf eine Bank setzten, legte seinen Kopf auf meine Schulter, wir redeten einfach, später hat er mich auch im freien geküsst, was er normalerweise nicht tut (ja, es war dunkel aber trotzdem), wir schauten dann bei ihm einen Film, wir hatten unglaublichen Sex und zwar Anal. Es war viel besser als das erste Mal und es war insgesamt der schönste Abend, den ich bis dahin hatte. Zu dem Zeitpunkt war ich aber schon in ihn verliebt. Er meinte dann zwei Wochen später, dass ihm durch seine Therapie, die er gerade machte, merkte, dass er auch eine Beziehung möchte, allerdings nicht mit mir, aber er hatte auch niemand anderes mit dem er sich jetzt eine Beziehung vorstellen konnte. Auf jeden Fall war der Kontakt dann schwieriger, weil ich schon gerne mit ihm zusammen gewesen wäre. Da uns die Situation nicht gut tat, sind wir beide zu dem Entschluss gekommen, den Kontakt abzubrechen. Ich habe bitterlich geweint, doch noch am selben Nachmittag habe ich neue Pläne gemacht und es ging mir plötzlich richtig super. Wie schon bei T. tat mir der klare Schnitt richtig gut.

Nicht einmal zwei Tage später bin ich alleine nach Frankfurt zu einer Schwulenparty gefahren. Wie gesagt, Partys lagen mir eigentlich nicht und ich stand dann auch nur am Dancefloor ohne zu tanzen oder was zu trinken. Einerseits fühlte ich mich nicht wohl, andererseits wollte ich es auch. Deshalb bin ich dann eine Wochen zu einer anderen Gayparty in Frankfurt gefahren, doch wieder das gleiche wie zuvor. Doch dann eine Woche später auf einer Schwulenparty in Mainz war es ganz anders. Ich habe zum ersten Mal Alkohol getrunken, einen Cuba Libre. Ich wurde lockerer. Die Musik war besser, ich konnte schon bisschen tanzen. Ein weiterer Cuba Libre. Der Knoten war geplatzt. Ich bin beim Tanzen aus mich rausgekommen. Dann ein dritter Cuba Libre. Mir wurde schlecht,. Ich musste mich einige Minuten ausruhen. Danach ging es wieder. Also zurück auf die Tanzfläche. Es hat nicht lange gedauert, dann habe ich mit jemanden getanzt. Wir haben kein Wort miteinander geredet, nur getanzt und uns irgendwann geküsst. Ich habe einfach den Moment gelebt. Dann hat er sich mit einem Handzeichen verabschiedet und ich habe dann einfach weitergetanzt, bevor ich mich im Morgengrauen zurück nach Fulda gemacht habe. Der Party-Tobi war geboren. In den nächsten Wochen bin ich öfter nach Mainz zu dieser Party gefahren und hatte schöne Abende, selbst als ich mein Praxissemester in Thüringen absolviert habe. Zum ersten Mal war ich auch glücklich mit meinem Singleleben und ich habe dessen Freiheiten genossen und ausgelebt.

Dieses Mindset habe ich bis zum Sommer 2019 aufrecht erhalten können. Inzwischen lebte ich wieder bei meinen Eltern in der Nähe von Magdeburg. Ich wollte weiterhin das Singleleben ausleben und nach meiner Bachelorarbeit einen Job im Ruhrgebiet suchen, wo Jana inzwischen mit ihrem Freund lebte. Doch schon im April 2019 erhielt ich eine Nachricht von M. über Planetroemeo. Es war entweder nur ein Hi oder nur ein Taps und er hatte auch nur ein Bild von seinem Hinterkopf und Rücken in seinem Profil und auch nicht viel über sich geschrieben. Normalerweise hätte ich ihn nicht geschrieben, doch er hatte ein Zitat aus einem Depeche Mode Song in seinem Profil. Da dachte ich einfach, schreib ihn zurück, vielleicht findest in ihm einen Kumpel, vielleicht spielt er auch ein Instrument und dann könnte man zusammen Musik machen oder so. Der Kontakt kam zustande. Wir verstanden uns gut und trafen uns immer häufiger. Aber ich wollte nichts festes zu diesem Zeitpunkt, da ich diese Pläne hatte und mein Singleleben genoss. Doch irgendwann kamen dann doch Gefühle hoch. Da er aber Bi und ungeoutet ist, hatte ich Angst, dass er irgendwann sagen würde, dass er nicht mit einem Mann zusammen sein könne. Doch dann gestand er mir seine Gefühle. Nach einigem Zögern habe ich ihm auch von meinem Gefühlen erzählt und ja, wir kamen zusammen. Die folgenden drei Monate waren wirklich schön. Ich lernte sogar ein befreundetes schwules Paar kennen. Für mich ein Zeichen, dass er es mit mir wirklich ernst meint. Doch im Januar 2020 bemerkte ich, dass er sich emotional bisschen distanzierte. Wir hatten auch keinen Sex, da ich dachte, dass er noch Zeit bräuchte und ich ihm diese auch geben wollte. Dann kam Corona und das diente ihm dazu, mich erstmal nicht zu sehen. Ich litt sehr darunter, aber da man zu der Zeit noch nicht so richtig wusste, was Corona ist, was es anrichtet, etc. war es schon eine vernünftige Entscheidung, doch selbst als sich die Lage etwas entspannte, wollte er sich nicht mehr treffen bis ich ihn doch zu einem Treffen animieren konnte. Der Tag des Wiedersehen kam, ich machte mich bereit, war duschen doch dann kam eine Nachricht von ihm, dass es nichts wird mit dem Treffen und generell nicht mehr, da er glaubte, dass er nicht für eine Beziehung mit einem Mann gemacht ist. Mein Befürchtungen haben sich bestätigt. Mein Bauchgefühl hat sich also nicht geirrt. Es hat mir das Herz gebrochen. Er wollte weiterhin mit mir befreundet bleiben und ich willigte ein, obwohl ich wusste, dass ein klarer Schnitt das beste für mich ist. Wir schrieben noch einige Monate, doch es tat weh. Ich habe dann größtenteils geschrieben, dass ich ihn vermisse und Gefühle für ihn habe. Irgendwann ist der Kontakt dann einfach ausgelaufen und daran hatte ich lange zu knappern. Im Zuge der Trennung habe ich aber auch Steffi kennengelernt, die inzwischen auch eine sehr gute Freundin geworden ist. Aber da ich das mit M. nicht richtig abschließen konnte, ging es mir richtig schlecht, dazu dann meine Arbeitslosigkeit. Ich war am Ende.

