Ehemann

7

Die Frage

“Wir kommen zu spät zu den Wasserspielen!”, rief Mark und sprang von der Bank auf, auf der er auf uns gewartet hatte, als wir ihm entgegenkamen. Die Wasserspiele fanden neben an in Planten un Blomen statt. Wir waren wirklich spät dran und hatten zudem auch noch keinen blassen Schimmer, wo die Wasserspiele in diesem weitläufigen Park stattfinden sollten. Als wir den Ort endlich gefunden hatten, waren sie bereits im vollen Gange.

Mark eilte sofort durch die Menge nach vorne ans Wasser; Colin und ich blieben zurück, von wo wir ohnehin genug sehen konnten. Auch die Musik, die dazu abgespielt wurde, war hier hinten gut zu hören. Vorne standen die Zuschauer zudem alle sehr eng gedrängt.

Eine Weile schwiegen wir. Dann fing Colin an, zu erzählen.

“Ich hab früher mit meiner Schwester immer ‘Barbie und der Nussknacker’ geschaut.”

“Wegen deiner Schwester?”, fragte ich, da ich mir nicht sicher war, ob er es aus Eigeninteresse angesehen hatte.
“Nee. Ich fand das damals toll. Heile Welt und so. Weißt du?”
Ich lernte immer neue Seiten meines Ehemanns kennen. Viele Schwule hatten ihre Erlebnisse oder Werke, die für sie ein wichtiger Halt und Vorbild gewesen waren. Das war also seine Geschichte.

Der Abend war noch nicht vorbei: Den Abschluss bildete ein Feuerwerk auf dem Dom. Wenig später waren wir wieder drüben auf dem Heiligengeistfeld; Mark wieder etwas abseits - diesmal weil er Feuerwerk liebte und währenddessen alles andere vergaß.

Colin und ich standen beisammen und starrten hoch in den Himmel. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, eine Frage stellen zu müssen, die unsere Verbundenheit als Ehepartner vertiefen könnte.

“Du willst mal Kinder, richtig?” Das hatte er mir mal erzählt; die Frage war eher rhetorisch gemeint. Er hatte seinen Bruder sehr gern und konnte sich auch vorstellen, eigene Kinder zu haben. “Lieber ein Junge oder ein Mädchen?”, fragte ich.
“Ist mir völlig egal. Kinder sind toll. Aber welche zu adoptieren, wird schwierig.”
Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, Kinder zu haben. Andererseits verspürte ich den Wunsch, ihm diesen Traum möglich zu machen. Ich stellte mir vor, wie es wäre, mit meinem Ehemann zusammenzuleben.
Ich ließ einige Augenblicke verstreichen, dann unterbreitete ich ihm einen Vorschlag. Seine Reaktion konnte ich absolut nicht einschätzen, hatte aber den Eindruck, dass er mich auch sympathisch fand.
“Was hältst du davon, Silvester zu mir zu Besuch zu kommen? Gerne auch ohne Mark.”
Ich konnte es kaum erwarten, zu wissen, was er darüber dachte.
“Gerne. Aber ist das nicht unfair Mark gegenüber?”
“Mit dem hab ich mich doch auch schon ohne dich getroffen. Außerdem kann er meinetwegen das Silvester darauf kommen.”
“Okay, ja, das wäre toll!”
Ich war unglaublich erleichtert.
Es war, als wenn wir jetzt eine Art Geheimnis teilten.

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