Im April 2021 entschied ich mich dann für einen Neuanfang. Ein Masterstudium in einer anderen Gegend. Dieses Mal allerdings näher bei meinen Eltern aber trotzdem eine Großstadt. Da blieben nur noch Potsdam, Berlin und Leipzig. Letzteres wurde es dann. Auch wenn ich neue Ziele hatte, ging es mir in den kommenden Monaten noch nicht besser, teilweise hatte ich das Gefühl mich zu verlieren. Naja, dann kam der Umzug. Ich habe mich relativ schnell eingelebt und wollte jetzt eigentlich da ansetzen, wo ich vor M. aufgehört habe, Partys und Singleleben genießen. Doch da ich erstmal Probleme mit dem Bafög hatte und bis Ende Dezember keine Geld hatte, musste ich mich erstmal auf andere Dinge konzentrieren. Im Dezember 2021 konnte ich dann auch endlich mit M. abschließen, mit einem klaren Schnitt wäre es früher gewesen. Zwei Wochen später, als ich bei meinen Eltern zu Weihnachten war, (ihr wisst bestimmt was jetzt kommt) schrieb mich R. auf Planetromeo an. An diesem Tag wollte ich eigentlich erstmal nicht mehr daten, sondern meine Prioritäten anders setzen. Doch irgendwas hat mich angezogen. 1,5 Tage später konnte ich nicht anders und habe ihm geantwortet. Es entwickelte sich schnell ein tiefes Gespräch. Nach nicht einmal einer Woche, wollte wir uns dann persönlich kennenlernen, aber er ist dann schon wieder zurück nach Dresden gefahren, da er auch nur seine Eltern in Magdeburg besuchte. Also verabredeten wir uns für Mitte Januar. Wir hatten weiterhin tiefe Gespräche. Der Tag war dann endlich gekommen. Er hat mich in Leipzig besucht. Zunächst sind wir etwas spazieren gegangen, waren dann essen, wo wir uns richtig super unterhalten haben, dann haben wir noch Wein gekauft und sind zu mir gefahren. Wir haben uns dann so gut über Musik unterhalten, dabei Wein getrunken. Irgendwann haben wir dann getanzt, der Song Dancing with tears in my eyes lief, als wir uns dann zum ersten Mal küssten. Es war wunderschön. Er fragte, ob er bei mir übernachten dürfte, ansonsten würde er zu einer Freundin Leipzig fahren, mit der er sich sowieso am nächsten Tag treffen wollte. Ich war natürlich einverstanden, dass er bei mir übernachtet. Wir haben dann noch weitergetanzt. Als wir im Bett lagen uns noch Stunden unterhalten und dann unglaublichen Sex gehabt, dabei sogar ein Regal umgekippt. Es war der beste Sex, den ich bis dahin hatte und es wurde dann jedesmal noch schöner. Wir haben uns dann spontan entschieden, dass er noch drei weitere Tage bei mir bleibt, bevor er dann wieder nach Dresden musste. Doch noch am Abreisetag haben wir für nicht mal 1,5 Wochen später das nächste Treffen ausgemacht. Ich besuchte ihn dann übers Wochenende. Es war so eine schöne Zeit. Als ich dann wieder zurück musste, hofften wir beide, dass der Flixbus nicht kommen würde und ich noch einen Tag bei ihm bleiben könnte. Wenn wir uns trafen, hatte ich die schönste Zeit meines Lebens, es war so intensiv, so tief. Von Anfang an war ein tiefes Vertrauen, Verbundenheit und Seelenverwandtschaft da. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen. Noch nie habe ich jemanden so geliebt wie ihn. Nur eines hat mich gestört. Als ich ihm meine Gefühle gestand, meinte er, dass er es schon gemerkt hat, er aber noch nicht soweit ist, da er auch noch nicht seine Trennung verarbeitet hat, uns die Zeit aber auch nicht wegläuft. Es war mir aber immer ein Dorn im Auge, dass er sich weiterhin mit seinem Ex trifft. wie soll er schließlich über die Trennung, die er selbst initialisiert hat, hinwegkommen, wenn er sich immer noch mit seinem Ex trifft. Aber er möchte halt mit allen seinen Exfreunden befreundet bleiben. OK irgendwann habe ich es zähneknirschend akzeptiert und seinem Ex auch Grüße ausgerichtet. Dann im September. Die vierte Woche in Folge, dass ich ihn in Dresden besucht habe, hat er mir gestanden, dass er es nochmal mit seinem Ex versuchen möchte. Mein Bauchgefühl hatte also wieder Recht. Ich war so fix und fertig. All der Liebeskummer, den ich zuvor je hatte, war zusammen nicht so schlimm, wie das. Mein Herz wurde mir rausgerissen und weggeworfen. Beim Verfassen dieser Zeilen muss ich wieder in Tränen ausbrechen. Die nächsten zwei Wochen ging es mir richtig elendig. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, habe 8kg abgenommen. Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst. Anfang Oktober war es dann soweit, dass er es seinem Ex gesagt hat und daraufhin haben sie es noch einmal miteinander versucht. Ich brauchte dann erstmal eine Kontaktpause, da ich zwei Wochen später eine Prüfung hatte und mich darauf konzentrieren wollte. Tatsächlich habe ich an diesem Abend, an dem wir die Kontaktpause so gut wie lange nicht mehr geschlafen. Ich war auch viel fröhlicher, habe wieder gegessen, bin dann feiern gegangen. Der Party-Tobi war wieder da, ich konnte auch das erste Mal seit 2019 mein Singleleben genießen. Der Neuanfang, den ich ein Jahr zuvor wollte war endlich angebrochen. Ich habe mir neue Ziele gesetzt, allem voran meine eigene Musik weiter zu machen. Ich bin diese Ziele auch angegangen. Aus den zwei Wochen Kontaktpause sind am Ende fünf geworden, da ich nicht zuerst schreiben wollte, er sich aber auch nicht meldete. Nach fünf Wochen schrieb er mir dann doch, da er es nicht mehr aushielt. Er dachte, ich würde mich zuerst melden, aber da ich dies nicht tat, ging er davon aus, dass ich keinen Kontakt mehr möchte. Zumindest wollte ich noch einmal mit ihm reden. Doch seitdem wir wieder schreiben, geht es mir wieder schlechter. Viele Ziele außer mit der Musik habe ich gerade wieder aufs Eis gelegt. Ich bin nicht mehr frei im Kopf, woraufhin ich ihn gesagt habe, dass ich doch nochmal eine längere Kontaktpause brauche. Die wollte er aber nur, wenn ich mich mit ihm um die Weihnachtszeit in Magdeburg treffe. Aber ein Treffen schließe ich aktuell aus. Tatsächlich weiß ich, was mir gut tun würde, aber ich kann diesen klaren Schnitt (aktuell) nicht setzen. Aber sowohl ich als auch mein ganzes Umfeld merken, dass es mir unter dem Kontakt wieder schlechter geht und ich es eigentlich komplett beenden sollte. Wer weiß, was die nächsten Wochen noch bringen werden.

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Sorry, wenn es zu lang ist, aber es musste einfach mal von meiner Seele. :see_no_evil:

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Ich habe es gelesen.
Ich kann es im Chat kommentieren.

Hallo Tobi, sicher tut es Dir gut, Deine Lebensgeschichte von der Seele geschrieben zu haben. Ich hoffe, Deine Seele hat nicht zu viele Narben behalten. Ich finde Deine Lebensgeschichte spannend, Danke dass ich teilhaben durfte.
Wir sind doch Alle auf der Suche nach Geborgenheit, Liebe, Vertrauen und Glück. Und das klappt nicht immer ganz Geradlinig.
Schöne Feiertage und alles Schöne und Gute für Dich in 2023 und darüber hinaus!

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Vielen Dank :innocent: Irgendwie wächst man auch an den Narben und durch die letzten Wochen konnte ich auch einiges über mich lernen, was mir in Zukunft auch helfen wird, da bin ich mir ziemlich sicher. Dir auch schöne Feiertage und alles Gute für 2023 :smile: